Archive for the ‘DEU’ Category

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März 6, 2009

Da hatte einer dieselbe Idee mit den Siebzehnsilbengedichten. Dem Ort angemessen schrieb Durs Grünbein seine japanischen Reisetagebücher Lob des Taifuns in Haikuform.

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März 4, 2009

catherine meint, dass das bild da oben kitschig ist. deswegen mag sie das blog nicht. ich versteh das nicht. denn eigentlich gibt es keinen, der so allergisch auf kitsch reagiert wie mich. kitsch ist ganz große scheiße. und das bildchen da oben ist einfach ein naturereignis, eine aufgehende sonne. der kitsch liegt in der retina des beholders. den gibt es ansonsten gar nicht.

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März 4, 2009

es gibt ein paar wörter an denen man sich festhalten kann. knülle gehört zu diesem exquisiten kreis. wird ganz klar viel zu selten benutzt.

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März 2, 2009

Ein Haiku beschreibt
etwas Wahrgenommenes
Der Autor stört nur

Centro de Interpretación del Julán – Los Letreros

Februar 26, 2009

Rast am Tagoror
Zwei große Vögel kreisen
Krächzende Krähen

El Mocanal – Pozo de las Calcosas

Februar 25, 2009

Nach dem steilen Teil
Nur noch ein sanfter Abstieg
Doch ihm reicht es jetzt

***

Unten Sonnenschein
Beim Aufstieg kein Tröpfchen
Oben ist es nass

El Julán

Februar 25, 2009

Der erste Radler:
Ein gebräunter Norweger
ist vor uns am Ziel

Musik, Name & Gedächtnis

Februar 24, 2009

Die Magie einer Musik, die man noch nicht kennt oder die man kennt, aber von der man den Interpreten vergessen hat. Im zweiten Fall birgt sie wieder ein Geheimnis, das sie in dem Moment verloren hatte, als man wusste wer das war und welches Stück. So lange ich nicht mehr weiß, wer hinter der Musik steht, ist sie dichter, stärker, eindrücklicher, mehr auf den Augenblick konzentriert. Das Wissen des Namens des Musikers subtrahiert etwas von ihr, lenkt ab, verwässert.

Shuffle auf der Jukebox. Die ersten Takte eines Liedes, von dem ich weiß, dass ich es kenne. Diese wenigen Sekunden am Anfang, in denen ich noch nicht sicher bin, welche Band und welches Stück das ist. Die Gehirnzellen, die bei mir inzwischen (lauert da Alzheimer um die Ecke?) eine kleine Weile brauchen, bis sie mein Gedächtnis angezapft haben und die Info zurückgemeldet haben. In diesen Momenten ist alles möglich. Dafür liebe ich sie so.

Hoya del Morcillo – Mercader

Februar 24, 2009

Ein junges Pärchen
kommt den Barranco runter
dank Geocaching

San Andrés – Las Montañetas

Februar 23, 2009

Der dürre Schimmel
steht eingepfercht im Schatten
auf der Meseta

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Februar 23, 2009

Bei den einen ist die Fassade interessanter als das, was dahinter steckt, bei den anderen ist es umgekehrt.

Carneros in Tigaday

Februar 23, 2009

Sie holen mich ein
Die Männer im Hammelfell
Au, schwarze Backe
(22.2.)

Ermita de los Reyes – Mirador de Bascos

Februar 22, 2009

Errötet sagt sie:
„So eine schöne Natur
Müssen Sie sehen!“

Frontera – Mirador de Jimana

Februar 21, 2009

Am Fuß des Weges
Die Bäckersfrau mit dem Brot
ein Himmelsgeschenk

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Wiedergetroffen
Die spanischen Wanderer
Jetzt steigen sie ab

***

Das Taxi wartet
oben auf einen Wandrer
Es ist seine Frau

***

Weicher Waldboden
Der Abstieg ein Fußbalsam
Nervend: Die Falter

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Februar 20, 2009

Dädalus erfror
bevor sein Paar Wachsflügel
in der Sonne schmolz.

Valverde – Tamaduste

Februar 20, 2009

Der Himmel reißt auf
Rechts taucht La Gomera auf
Links liegt La Palma

***

Geschminkte Kinder
singen, tröten und trommeln.
Carnaval. Tschüss, Fleisch.

Einsilbiges Quiz

Februar 19, 2009

Wieviele Buchstaben hat die längste Silbe im Deutschen? Ich komme immer höchstens auf acht, z.B. schlenzt. Wer bietet mehr?

El Pinar – La Restinga

Februar 19, 2009

Der Hirte schnalzt
Die großeutrige Ziege
springt aus der Linse

***

Von uns aufgeschreckt
Ein Paar Felsenhühner
Sie flattern davon

El Lunchón – Las Puntas

Februar 19, 2009

Ein Gekreisch hebt an
Ich steige auf die Mauer
Kein Vogel zu sehn
(15.2.)

Sabinosa – Playa de Verodal

Februar 18, 2009

Sieh da die Welle
den weißen Kamm geschwollen
überschlägt sie sich

Valverde – Mirador de la Peña

Februar 18, 2009

Die Passatwolke
vor der Steilwand löst sich auf
Die Aussicht ist tief
(17.2.)

u bet

Februar 12, 2009

„Er wird großartig sein“, hatte Obama gesagt. Und: „Ich werde dafür sorgen, dass Tim seinen Moment im hellen Sonnenschein bekommt.“

rss feeds

Februar 10, 2009

Sometimes I write in English, sometimes in German. If you only want to follow the English posts, there is an rss feed here. Für Deutschsprachler, die keine Lust auf die englischen Beiträge haben, ist dieser RSS-Feed gedacht. Alles klar?

Zopf ab

Februar 9, 2009

Cargo am Frankfurter Hbf gekauft. Die eine Seite gelesen, wegen der ich mir das Heft zugelegt habe. Mich wegen meiner Neugier, die befriedigt wurde, geschämt und gleichzeitig enttäuscht gewesen. Immer dasselbe. Wie minimalistische Musik. Da Capo. Round & round & round. Blog aus Roll entfernt. Ein Blog, das nicht mehr aktualisiert wird, braucht kein Mensch. & auf die Ruine verlinken, können meinetwegen die Netzhistoriker. Kann jetzt den Rest von Cargo in aller Ruhe lesen.

Brain One

Februar 9, 2009

Unglaublich aber wahr. Ich habe doch tatsächlich einen Twitter (oder wie nennt man die Dinger?) gefunden mit dem ich was anfangen kann. Da stehen entweder Denkanregungen, Handlungsanweisungen oder neue Worte/Sachverhalte drin bzw. es wird auf Artikel, Podcasts, Musikstücke oder Videos im Zusammenhang mit dem Autor verlinkt. Wer mag das wohl sein? Brian Eno, wer sonst. Ein Sechzigjähriger zeigt den jungen Spunden wie man ein SMS-Blog schreibt. Ich zwitscher mir jetzt auch einen. Aber in echt.

Cat Power – The Greatest

Februar 9, 2009

Draußen schneit es & es ist dunkel & kalt & feucht, denn die Schneeflocken schmelzen kurz nachdem sie auf meinem Mantel gelandet sind. Myriaden von kleinen weißen rundlich-eckigen Flugkörpern. Sie fliegen mir auf die Nase & auf die Brille, hinter das Brillenglas, auf die Augenlider, schließlich sogar in die Augen. Ich sehe kaum noch den Weg. Noch ein paar Meter & ich habe es geschafft. Bin endlich zuhause. Andere würden sich jetzt einen Glühwein, einen Grog oder einen Irish Coffee brühen. Oder in die dampfende, überschäumende Badewanne steigen. Oder in der Sauna das Wasser auf den Ofen gießen. Ich wärme mich anders, wenn es draußen stürmt & schneit. Von den Ohren übers Hirn in die Eingeweide. Ich lausche Chan Marshall’s von viel zu vielen Zigaretten kratzig-rauher, verruchter Stimme, wie sie davon singt, dass sie mal die Größte sein wollte. Muhammad Ali ick hör dir trapsen. So richtig viel kann ich mit dem Liedtext jetzt nicht anfangen, aber darauf kommt es meistens ja sowieso nicht an. Mir jedenfalls nicht. Aber vielleicht kann einer meiner Leser ja für Aufklärung sorgen.

Hardcore Procrastination

Februar 9, 2009

Im Grunde habe ich ja in den letzten sechs Monaten nichts anderes gemacht als darauf zu warten, dass der Spuk endlich vorbei ist und ich mir meine nächste Zigarette anzünden kann.

Picus viridis

Februar 8, 2009

Heute mittag hat so ein Geselle bei uns mit seinem langen Schnabel den Rasen vertikutiert. Den Apfelbaum wollte er auch hoch, hat sich aber nicht über den eigentlich für die Blattläuse gedachten Leimring getraut und ist wieder den Rückzug angetreten. Im Rückwärtsgang, lustig anzuschauen. Das Eichhörnchen ist nicht so zimperlich.

P.S. Catherine hat zudem noch ein Mauswiesel im Garten herumschleichen gesehen. Natur pur am verregneten Wintersonntag.

John Cale – Antarctica Starts Here

Februar 8, 2009

He built a cathedral for a woman in hell, didn’t he?
Lester Bangs‘ Freundin über „The Marble Index“

Der Einstieg ist jetzt etwas unpassend, aber so war es nun einmal. Die Realität ist meist banal und Rücksicht nimmt sie auch auf niemanden. 1919 Kilojoule habe ich gestern auf meinem Ergometer verbrannt. Da lag es nahe, etwas über John Cale’s Paris 1919 zu schreiben. Es war schon fast eine unheimliche Koinzidenz, dass Stefan gestern im Kommentar sich ein Posting von mir zu einem Lied von genau dieser Scheibe wünschte. Vorher noch etwas zu der Zahl: Es handelt sich natürlich um eine Jahreszahl. 1919 fand in Paris die Friedenskonferenz nach dem ersten Weltkrieg statt, die dann zu dem unseligen Versailler Vertrag führte. Aber erst einmal war jetzt Frieden. Vielleicht auch, um das herauszustellen, ist das Album für John Cale untypisch wohlklingend, viele Stücke sind mit Streichern unterlegt. Es wurde in L.A. mit drei Mitgliedern der funkigen Country/Blues-Rocker Little Feat eingespielt, unter ihnen Lowell George an der Gitarre. Man schwelgt in üppigen orchestralen Arrangements voller Harmonien.

Antarctica Starts Here ist das letzte Stück. Und es ist anders als die Vorgänger. Zum einen ist es eine sehr ruhige und anfangs recht zurückgenommene, schmucklose Pianoballade, die im Vergleich zum Rest fast schon wie Low-Fi anmutet. Zum andern flüstert Cale seinen Songtext ins Mikrofon als hätte er Angst, irgendetwas zu zerbrechen. Das Lied schwebt eigenartig in Moll dahin, vorgetragen mit einer großen Ernsthaftigkeit und Intensität. So sanft und zärtlich kann eigentlich nur ein Liebeslied sein. Es gibt einige Hinweise darauf, dass es um Nico geht, die schöne deutsche Sprechsängerin der frühen Velvet Underground, mit der John Cale viel musikalisch zusammengearbeitet hat (s. Zitat oben). Cale erzählt von einer paranoiden Schauspielerkönigin (Nico spielte in Fellini’s La Dolce Vita), die untätig und mit Puder und Maskara bewaffnet dasitzt. Der folgende Satz beschreibt treffend Nico’s monotone Art zu sprechen:

The lines come out and struggle with
The empty voice that speaks

Wie Antarctica Starts Here auf diesem Album so war Nico ein Fremdkörper in dieser Welt. Von einer atemberaubenden Schönheit, gleichzeitig eine unnahbare Kälte ausstrahlend. Ihre große Liebe war das Heroin, ihr Leben war bewusst gewollte Selbstzerstörung. 1988 starb sie mit 49 an einer Hirnblutung auf Ibiza nach einem Sturz vom Rad.

Cale findet Vergleiche, die buchstäblich ins Herz treffen:

Her heart is oh so tired now
Of kindnesses gone by
Like broken glasses in a drain
Gone down but not well spent
The road from Barbary to here

Bei dem letzten Satz kann ich nur an die Barbarei der Nazis denken, Nico wurde wie meine Mutter 1938 geboren. Auch der letzte Abschnitt würde gut zu Nico passen. Ihre vielen fast durchweg unglücklichen Beziehungen (neben Cale u.a. mit Delon, Morrison, Reed, Buckley, Dylan, Jackson Browne, Brian Jones und Iggy Pop) als eine Art Peep-Show bei der die Männer ihr zugucken wie die Wirkung der Drogen langsam nachlässt. Da fängt sie an, die Eiswüste der Antarktis:

Her schoolhouse mind has windows now
Where handsome creatures come to watch
The anaesthetic wearing off
Antarctica starts here

Und ganz am Ende ertönt im Hintergrund ein Harmonium. Das war ihr Instrument.

Narrenstuhl

Februar 7, 2009

An des Papstes Stelle würde ich jetzt mal so langsam an Rücktritt denken. Wahrscheinlich ist ihm das gar nicht gestattet, aber das ist wohl der einzige Weg, nicht völlig das Gesicht zu verlieren. Diesen Papst kann niemand mehr ernst nehmen, weder die Holocaust-Leugner, noch die Juden, noch die Katholiken, noch die Protestanten, noch die Atheisten, noch die Muslime, noch die Marsmenschen. Glos und Benedikt könnten ja die Stühle tauschen, für den Vatikan wäre es auf jeden Fall ein Gewinn, für die Bundesregierung auch kein Verlust.

P.S. Eigentlich ergibt die ganze Geschichte nur dann einen Sinn, wenn Benedikt in seinem tiefsten Innern selbst ein Pius-Bruder ist.

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Januar 30, 2009

moriarty haben da gestern in der erstaunlich gutbesuchten brotfabrik ein wunderschönes, ruhiges lied gespielt, das ich gerne hochgeladen hätte. es scheint nicht auf ihrem neuen album (ersten?) zu sein. es kam suitcase drin vor. das dritte oder vierte lied des sets. eher melancholisch angehaucht, eh klar.

fuck web 2.0

Januar 28, 2009

gibt es eigentlich noch gepflegte blogrolls?

es ist noch hoffnung da

Januar 28, 2009

die erste mücke gesehen. sie lauert auf dem vorhang. der winter war zu warm bis jetzt (dabei war er gar nicht so schlecht, aber ich bin halt verwöhnt, münchen 1985 auf dem rad zum matheinstitut bei minus 25). wir haben ja erst ende januar. die kältesten tage kommen oft erst im februar.

eyeless in gaza

Januar 28, 2009

Wieso ist die Berichterstattung über den Nahen Osten eigentlich immer so einseitig? Wieso sind immer entweder die Palästinenser oder die Israelis die Bösen? Ich glaube, dass beide nicht ganz unschuldig an der jetzigen Situation sind. Wieso verdammt nochmal können die sich nicht endlich mal einigen? Meinetwegen auf die Grenzen von 1967. Was spricht dagegen, Israel? Bis 1967 hat es ja auch gereicht. Mit Raketen rumzuschießen und mit Flugzeugen rumzubomben sind jedenfalls Konfliktbewältigungen auf Steinzeitniveau. Scheiße wie kann man das Leid eines anderen Volkes so ausblenden, wenn man selber einem Volk angehört, dass vom Leiden auch nicht gerade verschont wurde? Oder haben die das etwa schon vergessen?

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Januar 27, 2009

avocado diabolo

Shame on you

Januar 26, 2009

Die einzige Institution, die aus dem Holocaust nichts gelernt hat, scheint die katholische Kirche zu sein. Damals unter Hitler haben sie nichts gesagt und jetzt nehmen sie Leute wieder in ihre Herde auf, die die Judenvernichtung leugnen. Konsequent ist er ja, der Benedikt.

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Januar 26, 2009

Immerhinque hat immerhinque 517 Google-Ergebnisse. Das letzte Mal als ich die Wortzusammensetzung gehört habe, muss Anfang der Achtziger gewesen sein. Bestimmt von einem Lehrer, der damals kurz vor der Pension war. Oder war es Walter’s Bruder in Tadellöser & Wolff? Verschroben, ein bisschen betulich aber doch irgendwie sympathisch. Wiederlesen macht jedenfalls Freude.

Immer und ewich

Januar 25, 2009

Hier zuerst gesehen.

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Januar 25, 2009

Nach fast acht Jahren Bloggen kriege ich hier zwölf Views an einem Sonntag. Danke Euch allen, seid ihr auch ganz sicher, dass Ihr Euch nicht in der Adressleiste bei der URL vertippt habt? Ich habe übrigens noch einen zweiten Blognamen reserviert, mit dem kriege ich bestimmt locker tausend Views am Tag. Wie damals mit sex and sunshine.

Friede, Freude, Freistil

Januar 24, 2009

Das Kammerflimmer Kollektief aus Karlsruhe macht nun schon seit zehn Jahren Instrumentalmusik außerhalb aller gängigen Schubladen mit gelegentlichen elektronischen Einsprengseln. Der ausgefallene Name deutet darauf hin, dass ihre Musik zum einen durchaus auch Soundtrackcharakter hat und dass sie eine größere Band sind; auf einigen Stücken musizieren acht Personen. Alles Glühen ist eine Nachtmusik, die sich weit zurücklehnt und den Tag vor dem inneren Auge Revue passieren lässt. Man sieht Kerzenlicht, ein loderndes Kaminfeuer und hört den Wind rauschen. Es ist kuschelig und sehr entspannt. Eine innere Wärme steigt in einem auf. Dazu ein Fläschchen Rotwein und der Abend könnte noch lang werden. Dann plötzlich das offene Ende. Nicht disharmonisch, aber auch nicht melodisch, eher impressionistisch improvisiert. Am Ende bellt noch ein elektronischer Hund. Von nun an ist alles möglich.

Miguel Torres. Titanes. Crianza 2006

Januar 24, 2009
  • Alkoholgehalt: 14%
  • Region: Catalunya
  • Reben: Garnacha, Cariñena, Syrah
  • Preis: 7 Euro
  • Laden: Aldi
  • Entkorken mit leichtem Zischen
  • Depot: nicht vorhanden
  • Farbe: zwischen dunkelrot und schwarz
  • Bukett: Rauch, Pflaume, Muskat, Vanille
  • Konsistenz: erst samtig, schäumt ganz leicht auf der Zunge (evtl. Einbildung)
  • Geschmack: fruchtig, pflaumig, ausgeprägte Tannine
  • Abgang: etwas unrund, Wein noch zu jung

Zusammenfassung: Ausbaufähiger nahezu schwarzer Rotwein mit fruchtig-pflaumiger, rauchiger Note, der ein ganz kleines bisschen auf der Zunge bizzelt (?). Sollte noch ein paar Jahre gelagert werden. In der Karaffe hatte er sich am 2. Tag schon gut entwickelt. Für den Preis würde ich mir persönlich lieber einen Bordeaux kaufen.

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Januar 24, 2009

Chatwin war wie Fermor ein leidenschaftlicher Fußgänger. Er war fest davon überzeugt, dass Gehen nicht einfach nur einen therapeutischen Wert besitze, sondern eine poetische Handlung sei, welche die Welt von ihren Übeln heilen könne. (Quelle)

Champagne for the ears

Januar 23, 2009

Brian Eno: Third Uncle from Taking Tiger Mountain (by Strategy)

Vorhin versucht, Wire. Adventures in Modern Music zu hören. No chance. Alle drei Sendungen fingen nach dem Erkennungsstück mit Tracks an, die beherrscht waren von dumpfen Elektro-Beats, die dauernd wiederholt wurden. Wie Minimal Music nur viel schlimmer und einfallsloser, da völlig melodiefrei. Was ist passiert mit der experimentellen Musik? Wie kann man sich so einen tumben, hirnlosen Mist anhören? Ich versteh das nicht, das ist doch nur noch völlig einfallsloser Bullshit. Es lohnt sich nicht mal nach des Kaisers neuen Kleidern zu schreien, da sich diese Pseudo-Avantgarde ja sowieso niemand anhört. Und das ist gut so.

Zurück zu Brian Eno. Der war früher mal Pop-Avantgarde und hat unheimlich spannende und faszinierende Musik gemacht wie in dem Stück da oben von seiner zweiten Scheibe von 1974. Heute produziert er Coldplay. So eine Fallhöhe muss man erst einmal herunterstürzen. Vorher hat er U2 produziert und davor Ambient erfunden. Bei ihm ging es im Laufe der Zeit von der musikalischen Relevanz immer nur abwärts, aber von der Knete nur aufwärts. Sehr schade. Sein letztes Album mit David Byrne war auch vollkommen belanglos. Das hätte ein Computer mindestens genau so gut komponieren können. Vielleicht war ja einer am Werk.

Eine endlos hallende Basssaite, die schrammelnde, leicht angezerrte Gitarre, eine zweite krachigere Gitarre, das gleichförmige Schlagzeug und dann Eno’s ausdruckslose, neutrale Stimme, die irgendetwas aufzählt. Es hört auf mit „and then there was you.“ Und wie die Leadgitarre mit der Rhythmusgitarre nicht kommuniziert sondern sich auf Eskapaden begibt, die aus dem Lied herausführen könnten, es am Ende aber dann doch nicht tun. Es handelt sich ja hier nicht um Acid or Prog Rock. Das ist alles ganz phantastisch und sehr schön prickelnd. Schampus auf die Hörlöffel.

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Januar 23, 2009

Google hatte das neue Blog schon vor ein paar Tagen gefunden, aber jetzt ist auch der erste Surfer über eine Suche hier aufgeschlagen. So richtig überrascht bin ich über den einen der beiden Begriffe jetzt nicht. Die Kombination lässt allerdings schon tief schließen.

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Januar 23, 2009

statistik ist opium für vollkoffer

Monolog eines alten Sackes

Januar 22, 2009

Alain Bashung: Hier à Sousse von Bleu Pétrole

Vorhin der Gedanke, dass ich deswegen so auf neue Sounds stehe weil die Musik von früher mich daran erinnert wie alt ich bin. Und das Deprimierendste: Ich kenne keine neue interessante und innovative Musik mehr. Bin also dazu gezwungen, die Sachen von gestern zu hören. Deswegen bin ich stinksauer auf die jungen Bands und Solomusiker. Die einzige Chance für mich, gute neue Musik zu hören, scheint die Hoffnung auf meine Vergesslichkeit zu sein. Gibt es Alzheimer im Zusammenhang mit früher gehörter und geliebter Musik? Somehow I doubt it. Aber wenigstens gibt es noch so Leute wie Bashung, der inzwischen die Sechzig überschritten hat. Er hat nach längerer Pause mal wieder ein neues Album gemacht und darauf ist dieses Lied, das so losgeht:

Ici à Sfax, Ici à Sfax,
Hier à Sousse, Hier à Sousse,
Demain à Paris, Demain à Paris,
Aucun cadran n’affiche la même heure,
Aucun amant ne livre la même humeur

An Bashung mag ich seinen spröden und trockenen Sprechgesang und seine paroles. Der Mann spielt gerne mit der Sprache und hat etwas zu sagen. Rockende Ohrwürmer schreiben kann er auch. Von allen lebenden französischen Barden ist er mir wahrscheinlich der liebste. Sfax und Sousse sind übrigens beides Hafenstädte in Tunesien und ein cadran ist ein Zifferblatt. Die Problematik mit der langweiligen neuen Musik ist natürlich ein Evergreen in meinem Blog wie man z.B. an diesem über sechs Jahre alten Post sehen kann.

Rioja Reserva 2004. Guia Real.

Januar 21, 2009

Rioja Reserva 2004. Guia Real.

  • Alkoholgehalt: 13%
  • Reben: Tempranillo, Garnacha
  • Preis: 5 Euro
  • Laden: Aldi
  • Entkorken mit leichtem Plopp
  • Depot: Einige, wenige Weinsteinkristalle
  • Farbe: rubin-, dunkelrot, sehr kräftig
  • Blume: Leder, intensiv
  • Konsistenz: keine Kohlensäure, dünnflüssig, recht samtig
  • Geschmack: Leder, dann schwarze Johannisbeere
  • Abgang: recht flach, leicht pfeffrig

Zusammenfassung: Gut trinkbarer Rotwein mit schöner Farbe und von Ledertönen dominiertem Geruch und Geschmack, leider ohne länger anhaltenden Nachgeschmack. Umfüllung in Karaffe tut ihm gut und die Aromen sind nach 2 Tagen stärker geworden.

Welches Wort passt nicht?

Januar 20, 2009

schlechtdrauf

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Januar 19, 2009

Die Links kommen dann morgen dran.

Edgar Allan Poe

Januar 19, 2009

Die erste Geschichte, die mich in meinem Leben umgehauen hat, war The Pit and the Pendulum zu deutsch Die Grube und das Pendel. Ich habe sie mit 12 oder 13 gelesen und ich erinner mich wie ich damals an den Sätzen geklebt habe. Wie ich in die Kurzgeschichte eingetaucht bin, mich mit der Hauptperson identifiziert habe und verzweifelt bin. Es gab keine Rettung, ich war auf den Bettrahmen gefesselt und das Pendel mit der superscharfen Klinge senkte sich langsam herab. Das minimale Setting mit dem abgeschlossenen, dunklen Raum, dem Pendel, dem Bett, den Fesseln, dem Essnapf, dem Wasser und den Ratten ist im Grunde wie eine Schachaufgabe. Man muss nur die Elemente richtig kombinieren und es gibt eine Lösung. Aber es kommt schlimmer. Die glühend heißen Wände bewegen sich von allen Seiten auf einen zu, in der Mitte das Loch. Das Ende fand ich damals etwas unbefriedigend, es hatte doch keinen Ausweg gegeben. Im Grunde hat Paul Auster sich immer nur bei dieser Geschichte bedient, wenn er packend geschrieben hat. Seit 15 Jahren hat er nicht einmal das mehr hingekriegt. Was für ein unglaublicher Langweiler ist er geworden.

Um diese Zeit kam die Platte Tales of Mystery and Imagination vom Alan Parsons Project heraus. Ich hatte sie zuerst bei einer frühreifen Mitschülerin gehört, die natürlich einen älteren Freund hatte, mit dem sie immer vor der Tür zur Klasse rumknutschte. Wir hatten zu dieser Zeit eine Mischlingshündin, die Gregor hieß, das war der Männername, den meine Mutter am zweitliebsten hatte, fast hätte sie mich so genannt. Die Hündin sah aus wie eine eigene Rasse. Ein bisschen Schäferhund, ein bisschen Spitz. Wir Kinder hatten irgendwann keine Lust mehr mit ihr morgens Gassi zu gehen. Und eines frühen, dunklen Morgens, ich glaube es war Anfang Dezember, hatten wir sie rausgelassen und sie war nicht sofort zurück gekommen. Ich hörte gerade The System of Dr. Tarr and Professor Fether als jemand die Tür zu meinem Zimmer im Souterrain aufmachte – wahrscheinlich meine Mutter – und mir sagte, dass Gregor auf der Straße 100 Meter hinter unserem Haus überfahren worden war. Ich habe geheult und das leicht pathologische Lied lange nicht mehr aus dem Kopf gekriegt. Wie da in ein paar Minuten das Leben aus dem Hundekörper gewichen war, konnte ich nicht fassen. Wir haben ihn dann im Garten neben der Garagenseitentür begraben.

The Purloined Letter, auf deutsch Der entwendete Brief hat mich beim ersten Lesen überhaupt nicht beeindruckt. Wo war da verdammt nochmal der Witz? Einen geheimen Brief nicht zu verstecken auf dass ihn die Polizei, die das Zimmer völlig auf den Kopf stellte, die Dielen öffnete und die Wände aufbohrte, nicht fand. Später habe ich mich an diese Geschichte erinnert und habe es genauso mit meinem kompletten Geld gemacht, das ich damals hatte. Ich habe es in meinem Geldgürtel allein in einem Raum gelassen, für vielleicht 15 Minuten. Natürlich war es danach weg. Edgar Allen Poe funktionierte in der Praxis nicht.

Im Doppelmord in der Rue Morgue ging es wieder um eine knallharte logische Analyse. Ein Mensch kam für den Mord nicht in Frage. Es konnte nur ein … gewesen sein. Bei Kempelen’s Discovery auf deutsch Maelzel’s Schachspieler war es umgekehrt. Der Schachautomat konnte keine echte Maschine sein. Wobei einer der Gründe warum es ein Mensch sein musste, der in der Apparatur verborgen war, falsch war. Poe meinte nämlich, eine richtige Schachmaschine könnte niemals verlieren. Es hat eine ganze Weile gedauert bis die ersten Schachcomputer gegen Menschen gewonnen haben. In meiner aktiven Schachzeit Mitte der Siebziger waren sie nur Lachnummern.

Auch mit der Wahrscheinlichkeitstheorie tat sich Poe schwer. Er meinte doch tatsächlich, dass im Roulette oder beim Würfeln, weiß ich jetzt nicht mehr so genau, aufeinanderfolgende Spiele nicht unabhängig wären. Wenn also fünf mal rot gekommen war, hielt er es für sehr viel wahrscheinlicher, dass jetzt aus Gründen der ausgleichenden Gerechtigkeit schwarz kommen müsste. Auch da irrte Poe.

Heureka habe ich immer noch nicht gelesen. Das ist Poe’s Kosmologie, in der er versucht, die Welt zu erklären. Hat sich nicht durchgesetzt, genau so wenig wie Goethe’s Farbenlehre. Vielleicht sollten die Dichter ja doch lieber die Finger von der Naturwissenschaft und der Philosophie lassen.

Bei Poe natürlich auch immer faszinierend, dass er angeblich schon von einem oder zwei Gläsern Wein völlig betrunken war. Ich habe jetzt auch zwei Gläser Rioja intus und wenn ich ganz ehrlich sein soll, dann muss ich zugeben, dass ich schon etwas spüre. Nicht die Zunge, die Zeigefinger haben sich gelöst, sonst stünde jetzt hier nicht dieser Beitrag.

EAP200

Januar 19, 2009

Zum Start ein Gedicht von jemandem, der heute Geburtstag hat: