Archive for the ‘meta’ Category

1859

Februar 16, 2022

Wenn man spürt, was sich

hinter einem Klick verbirgt,

und es leider stimmt.

1858

Februar 16, 2022

Die and’ren sterben.

Unser’n Tod nicht mitkriegend,

sind wir unsterblich.

1855

Februar 12, 2022

Gestern geschrieben,

zu persönlich für das Blog,

heute schon nicht mehr.

1851

Februar 12, 2022

Habe ich gelebt?

Bin ich nur alt geworden?

Leben, das will ich.

1847

Februar 9, 2022

Raumzeit durchschreiten.

Jeder Schritt ein Zeigerschlag.

Mein Leib Projektil.

1836

Februar 5, 2022

Eigentlich will ich

aufhören mit den Haiku,

doch ich schaff‘ es nicht.

1832

Februar 5, 2022

Die Sonne weckt mich.

Zumindest einen Leser

scheint’s Blog zu haben.

1826

Februar 4, 2022

sich freuen über

mehr als dreizehn Aufrufe

und man war es selbst

1821

Februar 1, 2022

Haiku: Pfeil ins Herz.

Unmittelbar mitteilbar.

Sinne als Sehne.

1819

Februar 1, 2022

In Vergangenheit

abschweifende Gedanken

vor Weckerklingeln

[habe vorher das hier gehört]

1818

Januar 30, 2022

Drei Kinder im Wald.

Vom reich werden durch Armut.

Nürnberger Gärtner.

[Alexander Kluge – 30. April 1945, Teil 2]

1812

Januar 25, 2022

Verschwörungsgläubig:

Im Labyrinth verlaufen,

Faden vergessen.

1793

Januar 15, 2022

Es gibt Hoffnung, dass

diese Welt noch nicht gegen

die Wand gecrasht ist.

1790

Januar 15, 2022

Die Welt wär‘ besser,

wenn die Leute mehr sprechen

als texten würden.

1781

Januar 11, 2022

Nüchternheit, heilig

Wehmut, existenziell

Wachheit, zweischneidig

1773

Januar 5, 2022

Aug‘ und Ohr offen,

losgehen, nichts erwarten

und es fliegt dir zu.

1770

Januar 3, 2022

Mein Neujahrsvorsatz:

weniger sparen, dafür

mehr konsumieren.

1767

Januar 3, 2022

Nugget aus Worten,

schwarz auf weiß ausgewaschen

vom Strom des Lebens.

1763

Januar 2, 2022

Geist, Aura, Stimme.

Möchte ihr ewig lauschen.

So inspirierend.

[Laurie Anderson: Spending the War Without You, part 1]

1740

Dezember 25, 2021

Der Weihnachtsbrief als

die vorweggenommene

Todesanzeige.

1734

Dezember 24, 2021

Die Erinnerung:

Aus der Hälfte der Teile

besteh’ndes Puzzle.

1732

Dezember 23, 2021

Wir sind ungetrennt

vom Ganzen vor der Geburt.

Nach dem Tod dito.

[inspiriert von der ersten Seite von Lou Andreas-Salomés Lebensrückblick]

1720

Dezember 12, 2021

Aus siebzehn Silben

von Zeit verwehtem Moment

Gedenkschrein bauen.

1719

Dezember 11, 2021

Die Kunst des Haiku:

Was da grade passiert ist

auf den Punkt bringen.

1707

Dezember 6, 2021

Zweitausendeins als

es noch kaum Blogger gab

und viel Resonanz.

1706

Dezember 6, 2021

Warum nur flüchten

wir uns in die Fiktion

und nicht ins Leben?

1698

Dezember 4, 2021

Seit zwanzig Jahren

Gefühl zeitlicher Sequenz

völlig verloren.

1697

Dezember 3, 2021

Die wirklich Großen

werden immer erst entdeckt,

wenn sie schon tot sind.

1689

November 26, 2021

Die Vernunft, nicht ich,

hat heute mal gewonnen.

Lang sah’s anders aus.

1683

November 21, 2021

Schluss mit Gelaber.

Wollen wir Leben retten?

Impfpflicht und basta!

[inspiriert vom heutigen nicht mehr auszuhaltenden Presseclub]

1678

November 19, 2021

Wenn einem klar wird,

dass es den Rest des Lebens

nur noch bergab geht.

1677

November 19, 2021

Fühlst du dich machtlos,

so nutzt du jede Freiheit,

die man dir noch lässt.

1676

November 19, 2021

Zum Doktor gehen

im guten Glauben, dass er

einem helfen kann.

1675

November 19, 2021

Wie sich der Moment

zum Haiku kristallisiert

einen Tag später.

1672

November 19, 2021

Verschwörungsglaube:

Früher von Linken gehegt,

nun Rechtenbollwerk.

[adaptiert von hier]

1670

November 19, 2021

Nicht wählen können,

woran man sich erinnert

und was man vergisst.

[adaptiert aus Julia Franck – Welten auseinander]

1669

November 19, 2021

Im Bett frühmorgens

aufs Weckerklingeln wartend.

Sich nichtende Zeit.

1668

November 17, 2021

Eine Silbe fehlt

zum Ausbruch aus dem Kerker

der siebzehn Silben.

1667

November 17, 2021

Ohne ein Feedback

wären wir alle verwelkt

in kürzester Zeit.

1666

November 16, 2021

ich dachte immer

philosophie bedeutet

liebe zur weisheit.

[manchmal wandeln philosophinnen allerdings auch auf holzwegen]

1665

November 16, 2021

von allein passiert

in dieser welt rein gar nichts.

dafür sind wir da.

1659

November 10, 2021

Beim Blätterrechen

eine Erleuchtung gehabt.

Tschüß, Narrative.

1642

November 5, 2021

Täglich freuen, dass

eigenes Oberstübchen

noch halbwegs im Lot.

1634

Oktober 29, 2021

Jeder denkt, er hat

den besten Musikgeschmack.

Alle haben recht.

1630

Oktober 27, 2021

Schon mal jemand mit

besserem Musikgeschmack

kennengelernt? Echt?

Perspektivenwechsel

Oktober 5, 2021

Die quasi völlige Resonanzlosigkeit als Auszeichnung der eigenen Einmaligkeit verstehen. Warum beschäftigt mich dieses Thema immer noch? Neulich kam mir plötzlich wie aus dem Nichts die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Der andere ist der Sinn, das Teilen, die Kommunikation mit dem anderen. Natürlich, was sonst? Heute morgen auf dem Weg zur Arbeit nahm ich die U-Bahn statt des Rades weil es etwas regnete. Sie war proppevoll und ich hatte das Gefühl als würde ich nach dem Spurt, um sie nicht zu verpassen, unter meiner FFP2-Maske ersticken. Und dann hatte ich auch so ein Mini-Satori nachdem einige Leute am Wittenbergplatz ausgestiegen waren und ich einen Sitzplatz fand. In der Stadt versuchen die Leute sich gegenseitig auf Abstand zu halten, man wäre am liebsten ein Igel in der Masse. Körperkontakt mit den vielen um einen herum lässt sich kaum vermeiden aber menschlichen Kontakt gibt es kaum bzw. gar nicht. Auf dem Land bei niedriger Einwohnerdichte freut man sich, wenn man mal jemanden trifft auch wenn er fremd ist und kommt häufig miteinander ins Gespräch. Insbesondere wenn beide mit Hund unterwegs sind. Wo bin ich wohl lieber?

Oktober 5, 2021

Wir müssen uns eine demente Person als einen glücklichen Menschen vorstellen.

1606

Oktober 5, 2021

Zum Schluss die Frage

Wer wird zuerst verfallen?

Körper oder Geist?

1598

September 25, 2021

Wenn ich mal groß bin,

gründ‘ ich ’ne Band und nenn‘ sie

„Die Gemütlichkeit“.

1579

August 28, 2021

The motorik beat

drives us into the future:

eternal return.

[Cluster – Caramel]

1578

August 26, 2021

Viel mehr Haiku als

legale Schachstellungen.

Noch mehr Atome.

1567

August 25, 2021

Jedes Erlebnis

in siebzehn Silben schildern.

Verdichtungsmanie.

1558

August 14, 2021

mit kleinem gepäck,

zu fuß unterwegs zu sein.

mehr freiheit geht nicht.

1556

August 13, 2021

die welt erfahren.

zu fuß durch landschaft schreiten,

mitten in ihr sein.

1552

August 13, 2021

diese welt ist ein

riesiges gesamtkunstwerk

von allen wesen.

1537

Juli 23, 2021

Immer dann, wenn ich

Nachrichten nicht verfolgte,

gings mir am besten.

1477

Juni 9, 2021

Stürzt man zu Boden,

wenn der Lebensfaden reißt?

Schwebt man zum Himmel?

1476

Juni 9, 2021

Sanduhr des Lebens.

Es rinnt Körnchen für Körnchen.

Wirds Glas umgedreht?

1468

Juni 7, 2021

Am Ende sind wir

im Kampf mit der Wirklichkeit

nur zweiter Sieger.

1460

Juni 2, 2021

Ein Fremder blickt mir

entgegen aus dem Spiegel

der Vergangenheit.

1420

Mai 17, 2021

Vergangene Zeit

ist angesammelte, nicht

verschwundene Zeit.

[frei nach Gabriele von Arnim – Das Leben ist ein vorübergehender Zustand, S. 223, die es wohl von Janet Frame hat]

1416

Mai 16, 2021

Leuten, die and’ren

dauernd in das Wort fallen,

das Ohr nicht schenken.

Mai 12, 2021

nur so und so viel

zeit zu haben

in diesem leben

und nicht wissen wie viel

1394

Mai 11, 2021

Auf Distanz halten

des Erlebten mit Worten,

die es beschreiben.

[Gabriele von Arnim – Das Leben ist ein vorübergehender Zustand]

1388

Mai 8, 2021

Freude des Alters:

Immer wieder dieselben

Stories erzählen.

1380

Mai 7, 2021

Für ’ne Zeitreise

in meine Vergangenheit,

würd‘ ich viel geben.

1361

Mai 1, 2021

Dreh‘ Haiku nach links:

Zwei Bälle in den Händen,

ein Ball in der Luft.

1357

April 30, 2021

Bewusstseinstropfen,

Lebenszeichen, Souvenir,

Snapshot, Kurzgedicht.

1346

April 26, 2021

Stell dir vor, du hast

noch exakt siebzehn Silben

bevor dein Kopf rollt.

1343

April 24, 2021

Alt: die anderen.

Mit sechsundfünfzig alt sein.

Das Ich altert nicht.

[Der zweite Satz ist von Hippokrates, der dritte von Hannah Arendt. ]

1337

April 23, 2021

Den Garten Eden

erkennt man erst im Rückblick

nach der Vertreibung.

1335

April 22, 2021

Die alten Blogposts

und der sie geschrieben hat.

Fremd und doch vertraut.

1334

April 22, 2021

Wie lange kann man

in einer Lüge leben?

Das ganze Leben?

1299

April 8, 2021

Brosamen können

Vogelscharen ernähren

doch keine Menschen.

Musikgeschmack

April 8, 2021

Man kann sich nicht dagegen wehren, Musik – beim ersten Hören – zu mögen oder nicht zu mögen. Und trotzdem denkt man, man hätte in freier Wahl entschieden. Ansonsten wäre man in seiner Eitelkeit tief gekränkt. Trõstend kann hier sein, den Sachverhalt anders zu formulieren. Das erste Musikurteil kommt von ganz tief innen, ist sozusagen ein untrennbarer Bestandteil von einem selbst. Es kann sein, dass es sich nach mehrmaligen Wiederhören ändert, aber auch das hat man nicht in seiner eigenen Hand. Man kann es auch so sagen, wir sind zu uns selbst verdammt oder positiv gesagt, wir dürfen wir selbst sein.

Und was ich auch als sehr tröstend empfinde, die Musikvorschlagsalgorithmen, die mir bisher untergekommen sind, versagen fast komplett, meinen Geschmack vorherzusehen. Jedenfalls mehr als wenn ich mir selbst nach Besprechungen bzw. oft nach meiner Vertrautheit, meiner Hörgeschichte, die Musiker aussuche, deren Stücke ich dann höre. Was mir der Algorithmus vorschlägt ist oft extrem langweilig, wie ein Amalgam aus Sachen, die ich schon kenne. Ich bin aber scharf auf das Neue, nicht auf Recyceltes. Und es scheint so zu sein, dass ich selber besser vorhersehen kann, wer bzw. was mich positiv überraschen kann als die Maschine. Da muss die KI noch etwas dran arbeiten. Oder besser nicht.

P.S. Eigentlich wollte ich ja darüber schreiben, dass ich gelegentlich sehr überrascht bin, was Leute, deren Musikgeschmack ich normalerweise mehr oder weniger teile, manchmal für – in meinen Ohren uninteressante – Musik mögen. Aber davon vielleicht ein anderes Mal.

1296

April 7, 2021

Zweite Zeile steht

wie Brustwarze aus Haiku

singulär hervor.

1295

April 7, 2021

Im Haiku treten

Silben über die Ufer

im mittleren Vers.

1294

April 7, 2021

Understatement als

Täuschungsmanöver, nur um

nett zu erscheinen.

1293

April 7, 2021

Wenn alles gut ist

und man nichts mehr ändern will,

ist man wirklich alt.

1291

April 7, 2021

In siebzehn Silben

den Leser zu ent-täuschen:

leicht und schwer zugleich.

1278

April 3, 2021

Fluch oder Segen?

In Nebengalaxien

trifft man fast niemand.

1270

April 1, 2021

Längst Vergangenes

gehüllt in schimmerndes Licht

der Erinnerung.

1269

April 1, 2021

Konzentration.

Überflüssiges streichen.

Diamantschleifen.

1261

März 31, 2021

Wie sich Probleme

immer wieder am besten

von allein lösen.

1255

März 28, 2021

Ganz locker bleiben.

Etwas erzwingen wollen,

führt selten zum Ziel.

März 28, 2021

Wir täuschen uns, wenn wir den Tod nur immer vor uns sehen, ein großer Teil von ihm liegt bereits hinter uns, hinter mir, es ist die Zeit, die ich bisher durchlebt habe, die hat der Tod schon. [Sigrid Damm, Wandern – ein stiller Rausch, S. 173]

1253

März 28, 2021

Ein paar Worte nur.

In die Welt hinausgekotzt.

Fast ohne Echo.

1240

März 24, 2021

Spiegel eigener,

jugendlicher Arroganz:

Bücherschrankinhalt.

1236

März 24, 2021

Der von Jahr zu Jahr

schrumpfende Möglichkeitsraum

von jedem Menschen.

1215

März 19, 2021

Flaschenpostbriefchen,

in den Ozean des Webs

hinausgeworfen.

1214

März 19, 2021

Wer ist bloß der Mann

mit grauer Igelfrisur

im Spiegel im Flur?

10010111101

März 19, 2021

In hundert Jahren

längere Nummerierung

als Silbenanzahl.

1209

März 19, 2021

Die vermeintliche

„geplante Obsoleszenz“:

Staub in Cinchbuchse!

1205

März 17, 2021

Nichts kann so klein sein,

dass kein Haiku darüber

zu schreiben wäre.

1203

März 17, 2021

Unter den Lesern

ein Onlinebetrüger, der

Wein für sich bestellt?

1196

März 15, 2021

Jonglieren ist wie

Meditieren mit Folgen.

Abschweifung rächt sich.

1182

März 11, 2021

Intervallfasten:

Schon abends freue ich mich

aufs Müslifrühstück.

1181

März 11, 2021

Smartphonelautsprecher

zum Musikhören nutzen.

Künstlerbrüskierung.

1179

März 10, 2021

Neue Begriffe

häufig ebenso hässlich

wie ihr Signifikat.

1178

März 10, 2021

Hohe Algebra.

Teilen verdoppelt Freude

und halbiert Leiden.