Auf mittlerer Spur.
Überhole Laster, der
mich nach links abdrängt.
Auf mittlerer Spur.
Überhole Laster, der
mich nach links abdrängt.
Ätherischer Duft
von Walnüssen nach Lösen
der weichen Schale.
Mutter raucht auf Bank,
kommuniziert mit Baby
und blendet Welt aus.
Einsame Runde.
Fußschmatzen auf Wiesenweg.
Boden saugt sich voll.
Haselnuss sägen
und auf Wiese genießen.
Der kleine Racker.

Kopf steil aufgestellt,
den Apfelbaum hochgerast:
Eichhörnchen auf Flucht.
Die Strasse ist feucht.
Der wolkige Morgen graut.
Kleiner Wiesenjog.
Gemeinsam am Tor
vom Nachbarn. Er spricht mit ihr,
ich bin Luft für ihn.
Wo kommen sie her,
alle diese Menschen in
den Streuobstwiesen?
Der fast halbe Mond
etwas nach hinten gebeugt
heute mit Halo.
Sennenhündin spielt
hinter der Pappelreihe
Katz und Maus mit uns.
Doch, die Mondsichel
hat sich gedreht. Erst lag sie,
dann war sie aufrecht.
Einfach totstellen
in der Natur und um dich
erwacht das Leben.
Ein Galloway schleckt
sein ausgewachsenes Kalb
mit der Zunge ab.
Ein dumpfer Aufprall.
Noch einer. Jetzt minütlich.
die Apfeluhr tickt.
Vater mit Baby,
der dasteht mit Ohrhörern,
daran rumnestelnd.
Pop-up Fußpfade
in den Streuobstwiesen, um
Distanz zu wahren.
Auf dem Tennisplatz
wird bei jedem Schlag gestöhnt.
Aus Lust? Leid? Beidem?
Die Sonne steht tief.
Mein Schatten ist gigantisch.
Bald ist Dämmerung.
Wie weggeblasen
ist der Blues nach ’ner Stunde
Spaziergang zu zweit.
Ziegen lassen sich
dornige Brombeerblätter
auf Zunge zergeh’n.
Die Vogeltränke
bekommt Besuch von der Maus.
Welch süßes Schnäuzchen!
Auch vor dem „Schachfeld“
mit dem Jüngeren macht Ernst
bella figura.

A. Paul Weber: Ernst Jünger und Friedrich Georg Jünger beim Schachspiel, 1935
In Sachsen-Anhalt
drehen sich viele Windräder
heute trotz Wind nicht.
Fünf Spatzen baden
unter Wasserhandpumpe.
Bis ich sie sehe.
Daten im Kontext.
Meist nicht so sensationell
wie alleinstehend.
Wagen ist durch TÜV.
Vorderachse korrodiert.
Er ist jetzt neunzehn.
Make a song your own:
Sing the tune, improvise, let
it fade out slowly.
Zecke macht Köpper
von Hecke zu Schlafstatt Hemd
in meinen Schenkel.
Ein Einkaufswagen
nachts in den Streuobstwiesen.
Ich höre Stimmen.
Gefühl, Zärtlichkeit.
Hingetupfte Perfektion.
Für Romantiker.
Ringeltaubenpaar
vertreibt den Artgenossen
aus uns’rem Garten.
Maisernte morgens.
Mähdrescher und Anhänger
gut synchronisiert.
Es lärmt und es staubt.
Schlepper zieht Steinsammler, der
die Erde wegsiebt.
Kleine Birnenfrucht,
die süßlich, bitter-pelzig
schmeckt: der Speierling.
Eine Familie
mit kleinem Hund weicht uns aus,
geht abseits des Wegs.
Auf der Bank sitzend:
Vor uns fliegt ’ne Schwalbe tief
immer hin und her.
Unter dem Deckel
des Komposthaufens schwirren
Fruchtfliegen en masse.
Hunderte Krähen
picken friedlich auf dem frisch
gepflügten Acker.
Der Duft des Fenchels
ist im Dunkeln süßlich,
schwer und intensiv.
Ein Berner, der sich
in seine Ecke verzieht.
Völlig verängstigt.
Die Sonnenblumen
lassen die Köpfe hängen.
Sie sind ausgeblüht.
Die Schwerkraft hat sich
um die Haselnussernte
sehr verdient gemacht.
Die Abendsonne
wärmt geschlossene Lider
auf der Terrasse.
Schraubendreherbit
verloren. In Kompostsack
wiedergefunden.
Kleine Zehen von
schwarzer, steinharter Hornhaut
mit Raspel befreit.
Nach Aufstehen schwarz
vor Augen. Zu niedriger
Blutdruck für Größe.
Trompetenblume
wächst bis unter den Balkon.
Wespen lieben sie.
Weiße Pfirsiche
vom Nachbarn, der sie jetzt nicht
mehr alleine schafft.
Eibe geschnitten
mit schwerer Heckenschere.
Der Bizeps freut sich.
Im Garten springen
ein schwarz- und zwei rot-braune(s)
Eichhörnchen herum.
Gehe so lange
bis die Feder entspannt ist.
Bin Aufziehmännchen.
Die Grillen zirpen.
Fledermäuse fliegen tief.
Es riecht nach Fenchel.
Sie ist gewandert,
hat Schüler unterrichtet
und ist gepaddelt.
[sinngemäß aus einer Trauerpredigt]
Bei der Geburt ist
niemand alleine, beim Tod
sind es sehr viele.
Von der Autobahn
ist der Inselsberg schon vor
Erfurt zu sehen.
Zur Bülowstraße
und zurück dauert so lang
wie Geogadii.
Trete aus der Tür.
Lächelnd sagt sie mir, dass sie
mich verwechselt hat.
Beine kämpfen noch
mit Start-Stopp-Automatik
an roten Ampeln.
Der Frisör schützt mich
mit seiner Maske. Mir wird
sie abgenommen.
Wie geht es weiter?
Vacha – Eschborn? Alb-, Rennsteig?
München – Venedig?
Der Übergang von
gehender zu sitzender
Tätigkeit: schwierig.
Wie aus heiterem
Himmel: Jemand verschwindet
als wir nicht da sind.
Der Regen setzt ein.
Allein mit dem Busfahrer
’ne Stunde im Bus.
Verschlafener Ort.
Im Eiscafé Eiskaffee.
Und Pilgerfreunde.
Mein Geschenk an Dich:
Mobile Waldzweisamkeit
für rund fünf Stunden.
Hohe Baumstapel
links und rechts. Der Buchenwald
lichtet sich deutlich.
Erstmals ist’s Wasser
aus der Trinkflasche zu kalt.
Ende des Sommers?
Reife Brombeeren
am Wegesrand fallen uns
in die Handteller.
Die Gehmaschine
übernimmt die Kontrolle.
Wir sind Roboter!
Es klopft an der Tür
um halb sieben. Der Wirt bringt
die Frühstückseier.
Wirt quatscht an der Tür.
Und kommt wieder. Columbo
lässt herzlich grüßen.
Runter vom Rennsteig,
rauf auf den Straßenasphalt.
Hi, Via Regia.
Runter und rauf und
Rastbänke und Aussichten.
Ein Wanderertraum.
Trinken, ums Gewicht
des Rucksacks zu verkleinern,
nicht gegen den Durst.
Man ordert, zahlt und
überbringt die Bestellung
an die Küche hier.
Unser Stadtführer
hat im Schrank dreiundzwanzig
Paar rote Schuhe.
Nach strapaziöser
Etappe im Schlaf wieder
gut regeneriert.
Habe mich über
viel Hartbelag bis hierher
geschleppt. Weiß nicht wie.
Den Weg mit Füßen
acht Stunden am Tag streicheln,
macht was mit einem.
An meiner Seite
ein Luchs, der Markierungen
von weitem erkennt.
Bänke kommen nie,
wenn man sie braucht und wenn doch,
dann sitzt jemand drauf.