Magische Orte
Funkhaus Nalepastraße
Treppe im Berghain
Aprilschnee, der sich
in dem schwarzen Hundefell
kontrastreich verfängt.
Heute nur ein Grund,
nach Russland einzureisen:
den Teufel töten.
Dunkelhaarige,
blutjunge, scheue Rehe
sprechen selten deutsch.
Abenddämmerung.
Forsythie leuchtet gelb
auf Streuobstwiese.
Wache vor fünf auf.
Es umweht mich Dein Atem.
Lausche andächtig.
Aussichtsloser Kampf
gegen Depression, die
mich voll übermannt.
Handschuh auf Streifzug
verloren, zurückgelatscht,
wiedergefunden.
Zwei Stunden Zeit frei?
Jon’s Geist schwebt im Halbdunkel.
Magische Klänge.
Morgensonnenjog.
Weit weg dröhnt es dumpf. Erst Schreck.
Ist nur die S-Bahn!
Junger Sennenhund
büxt außer Sichtweite aus.
Nur nicht nachgeben!
Gutes Gewissen
früher ins Bett zu gehen
da Nacht viel kürzer.
In Morgensonne.
Rotmilan über A9.
Der Thermik sei Dank.
Acht Uhr früh. Tür zu.
Mit Gepäck durch Innenhof.
Amsel not amused.
Foxterrier lugt rein
in Cafétür, weicht zurück.
Doch nicht das Frauchen!
Fünfzig mal ein aus
Gliedmaßen von sich gestreckt
nach Weckerklingeln
Selten so geschämt.
Kein Wort dazu, den Opfern
direkt zu helfen.
[Ich war heute bei einer Onlineveranstaltung zu diesem Thema]
Eine Sirene
flüstert Unergründliches.
Bind mich am Mast fest!
[Lena Platonos – Bloody Shadows from a Distance via aquarium drunkard, englische Übersetzung der Lyrics]
Weg von den Wurzeln,
Deutschlands moderner Beitrag
zur Nachkriegsmusik
[DLF Lange Nacht: Elektronische Musik aus Deutschland, die beste Sendung, die ich zu dem Thema bisher gehört habe]
Der Boden steinhart
Locker zwei Runden gejoggt
Die Kniee halten
Hey, wach auf, Schläfer
aus dem Reich des tyrannen
Der Himmel wartet
—
Эй, проснись, спящий
из царства тирана
Небеса ждут
Das russische Volk
propagandaberieselt
Oblomow im Bett
Auf dünnem Faden
meines Atems auf Morgen
wartend wie Spinne
[Ivo Andrić – Insomnia, leicht adaptiert]
Du Zähflüssiger!
Sei gelber, kühler, süßer!
Mein Limoncello!
Schreckhafte Riesin
Tiger auf Schlaftabletten
Gemütsmensch mit Fell
Wie Poe bin ich oft
bereits nach einem Glas Wein
völlig betrunken.
Wind pfeift auf Wiesen
Saharastaub auf Wagen
Sonne bricht sich Bahn
Bis er verschwindet
dem Flug eines Greifvogels
mit Augen folgen.
Kurz vor der Kurve.
Anhänger-Radfahrerin
betätigt Schelle.
Kompost geerntet
Würmer versucht, zu retten
Stöcke gefunden
Voller Geheimnis
Über ruhigen Wassern
schwebt Trompete sacht
[Avishai Cohen – Naked Truth (Pt. 3), nicht online dafür Pt. 2]
Seit an Seit traben
Sennenhund und Labrador
traut durch Stock vereint
Komm einfach nicht drauf,
an welches Stück die Flöte
mich hier erinnert.
Eher noch komm ich
durchs Nadelöhr als dass mir
Labrador Stock gibt.
Nach Stockablage
geht Labrador in Deckung
und wartet nicht lang.
Wenn es so laut ist,
dass du spürst, du musst gehen,
weil du sonst taub wirst.
Riesiger Fehler
Vor der Labradorhündin
’nen Apfel essen
Small shining jewel
of cosy finger picking
helped by pedal steel
Da streichelt jemand
mit dem Flaum einer Feder
die Klaviertasten.
Die Reglosigkeit
nach dem Akt, Entspannung pur,
einfach daliegen
Held meiner Jugend
Auf dem Trip zum nächsten Kick
Splitterfasernackt
[Unterwegs (Hörspiel) von Jack Kerouac, der gestern hundert geworden wäre]
Typ guckt auf Display
Hundert Meter über ihm
kreist eine Drohne
Tulpenstrauß: rosa,
weiß, lila, rot, gelb, orange,
rotgelb, hellrosa.
Mit großer Ehrfurcht
begegnet Sennenhündin
Leonbergerin.
Ein Haus aus Klängen,
in das ich zurückkehre,
wenn Welt aus Fugen.
ihn auf Herd setzen,
seine Schreie aufnehmen,
ihm nachts vorspielen
ihn würgen bis ihm
die Luft weg bleibt, loslassen,
von vorn anfangen
Seit knapp 5 Monaten
erster Doppelrundenjog
Zeit nebensächlich
Hey hey hey – hey hey
Cool soundtrack in crazy times
in the melting pot
[Massive Attack – Unfinished Sympathy, BBC Radio 4 Soul Music]
Heller Labrador
springt an Sennenhündin hoch,
schleckt ihr Gesicht ab.
Hündin stürzt aus Tür,
purzelt Treppe herunter,
verschlingt Waldmeister.
Greis krallt sich an Schild.
Dreikäsehoch fällt vom Rad.
Ich schreite munter.
Brodeln und Knistern
unter der Oberfläche:
Zuhause spukt es.
[Kammerflimmer Kollektief – Mantra, Dank an zartgewebt]
Bier, Melatonin,
Bewegung an frischer Luft
als Schlüssel zum Schlaf
Klingt erst sehr vertraut,
driftet dann zunehmend ab
ins Unheimliche.
[Kammerflimmer Kollektief – Mantra, Dank an zartgewebt]
Ist Ohrhörer weg,
dann befindet er sich meist
im Bademantel.
Apfelbaum gezähmt
Nicht von Leiter gefallen
Sonne genossen
Morgens bebt das Bett
Tageslicht fällt durch Türspalt
Neben mir niemand
Verhalltes Schlagzeug
Dichter Gitarrenteppich
Samtene Stimme
Aus anderer Zeit:
„So don’t you get fresh with me.“
Frauenpower pur.
Boden gefroren
Sonne blinzelt durch Wolken
Hundeleut‘ grüßen
Wie ein Kaninchen
auf die Schlange starren wir
auf den Mann im Kreml.
Was müffelt denn da?
Die Kühlschranktür ist offen.
It’s the cheese, stupid!
Kuschlige Nächte
in Laubhütten neben Hund
auf Blättern und Gras.
[Manuel Larbig – Waldwandern]
Zwei mal sechs nach acht.
Über den Reihenhäusern
geht die Sonne auf.
Breitmaulfroschgrinsend
trifft Delta Blues Avantgarde
im freien Galopp
There is a blanket
made of infectious rhythms
and sweet harmonies.
Windböen, Niesel.
Mit beschlagener Brille
durch Matschwies’n gerannt.
Sechs Jungs bewaffnet
mit Bierkasten und Spirits
Vollrausch fest im Blick
Wintersonnenlicht
Kirchglocken in Mammolshain
Tanne liegt auf Weg
Grashalme im Wind
Äpfelchen allein am Baum
Schneeglöckchenwiese
Fanfare ertönt
von hohen Zinnen herab:
Trompete auf Speed
[Rainer Brüninghaus, Markus Stockhausen, Fredy Studer – Strahlenspur ]
Nero, der Elo
beschnüffelt Sennenhündin.
Sie setzt sich brav hin.
Nach Weckerklingeln
Grübelndes Wachliegen weicht
entspanntem Dösen
Im Dunkeln, fern, liegt
ein schemenhafter Umriss.
Der Altkönig schläft.