In der Hand zweier
Gitarrenvirtuosen:
Der Powerfrausong
[James Elkington & Nathan Salsburg – Buffalo Stance (Neneh Cherry)]
In der Hand zweier
Gitarrenvirtuosen:
Der Powerfrausong
[James Elkington & Nathan Salsburg – Buffalo Stance (Neneh Cherry)]
The gloomy eighties
Female voices approaching
Guitars are dreaming
[Four Tet – Skater, thanks to Nick]
Dass eine Gehörlose in Deutschland Bundestagsabgeordnete werden kann, dafür liebe ich dieses Land.
Zum Tagesanbruch
Lautes Vogelgezwitscher
schallt vom Innenhof
Drei Frauen singen
eine Liebeserklärung,
die es in sich hat
[The Joni Project – A Case of You (Joni Mitchell)]
Ein paar Worte zu Touch of Time, dem neuen Album von Arve Henriksen & Harmen Fraanje.
Vor dreißig Jahren
In Limpertsberg, weißt Du noch?
In meiner Küche
Lieblingsohrhörer
haben Fünfzig-Grad-Wäsche
nochmal überlebt

So ein kleiner Ton
Sich selbst ganz zurücknehmend
Aus dem Schilf kommend
Hi, Regentropfen!
In mein Tempo reinfinden
Der Regen hört auf
Luzide Flashbacks
Im Gedächtnis verschwimmend
Wir tänzeln im Kreis
[Brian Eno – All I Remember]
Rechts am Rhein abwärts
zu dritt mit drei km/h
bei leichtem Tröpfeln
Nach der Säuberung
als einziger den Hemdfleck
weiterhin sehen
Schilfblätter im Wind
Anschwellendes Vibrato
Den Ton aushauchen
[Charles Lloyd – Defiant, Tender Warrior]
Einfach einschlafen
und dann am nächsten Morgen
nicht mehr aufwachen
Es kommt hart auf hart
Zwischen Bruder oder Freund
und Frau entscheiden
Im Zentrum der Bass
Sonnenstrahlenreflexe
Wie das dahinfließt
[Michael Naura Quartett – Soledad de Murcia]
Schiffchen im Hafen
Wie glitzernde Smaragde
Kleinod, klitzeklein

Und ja: Es ist Krieg.
Und nein: Worte reichen nicht.
Und ja: Wach jetzt auf!
[Die Nerven – Und Ja]
Zwei Menschen am Meer
Acrylfarben, zerlaufend
Segelboot vorm Wald
[Kronberger Malerkolonie: Transzendenz (Rüngeler, Hackemann, Reuter, Lioba Lang)]
Zehn Treppen hinauf
Blick über die Baumwipfel
Frankfurt bis Feldberg
[Niederhöchstadt – Viergötterstein – Stadion Neuenhain – Mammolshain – Hardtbergturm – Opel-Zoo – Mammolshain – Kronthal – Schafhof – Klärwerk Schwalbach – Niederhöchstadt, 12 km]

gimme triphop vibes
let’s dive into the club night
not a second lost
Erster Lauf im Jahr
Mehr geschleppt als gelaufen
Knie hat gehalten
Drei Häuser weiter,
wo mal ne Garage stand,
wohnen Liebetanz
[Can – Halleluwah]
Sie grooven sich ein
Ein Morgen, sonnig und kalt
Das Feuer lodert
[Lee Fields & the Expressions – Just Can’t Win]
Die Benommenheit
vier Stunden nach Einnahme
des Melatonins
Berner Sennenhund
gekreuzt mit Neufundländer
A puppy to watch
Eine sanfte Kraft,
die wahrscheinlich einen Krieg
beenden könnte
[10cc – I’m not in Love]
Vor vielen Jahren
habe ich in diesem Lied
Tag und Nacht gelebt
[Traffic – John Barleycorn Must Die]
Auf stillen Wassern
Wabernde Nebelschwaden
Ein Lichtstrahl bricht durch
[John Abercrombie – Timeless]
Der Blick der Hündin
rüber zum Haus von Scotty,
der schon lange tot.
In Gummistiefeln
und langsam auf vier Pfoten
den Bach überquert
Es blüht der Weißdorn
Tau auf den Weidekätzchen
Der Boden ein Schwamm
In der Rotphase
Mit Zylindern jonglieren
Den Hut aufhalten
Das Kohlmeisenpaar
Moostransport vom Apfelbaum
ins Vogelhäuschen
—
Zuhause ist man dann, wenn
man sich eingerichtet hat
Liegen. Augen zu.
Die Atemzüge zählen.
Mit mir verschmelzen.
Ein schwankendes Schiff
bei völliger Windstille
It’s the age, stupid!
Wenn gegen Ende
die Geige beschleunigt und
gen Himmel abdreht
[Roxy Music – Out of the Blue]
Die ersten Schritte
nach dem Aufstehn ein Humpeln
seit drei Monaten
Ich hätte jetzt gern
eine Bundeskanzler:in
mit Kriegserfahrung
we are approaching
an ultimate level of
sophistication
[The Smile – Bending Hectic]
Unter den Sohlen
Aus dem Nichts in der Hornhaut
Kleine Orgasmen
Ein leichtes Tröpfeln
Die Natur für uns allein
dank Regenradar
Am frühen Morgen
musikalisch richtig fest
umarmt zu werden
[Khruangbin – May Ninth]
Aus Legosteinen
gemeinsam ein Haus bauen
und dann drin wohnen
[Kurt Rosenwinkel – Use of Light]
Es gibt Lieder, die
mich einfach nur plattmachen,
wie ne Dampfwalze
[Mary Timony – Valley of One Thousand Perfumes]
Straßenmusiker
und Bettler mit zwei Hunden
teilen brüderlich
Der Morgenländer
Augen weit aufgerissen
nach meinem Anblick
[Stadtallendorf]
Auf dem Wiesenweg
Oben zwitschern Feldlerchen
Links und rechts Acker
Ein Frühstückspläuschchen
Genug Flüssigkeit getankt
Es kann losgehen
Bitte Tür schließen
steht an der Kirchenpforte
Doch die Tür ist zu
Der Morgennebel
Die Konturen der Bäume
Eine Welt entsteht
Nach Glockenschlägen
morgens um 6 Entspannung
In Halbschlaf gleiten
Menschen stehen an
Es gibt Bratwurst mit Pommes
Ein Duft, der betört
Heute der vorletzte Tag mit der kürzesten Etappe. Trotzdem kein Zuckerschlecken. Eine gewisse Fasten- und Wandermüdigkeit macht sich im Laufe der Etappe bei mir breit. Die Waden ziehen, die Kniee sind eingerostet, Anfechtungen machen sich bemerkbar.
Das Frühstück sehr übersichtlich, leider kein Tee – das ist ein Problem für den Flüssigkeitshaushalt, wer trinkt schon einen Liter Wasser frühmorgens, ich nicht – aber etwas exotisch. Kombucha mit Ingwer. 2,4% Zucker, mit Kohlensäure, brennt etwas.

Geschichtsexkurs: Vor dem 2. Weltkrieg war Stadtallendorf noch ein Dorf mit 1.500 Einwohnern. Während des Krieges wurde es dann laut dem Dokumentationszentrum der größte Rüstungsindustriestandort Europas. Zwangsarbeiter aus vielen Nationen produzierten Sprengstoff für die Wehrmacht. Nach dem Krieg ließen sich viele Vertriebene in der Region nieder. Es siedelten sich diverse Industrieunternehmen an, was zu einem Wirtschaftsboom führte. Von den heute über 21.000 Einwohnern sind etwa ein Viertel Muslime.
Es geht halb zehn los, ich lasse mir viel Zeit, bin nicht motiviert. Draußen bin ich erst einmal desorientiert, laufe in die falsche Richtung, aus der ich gestern gekommen bin. Muss erst wieder den Weg finden, da ich etwas abseits bin. Das Wetter bedeckt, es muss geregnet haben, ein Gefühl der Klammheit. Temperaturcheck 8 Grad. Bingo!
Der Weg nach Westen ist leicht kurvig und abschüssig und läuft zwischen den Feldern lang. Man hat eine weite Sicht über die Felder und Wiesen. Aus einer Asphaltstraße wird ein Feldweg, der sehr angenehm zu gehen ist. Meine Anwesenheit scheucht die unauffälligen hellbraunen Feldlerchen auf, die tirillierend durch die Lüfte schweben.
Nach knapp einer Stunde komme ich in Langenstein an, benannt nach dem 10 t schweren, über 5 m hohen Menhir aus der Jungsteinzeit, wohl einer der Größten Deutschlands.

Die schnucklige Jakobuskirche weist eine Besonderheit auf. Ein freischwebendes zweischichtiges und zweifarbiges Netzgewölbe im Chorraum. So etwas gibt es in Deutschland nur noch in Frankfurt (St. Leonhard) und in Meisenheim.

Als ich aus dem Ort heraustrete, fällt in der Ferne ein die Landschaft dominierender Hügel mit einer Kirche drauf auf. Es ist mein Etappenziel, Amöneburg. Einerseits ist es schön, sein Ziel so direkt vor Augen zu haben, man kann einschätzen, wie weit es weg ist. Andererseits zollt es einem natürlich auch Respekt ab, insbesondere die erhöhte Lage, da ist noch etwas physikalische Arbeit angesagt heute.

Mein Tempo ist heute gemächlich, ich bin um 14 Uhr im Hotel angemeldet, acht km in drei Stunden, die Zeit läuft nicht weg.
Ich gehe nun weiter zwischen Feldern und Wiesen, komme bald zum nächsten Ort, Kirchhain, den ich mehr oder weniger komplett durchqueren muss. Das Autokennzeichen ist hier jetzt MR für Marburg. In der nach 1945 wiederaufgebauten katholischen Elisabethkirche stempele ich in der Taufkapelle meinen Pilgerausweis, in dem noch Platz ist, pro Tag kriege ich meist mehrere Stempel zusammen.
Neben dem Standesamt steht eine längere Schlange an einem Imbiss, wo es Bratwurst mit Pommes gibt an. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. So langsam beginne ich mich sehr auf das Ende meines Fastenintermezzos zu freuen.

Aus Kirchhain raus geht es über die recht stattliche Ohm im Zickzack über Felder und Wiesen. Eine Gruppe von Landschaftspflegern macht ein Feuer. Es geht nun spürbar aufwärts, ich komme ins Schwitzen, ziehe die Jacke aus und binde sie mir um.

Nach gut der Hälfte des Anstiegs lächelt mich eine Liegebank an und ich kann nicht widerstehen. Vor meinen Augen ein grüner, rundlicher Hügel mit Steinen und Gebüsch drauf. Es hat etwas Künstliches, Steingartenartiges. Auf jeden Fall entspannend.

Oben angekommen, habe ich noch eine halbe Stunde Zeit und entscheide mich für den Mauerrundweg.

Man muss wissen, Amöneburg liegt komplett oben auf dem Hügel und wird zu großen Teilen auch heute noch von einer Stadtmauer umgeben. Der Weg bietet Ausblicke nach Kirchhain, wo ich gerade herkomme und nach Stadtallendorf, wo ich übernachtet habe. Es gibt einige Tore zu sehen sowie die alles überragende katholische Stiftskirche von 1871.

Der Blick nach Westen gibt einen Ausblick auf den Charakter der morgigen, letzten Etappe. Viel Grün, viel Natur, kaum Orte. Marburg ist von hier noch nicht zu sehen.

In der geräumigen Stiftskirche fällt mir auf, dass ich, wenn ich mich recht erinnere, in keiner Kirche, die ich auf dieser Wanderung bisher besucht habe, auch nur eine Menschenseele getroffen habe. Das scheint mir doch schon sehr bezeichnend.
Den Elisabeth-Altar hinter dem Hochaltar finde ich genauso wenig wie den Pilgerstempel. Dafür eine Elisabethfigur, ich glaube, die erste, die ich im Blog präsentiere.

Ich schrieb es bereits, dies ist eine geschichtsreiche Region. 721 soll der angelsächsische Benediktinermönch Bonifatius sein Missionswerk mit einer Klostergründung hier begonnen haben. Wenn man der Statue Glauben schenken darf barfuß, knapp 50 Jahre alt und 1,80 m groß.

Nach dem Rundgang begebe ich mich ins Hotel, meine letzte Nacht auf dem Elisabethpfad möchte ich genießen.

Hier der Etappenüberblick über meine Fastenwanderung auf dem Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg im Februar 2024.
Menschen stehen an
Es gibt Bratwurst mit Pommes
Ein Duft, der betört
Frau entschuldigt sich
Ihr Setter am Grundstückszaun
hat mich angebellt
„Hallo Einsamkeit,
Du bist die Einzige, die
mich nie allein ließ“
[Mary Timony – The Guest, verkürzt übersetzt]
Der Wind übertönt
das Brummen/Rauschen/Brausen
der Windradflügel
Ein goldgelber Strahl
Nicht besonders ergiebig
Du musst mehr trinken!
Der kleine Junge
auf der anderen Seite
rennt und ruft: „Hallo“
Schneeglöckchen sprießen
Die ersten Gänseblümchen
Die Gänse turteln

Windräder in Schwung
Im Wind wehende Blätter
Den Wind im Ohr
Knisternde Blätter
Im Wald klingelt ein Handy
Zwitschernde Vögel
Die Verdauung still
Das Geräusch der Fußschrite
Der Geist auf Touren
Der Einlauf reinigt
Die Riemen festgezogen
Die Sonne blinzelt
Unter den Füßen
flitzt der Weg weg. Allmählich
wechselt die Landschaft.
Nieselregen, mild
Gespräche am Wegesrand
Pausen genießen