„Schlaues“ Gelaber
Praktischer Nährwert gleich 0
Zurück in den Schrank!
[Otfried Höffe – Die hohe Kunst des Alterns. Kleine Philosophie des guten Lebens]
Direkt vor Bühne
Dichter, dynamischer Sound
Jeder macht sein Ding
[Giant Sand, Danish line-up@Lido, Berlin]

Nuclear missile
Hitting USA mainland
In eighteen minutes
[Kathryn Bigelow – A House of Dynamite, 9 out of 10]
Draußen herbstet es
Unter Decke verkriechen
Balladen hören
[Say She She – Little Kisses]
Im Laden fällt mir
Luftpumpe runter, die mir
junge Frau aufhebt
Auf- und Abwogen
Ins Gehirn eingeschrieben
Geister mit Körpern
[The Police – Spirits in the Material World von Ghost in the Machine, 1981, via]
Von Autobahnen
Auf Raststätten abfahren
Nach Trampern gucken
In der Geiselhaft
ist einer ihrer Freunde
erschlagen worden
Is it just a walk
in a New York winter when
the ice is cracking?
[Suzanne Vega – Cracking, 1985]
Dionysos, Gott
des Rausches, der Ekstase
Kater inklusiv
Mit dem Bass schwingen
Intrikates Mannschaftsspiel
Kammerjazzmusik
[Oregon – Yellow Bell von Out of the Woods, 1978]
Heute ist unser letzter Tag auf der Rundtour durch die Fränkische Schweiz. Wir haben es etwas eilig, weil C. um 16h50 den Schienersatzverkehrsbus von Pegnitz nach Nürnberg kriegen muss und die Etappe nach der Wegführung ca. 26 km lang sein sollte. Daher frühstücken wir um 7. Die Hausherrin brät uns Spiegeleier und wir genießen die würzige, geräucherte Stadtwurst.
Um 5 vor 8 sind wir auf der Piste. Es ist stark bewölkt und tröpfelt im Laufe des Wandertags auch immer wieder, wir werden jedoch von Regengüssen verschont.
Aus dem Ort raus gehen wir den markierten Weg durch den Wald, der direkt nach Riegelstein führt und den Track über die Straße nach Schermshöhe abkürzt. Abkürzen werden wir heute noch öfter, so dass wir am Ende rund 6 km einsparen können, was dem schnellen Fortkommen sehr förderlich ist.
Es geht nach Osten unter der A9 durch, ich zähle 42 Schritte, also gut 30 Meter für die 4+2 Spuren. Nach gut eineinviertel Stunden kommen wir in den größten Ort auf der heutigen Etappe, Plech. Vom Gottvaterberg hat man einen Blick über die größtenteils modernen Häuser der kleinen Gemeinde. Hier oben befinden sich die Felsenkeller, in denen früher Kartoffeln und Rüben sowie Bier gelagert wurden.

Hinter Plech kommen wir bald in den Veldensteiner Forst, einen Mischwald mit vielen intakten Fichten. Wir passieren die eindrucksvolle Felsformation Kuckucksloch.


An dieser Stelle muss ich mal wieder Kritik an den Markierungen anbringen. Das grüne Nr. 5 Dreieck, das unseren Weg markiert, führt uns raus in die offene Landschaft – der Track wäre weitergegangen im Wald – und wird dann nicht mehr weitergeführt. Das ist kein Einzelfall. Natürlich ist es mit der Wander-App kein Problem wieder zum Weg zurückzufinden, der dann übrigens noch etwas abkürzt. Aber es ist doch irgendwie nervig, wenn man den Markierungen nicht so richtig trauen kann. Häufig gibt es auch Schilderwälder mit 3 verschiedenen Wegen in denselben Ort mit 3 verschiedenen Distanzen, an denen man anhalten muss, wenn man sie lesen möchte. Unser Weg ist da häufig gar nicht mal dabei. Beliebt sind auch Markierungen genau an Abzweigungen, wo unklar ist, ob der Weg geradeaus weitergeht oder abzweigt. Mit anderen Worten m.E. kann man sich die Markierungen komplett sparen. Außerdem gehen ja sowieso alle nach ihrem Handy.

Die Waldwege im Veldensteiner Forst sind schön breit und wir kommen gut voran. So nah am Flow wie heute war ich während der ganzen Wanderung bisher nicht. An zwei Stellen können wir über Anstiege abkürzen.

Für die Pause, wo wir die beim Frühstück geschmierten Stullen – Alufolie gab es auch – verzehren, brauchen wir keine zehn Minuten.
Wir kommen jetzt zum Großen Lochstein, der mich doch sehr an den Kuhstall in der Sächsischen Schweiz erinnert, er ist nur deutlich kleiner, aber man kann auch sehr schön hindurchsehen in den Wald auf der anderen Seite.

Wir erreichen schließlich Horlach, von wo wir direkt nach Pegnitz auf dem Rad-Fußweg spazieren. Kurz nach eins nach gut 5 Stunden und einem Schnitt von fast 4 km/h sitzen wir im Café von Kaufland beim wohlverdienten Cappuccino. Ich bringe C. zum Bus am Bahnhof. Dann gehe ich noch einmal durch den Ort zur Egidienkirche. Es ist zwar wieder jemand in der Kirche, als ich die Pforte öffne, aber er studiert „nur“ das „Gästebuch“, so dass ich endlich mein Foto von den Emporen mit den vielen Fenstern machen kann. Obwohl es draußen bewölkt ist, ist die Kirche trotzdem herrlich erleuchtet.

Ich versuche noch vergeblich, in zwei Läden und später dann an einer Autobahntankstelle den Spiegel zu bekommen, den ich in der Badewanne zuhause in Berlin nach 4 Stunden Autofahrt lesen möchte. Aber dort gibt es nur haufenweise Illustrierte und Tageszeitungen, die Zeit der gedruckten Nachrichtenmagazine scheint endgültig vorüber.
Hier ist die Übersicht über unsere 5-Tage- Rundwanderung in der Fränkischen Schweiz Anfang Oktober 2025
Fernwanderungen
12 Stunden im Bett, 4 on
8 auf 2 Beinen
Gitarre schneidend
Hart, kreativ, melodisch
In Ohren läutend
[Kings of Leon – The Bandit, 2021 (via radioeins)]
Nach zwei Nächten in Obertrubach bewegen wir uns heute wieder vorwärts gen Startpunkt Pegnitz.
Das Wetter ist nicht ganz so schlecht wie gestern, morgens regnet es leicht, später ist es nur bewölkt und am Nachmittag, als wir schon angekommen sind, regnet es noch einmal.

Der Weg führt uns hinauf durch den Wald nach Hilpoltstein, die 5 km ziehen sich wie Kaugummi. Wir treffen nur einen Mann mit Regenschirm, der uns mit seinem braunen, in die Jahre gekommenen Labrador entgegenkommt.
Ich versuche mir, den Weg über die gelben und roten abgefallenen Blätter vom Vorjahr durch das Grün der Buchen schön zu reden. Jeder Schritt ein Genuss.

In Hilpoltstein gibt es eine geschlossene Brennerei, ein Gasthaus, das montags und dienstags Ruhetag hat, sowie einen Honigverkauf, der aufgehabt haben könnte. Außerdem die den Ort überragende Burg. Vom Cappuccino können wir weiter träumen.

Unser nächstes Zwischenziel ist die Burgruine Wildenfels. Der Track führt uns weglos steil hinauf durch Blättermassen, in die wir einsinken, bevor wir auf den richtigen Weg stoßen, den eine Gruppe von Sachsen hinaufgestapft kommt, sie hatten sich gegen die Querfeldeinvariante entschieden. Die Ruine wurde wohl befestigt, so dass sie nicht einstürzen kann. Es stehen außerdem noch Gebäudemauern.

Weiter geht es durch den Wald, wir bedienen uns an den köstlichen saftigen Birnen, die in mehreren Kisten am Waldrand stehen. Ein weiteres Highlight ist eine Pilzfamilie, laut Gugl ein Gallertiger Zitterzahn oder auch Eispilz.

Kurz bevor der nächste Schauer runtergeht, erreichen wir bereits gegen halb drei unser Ziel, die Hutzerstub’n in Spies. Die Hausherrin begrüßt uns schon von weitem. Wir duschen und werfen uns unter die warmen Bettdecken, uns ist kalt und es deutet sich mit den Halsschmerzen eine baldige Erkältung an.
Abends gibt es leckeres Rehgulasch – der Hausherr jagt – mit Spätzle. Dazu trinke ich ein süffiges Weißbier von Lindenbräu aus der Gegend.
Am Nachbartisch sitzt ein junges Paar, das wir schon am ersten Tag in Pegnitz in der Straße gesehen hatten. Sie kommen aus dem Frankenwald zwischen Bayreuth und Hof und sind u.a. auch den Malerweg gegangen, den sie wie wir sehr genossen haben.
Hier ist die Übersicht über unsere 5-Tage- Rundwanderung in der Fränkischen Schweiz Anfang Oktober 2025.
Autobahnrauschen
Man hört es und hört es nicht
6 km entfernt
Vor mir Altkönig
Nadelwald bis zur Kuppe
Hinter mir Sonne
Die Ratte lag da,
öffnete kurz die Augen,
hob nochmal den Kopf
Kürbissuppenzeit
Minze, Ingwer, Zitrone
Scharfer Frischekick
Zärtlicher Anschlag
Klavier, Bass, Drums im Einklang
Lyrisches Motiv
[Fred Hersch – The Surrounding Green]
In erster Reihe
Augen zu, durch Bauch atmen
Schwer werden, hören
[Nicolas Namoradze – Werke von Pärt, Debussy, Bach, Ligeti, Scriabin und Ravel @Kronberg Academy, Bechstein Saal]
Starenschwarm pulsiert
Toter Fuchs am Straßenrand
Buchenwald im Dunst
Rechts der Autobahn
Wolke aus dunklen Körpern
Hin- und herwogend
Zauber im Anfang
Maschine trifft Melodie
Zu Tod genudelt
[The Notwist – Pick up the Phone von Neon Golden, 2003]
Schlaflied deck mich zu
Wenn Saiten Schluckauf haben
Quietschen als Add-on
[The Montgolfier Brothers – Think Once More von The World Is Flat, 2002]
Möglich, doch sinnlos
Ein Leben ohne Gehen
Daher raus. Sofort!
[Robert Walser – Spazieren muss ich unbedingt. Vom Gehen über Stadt und Land]
Tanz und Traurigkeit
Ein hypnotischer Rhythmus
Ein tolles Duo
[Grandbrothers – We Collide]
Kollege trägt Helm
nach Radunfall, an den er
sich nicht erinnert
Die Badewanne
zum Überschwappen gebracht
Nasse Buchseiten
Zieh mich tief runter
Immer tiefer und tiefer
Denn da will ich hin
[dEUS – Bad Timing von Pocket Revolution, 2005]
Während der Nacht zieht ein Regengebiet durch, das laute Geplätscher weckt mich auf, ich kann aber nach einem Melatoninsprühstoß wieder einschlafen.
Nach einem ausreichenden Frühstück, wo wir auch ein Brötchen für unterwegs schmieren können, sind wir gegen 9 auf der Rolle.
Es geht wieder zurück durch die triste Wohnsiedlung, am Stadtsee an der B167 nach Bad Freienwalde entlang auf die letzte Etappe unseres kleinen Wanderabenteuers.

Im Wald sehen wir zwei Rehe, die nachdem sie uns gewittert haben, weit vor uns unseren Weg überqueren, dann aber feststellen, dass dahinter die Bahngleise verlaufen und wieder zurückrennen. Anschließend erreichen wir ein offenes Trockenrasengebiet, das zu DDR-Zeiten vom Militär zu Übungen genutzt wurde und wir kommen zum Ziegelbrennofen von Altgaul, dessen Schornstein seit geraumer Zeit von den Störchen als Nest genutzt wird. Das Storchenpaar scheint bereits in den Süden abgerauscht zu sein. Wenn man sich die Statistik ansieht, dann verschiebt sich der Abflug nach vorne, die letzten Jahre machte sich das Storchenpaar bereits um den 20. August in wärmere Gefilde auf. In Deutschland gibt es übrigens mit rund 1150 Exemplaren in Brandenburg die meisten Störche, Niedersachsen und Baden-Württemberg holen aber kräftig auf.

Weiter geht es an der eingleisigen Bahnstrecke entlang nach Altranft, wo am Wochenende die 650 Jahrfeier stattfand, der Ort ist entsprechend mit Wimpeln, Maiskolben, Kürbissen und jeder Menge phantasievollen Puppen geschmückt. Die Bühnen und Stände auf dem Hauptplatz werden gerade abgebaut.

Eine Frau aus einer Gruppe von Frauen, die abschmücken und aufräumen sagt uns, dass wir einen Tag zu spät gekommen sind. H. verneint dies. Ich preise die Einsamkeit des Wanderns und spüre eine Enttäuschung ihrerseits.
Ein Anwohner trägt ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „Lächle, du kannst sie nicht alle töten“. Darauf angesprochen, dass zwischen seinem missmutigem Gesichtsausdruck und dem Slogan offensichtlich eine Diskrepanz besteht, bleibt ihm die Spucke weg.
Im Gutspark steht das – natürlich geschlossene – Barockschloss, das heute ein Freilichtmuseum nebst Café beherbergt. Generell sind Montag und Dienstag in der Region meist Ruhetage für die Sehenswürdigkeiten. Im Park wird u.a. ein Mähsammelboot von 1975 ausgestellt, mit dem die Gräben im Oderbruch gekrautet wurden, d.h. die Wasserpflanzen wurden kurz über dem Grund abgeschnitten, um den Wasserabfluss sicherzustellen.


Wir kommen nun kurz vor Bad Freienwalde durch von Laubbäumen dominierten Mischwald zur Abbruchkante des Oderbruchs, man hat hier das Gefühl in einem Mittelgebirge zu sein, es geht permanent rauf und runter.

In Bad Freienwalde, wohin wir einen eigentlich von der Streckenführung des Oderlandwegs nicht vorgesehenen Abstecher machen, genehmigen wir uns im Rosencafé einen großen Kaffee mit Käsekuchen und kämpfen uns anschließend durch die ausgedehnte Baustelle im Stadtzentrum, wo der neue Kreisverkehr kurz vor der Vollendung steht. Wir kommen nun in den Schlosspark mit dem von David Gilly für die preußische Königin Friederika Luise Ende des 18. Jahrhunderts gebauten Sommerhaus, das 1909 von Walter Rathenau erworben wurde, der ihm seine heutige Form gab.

Hinter dem Schlosspark befindet sich der russische Ehrenfriedhof mit 1844 zum Ende des 2. Weltkriegs 1945 zum großen Teil in den nahegelegenen Seelower Höhen gefallenen Soldaten, ich finde sogar eine Inschrift vom 28.5.45.


Nun geht es aus dem Ort hinaus, die Abbruchkante des Oderbruchs hinauf zum Haus der Naturpflege, wo sich Kurt Kretschmann der Rehabilitation der Eule widmete. Wir verpassen erst den Abstecher, ich mache ihn dann alleine, während H. oben wartet. Das Haus ist heute mit dem umliegenden Garten – ich treffe die junge Gärtnerin, die sich nicht über fehlende Arbeit beschweren kann – ein Naturmuseum. Oben steht der acht Meter hohe Eulenturm, von dem man eine schöne Sicht auf die grüne Umgebung hat. Gegenüber kann ich in der Ferne den Aussichtsturm auf dem Galgenberg erspähen.


Wir gehen weiter durch Laubwald zum Teufelssee, wo ein einsamer, versteckter Angler sitzt. Hier machen wir unsere Mittagsrast und verspeisen den letzten Proviant, so dass die Rucksäcke für den Schlussteil der Wanderung, der uns über den 106 m hohen Märkischen Watzmann führen wird, federleicht sind.

Beim Aufstieg treffen wir einen anderen Wanderer in oliver Hose und Wanderstiefeln, der heute Morgen in Eberswalde gestartet ist und als Ziel Bad Freienwalde hat. Er ist begeistert von der vom Höhenprofil abwechslungsreichen Landschaft, die er so nicht erwartet hat. Wir treffen ihn später wieder im Zug zurück nach Eberswalde und dann Berlin. Er hat einen klitzekleinen Akzent, ich vermute einen Französischen.
Von hier haben wir eine schöne Aussicht über das Oderbruch, den Abstecher zum Bismarckturm ersparen wir uns, weil er geschlossen hat.

Nun geht es nur noch bergab nach Falkenberg, wo wir beim Fontanedenkmal an der Hauptstraße rauskommen. Das ehemalige Bahnhofshaus, das zunehmend verfällt, wird von Künstlern bewohnt. Dahinter stehen haufenweise alte Autos wie z.B. Trabis.

Jetzt, wo ich gerade in den Flow gekommen bin, nimmt unsere Wanderung ein Ende. Es gab viel Natur, aber auch die ein oder andere Sehenswürdigkeit zu entdecken, die in einzelnen Fällen sogar geöffnet war. Die nächste Tour ist schon in der Pipeline.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Oderlandweg vom 20.-22.9.2025.
Hund an der Leine
In gebührendem Abstand
folgt brav die Katze
Mit einem Fremden,
der nur serbisch und russisch
spricht quer durch Deutschland
Ich habe gehört
Es gibt Kirchen, in denen
tanzen sie alle
[Marvin Gaye – Inner City Blues (Make Me Wanna Holler) von What’s Going On?, 1971]
Wenn der Blitz einschlägt
Wenn sich dein Leben ändert
Wenn dein Herz stillsteht
[Moriarty – Hanoï Blue, live von Ghee Whiz But This Is a Lonesome Town, 2007]
Sich im Kreis drehen
Mehr als die Worte sagen
Gesten und Blicke
[Christian Petzold – Miroirs No. 3, 3 aus 5]
„passiv aggressiv“
Sie hielt mir den Spiegel vor
Ich war’s und war’s nicht
Rain rain go away
Come again another day
… baby wants to play
[Joan Shelley – Here in the High and Low]
Apokalypse
Nie waren wir dir näher
Teuflischer Soulsong
[Curtis Mayfield – (Don’t Worry) If There Is a Hell Below, We Are All Going to Go von Curtis, 1970]
Liebe auf Prüfstand
Jung sein und das Geld brauchen
Wie geht das wohl aus?
Vor mir zwei Rehe
eilen in weiten Sprüngen
über den Acker
Nazi ermordet
ihren Sohn. Seitdem lädt sie
täglich sein Handy.
Die Erde noch warm
Die Felder abgeerntet
Spinnweben glitzern
[Friedemann – Indian Summer vom gleichnamigen Album, 1987]
Unterm Walnussbaum
Sehe erst keine Nüsse
Und dann ganz viele
Speierlingsbaum steht
ganz allein, Äste gestutzt
Früchte weh’n im Wind
Spiritual jazz
Plädoyer fürs Einfache
Wir grooven uns frei
[Yusef Lateef – Like It Is von The Blue Yusef Lateef, 1968]
Künstler entdecken
einzigartige Landschaft
in Frühromantik
Hypnotischer Bass
Trip durch brodelnde Klänge
Wie weggeblasen
[Nils Petter Molvær – Song of Sand von Khmer Live in Bergen]
Es ist nie zu spät.
Grillabend mit Nachbarspaar.
Regen. Flucht ins Haus.
Den Kasten Weißbier
viel langsamer austrinken
als den ohne Alk
Im Wohlklang schwelgen
Sich vollständig hingeben
Zeit Zeit sein lassen
[Lambchop – Under the Same Moon von I Hope You’re Sitting Down, 1994]
Schon im Hof bellt sie
Das Geschäft fix erledigt
Sie braucht Zuwendung
Tritt in die Füße
Nahtlose Bewegungen
Tanz ins Wochenend
[Jeff Tweedy – Out in the Dark von Twilight Override]
Bei letztem Regen
gefallene Walnüsse
trocknen im Keller
Kommt keine Antwort
auf Drohnenangriff, dann wird
er eskalieren
Dachauer Straße
Aus Absturzbar erste Frau
in Tram abgeschleppt
Dachauer Straße
Mit Rad bei Schnee in Gleisen
steckengeblieben
Fiep. Glitch. Piep. Tick. Rausch.
Geräuschkunstwerk mit Hookline.
Punkte verbinden.
[Fennesz – Aus von Hotel.Parallel, 1997]
Wolfsstunde. Regen.
Wasser, durch Rohre rauschend.
Das Geräusch ebbt ab.
Unten sitzt Katze
Auf Hecke Vöglein. Fliegt weg
nach dem Raubtiersprung
Erhaben weinen
Widerhall der Renaissance
Ruhe-, Kraft-, Trostquell
[Dowland – Lachrimae, or Seven Tears: No. 2 (Jupiter Ensemble) von Thomas Dunford, Lea Desandre – Songs of Passion]
Aus Schlaf geklingelt
Ihr Nachthemd klatschnass geschwitzt
Jammern, Trugbilder
Spätsommerabend
Im Wind wogende Blätter
Blutmond knapp verpasst

Neugier des Kindes
auf das geheimnisvolle
Reich der Buchstaben
A2 nach Westen
Voller polnischer Laster
Am Samstagmorgen
Piano Magic
American Analog …
The bliss of slowness
[Modern Nature – Radio]
Aktivwortschatz nicht
sofort um neue Wörter
erweitern wollen
Gespreizte Worte
kennen, doch nicht verwenden
Ganz schön arrogant
Höllenmaschine
Besteigung ausgeschlossen
Zu wenig Selbsthass

Neben all dem Dreck
kommt auch ganz Wunderbares
aus den USA
[Gillian Welch & David Rawlings – What We Had, 2024]
In neuem Gewand
Ganz langsam dahinfließend
Flöte im Zentrum
[Ensemble Nirvana – Goldberg Variationen, Aria von JS Bach transkr. für Traversflöte, Violine, Gambe und Orgel]
Konfliktentschärfung
Alle Karten auf den Tisch
Vieraugengespräch
There was a time when
classical guitar music
almost saved my life
[Rolf Lislevand – Intro / Libro primo d’intravoltura di lauto: Toccata sesta von Libro primo]
Kerala, das klingt
nach einem sanften Ort, wo
die Sonne viel scheint
Fünfzehn Minuten
Trip durch weite Landschaften
Im Flug vergehend
[Van Morrison – When Heart Is Open von Common One, 1980]
Saftige Zwetschgen
Clafoutis, Eierteigfond
Geburtstagskuchen!
Prognosen intern
wieder zurück ändern, dass
es kaum jemand merkt
Die Haselnüsse
eingesammelt, hingeguckt
Da sind doch noch mehr
Vor deinen Augen
stirbt dein Freund, du erträgst’s nicht,
gehst, schämst dich dafür
[Van Morrison – T.B. Sheets, 1967]
Kimba’s Hinterteil
Zu immens zum Bespringen
Rudi voll ratlos
Schauer geht nieder
Überall Haselnüsse
Eichhörnchenbar voll
Kerzengerade
Blick nach vorne, Brust geschwellt
Durch die Welt gehen
Höchste Eisenbahn
Für eine Entziehungskur
Er hat es gewusst
[The Gun Club – Yellow Eyes (live) von Divinity, 1991]