Archive for the ‘haiku’ Category

3711

Februar 15, 2024

Karamellfarben

Der köstliche Mangosaft

mit den Fruchtstücken

3710

Februar 15, 2024

Wieso grüßen mich

manche Leute nicht zurück?

Nächstes Mal frag ich

3709

Februar 15, 2024

Aus der Hecke tönt

ein vielstimmiges Konzert

Die Sänger versteckt

3708

Februar 15, 2024

Ein Tag, ein Leben

Morgens kerzengerade

Abends krummbucklig

Elisabethpfad 5. Etappe: Spangenberg – Homberg/Efze 31 (+1)

Februar 15, 2024

Langsam ansteigend
Der kalte Wind ins Gesicht
Der Weg schnurgrade

Wache nach unruhiger Nacht um 5 auf. Die kalte Dusche ist so richtig kalt, wie ich es liebe. So geht Aufwachen. Ich trinke zwar Mineralwasser und Rhabarbersaft zum Frühstück, vergesse jedoch in die Küche zu gehen und mir einen Tee zu kochen. Das Ergebnis: Ich bin schon durstig, bevor ich überhaupt losgehe. Um zehn vor acht bin ich unterwegs. Es scheint über Nacht geregnet zu haben, jetzt ist es nur noch bedeckt. Die Sonne wird sich den ganzen Tag verstecken, aber es wird trocken bleiben.

Aus Spangenberg raus gehe ich an der munter vor sich hinströmenden Pfieffe und komme an einem längeren Komplex vorbei, einer Sägenfabrik. Der geteerte Radweg anschließend, der in etwa parallel zur Bundesstraße verläuft, ist wie Kanonenfutter für meine Füße, heute drehe ich auf. Das ist auch gut so, denn ich gehe heute zwei Etappen, weil ich nur eine Woche Zeit habe. Heute ist übrigens Halbzeit.

Über uns drei Wildgänse, die ihren Schwarm verloren haben. Ich treffe mehrere Hundebesitzer und muss feststellen, dass die Kackbeutel hier gerne an den Wegrand gestellt werden. Ich sehe 5 solcher Beutel. Ich hoffe mal, die Müllabfuhr kümmert sich drum.

In Mörshausen besuche ich die etwas muffig riechende romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert, stempele den Pilgerausweis und schaffe es, die größte Attraktion, den Schmerzensmann, eine gotische Säule im dunklen Kircheninneren nicht zu sehen. Kann es sein, dass romanische Kirchen generell innen dunkler sind als gotische Kirchen? Angesichts der Fenstergrößen scheint mir das plausibel.

Mörshausen: Romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert
Hinter Mörshausen: Hundekotbeutel

Auch hinter Mörshausen geht es auf einem asphaltierten Weg weiter. Es ist nur leicht wellig. In Adelshausen passiere ich erst einen Trupp Männer mit Warnwesten. Dann stoße ich auf eine Hinweistafel an einer Brücke. Es stellt sich raus, dass hier früher die Kanonenbahn von Berlin nach Metz passierte. Es ist die Bahn, die nach dem 1870/71er Krieg mit Frankreich gebaut wurde, um die Hauptstadt besser mit dem Westen des Deutschen Reichs zu verbinden. Einen anderen weiter westlich gelegenen Streckenabschnitt dieser Bahn, der z.T. in den Berg hineingebaut gewesen war, hatte ich vor einigen Jahren auf einer Radtour mit meinem Vater an der Mosel gesehen.

Wie mich eine zweite Hinweistafel lehrt, bin ich hier auf der historischen Straße Die Langen Hessen, die insbes. für den Güterverkehr zwischen Eisenach und Frankfurt genutzt wurden. Die Kurzen Hessen verlaufen über Alsfeld (Vogelsberg) und sind zwar eine Abkürzung, aber dafür der beschwerlichere Weg.

Adelshausen: Hier fuhr früher die Kanonenbahn nach oder von Metz

Hinter Adelshausen erstreckt sich das ausgedehnte Fabrikgelände einer Pharmafirma, das noch erweitert wird. Vor mir in großer Höhe kreist ein Greifvogel, wahrscheinlich ein schwarzer Milan. Es geht nun über die B83 an einem Kreisverkehr zur Domäne Fahre. Hier steht ein Eier- und Getränkeautomat, den ich mir ansehe. Es gesellt sich nun eine Appenzeller Sennenhündin zu mir, die mich ausgiebig beschnüffelt, etwas scheu ist, mir aber folgen möchte, wobei ich ihr klarmachen kann, dass das keine gute Idee ist. Love at first sight.

Appenzeller Sennenhündin auf der Domäne Fahre

Hinter der Domäne komme ich zu den Fuldaauen, die Fulda ist hier ein schnell fließendes Flüsschen. An einem der vielen Klärwerke vorbei und über die Fuldabrücke geht es nach Malsfeld rein und die erste kurze Flachetappe von 12 km ist beendet, ich gönne mir eine Rast. Heißgetränke gibt es nur in der Supermarktkette. Allerdings ist der Tee aus. Wir lösen die Sache dann so, dass ich einen Pott heißes Wasser bekomme, den ich eigentlich nicht bezahlen darf, dann aber doch in Form eines Trinkgelds bezahle. In den Pott senke ich dann meinen eigenen Teebeutel.

Die Malsfelder Kirche gehört zu den Offenen Kirchen, eine Initiative, die ich immer mehr zu schätzen weiß, weil ich inzwischen in fast jede Kirche am Weg versuche, hineinzugehen und oft überrascht bin, was es dort alles gibt. Vom Gästebuch zu Teelichtern bzw. Kerzen, die man gegen eine Spende anzünden kann über Pilgerstempel, Papier für Bitten/Wünsche/Kritiken etc., die man einwerfen kann, Mineralwasser, 2nd hand Bücher, Luftpumpen und Flickzeug, Spielzeug für Kinder, Wetterstationen, Steckdosen (wichtig fürs Handy) etc. Es ist jedes Mal wie eine Wundertüte. Heute bekam ich sogar eine Hundepostkarte (mit Bibelvers) für 20 Cent.

Signet der Offenen Kirchen

Von Mörshausen ging es auf einem Schotterweg hoch nach Dagobertshausen, ein langsamer, schnurgerader Anstieg mit einer kühlen Brise von vorne. Links und rechts Felder. A propos, die Gegend ist eines der ältesten Siedlungsgebiete in Deutschland. Ein wichtiger Grund ist die Fruchtbarkeit der Böden. Dagobertshausen begrüßt mich schelmenhaft.

Dagobertshausen steht Kopf

Der rote Kübel ist für mich ein bisschen wie ein Madeleine für Proust. Ich fuhr so eine Karre, natürlich in Tarngrün 1983/84 bei der Bundeswehr. Was für ein Schrottauto. Auf der Autobahn konnte man nicht mehr als 90 fahren, weil alles wackelte und einen Heidenlärm machte. Die Lenkung hatte weit über 90 Grad Spiel, Servolenkung gab es damals noch nicht. Ganz schlimm waren die abgedeckten Notlichter. Im Wald bei Übungen gaben die weniger Licht als ein Streichholz. Dass ich nie gegen einen Baum gefahren bin, ein Wunder. Das Verdeck habe ich nur selten zum Cabriofahren im Kofferraum versenkt. Ölwechsel und Inspektion inkl. Ölfilter wechseln, musste man natürlich selber machen. Festgefahren habe ich mich auch einmal, wurde vom Koffer (Unimog) aber wieder aus der Matsche gezogen. Ich bin dann bei der Marke geblieben, habe jedoch modernere, zivile Modelle bevorzugt.

Dagobertshausen, roter Kübel

Es sind jetzt keine 100 km mehr zum Ziel. Also auch auf der Entfernungsskala Halbzeit.

Dagobertshausen, Wegweiser

Es geht nun hinauf bis zum Waldrand. Am Scheitelpunkt öffnet sich ein phantastisches weites Panorama mit dem langen Gebirgszug des Hohen Meißner im Hintergrund. Die Landschaft hat etwas Magisch-Märchenhaftes.

Hinter Dagobertshausen, Blick auf Hohen Meißner

Gut vernehmlich ist auch schon ein Rauschen aus dem Tal, dass anschwillt, je weiter ich vorangehe. Es ist die A7, meine erste Autobahnüberquerung auf dieser Wanderung. A propos Autos, das hiesige  Kfz-Kennzeichen ist seit geraumer Zeit nicht mehr ESW für Eschwege sondern HR für Homberg oder MEG für Melsungen. Beide Kennzeichen gehören zum Schwalm-Eder-Kreis.

Zwischen Dagobertshausen und Ostheim, A7

Es geht weiter mit den geraden, ansteigenden Wegen, hier ein Blick zurück.

Blick zurück nach Ostheim
Hinter Ostheim: Blick zum Hohen Meißner

Vom Segelflugplatz am Mosenberg (402 m) geht es hinunter nach Homberg, allerdings verpasse ich einen Abzweig und bewege mich in Richtung des Nachbarortes Mardorf. Ich muss jetzt mühsam auf den geraden Feldwegen Zickzack laufen, z. T. sogar wieder bergauf, um schließlich nach Homberg zu kommen.

Eine wichtige Person für Hessen ist Philipp der Gutmütige, der 1526 die Homberger Synode einberuft, wonach mehr oder weniger ganz Hessen evangelisch wurde.

Homberg/Efze, Markt: Philipp der Großmütige

In Nordhessen sind Fachwerkhäuser sehr verbreitet, insbesondere in Homberg, wo der Markt von der Stadtkirche und diversen herausgeputzen Fachwerkhäusern eingerahmt wird. Hier befindet sich mit dem Gasthaus Krone von 1480 eines der ältesten Gasthäuser Deutschlands.

Homberg/Efze, Gasthaus Krone (geschlossen)

In Homberg komme ich leider etwas zu spät für die Kirche, die um 16h schließt. Ich kaufe ein paar exotische Säfte (Banane/Mango) im asiatisch ausgerichteten Tante Emma Laden direkt am Markt. Die Fachwerkhäuser sind zum Teil von Migranten bewohnt. Anschließend gehe ich zur Supermarktkette, um die Wartezeit rumzukriegen bis meine Landlady nach Hause kommt und trinke grünen Tee.

Hier der Etappenüberblick über meine Fastenwanderung auf dem Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg im Februar 2024.

3707

Februar 14, 2024

Langsam ansteigend

Der kalte Wind ins Gesicht

Der Weg schnurgrade

3706

Februar 14, 2024

Fasten. Autark sein.

Leben von den Reserven

Sich selbst auffressen

3705

Februar 14, 2024

Aufrechter gehen!

In Augenhöhe gucken!

Dann verpasst man nichts.

3704

Februar 14, 2024

Wach und federleicht

Ich fliege über den Weg

Mit leerem Magen

3703

Februar 14, 2024

Schnurgeradeaus

Der einsame Wanderer

Bergauf. Der Wind kühlt.

Elisabethpfad 4. Etappe: Waldkappel – Spangenberg 21

Februar 13, 2024

Gefallne Blätter
Vom Wanderstock aufgespießt
Meine Copilger

Diese Nacht fünfeinhalb Stunden bis 4h30 durchgeschlafen, es wird langsam besser. Die Dusche mit alten Drehhähnen, mit denen man perfekt kaltes und heißes Wasser mischen kann. Ich lasse mir heute morgen Zeit, die Etappe ist ja nicht so lang. In der Barecke kann ich mir Wasser für grünen Tee kochen. Vorher gibt es Rhabarbersaft. Sozusagen English Breakfast für mich heute.

Ich ziehe kurz vor 9 los. Es ist knackig kalt, jetzt um den Gefrierpunkt, in der Nacht bis – 2, die Autoscheiben sind mit dickem Eis überzogen. Mir ins Gesicht scheint die Sonne, ideales Wanderwetter! Ein Mann mit einem lebhaften Deutsch Kurzhaar sagt mir, dass mich schöne Ausblicke vom Kamm, auf dem ich gehen werde, erwarten.

Kaum habe ich die letzten Häuser hinter mir gelassen, sehe ich auf dem Anstieg in den Wald vor mir zwei junge Rehe. Ich versuche mich anzupirschen, aber in ca. 100 m Entfernung nehmen sie Reißaus nach links ins Gebüsch. Es folgen noch zwei weitere Jungrehe.

Ein Weg voller Hindernisse

Es geht weiter bergauf in Richtung Taufstein (461 m). Andere Wanderer treffe ich heute auf den 9 km bis Reichenbach nicht. Ich mache immer wieder Fotos, checke die Wander-App, lasse mir Zeit, genieße den Weg und die Aussicht.

Zwischen Taufstein und Wollstein

Am Wegesrand wie auch schon gestern „Kunstwerke“ unter dem Rubrum Ars Natura, teilweise mehr, teilweise weniger gelungen. In einigen Fällen erkennt man das Kunstwerk nicht, weil es Natur ist, z. B. Baumstümpfe, drapierte Zweige etc. Recht originell und treffend fand ich die Baumsprüche.

Ars Natura: Christian Roosen mit Baumspruch

Kurz vor Wollstein höre ich Vogelschreie über mir. Es ist eine kleine Schar von Wildgänsen, die nach Osten zieht. Die Rastbänke am Rande des Weges sind manchmal mehr und manchmal weniger einladend.

Bank, gut in die Natur integriert

In unmittelbarer Nähe des Klosters Marienheide in Wollstein, das die „Schwestern von Bethlehem…“ beherbergt, überfliegt mich ein Militärhubschrauber in etwa 30 bis 40 m Höhe. In der Nähe des Aussichtspunkts mit Blick auf das einsam gelegene Kloster steht ein überdimensionales Metallkreuz auf der Wiese.

Wollstein: Kloster Marienheide

Als ich aus dem Wald herauskomme, blicke ich mich um und kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Draußen in der Natur ist auch das beste Navi immer noch häufig völlig verloren.

Auch KI kann irren

Ich komme nun zum Grenzstein von Hessisch-Lichtenau, wo mir plötzlich bewusst wird, dass es mir insbesondere an den Händen friert. Die Sonne ist unter den Wolken verschwunden und der Wind ist eisig und weht heftig. Ich habe doch tatsächlich meine Handschuhe vergessen. Ich versuche es mit den Zweitsocken, aber das macht die Hände zu unbeweglich. Schließlich nehme ich den Stock unter die Achsel und tue die Hände in die Hosentaschen.

Schachbrett als Schmetterling (Aufnahme)

Auf dem Boden liegen plötzlich tausende von Hülsen auf dem Weg rum. Nach genauerem Hinschauen dämmert es mir. Es sind die Fruchtbecher von Bucheckern, die ich bestimmt seit 45 Jahren nicht mehr bewusst wahrgenommen habe.

Myriaden von Bucheckern

Richtig ziehen tut es bei den großen Steinen, einem bizarr geformten Steinblock aus Dolomit.

Große Steine

Noch eines der für meine Begriffe interessanteren Werke aus der Reihe Ars Natura:

Ars Natura: Said Tabib – Sieben Wolken

Ich komme nun in den Ort Reichenbach, der fast auf der Hälfte meiner heutigen Etappe liegt. Menschen treffe ich hier keine. In der ursprünglichen Klosterkirche, die 1207 von den örtlichen Grafen an den deutschen Orden verschenkt wurde und damit dessen erste bedeutende Niederlassung auf deutschem Gebiet war, zünde ich ein Teelicht an und stemple den Pilgerausweis. Hinter dem Altar sind Wandzeichnungen mit Bibelszenen.

Reichenbach, Kirche

Ich entdecke eine Seite mit Hinweisen und Ratschlägen zu einem guten und abgeklärten Leben. Ich glaube, das kann man fast alles auch als Nichtchrist bzw. sogar Nichtgläubiger unterschreiben. Den Text durchzieht eine große Demut, aber auch eine Würde und ein Pragmatismus.

Desiderata in Reichenbacher Kirche

Im Zentrum von Reichenbach stehen diese Milchkannen, ich hatte das Bild auch schon in meinem Führer gesehen.

Reichenbach, Milchkannen

Hinter Reichenbach geht es in den Wald auf zum Teil matschigen Wegen hinauf auf den mit 522 m höchsten Punkt der Etappe, den Schlossberg mit der Burgruine Reichenbach, deren Turm durch die Spende eines Reichenbachers überdacht werden konnte. Der Blick geht bis zum Hohen Meißner, bei dem mich mal wieder stutzig macht, dass er mit 753 m noch nicht mal so hoch ist wie „unser Hausberg“, der Altkönig.

Burgruine Reichenbach: Blick auf den Ort, rechts der Hohe Meißner

Der Hohe Meißner gilt als die Heimat von Frau Holle aus dem Märchen der Gebrüder Grimm. So erklärt sich auch der Name der folgenden Skulptur. Man fragt sich, was die Dame da auf dem Kopf trägt, übliche Kopfhörer scheinen es nicht zu sein, evtl. Fernkopfhörer? Eventuell ist es andersherum und sie sendet nach außen. Vielleicht ist es auch einfach nur ein Geweih. Oder ein gewölbter, am Hinterkopf befestigter Knochen. Fragen über Fragen.

Ars Natura: Christian Huba – Holda
Hier war mal Wald

Und vergesst mir bitte die Tiere im Wald nicht. Die wollen auch mal schlafen und äsen…

Die Natur kommt zu Wort

Bei der folgenden Holzskulptur hatte ich geraten, dass sie eventuell Zungenkuss heißen könnte, aber dem war nicht so.

Ars Natura: Halvor Machmor – Baumbuch

Am Ende der Wanderung sehe ich etwas Haariges auf dem Boden liegen. Es scheint kontraintuitiv zu sein, Haarkleid ausgerechnet im Winter abzuwerfen. Aber was verstehe ich schon von der Welt.

Da hat jemand Federn gelassen

In Spangenberg komme ich schnell zu meiner Privatunterkunft mit sonnigem Zimmer im 2. Stock. Hier wird mir neben einer dem immer durstigen Wanderer natürlich sehr willkommenen Flasche Mineralwasser auch eine Flasche Flens offeriert.

Es hat sich übrigens bei mir nach dem Trinken von zwei Gläsern des Sprudels die Verdauung zurückgemeldet. Man glaubt nicht, was sich nach 5 Tagen Fasten noch so alles im Darm befindet. Auf jeden Fall werde ich morgen noch einmal um gut ein Pfund leichter auf die über 30 km lange Etappe nach Homberg/Efze gehen. 😉

Hier der Etappenüberblick über meine Fastenwanderung auf dem Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg im Februar 2024.

3702

Februar 13, 2024

Na, klare Pfütze

Was willst DU mir wohl sagen?

Alles sinkt hinab

3701

Februar 13, 2024

Na, trübe Pfütze

Was willst Du mir nur sagen?

Du bist so schön rund

3700

Februar 13, 2024

Mit klammen Fingern

DEN Reißverschluss aufziehen

und dann zumachen

3699

Februar 13, 2024

Nur kleine Schlücke

aus der Pulle mit Wasser

Grade mal vier Grad

3698

Februar 13, 2024

Bohrende Frage

tief in den Eingeweiden

Habe ich Hunger?

3697

Februar 13, 2024

Gefallne Blätter

Vom Wanderstock aufgespießt

Meine Copilger

Elisabethpfad 3. Etappe: Röhrda – Waldkappel 24 (+2)

Februar 12, 2024

Das war die bisher anspruchsvollste Etappe, 3 Berge, 600 Höhenmeter und bestimmt 2 km länger, weil ich jeweils zum anderen Ende des Ortes musste.

Geschlafen von 11 bis 4, danach gewälzt. Trotz des Fastens habe ich morgens Reflux, der mich aufweckt. In der nächsten Apotheke werde ich mir Heilerde und Melatonin kaufen. Längeres Gesprach mit der Gastgeberin, die mir grünen Tee kocht. Sie kommt aus Thüringen und ich bin mir recht sicher, welche Partei sie wählt. Aber sie scheint mir zumindest zuzuhören.  Sie hat nach der 4. Impfung „schlimm“ Corona gekriegt, dann Long Covid. Impfen ist für sie gestorben. Findet die grünen Minister gar nicht gut. Und Krieg auch nicht, wieso hören die nicht endlich auf? Außerdem bewegt sie die Inflation. Kroatien ist seit der Euro-Einführung so teuer geworden… Und die nicht klappende Integration der Asylanten. Ein etwas schwieriges Gespräch.

Ich komme erst um 9 los, es gibt gleich einen kleinen Schauer. Der Weg verläuft außenrum auf  der Straße, während man über einen steinigen Weg eine Abkürzung gehen kann. Man fragt sich, was die Wegmacher geraucht haben. Es geht nun unter kahlen Laubbäumen auf einem weichen Blätterteppich durch den Wald, immer bergauf bis zur Ruine Boyneburg, dem Dach der heutigen Etappe mit 508 m. Hier spielt die Sage Das Fräulein von Boyneburg der Gebrüder Grimm mit drei Schwestern, von denen sich die Jüngste nach der Weissagung vom Blitz erschlagen lässt, um ein fürchterliches Gewitter zu beenden. Ihr zu Ehren wird heute noch eine Brotspende zu Himmelfahrt verteilt. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass der Blitz besonders gerne in diese völlig exponierte Burg einschlägt.

Boyneburg

Auf dem Abstieg fällt auf, dass zum einen die Markierung des Elisabethpfades lausig ist, was mir eigentlich egal ist, da ich die Wander-App E-Walk nutze. Aber man hat halt auch ganz gerne die Bestätigung aus der real world, dass man on track ist. Andererseits ist der Pfad an einigen Stellen von Baumstämmen und Ästen blockiert. Kurz vorher wies eine Tafel darauf hin, dass der Wald hier sich selbst überlassen wird, das Ergebnis ist undurchdringliche Wildnis.  Ich gehe weiträumig herum. Zudem ist der Waldboden sehr weich und rutschig.

Abstieg von Boyneburg
Die Landschaft nur für mich

Beim weiteren Abstieg nach Wichmannshausen komme ich mit einem Hundebesitzer ins Gespräch, der mir vom neuerlichen Drama der seit Jahrzehnten im Bau befindlichen A44 erzählt. Der Tunnel unter der Boyneburg ist fertig, wird aber noch nicht befahren, da ein anderer Tunnel neu ausgeschrieben werden muss. Er glaubt nicht daran, dass er bei Lebzeiten noch auf der Autobahn bis Eisenach fahren wird können, er ist 63.

Wichmannshausen, das in einem Talkessel liegt, wird außerdem von drei Bundesstraßen und der Bahnstrecke Göttingen-Bebra durchzogen. Zur Ruhe kommt man hier nicht.

Ich bin begeistert von dem Innenraum der Wichmannshäuser Kirche St. Martin. Ein blauer Himmel, zwei weiß-rot bemalte Holzemporen, eine schmucke Kanzel, ein Altarraum, der durch eine durchbrochene Wand  getrennt ist vom Besucherraum.

Kirche von Wichmannshausen

Im hinteren Bereich der Kirche eine Kopie – das Original ist in der Gedächtniskirche in Berlin – der Madonna von Stalingrad von Kurt Reuber, der hier bevor er an die Ostfront als Truppenarzt eingezogen wurde, Pfarrer war.

Wichmannshausen, Kirche. Madonna von Stalingrad

Von Wichmannshausen geht es nun auf einem geteerten Radweg nach Hoheneiche, wo ich vor der Kirche mit der Elisabethpforte mein Saftmahl einnehme. Die Sonne ist jetzt rausgekommen, die Temperatur fast 10 Grad.

Eine Bank ganz nach meinem Geschmack

Der Weg zieht sich nun durch den Wald. Ich komme gut voran. Vom Alpstein (398m), der 2. Erhebung des Tages gibt es eine wunderbare Sicht nach Norden zum nächsten Zwischenziel, Kirchhosbach. In der nahegelegenen Hütte hängen gestrickte Köstlichkeiten.

Blick vom Alpstein nach Kirchhosbach
Alles da für meine heutige Mahlzeit

In der Kirche von Kirchhosbach hole ich mir den schönen Pilgerstempel. Im Gästebuch ist der letzte Eintrag vom Oktober, ich bedanke mich kurz. Interessant, was die Kirchhosbacher so gelesen bzw. gesehen haben. Der geräumige Bücherschrank enthält u. a. zwei Kundera, Queneau, Ulla Hahn und eine Wander-DVD.

Bücherschrank in Kirchhosbach

Im Wald liegen bzw. stehen diverse Kunstwerke, bei denen man sich zuweilen fragt, ob die Natur das nicht viel besser kann (s. o.).

Das soll Kunst sein? Das hatten wir doch schon!

Vom Wald ist an vielen Stellen nicht mehr viel zu sehen, Bäume sind aufgrund von Unwettern umgestürzt bzw. in großem Stil gefällt worden. Das sind zum Teil fast schon apokalyptische Bilder. Das Holz wird zum großen Teil als Brennholz genutzt oder über Kassel nach China verschifft, wie mir gesagt wird.

Kahlschlag
Ganz schön viel Holz

Die letzte Anhöhe ist der Mäuseberg mit 415 m, neben der Centbuche, wo sich sieben Wege kreuzen. Von hier geht es nur noch bergab nach Waldkappel, wo ich mir im Getränkemarkt noch neue Säfte besorge. Die Wolken werden dunkler, es fängt an zu regnen, aber ich komme fast trocken in meiner Unterkunft am Ortsende an. Meine 87 jährige Gastgeberin begrüßt mich als ersten Pilger des Jahres. WLAN gibt es hier nicht und LTE und Handy funktionieren nur draußen auf der Terrasse. Die Temperatur sinkt auf drei Grad.

Hier der Etappenüberblick über meine Fastenwanderung auf dem Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg im Februar 2024.

3696

Februar 12, 2024

B7, Züge

Wichmannshausen. Talkessel.

A4-4 Tunnel

3695

Februar 12, 2024

Dieses Gejammer

Was will sie, die Ilsebill?

Es geht uns zu gut

3694

Februar 12, 2024

Der Waldweg ein Bett

Rotbraune, feuchte Blätter

Die Füße juchzen

3693

Februar 12, 2024

Niemand unterwegs

Die ganze Welt gehört mir

Und den Piepmätzen

3692

Februar 12, 2024

Die Schlücke kauen

Sauerkirschsaft, süß-sauer

Dann grüner Tee. Los!

3691

Februar 11, 2024

Eine Kohlmeise

zwitschert hoch oben im Baum

Wo genau sitzt sie?

3690

Februar 11, 2024

Wandern und Fasten

Täglich ein paar Gramm leichter

Gleich hebe ich ab!

3689

Februar 11, 2024

Wie ich auf Wandrer

neidisch war als Radfahrer,

wenn es steil hoch ging

3688

Februar 11, 2024

Stimmen hinter mir

Quietschende Regenjacke

Als wärs ein Seufzen

3687

Februar 11, 2024

Egal, ob du schläfst

Schön warm unter der Decke

Das Glück des Dösens

3686

Februar 11, 2024

Gefahr beim Fasten

Nicht wieder mit dem Essen

starten zu wollen

3685

Februar 11, 2024

Morgens um halb sechs

Verschiebt da jemand den Tisch?

Die Heizung läuft an.

3684

Februar 11, 2024

Sich verabschieden,

ohne dass es jemand merkt.

Das gibt zu denken.

3683

Februar 11, 2024

Fastend andauernd

gemahnt werden ans Essen

von den Mitmenschen

3682

Februar 11, 2024

In der Nacht um vier

Im Kopf summt ein Bienenschwarm

Im Hals ein Feuer

Elisabethpfad, 1. Etappe: Stedtfeld – Creuzburg 13

Februar 10, 2024

Die Sonne kommt raus
Der Bibelversautomat
Die Kemenate

Ich wache auf und denke es ist 6 Uhr, aber als ich genauer auf die Uhr sehe, stellt es sich raus, dass es 4 Uhr ist. Darauf eine Melatonintablette, mit der ich nach längerer Zeit wieder einschlafe, und dann nicht aus dem Bett komme. Zum Frühstück Orangensaft. Ich muss feststellen, dass ich doch wieder – wie schon auf der letzten Fernwanderung auf dem Heidschnuckenweg – das falsche Paar Wanderstöcke mitgenommen habe. Bei dem einen Wanderstock fehlt entweder ein Segment oder ich bin zu blöd, ihn auseinander zu ziehen. Die junge Frau an der Rezeption bucht versehentlich 50 Euro Depot für den Bademantel ab. Ob sie wohl meinte, ich hätte ihn in meinem 30 l Rucksack mitgenommen?

Um halb zehn bin ich endlich on the road. Draußen scheint die Sonne und es herrschen zweistellige Temperaturen. Obwohl ich das dünnere Hemd und das nicht ganz so warme Damart-Unterhemd anhabe, ist mir etwas warm. Ich gehe über einen Wiesenweg nach Stedtfeld rein.

Stedtfeld, Steinstock

Hier geht es über die u. a. von Flixtrain befahrenen Bahnschienen der Strecke Eisenach – Bebra und ich stoße auf den Elisabethpfad, der enttäuschenderweise an einer Straße langläuft, neben der sich dann auch noch das langgestreckte Gelände des Klärwerks befindet. Warum um Himmels willen haben die Schöpfer des Elisabethpfades hier nicht den Rennsteig genutzt, der etwas weiter auf dem Bergkamm verläuft? Ich werde heute bestimmt 80% auf Asphalt – man sagt hier Bitumen – gehen, was unnötig ist und mich fuchsteufelswild macht.

Neben dem Elisabethpfad tanze ich heute auf verschiedenen Wegen…
Als Pilger kann man sich den Weg (nicht) aussuchen

In Hörschel mündet die aus Eisenach kommende Hörsel in die Werra und es beginnt an der Werra der Rennsteig. Den ich für den meistüberschätzten deutschen Wanderweg halte. Der Weg verläuft meist im Wald oben auf dem Kamm und es gibt kaum Ausblicke. Es ist eine Art Wanderautobahn, breit und befestigt. Die Wanderer, die sich dort tummeln, sind meist bierernst und rennen ohne nach links und rechts zu gucken.

An einem Spielplatz raste ich und spreche länger mit einem einheimischen Großvater, der mit seinen Enkeln bei dem schönen Wetter mal draußen ist. Er erklärt mir die Wegführung und weist mich darauf hin, dass es auf dem Radweg weitergeht und fast nur noch Bitumen bis Creuzburg zu erwarten ist. Er wird recht behalten. Neben mir fließt nun die recht hochstehende Werra, über mir ist die Talbrücke der A4, die ich schon unzählige Male überfahren habe. Ein junges Paar und ihr Söhnchen sind auf dem Rad kaum schneller als ich zu Fuß, es geht rauf und runter. Ich plage mich den ganzen Tag ein bisschen mit diversen Hungerästen ab, die Umstellung des Körpers auf Fettverbrennung dauert ihre Zeit.

Nicht weit von der alten, innerdeutschen Grenze: Deutschland am Boden

Ich erreiche nun Spichra, wo ich mir in der schnuckligen evangelischen Kirche in der Sakristei einen Pilgerstempel für den Pilgerausweis selbst erstelle.

Spichra, evangelische Kirche von 1753

Aus Spichra heraus geht es auf besagtem Radweg schnurgerade. Wie ich auf der App sehe, hätte es vorher eine Möglichkeit gegeben, über einen niedrigen Höhenrücken durch den Wald auf einem Wanderweg abzukürzen, was ich natürlich verpasst habe. Ich verfluche völlig sinnbefreit die Wegmacher. Sie hatten sicher ihre Gründe, es ist mein Fehler, ich hätte mich vorher informieren müssen. Links vor mir grasen Wasserbüffel und Gallowayrinder in den überschwemmten Auen. Es handelt sich um das Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunnen, wo heute eine Käsemanufaktur betrieben wird. Hier geht es runter vom Asphalt auf einen eingeweichten Weg zwischen den Wiesen. In der Ferne sieht man linker Hand schon mein Etappenziel, die Creuzburg.

Da es noch nicht einmal ein Uhr ist, mache ich eine Trinkpause auf einer Bank mit Tisch. Es sind doch einige Leute zu Fuß und auf dem Rad unterwegs, es ist ja Samstag. Ich komme nun zur Liboriuskapelle (an der Ostseite der alten Werrabrücke), in der sich Wandmalereien von Elisabeth von Thüringen befinden. Die Kapelle ist (natürlich) geschlossen. Ich sehe später Kopien von ihnen mit guten Erklärungen in der Nicolaikirche im Ort.

Werrabrücke, erbaut 1223 unter dem Landgrafen Ludwig IV., Elisabeths Ehemann

Über 700 Jahre hält die Brücke, dann kommen die Nazis und sprengen am 1.4.1945 sinnlos zwei Bögen der Brücke (Verbrannte Erde), um den Vormarsch der Amerikaner noch zu stoppen. Sie wurde dann 1952 wieder eröffnet. Die Werra ist heute unter der Brücke ein reißender Strom, der Strudel an den Pfeilern bildet.

In der eindrucksvollen, großräumigen Nicolaikirche lese ich, wie gesagt, über Elisabeths in Wandmalereien festgehaltenes Leben. Ich zünde ein Teelicht an und ziehe mir einen Bibelvers aus dem Automaten, der sinnigerweise mein größtes aktuelles Problem anspricht, den Durst. Es ist Johannes 4,14.

Creuzburg, Nicolaikirche

Ich gehe nun hoch zur Burg, wo mir beim Eintritt ins Hotel-Restaurant Bratengerüche entgegenschlagen. Mein Einzelzimmer ist schon – es ist halb zwei – bezugsfertig. Ich versuche nach dem Genuss meiner Säfte erfolglos eine Siesta zu halten und gehe dann runter und trinke zwei Kännchen grünen Tee.

Creuzburg, Gastraum des Burghotels/-restaurants

Nun sind meine Lebensgeister wieder geweckt. Zuerst gehe ich rüber zum Museum, das leider schon in 20 Minuten schließt. Ich gucke mir die Elisabethkemenate im Keller an, Elisabeth von Thüringen hat mehrere Jahre auf der Creuzburg gelebt und gewirkt, indem sie sich um die Armen gekümmert hat. Zwei ihrer drei Kinder sind hier geboren worden.

Elisabethkemenate
Kopie einer gotischen Elisabethfigur, Lindenholz
Elisabeth verabschiedet sich 1227 von ihrem Mann, Ludwig IV. in Schmalkalden. Er wird auf dem Kreuzzug sterben.

Über den Wehrgang geht es im 1. Stock hinüber zur aktuellen, sehenswerten Ausstellung mit vielen historischen und neuen Fotos des Ortes mit Erläuterungen.

Creuzburg, Wehrgang

Ich mache noch eine Tour durch den Ort und folge dem Märchen-Naturpfad mit Bäumen, die z. T. in Märchen eine Rolle gespielt haben.

Creuzburg

Hier der Etappenüberblick über meine Fastenwanderung auf dem Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg im Februar 2024.

3681 In U-Bahn

Februar 10, 2024

Der Nachbar grummelt

Ich verstehe ihn fast nicht

Er will Geld von mir

3680

Februar 10, 2024

Anker geworfen

doch nur vorübergehend

Offene Weite

XIV

Februar 9, 2024

Knackender Ofen

Auf das Holz tröpfelnder Schweiß

Zischender Aufguss

Der nickende Chinese

unter der kalten Dusche

3679

Februar 9, 2024

Gluckerndes Wasser

Wärme strömt in den Körper

Die Explosion!

3678

Februar 9, 2024

Unter der Nase

Über der Oberlippe

Spüre das Streichen

[Tim Parks – Die Kunst stillzusitzen]

3677

Februar 8, 2024

Keiner sagt einem,

dass man eine Geschichte

schon mal erzählt hat.

3676

Februar 7, 2024

Sie wirft, der Hund läuft

Die blaue Frisbeescheibe

Der Fänger im Flug

3675

Februar 7, 2024

Auf dem Weg zum Park

Die Sillage des Müllwagens

Meine Begleitung

3674

Februar 7, 2024

In Regenpfützen

Auf kahlen Ästen Sprossen?

Der Himmel bedeckt

3673

Februar 6, 2024

Die kalte Dusche

Stadtwohnung versus Landhaus

Lau versus eisig

3672

Februar 6, 2024

Nach dem Aufstehen

Der durchdringende Geruch

des ersten Urins

3671

Februar 6, 2024

Die Schwerkraft nutzen

beim herabschauenden Hund:

die Fersen senken

3670

Februar 6, 2024

Der alte Mann, der

nach dem Selbstmord seiner Frau

das Haus nicht verlässt

3669

Februar 6, 2024

zwischen nacht und tag

traumversunken, schlaftrunken

die welt erschaffen

[Danielle Boutet – En attendant l’aube]

3668

Februar 5, 2024

Fuß vor Fuß setzen

Assembler programmieren

Schritt für Schritt zum Ziel

3667

Februar 5, 2024

Faraday-Käfig

Fünf Stunden Autobahnfahrt

Gesprächsoffenheit

3666

Februar 5, 2024

Im Hof ein Zwitschern

Gegen die Scheibe prasseln

die Regentropfen

3665

Februar 4, 2024

Alternde Männer

eigene Anziehungskraft

maßlos verkennend

3664

Februar 4, 2024

Die Streuobstwiesen.

Autobahn und ICE.

Durch den Tiergarten.

3663

Februar 3, 2024

Äste absägen

mit den eigenen Händen

Nachhaltigkeit pur

3662

Februar 3, 2024

Wer entfernt den Müll

der Kunden von McDonald’s?

Sein Name: niemand

3661

Februar 2, 2024

Zähflüssiger Strom,

quer durch den Midwest fließend,

made from guitar chords

[Ratboys – Black Earth, WI]

3660

Februar 2, 2024

Zwei Spechte trommeln

links und rechts der Auwiese

Mit Verzögerung

3659

Februar 1, 2024

Die Nacht umfängt uns

In der Ferne ein Röhren

Sie fliegen zurück

3658

Februar 1, 2024

Just a perfect day,

drink Sangria in the park

…when… dark, we go home

[Lou Reed – Perfect Day]

3657

Februar 1, 2024

Die Worttube leer

Das langsame Verstummen

Talk Talk lässt grüßen

3656

Februar 1, 2024

Kimbas Blick, wenn ich

die zwei Hirschlungenstücke

aus der Tüte hol

3655

Februar 1, 2024

Entschuldigungen

Gesprächsfaden gerissen

Das Feedback bleibt aus

3654

Januar 31, 2024

Wo Musik, Stimme

und Clip eine perfekte

Ehe eingehen

[Men I Trust – Ring of Past]

3653

Januar 31, 2024

Immer, wenn ein Ball

beim Jonglieren runterfällt,

bricht die Welt entzwei

3652

Januar 29, 2024

Dreißig Minuten

in falsche Richtung fahren

und es dann merken

3651

Januar 29, 2024

Krähe und Elster

auf harter Ackerkrume

Zwei Falken thronen

3650

Januar 27, 2024

Samtene Stimme

Weicher badischer Singsang

Mit Jesus liiert

3649

Januar 26, 2024

Warme wall of sound

Hundertvierzehn Dezibel

Wenn man sich alt fühlt

[Slowdive@Columbiahalle]

3648

Januar 25, 2024

Typ in Bermuda:

Eingeschissen, oder was?

Zu lang angestarrt?

3647

Januar 25, 2024

Vorn geht die Post ab

Ein neuer Sound aus Sheffield

Krachig, hypnotisch

[Pale Blue Eyes@Columbiahalle]

3646

Januar 25, 2024

Abteilungsklausur

Agenda abgefrühstückt

Bitte mehr davon

3645

Januar 25, 2024

Essen vergessen

Das Sprechen eine Droge

Red Bull unnötig

3644

Januar 24, 2024

Hab ich vergessen,

die Heizung auszudrehen?

Der Boden rutscht weg.

3643

Januar 24, 2024

Zu viert im Wagen

Fünfeinhalb Stunden vergehn

ruckzuck im Gespräch

3642

Januar 23, 2024

Die Wege tauen

Räder werden geschoben

Es ist spiegelglatt

3641

Januar 21, 2024

Hochsommer am See

Gegen Ende noch einmal

vom Leben kosten

[Bodo Kirchhoff – Seit er sein Leben mit einem Tier teilt]

3640

Januar 21, 2024

Wege Eisbahnen

Schneeweiß schimmernde Nächte

Mollige Abende

3639

Januar 21, 2024

Bäume, umgestürzt

Der Knoblauchweg ein Dschungel

Die Schneelast zu hoch

3638

Januar 21, 2024

Ein Dalmatiner

jagt auf der weißen Wiese

um Kimba herum

3637

Januar 20, 2024

In Zeichenfolgen

– drei Zeilen, siebzehn Silben –

die Zeit festhalten

3636 Die Begrüßung

Januar 20, 2024

Rollkoffergeräusch

Kimba flieht die Treppe hoch

Die Augen weit auf

3635

Januar 18, 2024

Vom Schlaf benommen

In den Ohren ein Sausen

Das linke Knie zwickt

3634

Januar 17, 2024

Augen zumachen

Töne mit Ohren trinken

Ein anderer sein

[Boxhead Ensemble – The Other Shore]

3633

Januar 16, 2024

Wilde Tänzerin

Hat die Neurose im Griff

Barfußkämpferin

[Joan Baez – I Am a Noise]

3632

Januar 16, 2024

Ans Bett genagelt

die Körperwärme spürend

ganz in sich ruhend

3631

Januar 15, 2024

Einfach und direkt

Ohrwurm im Garagensound

Mitten rein ins Herz

[Lewsberg – An Ear to the Chest]

3629

Januar 14, 2024

Sie bückt sich hinten,

pullert, wartet, dreht sich um,

schnuppert am Output

3628

Januar 12, 2024

Sachte vortasten

Jeder Schritt ein Wagestück

Wenns glatt wird, schlittern

3627

Januar 12, 2024

Hier kommt alles rein,

welches bei siebzehn noch nicht

auf den Bäumen ist

3626

Januar 11, 2024

Wehmut, die berührt

Ruhige Gelassenheit

Der Kairos war da!

[Dominic Miller – Mi Viejo]

3625

Januar 11, 2024

Die Leute gehen

in der Mitte der Straße

Blitzeis in Mitte

3624

Januar 11, 2024

Das Fenster öffnen

Einatmen, hinausgucken

Die Welt reinlassen

[Rolling Blackouts Coastal Fever – Open up Your Window]

3623

Januar 6, 2024

In Südfrankreich Wind

Zwölf Stunden Autobahnfahrt

In Deutschland Regen

3622

Januar 6, 2024

Mehr Geduld haben

Den Menschen mehr Zeit lassen

Mehr in mir ruhen

3621

Januar 4, 2024

zu wenig geküsst

gibt es einen, der das nicht

von sich sagen kann

[Slowdive – kisses]

3619

Januar 4, 2024

Es hat gedauert,

bis ich merkte, mein Vater

ist auch nur ein Mensch

[Apsilon – Baba]

3618

Januar 1, 2024

Kormoran steht mit

ausgebreiteten Flügeln

vor den Blässhühnern

Lac de Villeneuve de la Raho

3617

Dezember 31, 2023

Entre vous et moi

elle fait des aller-retours

Mademoiselle Zigzague

3616

Dezember 30, 2023

Töne. Hingetupft.

Vom Klavier schwindlig gespielt.

Leichtfüßiger Ernst.

[Nitai Hershkovits – Of Trust and Remorse (ECM, kein Video)]

3615

Dezember 30, 2023

Hot vibes from Oslo

Just in time for tomorrow’s

silvester party

[Fieh – Grendehus Funkadelic live@Palace Grill]