Ich gähne, ich frier‘,
es juckt am ganzen Körper,
ich habe Hunger.
Ich gähne, ich frier‘,
es juckt am ganzen Körper,
ich habe Hunger.
Ich öffne Haustür.
Spatz auf Meisenknödel schlüpft
in Eibenhecke.
Nicht genug Selbsthass,
um auf dem Ergometer
zum Ziel zu kommen.
Rotkehlchen im Beet.
Der Revierbesitzer kommt.
Abflug Nummer eins.
Bei der Jonglage
niemals einen Extratrick
gelernt zu haben.
Souliger Ohrwurm
mit positiver Botschaft
und fetten Bläsern.
[Katharina Schwerk – Reden von der neuen CD Beziehungsweise. Der Ehrlichkeit halber muss ich hinzufügen, dass wir verwandt sind]
Sonnige Runde
auf Streuobstwiesenweg samt
Plausch mit zwei Nachbarn.
Die Kornelkirsche
voller Blüten und Flechten
in gelb, grün, hellbraun.
Berlin nach Frankfurt.
Ab A5 kein Fluss wegen
Rasern und Schleichern.
Spanakopita.
Knisternde Filoblätter.
Vorsicht explosiv!
Die Unstetigkeit,
dauernd zu überholen
auf belebtem Weg.
Ein zärtlicher Kuss,
frappant frei interpretiert.
Besser als Stille.
[João Gilberto – Bésame mucho, über diesen profunden Artikel]
Leben ist Rhythmus.
Wenn die Trommeln verstummen,
ist das Ende nah.
Wie Leonore
Kleidungsstücke fallen lässt
auf dem Weg hinauf.
[Detail aus Das bist du von Ulrich Peltzer]
Als ich ankomme,
wenden beide Eichhörnchen
auf dem Lindenstamm.
Spatzengejubel
als ich den Meisenknödel
ins Gebüsch hänge.
Gleich nach Aufstehen
täglich zwanzig Minuten
aufräumen, putzen.
[Rat eines Japaners von hier]
Notizen als Zaum
gegen Vergaloppieren.
Mehr Stimme wagen!
Bei uns verboten.
Wetten auf Hunderennen.
Tierlobbyerfolg.
Morgendämmerung.
Amselgezwitscher im Hof.
Odysseus‘ Wachstrick.
Regeneration
der Füße nach langem Marsch:
Wunder des Körpers.
Nach zwei Stunden Fahrt
mit FFP2-Maske
endlich aufatmen.
— oder —
Die verbrauchte Luft
in FFP2-Maske
nach zwei Stunden Fahrt.

[Wedding, Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal]
Vor Friseursalons
Schlangen bis auf Bürgersteig,
die sich auflösen.
Tastuntersuchung
von Hoden und Prostata
durch Urologin.
Am Rand der A9
zwischen Leipzig und Potsdam
zig Streifenwagen.
Ostautobahnen.
Kleine Tempovarianz.
Entspanntes Fahren.
Hinter den Bergen
im Rückspiegel verschwindet
orange Sonne.
Zwei Nager erwischt
im Blumenbeet, die panisch
zum Kompost flüchten.
Auf Lokus im Bad.
Blick auf senfgelbe Kacheln.
Rausch ohne Droge.
Chihuahua
verrückt nach Sennenhündin,
die ihn nicht bemerkt.
Die weiße Katze
schleicht in Dämmerung ums Haus.
Jetzt nicht Ratte sein.
Auf dem Weg ein Hund,
humpelt, bleibt steh’n, guckt mich an
voller Erwartung.
Im Regen klettert
Ratte Deutzienzweig hoch
zum Meisenknödel.
Öffne Balkontür.
Blick hinunter ins Gebüsch.
Spatzenschar fliegt auf.
Gebe Ahornfrucht
auf dem Fenstersims ’nen Schubs:
Hubschrauberlandung.
Die Füße sinken
mit jedem Schritt leicht ein in
feuchten Lössboden.
Die Augen schließen,
unter die Decke tauchen
in den tiefen Schlaf.
Gegähnt, gerechnet,
rückgeschnitten, gehäckselt,
eingekauft, gequatscht.
Woke up in clean sheets.
Bed made of jangly dream pop.
Fluffy ear candy.
[The Luxembourg Signal – The Morning After from the album The Long Now]
Apfelbaum frisiert.
Zig Wassertriebe gestutzt
bei schönstem Wetter.
Pulsierender Bass.
Falsetto, das sich anschmiegt.
Tonaler Kollaps.
[Massive Attack – Girl I Love You vom Album Heligoland, anlässlich von Horace Andy’s 70. Geburtstag gestern]
Die Sennenhündin
versteht nicht wieso alle
vor ihr Angst haben.
Biobananen
von Labels erlöst, die mit
Schale verbacken.
Ich glaube es nicht,
halbtrockener Retsina.
Das Weltende naht.
Ein Jonglierball jagt
dem anderen hinterher
bis sie sich kriegen.
Damals mit Koffer
Sils Maria – Sankt Moritz
in der Nacht zu Fuß.
00000
1101011
01001
Baumsilhouetten
vorm blauen Abendhimmel.
Wurzeln der Lüfte.
Der Schnee verschwunden.
Draußen Grau-, Rot-, Grüntöne.
Frische, feuchte Luft.
Eine Melodie,
einfach und herzergreifend.
Ein kleines Wunder.
[Mark Robinson (Unrest) – Imperial, vor dem Kölner Dom]
Eintausend Würfe
bei der Dreiballjonglage.
Rund fünf Minuten.
Das Knacken hört auf.
Das Eis hauchdünn, unsichtbar.
Rutschend find‘ ich Halt.
Sich immer schneller
um eigene Achse dreh’n,
ohne zu fallen.
Vom Strudel verschluckt.
Im Ohr Sirenengesang.
Endlich bewusstlos.
[Pumarosa – Honey von ihrem Debütalbum Witch]
Unruhiger Schlaf.
Ab eins stündlich aufgewacht.
Vom Hunger geweckt.
Sonne, Eis und Schnee.
Frankfurt- und Odenwaldblick.
Beide ausgerutscht.
[Dreiburgenweg Kronberg- Falkenstein-Königstein, von zu Hause, 24.800 Schritte, 4 1/2 Stunden] ]
Dialogue au lit:
„Je ne veux pas ta couette.“
„Tu ne l’auras pas.“
Let’s bounce and have fun.
Smile and stare into the sun.
Wait, what did you say?
[Girl Ray – Show Me More from the album Girl]
Starenschwarm besorgt
unverzügliche Leerung
der Futtersäule.
Sennenhündin wischt
Australian Shepherd eine
mit ihrer Tatze.
Sennenhündin rutscht
vereisten Weg hinunter.
Geschwindigkeitsrausch.
Some music sends chills
down my spine, other music
sends down waterfalls.
[Meshell Ndegeocello – Waterfalls (by TLC) from Ventriloquism]
Hätte nie gedacht,
mich je zurückzusehnen
nach dem Fernsehen.
Kahler Baum am Rand.
Repetitives Zwitschern.
Eine Blaumeise!
Trip zum Komposter.
Frau Amsel im Futterhaus
lässt sich nicht stören.
Please sing me to sleep
with your soft, gentle whisper
full of serene love.
[Joan Shelley – Teal from the wonderfully named album Just Like the River Loves the Sea]
Mieten sinken leicht,
Wohnungspreise auf Höchststand.
Warten auf den Crash.
Wieder im Warmen.
Das Auftauen der Füße.
Abwechselnd kalt-heiß.