Meditationen
zwischen den weißen Linien
Tempomat sei Dank.
Meditationen
zwischen den weißen Linien
Tempomat sei Dank.
Waldsee umrundet.
Ahorn mit Schwarzfleckigkeit.
Urnenfeld besucht.
Die Enten schnattern,
die Krähen krächzen mir ihr
„Guten Morgen“ zu.
Himmel trägt Tonsur.
Wolkendecke drumherum.
Zenith nachtschwarzblau.
Himmel zieht sich zu.
Leute grüßen nicht zurück
oder mit Brummen.
Eine Mondsichel?
Oder eine Banane?
Pflück‘ sie und find’s raus!
Sich beim Vortragen,
ans Manuskript zu halten.
Viel zu langweilig.
Keinen getroffen.
Doch nicht allein auf dem Weg
durch die kühle Nacht.
Vielleicht das Schönste
im Leben. Am Firmament,
Sterne zu sehen.
Streifzug durch die Nacht.
Man ahnt mehr, als dass man sieht.
Der Himmel gibt Licht.
Der Weg in die Nacht,
wo man die Sinne aufreißt,
wird zu einer Sucht.
In Nacht eingetaucht.
Großen Wagen gesehen.
Polarstern gefolgt.
Mit Taschenlampen
blenden Leute die Natur
und sehen mich nicht.
Morgens eingepennt.
Polizist schießt mit Taser.
Trifft mich. Wache auf.
Zwischen den Wolken
des aufreißenden Himmels
funkeln Fixsterne.
Schnelle Vertrautheit
mit Unbekannten, die man
in Dunkelheit trifft.
Hör‘ im Haus Kratzen.
Ne Maus? Nee. Ein Eichhörnchen!
Dachrinnenturner.
Eichhörnchen greift sich
Nüsse aus Futterkasten
und wedelt mit Schwanz.
Schnitt unter Nase
beim Rasieren. Blutstillung
lässt Träne kullern.
Der goldgelbe Saft
mit durchdringendem Geruch
nach Heu und nach Tier.
Frühlingssonne fällt
auf Massen von Spaziergängern
sonntagnachmittags.
Drahtzaun geöffnet
für ausgebüxtes Zwerghuhn
und wieder fixiert.
Nachdem die Zehen
gegen das Tischbein stoßen,
bevor der Schmerz kommt.
Schwarzrote Farbe,
Brombeeraromen, fruchtig,
rund und geschmeidig.
[Primitivo aus Puglia, Doppio Passo, 2019 Bio]
Walnüsse gesucht,
gesammelt, -schält, -lagert, -knackt,
gepult, genossen.
Die Windschutzscheibe
heute morgen weiß bestäubt:
ein Feuerlöschstreich.
Eichkatz meditiert
auf Apfelbaum in leere
Noisettebar blickend.
Krähe wirft Walnuss
mit Maul so oft aufs Pflaster
bis sie geknackt ist.
Peruanische
Heidelbeeren so groß wie
Trollingerreben.
Zwei Runden locker
mit beschlagener Brille
durch Wiesen getrabt.
H…e, W……d, S..-
.a, H…e, L..a, G..i,
C…….e, B…..a.
Winfried, Franz, Walter,
Jonathan, Eckhard, Kostas,
Andrea, Thomas.
Süßes Wiegenlied,
das Augen schließt und sacht trägt
in Morpheus Arme.
An siebter Stufe
der Treppe stolpere ich
bei Versonnenheit.
Langes Wachliegen
bis zum Klingeln des Weckers.
Danach Entspannung.
Frecher Regelbruch:
Auto auf Geh- und Radweg
beschleunigt vor mir.
Novembernebel
hängt über Feld und Wiese.
Wie es sich gehört.
Halb vier aufgewacht.
Nicht mehr eingeschlafen nach
seniler Bettflucht.
Abgelaufenes
Bier zu trinken, wäre mir
früher nicht passiert.
Die Geheimnisse,
die ich der Nacht anvertrau‘,
bleiben im Dunkel.
Windstille total.
Sechs Highlander fressen Heu.
Vogelgekreische.
Die Nacht breitet sich
wie eine Decke über
die klamme Erde.
Der schwere, graue
Himmel hängt voller Wolken
und will einstürzen.
Wenn die Augen sich
an die Nacht gewöhnt haben,
scheint sie tief vertraut.
Eine Frau mit Hund
fragt mich im Dunkeln, ob ich
Angst vor Hunden hab‘.
Als Spaziergänger
ragt man aus der Landschaft raus
und wird gesehen.
Morgens streichelt mich
Dachshaar vom Rasierpinsel.
Kaum noch zu kriegen.
Milchig-trüber Trunk.
Schwer auf der Zunge liegend.
Sonne pur. Pastis.
Nach dem Ausatmen
kommt ein Moment der Ruhe
vor dem Einatmen.
(Er:) Neue Klamotten?
Schon wieder? Wozu denn nur?
(Sie:) Zum Tragen, was sonst?
Früher war’s Rauchen
verboten im Schlafzimmer.
Jetzt auch das Handy.
Mann joggt mithilfe
zweier Jagdhunde, an die
er gegurtet ist.
Die Schlehen sind reif.
Süßlich, mit etwas Säure.
Patxaran olé!
Menschen mit Demenz
haben keine Sorgen mehr,
und das hält (sie) jung.
[Martina Bergmann – Mein Leben mit Martha]
Diese Helligkeit.
Der November ist auch nicht
mehr das, was er war.
Verzweifelt suchst du
nach den Namen der Dinge.
Die Welt entfernt sich.
[Reiner Kunze]
Nördlich der A4.
Über Weimar. Buchenwald.
Unübersehbar.
Richtgeschwindigkeit.
Rase an Trabi vorbei,
der mit achtzig tuckert.
Ich jogge so schnell,
dass ich noch nachdenken kann
und im Kopf sprechen.
Schönster Sonnenschein,
ein Grad, die Autobahn leer.
Die Welt gehört mir.
Als eine Wildgans
knapp das Auto überfliegt,
senke ich den Kopf.
Der Blick und das Wort
vom Straßenmusiker als
ich hochschau‘ zu ihm.
Leuchten, Laternen,
Straßen-, Taschen-, Stirnlampen.
Es ward Licht im Park.
Die Familie hat
das große Sushilokal
ganz allein für sich.
Es ist frisch draußen,
aber für den November
etwas zu trocken.
Auch dieser Lockdown
lässt unser Zentralgestirn
wieder breit grinsen.
Beam me back, Scottie.
Chillen mit Wiener DJs.
Lässig und locker.
[Kruder & Dorfmeister – King Size von dem Album 1995]
In der Dunkelheit
auf eine Bank gesetzt und
auf nichts gewartet.
Man guckt auf Displays.
Smartphone haben bereits
Herrschaft ergriffen.
Im Park stockdunkel.
Jogger tragen Stirnlampen.
In Straßen nix los.
Mit fünfzehn hab ich
mich schwer verliebt in ein Land,
weil es anders war.
Als Gregor Samsa
eines Morgens … erwachte,
trug er ’ne Maske.
Nicht mehr zuhause
im Flughafen sondern jetzt
auf der Autobahn.
Stau wegen Unfall
bei Eisenach an Rasthof
rechts flink umfahren.
Dreizehn Grad. Regen.
Das Schmatzen der Obstwiesen
unter den Füßen.
Der Nachbar weist mich
aufs off’ne Schiebedach hin.
Bin etwas gerührt.
Temperaturen,
die den Fruchtfliegen wieder
Leben einflößen.
Die große Hündin
ängstigt sich vor niemandem
außer dem Herrchen.
Am Wochenende
löst Sonne Niesel ab und
betont Rottöne.
Dass eine Lusche
„Trumpf“ heißt, scheint symptomatisch
für die USA.
Vor hundert Jahren
hätte man Corona als
Krankheit kaum bemerkt.
Viele sprechen von
toxisch, meinen aber nicht
giftig sondern schlecht.
Sie tastet sich vor
hinein in die Romantik
aus dem Jazz kommend.
[Johanna Summer – Von fremden Ländern und Menschen (Schumann)]
Voll im Hier und Jetzt
bei der Dreiballjonglage.
Nur nicht nachdenken!
Wer rast den Stamm hoch
und schwingt sich von Zweig zu Zweig?
Der braune Lümmel.