Archive for the ‘DEU’ Category

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November 19, 2024

gras, à l’apogée

Pflaume, Kirsche, Brombeere

Alkoholbombe

Viña diezmo reserva 2018, Rioja

4237

November 19, 2024

Rennen im Regen

Pekinese an Leine,

Frau auf Rad ziehend

4236

November 19, 2024

Im Wanderrucksack

Arbeitsgerät vergessen:

Radweg verdoppelt

4235

November 18, 2024

Raus aus dem Iran

als alleinstehende Frau

mit einundvierzig

4233

November 16, 2024

Mit Walen tanzen

Jung und alt gesellt sich gern

Am Lagerfeuer

[Tucker Zimmerman & Big Thief – Burial at Sea]

4232

November 16, 2024

Zikadengesang

Die Erde atmet im Schlaf

In Mauerritzen

[nach Michael Endes Momo, geborgen aus dem Bücherschrank]

4231

November 15, 2024

Ein vages Gefühl,

der Sog der leisen Töne,

die Welt verschwommen

[Lars Danielsson, Verneri Pohjola & John Parricelli – La Chanson d’Hélène (Philippe Sarde)]

4230

November 13, 2024

Denn der Maulwurf

weiß ganz genau, warum er

immer tiefer gräbt

Bridget St John – Curl Your Toes]

4229

November 13, 2024

Die Sonne geht auf

über Frankfurt, der Himmel

im Osten rosa

4227

November 12, 2024

Lasst Waffen schweigen,

Soldaten auf Schlachtfeldern!

Hört diese Musik!

[Jakob Bro, Lee Konitz et al. – Aarhus]

Wanderroute

November 11, 2024

Vacha – Geisa – Hünfeld – Fulda – Flieden – Bad Soden – Gelnhausen – Langendiebach – Bergen-Enkheim – Niederhöchstadt

4226

November 11, 2024

Halsband leuchtet grün

Sie tapst durch die Nebelnacht

Augen funkeln gelb

4225

November 11, 2024

Lampe schränkt Sicht ein

In der Luft reflektieren

Wasserkristalle

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November 10, 2024

Gelbe Laubwälder

Mit 300 Sachen durch

Taunus im Nebel

[Rodolphe Burger – L’inattendu]

4223

November 9, 2024

Die Becken streicheln

Über Tasten traumwandeln

Den Bass erfühlen

[Colin Vallon Trio – Mars]

4222

November 9, 2024

Bisher existiert

die Kategorie Krankheit

in diesem Blog nicht

4221

November 9, 2024

Drei Küchenwecker

liegen in der Küche rum

Sie sucht den vierten

4220

November 9, 2024

Wo wache ich auf,

wenn ich am nächsten Morgen

nicht mehr aufwache?

4219

November 8, 2024

Gothic Synthiepop

Die Stimme kenne ich doch

The eighties are back

[Levin Goes Lightly – Numb]

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November 8, 2024

Fensterblick zum Teich

Taube fliegt auf der Stelle

Krallen im Wasser

4217

November 8, 2024

Bücher, Vehikel,

mit dem Geist vorzustoßen

in andre Sphären

4216

November 6, 2024

Morgens aufgewacht

Die Sterbeglocken läuten

Bye, democracy

Jakobsweg MR-K: 8. Köln-Merheim – Köln

November 4, 2024

Die Sonne ist gerade über der A4 aufgegangen, als ich beginne, mich mit einigen anderen Gästen dem umfassenden Frühstücksbüffet zu widmen. Heute am Sonntag zum Ende meiner Wanderung scheint Helios den ganzen Tag über, der Nebel der letzten Woche ist wie verflogen.

Es dauert eine Weile bis ich nach dem Verlassen des Hotels um 8h45 meinen Tritt gefunden habe, die Bewegungen des linken Knies sind trotz der Kniebandage unrund, das Humpeln läuft nur langsam aus in einen flüssigen Gang.

Am Eingang von Höhenberg wird die Brüderstraße, die von Siegen bis Köln verläuft, zu einer Ahornallee. Linker Hand ein kleines Wäldchen, der letzte Zipfel Natur, bevor ich in die versiegelte Stadt eintauche. An der Hauswand gegenüber ein verquerer Graffitispruch.

Höhenberg, Graffiti

In Höhenberg komme ich an jeder Menge Kneipen vorbei, wo der halbe Liter Kölsch für 2,20 zu bekommen ist. Hier vor Ort wird das Kölsch u. a. Biere von der 1830 gegründeten, ältesten noch heute in Köln produzierenden Brauerei der Gebrüder Sünner gebraut.

Kalk, Brauerei Gebr. Sünner

Weiter geht es an einem Industriedenkmal vorbei, dem Turboverdichter für die Sodaproduktion der Chemischen Fabrik Kalk, das ein Mann diskret von der Seite anpinkelt. Etwas später kreuzt ein Typ mit Palästinensertuch meinen Weg, der in sein Smartphone blickend wild gestikuliert und laut auf arabisch herumschreit, niemand beachtet ihn. Ich befinde mich hier in einem sozialen Brennpunktviertel.

Kalk, Turboverdichter für Sodaproduktion

Rechter Hand führen auf dieser Seite rundherum Treppenstufen herauf zur ehemaligen Kölnarena, der mit 20.000 Plätzen größten Veranstaltungshalle Deutschlands.

Deutz, Lanxess Arena

Es ist nun nicht mehr weit zu Vater Rhein, den ich auf der linken, der domabgewandten Seite recht einsam überquere.

Deutzer Brücke
Dom von Deutzer Brücke

Nahe der Domplatte treffe ich meine Eltern. Die Besichtigung des Doms gelingt aufgrund von Gottesdiensten nicht, es ist bis 13h nur der vordere Teil zugänglich.

Dom

Vor dem Dom steht eine originalgetreue Kopie der auf den Türmen angebrachten Kreuzblumen, die immerhin fast 10 Meter hoch sind.

Dom, Kopie der Kreuzblumen

Stattdessen trinken wir Kaffee und gucken uns eine der zwölf romanischen Kirchen Kölns an, die den meisten Kölnern ja sowieso mehr am Herzen liegen als der Dom. Es ist die Dominikanerkirche St. Andreas.

St. Andreas, Pietà

Hier liegt Albertus Magnus in einem Steinsarg in der Krypta. Elf Kirchenfenster wurden von Markus Lüpertz neu gestaltet. Unter anderem das Josephfenster links am Eingang, das den Zimmermann, der in der rechten Hand sein Werkzeug, die Säge trägt, zeigt.

St. Andreas, Josephfenster

Nach einer Mittagsmahlzeit draußen am Wallrafplatz gegenüber dem WDR-Funkhaus machen wir uns auf den Weg nach Moers.

Hier ist der Etappenüberblick der gesamten Wanderung.

4214

November 2, 2024

Den Buggy schiebend

Baby um Brust gebunden

Glimmstengel paffend

4213

November 2, 2024

Die Krähen krächzen

Die Autobahn rauscht dahin

Die Stöcke klackern

4212

November 2, 2024

Eine junge Frau

antwortet auf mein „Morgen“

mit einem Lächeln

Jakobsweg MR-K: 6. Denklingen – Marialinden

November 2, 2024

Wir sind um halb acht in der Gaststube, wo der Wirt uns das Frühstück vorbereitet. Er stellt uns noch schnell seine Hilfskraft vor, die mit Sack und Pack aus Luhansk flüchten musste und nach einer Odyssee über Charkiw, Kyjiw und Lviw im Bergischen Land angekommen ist. Ich bezahle und bin positiv überrascht: Es ist 30% günstiger als angekündigt.

Um 8h22 geht Hans‘ Bus nach Gummersbach, wo er umsteigt in den Zug nach Köln und dann in den ICE nach Berlin, insgesamt elf Stunden Fahrt, eine kleine Weltreise.

Ich gehe an der Wasserburg mit den vergitterten Gefängniszellen und der leider noch geschlossenen evangelischen Antoniuskirche vorbei, die als Ort der Stille und Einkehr gilt.

Denklingen, Teich mit Kirche

Es geht nun aus dem Ort heraus und ich komme auf die Brüderstraße, einen fast durchweg asphaltierten Höhenweg, der früher für den Handel genutzt wurde und dem ich den ganzen Tag 27 km lang folgen werde. In Eiershagen, das mehrmals Preise im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ gewonnen hat, starren mich die Rindviecher an, die angekündigten Fachwerkhausgiebel und Schieferfronten sehe ich im Vorübergehen nicht.

Eiershagen, Kühe schauen mich an

Es reiht sich hier ein Dorf an das andere, ich passiere heute über zehn Ortschaften, in Rölefeld steht eine Linde mit einer Hohlkrone, die durch Reifen flach gelegt wurde, die Kunst des geschnittenen Baumes, die „ars topiaria“ geht bis in die Antike zurück.

Rölefeld, Bergische Kaffeetrinkerlinde

Menschen, meist Jogger, treffe ich auf meinem Weg nur vereinzelt, kein Wunder, dass hier in der abgelegenen Gegend eine psychiatrische Einrichtung steht.

Haus auf der Hardt

In Oberbierenbach werde ich aus der Ferne Zeuge, wie ein Hütehund – evtl. ein Bordercollie – eine Lämmerherde mit Ziegen in ein Gatter treibt. Er legt sich flach auf die Wiese und lässt kein Tier entwischen.

Ich bin heute endlich im Flow, schaffe am Ende inklusive Pausen mit 27 km in etwas über 7 Stunden fast einen Viererschnitt. Man muss allerdings dazu sagen, dass der Weg gut befestigt ist, mehr oder weniger immer geradeaus geht, so dass Verlaufen fast unmöglich ist und es keine nennenswerten Steigungen gibt. Außerdem hat mir der Ruhetag gestern gut getan.

Blick auf Stockheim

Die ev. Kirche in Drabenderhöhe ist eine schlicht gehaltene Dorfkirche mit Empore und Kassettendecke.

Drabenderhöhe, ev. Kirche

Am Ortsausgang mache ich auf einer Bank meine Mittagspause mit einem Wurst-Käse-Brötchen und lutsche zum Nachtisch zwei schwarze Schokostückchen.

Auf einer Bank oberhalb des Weges sitzt ein Wandergenosse, der den Feiertag nutzt, um in einer Tagesetappe zu einer Bekannten zu wandern, einen Tag dort zu bleiben und dann wieder zurück zu gehen. Er erzählt mir von einer Pilgerwanderung in der Nähe mit 40 km-Etappen.

Pilze

Normalerweise hätte man von hier oben eine wunderschöne Aussicht über das Bergische Land bis zum Siebengebirge und bei klarer Sicht sogar bis zur Eifel. Leider gibt es heute vor allem Suppe zu sehen, der Nebel verdeckt die Sicht.

Großer Heckberg, Schöne Aussicht

In Heckhaus erfrische ich mich an einem Radler, das ein Arbeitskollege, der hier wohnt und den ich später treffen werde, netterweise vor der Haustier deponiert hat.

Die evangelische Kirche in Federath beherbergt ein 3,5 m hohes Holzkreuz, das sogenannte Hofkreuz. An diesem Kreuz hängt kein Jesus. Stattdessen sind die Leidenswerkzeuge Hammer, Nägel, Essigschwamm, Geißel, Würfel, sein Gewand, die 30 Silberlinge des Judas sowie ein Kelch, in den Jesu Blut fließt, ins Holz geschnitzt.

Federath, Hofkreuz

Es geht jetzt auf den Endspurt zu meinem Etappenziel, links auf der Telefonleitung sitzen Stare, die ich versuche, nicht aufzuscheuchen, Leonard Cohen lässt aus dem Off grüßen.

Vor Marialinden, „birds on a wire“

Zu Abend esse ich eine große Pizza mit Scampi und Knoblauch, die ich mit Kölsch runterspüle. Die drei Imbissbediensteten kommen aus dem kurdischen Teil Syriens, der gerade wieder von Erdogans Militär angegriffen wurde. Diese Schicksale brechen mir das Herz. Ich träume, dass alle Autokraten in einer Kapsel in den Weltraum geschossen werden und nie mehr zurückkommen.

Hier ist der Etappenüberblick der gesamten Wanderung.

4211

November 1, 2024

Musk, Trump, Xi Jinping

Putin, Erdoğan, Orbán

mit SpaceX ins All

4210

November 1, 2024

Heile Weltinsel

in einem Meer von Krieg und

Umweltzerstörung

[Laura Marling – Child of Mine]

Jakobsweg MR-K: 5. Freudenberg – Denklingen

Oktober 31, 2024

Nach einer erholsamen Nacht gehen wir gegen 8 runter zum Frühstück, wo niemand zu sehen ist, wir uns aber komplett selbst bedienen können. Es kommt dann später noch ein anderer Gast und der wortkarge Hotelbedienstete, das Hotel scheint sehr leer zu sein.

Nach dem Frühstück gehen wir hinunter in den Ort, der sich durch ein großes, intaktes Ensemble von Fachwerkhäusern auszeichnet, den Alten Flecken. Zwischen den Häusern immer ein Abstand, um Feuer – es hatte im 16. und 17. Jahrhundert zwei große Brände gegeben – zu vermeiden.

Freudenberg, Übersichtstafel
Freudenberg, Alter Flecken

Ein Plakat deutet darauf hin, dass hier auch schon die Jüngsten ans Wandern herangeführt werden.

Freudenberg, Plakat

Der Ort ist ein Leckerbissen für Touristen, wir treffen allerdings keine.

Freudenberg, Skulptur

Oben auf dem modernen Turm der katholischen Kirche, der fast wie ein Bahaï-Tempel aussieht, ein Engel mit Trompete.

Freudenberg, Kirchturm

Die Frontseiten der Häuser sind hier meist mit Schiefer verkleidet, manche Häuser sind auch vollständig von Schiefer eingefasst. Siegerland und Bergisches Land gehören ja bekanntlich zum Rheinischen Schiefergebirge, auf den Wegen kommen wir auch immer wieder über steinige Passagen aus Schiefer.

Freudenberg, Schieferhaus

Der Pilz des Tages ist heute der Fliegenpilz, von dem wir auch ganze Gruppen antreffen. Zum Teil kleben Schnecken auf ihnen, die sie sich schmecken lassen.

Fliegenpilz

Wir überschreiten nun die Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz. In dieser Gegend hat die Gegenreformation im 17. Jahrhundert voll zugeschlagen. Wir passieren erst die Kapelle zur Schmerzhaften Mutter mit einem Herz, das von 7 Schwertern durchbohrt ist. Anschließend kommen wir auf eine Anhöhe mit der Roten Kapelle im Andenken an hunderte von hingerichteten „Hexen“. Glück hatten diejenigen, die erst erdrosselt oder erhängt wurden, bevor sie auf dem Scheiterhaufen landeten.

Friesenhagen, Rote Kapelle

In Friesenhagen ist die katholische Barockkirche, die etwas unterhalb des Jakobsweges liegt, geöffnet. Eindrucksvoll ist das geschmiedete Eisengitter der Seitenkapelle links, der Grafenkammer.

Friesenhagen, Barockkirche

Nun geht es durch den Wald zum Wasserschloss Crottorf, das im Privatbesitz des adoptierten Grafen ist. Hinter dem Drahtzaun im Wald begrüßen uns zwei kleine, bellende Hunde. Die Gaststätte ist heute wegen Ruhetag geschlossen.

Crottorf, Wasserschloss

Es geht nun wieder zurück nach NRW, wo wir unsere Mittagsrast an einer Bank mit schönem Blick über eine Wiese machen.

Bei Wendershagen

Etwas später werden wir von einem älteren E-Biker angesprochen, der uns in Friesenhagen bereits gesehen hat. Er ist gut in Form und saust nach dem Smalltalk über den Jakobsweg wieder die Straße hoch.

Heute sind die Wege recht matschig und die von der Landwirtschaft genutzen Straßen glitschig. Es riecht überall ein bisschen nach Gülle, selbst mitten im Wald. Die Felder sind offensichtlich kürzlich gedüngt worden.

In Denklingen, wo wir gegen 5 zum Einbruch der Dämmerung ankommen, werden wir von unserem Gastwirt, der kein Blatt vor den Mund nimmt, zum Gästehaus geführt. Wir gehen noch schnell etwas einkaufen und essen dann im Gasthaus Schnitzel bzw. Bauernomelette und trinken Kölsch dazu.

Hans stellt später fest, dass das Blasenpflaster unterm Fuß nicht geholfen hat; im Gegenteil darunter klafft eine offene Wunde, die er bandagiert. Er muss morgen zum Arzt, weiter zu wandern ist für ihn völlig ausgeschlossen.

Hier ist der Etappenüberblick der gesamten Wanderung.

Jakobsweg MR-K: 4. Siegen – Freudenberg

Oktober 30, 2024

Wir verbringen eine erholsame Nacht, die ausgelaugten Körper holen sich den Schlaf, den sie fürs Weiterkommen benötigen. Das Frühstück im Gasthof ist recht minimalistisch. Drei Standardbrötchen, Käse, Wurst, Marmelade, Butter, Ei, Heißgetränk. Zumindest werden wir satt. Das Gebäude unseres Gasthofs ist das einzige historische Gebäude weit und breit.

Siegen, Gasthof Meier

Siegen hat eine Städtefreundschaft mit Spandau, für die Aufnahme von Spandauer Jugendlichen bei Schulfreizeiten vor der Wende hat Spandau Siegen einen Bären geschenkt.

Siegen, Spandauer Bär

Wir haben heute eine mit 16 km recht kurze Etappe und gucken uns noch etwas die um 9 Uhr leergefegte Stadt an. Auf der evangelischen Nikolaikirche – geöffnet nur samstags von 10-12 – throhnt das Krönchen, das Wahrzeichen der Stadt, ein Geschenk des Fürsten zu Nassau-Siegen. Die geistliche wird quasi von der weltlichen Macht beherrscht.

Siegen, Nikolaikirche mit Krönchen

Wir gehen hinauf bis zum oberen Schloss, wo das um 10 Uhr öffnende Siegerlandmuseum einige Bilder von Peter Paul Rubens, der hier geboren wurde, beherbergt. Sein Vater Jan hatte übrigens eine Affäre mit Anna von Sachsen, der Frau Wilhelm von Oraniens und kam dafür 2 Jahre ins Dillenburger Gefängnis. Sie erwartete ein tragischeres Schicksal.

Eine größere Gruppe von Mitbürgern mit Migrationshintergrund, die eher französisch als deutsch verstehen, steht mit der Führerin am Eingang.

Siegen, Oberes Schloss

Ich erblicke in einem Buch das hier nicht ausgestellte Bild Caritas Romana von P. P. Rubens, das einen älteren Mann im Hungerkerker zeigt, der seiner Tochter, die ihn besucht und nichts zu essen mitbringen durfte, an der Brust saugt.

Peter Paul Rubens: Caritas Romana

Wir verlassen nun Siegen über den Bahnhof nach Westen, es geht bergauf. Wir lassen eine Hochhaussiedlung ganz oben auf dem Hügel links liegen, der Weg ist nun etwas matschig, wir treffen eine Frau mit leichtem (russischen?) Akzent, die für eine ganze Weile in dieselbe Richtung geht, aber vom Jakobsweg noch nichts gehört hat.

Westlich von Siegen, Jakobsweg

Nach einer kurzen Rast ist unser nächstes Ziel die Autobahnraststätte Siegen-Ost. Vorher geht es noch hoch auf den Buberg (439 m). Wir gehen ein Stück an der Sauerlandlinie A45 lang, trotz der Unterbrechung wegen der in Lüdenscheid gesprengten, maroden Brücke, rollt hier noch so einiger Verkehr. Allerdings sagt uns die Bedienung in der Raststätte, wo wir einen Cappuccino und das migebrachte belegte Fladenbrot auf der sonnigen Terrasse verzehren, dass die Geschäfte momentan eher mau laufen.

Herbstastern

Die Temperaturen sind auch heute wieder sehr mild, aber das Vorwärtskommen ist schwierig, die Beine schwer, das linke Knie zwickt, die Füße tun weh, Hans hat sich sogar Blasen gelaufen.

In Heisberg hat ein Rentner für die Kinder hinter einem Sprossenfenster ein Figurenensemble von Steiff-Bären etc. aufgebaut, das sich bewegt, wenn man eine Lichtschranke durchschreitet. Es gefällt mir sehr, wie der eine Bär rechts den Ball auf der Nase jongliert.

Heisberg, Spielfiguren

Das nächste Highlight ist die Kirche von Oberfischbach, die die gerade vorm Haus fegende Nachbarin nur für Pilger öffnet. In der Kirche ein Pilgerstempel und eine Orgel direkt über der Kanzel, die sich direkt über dem Altar befindet. Eine Art Dreifaltigkeit. Die Frau weist uns auch auf den Pilgerkühlschrank hin, der am Wegesrand etwas weiter oben steht, immer wieder unglaublich, auf was für tolle Ideen die Anwohner kommen, um den Pilgern das Leben zu versüßen.

Oberfischbach, Pilgerkühlschrank

Auch heute wieder jede Menge Pilze mitten auf dem Weg, ich muss aufpassen, dass ich sie nicht zertrete.

Pilze

In Freudenberg gehen wir erst einmal Sauerkirschsaft einkaufen, der gut gegen Muskelkater und Kniebeschwerden sein soll. Hier gibt es den „Alten Flecken“ mit einem großen Ensemble von Fachwerkhäusern, den wir heute verfehlen, da wir auf schnellstem Wege hoch zu unserem Hotel im Wald marschieren, es ist nach fünf und es dämmert schon wieder.

Freudenberg, Fachwerkhaus

Im Hotel treffen wir beim Essen  einen weiteren Gast, einen Mann, der beim Essen ein Skypegespräch mit seiner Frau in einer östlichen Fremdsprache führt. Das Hotel hat schon bessere Zeiten gesehen, die Sauna ist nicht funktionsfähig, am Heizkörper im Zimmer fehlt der Wärmeregler, es bleibt kalt. Gut, dass es draußen noch so warm ist und wir beide kühle Schlafräume bevorzugen.

Hier ist der Etappenüberblick der gesamten Wanderung.

4209

Oktober 29, 2024

Sie können es noch

Suhlen im tiefen Weltschmerz

Elf Minuten lang

[The Cure – Endsong]

Jakobsweg MR-K: 3. Hainchen – Siegen

Oktober 29, 2024

In der Nacht habe ich einen Alptraum und meine, schreiend aufzuwachen, Hans merkt davon nichts. Dennoch schlafen wir beide schlecht und wälzen uns viel.

Unsere Gastgeberin begrüßt uns mit einem fulminanten Frühstück, ich erwähne exemplarisch die köstliche mit Zimt selbstgemachte Holundermarmelade. Wir sind jetzt in NRW, man merkt es an ihrem Dialekt, sie sagt z. B. „watt“. Früher wurde hier viel aus Hessen geschmuggelt, z. B. Butter. Hessen war landwirtschaftlich geprägt und arm, im reicheren Siegerland wurde Bergbau und Verhüttung betrieben. Sie hatte vor einer Weile den Deutschland-Wanderer Günter Kromer zu Gast, der hier im Winter durch tiefen Schnee stapfte und dessen auf einer Kommode stehendes Buch ich mir vorgemerkt habe.

Die Wolken hängen auch heute wieder tief, aber es regnet nicht und es ist heute nicht neblig, die Sonne sehen wir allerdings auch nicht.

Hinter Irmgarteichen, wo die Grundschulkinder gerade auf dem Schulhof spielend ihre Pause nutzen, kommen wir erst auf einen Kreuzweg, der sich in den Wald hoch zieht. Hinter dem Friedhof stoßen wir bald auf den Rothaarsteig, den bekannten Fernwanderweg zwischen Brilon und Dillenburg, der auf meiner To Hike Liste steht.

Rothaarsteig-Markierung

Meine Füße sind heute am dritten Tag leichter, die Beine und Gelenke schmerzen weniger und wir kommen schneller voran als gestern. Die Landschaft ist meist unspektakulär, es geht viel über Wiesen und Feldwege und durch aufgelockerte Wald- und Buschgebiete.

Siegerland

An die Traumata der Feuerwehrhelfer erinnert ein Gedenkstein. Eine Frage, die man sich kaum stellt: Wer hilft den Helfern?

Anzhausen?, Feuerwehr-Gedenkstein

Ich bewundere eine akkurat und ästhetisch geschnittene Hecke, Kunst an der freien Luft inmitten der Natur.

Gartenkunst

In Niederdielfen kommen wir an der Wassermühle am aufgestauten Teich an. Wir lesen dort von den gefährlichen Mehlexplosionen, die es beim Mahlen geben kann.

Niederdielfen, Wassermühle

Auf einem Baugerüst neben der Bäckerei an der Hauptstraße machen wir unsere Mittagspause mit den beim Frühstück geschmierten Stullen und einem Kaffee aus dem Pappbecher.

Blumengruß am Wegesrand

Es geht nun aufwärts zur Wallfahrtskapelle Eremitage, die wir links liegen lassen. Anschließend umrunden wir die äußerlich saubere und nicht stinkende riesige Mülldeponie halb. Über uns kreisen die Krähen. Wir lauschen dem Geräusch der heruntergefallenen gelbroten Blätter, die wir mit den Füßen aufwirbeln.

Krähen

Kurz vor drei erreichen wir unser Etappenziel, die Großstadt und das Oberzentrum Siegen. Es geht zum Teil steil abwärts. Gut, dass ich meine Wanderstöcke dabei habe. Die katholische Kirche St. Marien ist geöffnet, aber sehr duster innen. Sie stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde von Jesuiten erbaut.

Der Ort döst um diese Zeit im Mittagsschlaf dahin, fast alle Geschäfte sind zu. Über eine stark frequentierte Kreuzung kommen wir zu unserem Gasthof, einem historischen Gebäude, wo wir in einem Nebengebäude unterkommen. Die Altstadt Siegens wurde Ende 1944 bei einem Luftangriff der Engländer fast völlig zerstört.

Nachdem wir uns etwas ausgeruht haben, machen wir kurz nach fünf einen kurzen Stadtrundgang, es beginnt bereits zu dämmern. Es geht hinauf zur der ältesten Kirche der Stadt, der evangelischen Martinikirche, dann zum Schloss, gegenüber ein modernes Unigebäude. Das Museum für Gegenwartskunst ist schön bunt beleuchtet. 

Siegen, Museum für Gegenwartskunst

Wir flanieren die recht übersichtliche Fußgängerzone rauf und runter, überqueren die Siegbrücke mit den Statuen für die beiden Industriezweige, denen die Stadt ihren Wohlstand verdankt, dem Bergbau und dem Hüttenwesen. Im Apollo-Theater stehen am Eingang als Nonnen verkleidete junge Frauen, es wird das Musical Sister Act gegeben, nicht gerade unser cup of tea.

Siegen, Bergmann (Henner) auf Siegbrücke
Siegen, Frieder (Hüttenmann) auf Siegbrücke

Abends essen wir in der gut besuchten Gaststube unseres Gasthofes Bratkartoffeln und trinken frisch gezapftes Pils dazu.

Hier ist der Etappenüberblick der gesamten Wanderung.

4207

Oktober 28, 2024

Herbstwaldwanderung

Füße pflügen durch das Laub

Blättermeerrauschen

Jakobsweg MR-K: 2. Niedereisenhausen – Hainchen

Oktober 28, 2024

Nach einer erholsamen Nacht – die Zusatzstunde durch die Zeitumstellung haben unsere Körper gebraucht – beginnt der Tag mit einem sehr reichhaltigen auf einem Brett servierten Frühstück, das wir im Zimmer einnehmen. Es gibt sogar weiche Eier.

Draußen ist es feucht, es hat über Nacht geregnet. Kurz nach 9 verlassen wir die Unterkunft, Im Ort besichtigen wir die schmucke, restaurierte Fachwerkkirche, der Schlüssel ist in einem Körbchen am Eingang eines  Nachbarhauses. In der Kirche ist es aufgrund der geweißelten Wände sehr hell, die holzgeschnitzte Kanzel ist von 1730. Über eine Seitentür gelangt man zur Empore.

Niedereisenhausen, Fachwerkkirche
Niedereisenhausen, Kircheninnenraum

Im Ort kommen wir an einer eindrucksvollen Fachwerkhausfassade vorbei, hier wurde die Technik des hessischen Kratzputzes angewendet, die seit 2016 zum immateriellen Kulturerbe zählt und im Marburger Umland verbreitet ist.

Niedereisenhausen, Fachwerkhaus

Wir erhaschen einen Blick auf die Perf, das Bächlein, das auch unserer Unterkunft Perf-Au-Blick ihren Namen gegeben hat.

Niedereisenhausen, Perf

Es bleibt heute den ganzen Tag mehr oder weniger trocken, wir kommen durch Niederhörlen, das seine Fachwerkkirche dem Hessenpark Neu-Anspach gespendet hat. Ansonsten gibt es hier fast nur moderne Häuser. Über Oberhörlen kommen wir zum Galgenberg. Am Wegrand gelegentlich Hagebutten, bei dem trüben Wetter wäre ein Tee gar nicht schlecht. Auf einer Wohlfühlbank entspannen wir ein halbes Stündchen, das tut den geschundenen Füßen sehr gut.

Hagebutten

In Steinbrücken sieht man im Hintergrund eine Wacholderpflanzung. Bald erreichen wir den Standort der ehemaligen Phillippsbuche, die zu Ehren der Rückkehr des für die Reformation in Hessen wichtigen Landgrafen Philipp des Gutmütigen aus niederländisch-spanischer Gefangenschaft 1552 gepflanzt worden war. 1963 musste sie gefällt worden und es wurde ein Ableger an der gleichen Stelle gepflanzt.

Simmersbach, Wacholderfläche
Simmersbach, Philippsbuche

Vor Steinbrücken machen wir unweit der stillgelegten Bahnstrecke auf einer Bank unsere Mittagsrast. Es fängt leicht an zu tröpfeln, hört aber gleich wieder auf.

In einer Schutzhütte liegt auf dem Tisch ein Prachtexemplar eines Steinpilzes. An der Wand hängt ein spöttisches Gedicht über das Bergwaldschwein. Wir fühlen uns nicht wirklich angesprochen.

Steinpilz
Gedicht übers Bergwaldschwein

Die Fachwerkkirche in Steinbrücken ist leider geschlossen. Zwei adoleszente Mädchen gönnen sich hinter der Kirche bei Rapmusik eine Zigarette.

Steinbrücken, Kirche
Collage mit Blumentopf

Nun geht es durch die nichtendenwollende Ortschaft Ewersbach, wo Rittal Schaltschränke in großem Stil produziert. Nahebei steht das Automuseum des betuchten Inhabers Friedhelm Loh mit vielen Oldtimern und Sportwagen.

Wir gehen weiter nach Rittershausen, wo wir bei einem heißen Kakao Kräfte schöpfen. Mir fällt das Gehen heute sehr schwer, die Füße fühlen sich an wie Blei, ich schleppe mich so dahin.

Es ist jetzt schon nach drei und wir sehen ein Schild, dass es noch 9,7 km bis zu unserem Ziel sind. Wir haben also erst die Hälfte der Tagesetappe geschafft. Wir geben nun Gas, um vor der Dunkelheit in Hainchen anzukommen. Der schöne Wanderweg parallel unterhalb der Straße verläuft leider im Waldnirvana. Wir müssen quer durch den Wald und scheuchen Hirsche auf. An der Landstraße geht es weiter, der Verkehr hält sich in Grenzen, aber die Autos fahren schnell, es ist neblig und fängt an zu dämmern. Nach einer Abkürzung über einen befestigten Waldweg landen wir kurz vor sechs nach Einbruch der Dunkelheit in Hainchen, das letzte Haus am Ortsausgang gehört unserer Gastgeberin.

Außer uns residieren zwei Monteure hier, die gerade kochen. Wir bekommen von unserer Wirtin ein paar kleine Flaschen Bier und lassen den Abend gemütlich ausklingen. Mein Abendbrot besteht aus vier Cookies, im Ort gibt es leider kein Restaurant.

Hier ist der Etappenüberblick der gesamten Wanderung.

Jakobsweg Marburg – Köln: Prolog

Oktober 26, 2024

Nach der Arbeit mache ich mich auf zum Berliner Hauptbahnhof. Mein ICE nach Kassel entfällt. Stattdessen quetsche ich mich in einen ICE Richtung Düsseldorf, wo ich Glück habe und im ersten Familienwagen gegenüber einem Großvater mit seinem auf einem Smartphone herumspielenden Enkel und einer Ostasiatin mit ihrem Säugling, der auf dem Tisch mit ihrem Smartphone in der Hand herumkrabbelt, einen Sitzplatz am Fenster finde. Der Zug ist rappelvoll, wenn meine Nachbarin mit ihrem Kind für eine Minute aufsteht, kommt sofort jemand vorbei und fragt, ob der Platz frei ist.

In Hannover habe ich eine halbe Stunde Aufenthalt. Im Bahnhof herrscht ein reges Treiben. Ich höre weiter den Reflektor-Podcast von Jan Müller von Tocotronic, und zwar den 2. Teil seines Gesprächs mit Wolf  Biermann, dem man alles vorwerfen kann, aber sicher keinen Minderwertigkeitskomplex. Besonders schön die Szene auf dem Friedhof von Montmartre, wo sein „Kollege“ Heine von seinem Denkmal steigt, mit ihm spricht und darüber staunt, wie er es geschafft hat, von Deutschland nach Deutschland zu emigrieren. Der Zug nach Frankfurt ist nicht mehr ganz so voll, ich finde wieder Platz an einem Tisch neben zwei sich rege unterhaltenden Männern, evtl. Vater und Sohn. Der Podcast neigt sich dem Ende zu. Biermann echauffiert sich aufgrund leise vorgetragener Vorbehalte – es geht u. a. um Sascha Anderson – und wechselt vom Du ins Sie und am Ende wieder zurück ins Du.

20h15 komme ich im Dunkeln in Marburg an. Hans, mein Nachbar, mit dem ich die nächste Woche auf dsm Jakobsweg nach Köln wandern möchte, holt mich ab. Wir gehen zur Gartenlaube, unserer Unterkunft in der Nähe der Elisabethkirche und anschließend in ein indisches Restaurant nahebei, wo wir uns stärken. Die Gespräche drehen sich um Gott und die Welt, wir werden uns in den nächsten Tagen, was die Konversation angeht, sicher nicht langweilen. Kurz nach elf gehen wir ins Bett. Die Nacht ist mittelprächtig, ich scheine nicht einzuschlafen und wache gegen halb fünf auf und liege wach.

Hier ist der Etappenüberblick der gesamten Wanderung.

4206

Oktober 25, 2024

Die letzte Musik

vor dem Exitus oder

die erste danach

[Arvo Pärt – Da Pacem Domine]

4205

Oktober 25, 2024

Junge Frau zu mir:

Wollen Sie Blumen haben?

Ich fahre weiter.

4204

Oktober 23, 2024

Die schwarzen Oliven

Alle wieder ausgekotzt

Der Wackerstein blieb

4203

Oktober 23, 2024

In der Sonnenglut

brutzelnde Menschenkörper,

dicht aneinander

[Matala, August 1982 (via)]

4200

Oktober 22, 2024

Vom Album, zu dem

wir so oft Sex hatten wie

zu keinem andern

[Idaho – Skyscrape]

4199

Oktober 22, 2024

Sirenengesang

Trancetanz zu Maschinenbeats

durch Nebelschwaden

[Kelly Lee Owens – Dreamstate]

4198

Oktober 21, 2024

Fernöstliches Paar

– sie in weißem Hochzeitskleid –

dreht sich im Kreise

[Brandenburger Tor, heute morgen]

4197

Oktober 21, 2024

Sie zieht mich gleich rein,

fragt, ob ich da draußen bin.

Der Beat schön schleppend.

[Poe – Hello]

4196

Oktober 20, 2024

Der Ofen bollert

Das beige Mischgetränk dampft

Der Herbst hält Einzug

[BMX Bandits – Serious Drugs]

4195

Oktober 20, 2024

Ins Umland greifend

Tentakel der Stadtkrake

Nicht-Orte, edgelands

[Paul Scraton – Am Rand um ganz Berlin]

4194

Oktober 19, 2024

erfrischend, hefig,

hopfig, schaumig, bananig,

ein bayrisches Bier

4193

Oktober 19, 2024

Rückblick aufs Leben

Als spräche der liebe Gott

nach seinem Exit

[Leonard Cohen – Happens to the Heart]

4192

Oktober 18, 2024

Stiche, tief ins Herz

Den Rücken zum Publikum

Augen geschlossen

[Miles Davis – Mystery (mehr)]

4191

Oktober 18, 2024

Junger Radfahrer

In Dunkelheit mit Helm

aber ohne Licht

4190

Oktober 17, 2024

Aus der Fruchtblase

Ein Schrei. Der erste Atemzug

Die Lunge füllen

[Gerry Rafferty – Baker Street (via)]

4189

Oktober 17, 2024

Wie neugeboren

Knapp eine halbe Stunde

Ergometerfahrt

4188

Oktober 16, 2024

Vom Balkon Töne

Aus Südosten ein Lüftchen

Windspielsymphonie

4187

Oktober 16, 2024

Diffuser Wohlklang

Winzige Störgeräusche

Salz in der Suppe

[floating shrine – Kintsugi (via)]

4186

Oktober 15, 2024

Sprinter knackevoll

Rotkäppchen im Bordbistro

Zu früh in Berlin

4185

Oktober 13, 2024

Bukolisch, unplugged

Ins Herz treffende Pfeile

niemals rausziehen

[Jennifer Castle – Earthsong]

4184

Oktober 12, 2024

Telefonanruf

Flashback-Katalysator

Liebe rostet nicht

[Joan Baez – Diamonds and Rust (bbc soul music)]

4183

Oktober 12, 2024

Zukunft wandelt sich

in Gegenwart, die im Nu

Vergangenheit wird

4182

Oktober 11, 2024

Der wichtigste Mensch

aus dem eigenen Leben

Plötzlich verschwunden

[Alan Sparhawk – Get Still]

4181

Oktober 10, 2024

Ohne Hund gehen

Sich selber Gassi führen

I am multitudes

4180

Oktober 9, 2024

Braunes Eichhörnchen

Haselnussbar aufgesucht

Köpfchen eingesetzt

4179

Oktober 9, 2024

Auf dem Speierling

sitzt ein schwarzer Greifvogel,

schwebt majestätisch

4178

Oktober 9, 2024

Nicht aufzuhalten

Eine Frau, die auf Cape Cod

in die Brandung läuft

[Paul Auster – Baumgartner]

4177

Oktober 8, 2024

Wir fahren hundert

Frau auf dem Seitenstreifen

hält das Schild „ULM“ hoch

4176

Oktober 8, 2024

nur noch frühmorgens

konzentriert lesen können

abends wegpennen

4175

Oktober 8, 2024

Streuobstwiesenweg

Dämmerung. Hinterm Maisfeld

lugt ein Reh hervor.

4174

Oktober 8, 2024

Feuchtkühles Wetter

Sechs Regenjackentaschen

voller Walnüsse

4173

Oktober 8, 2024

Embryo, Säugling

Heranwachsender, Mann, Greis

Seelenwanderung

4172

Oktober 7, 2024

Eine Decke aus

Stimme, Geige, Gitarre

Winter kann kommen

[Joan Shelley – Singing to You]

4171

Oktober 6, 2024

Wie hypnotisiert

Sich dem Grasbüschel nähern,

wo sie gemacht hat

4170

Oktober 6, 2024

Britzelnde Boxen

Die Treppe hinabsteigen

Singende Sterne

[Alva Noto – HYbr:ID Para Contamination]

4169

Oktober 6, 2024

Der Endspurt reicht nicht,

die Nachbarin, die grade

losläuft, einzuholn

4168

Oktober 5, 2024

Flasche dickwandig

Korken mit Wachs versiegelt

Des fruits rouges, dépot

Hospices de Beaujeu (!), Bourgogne 2018

4166

Oktober 5, 2024

Ein junges Pärchen

– er Brasilianer, sie Thai –

schlummert hinter mir

4165

Oktober 5, 2024

Oben verschwinden

Windradflügel im Nebel

Nur kurz im Limbo

4164

Oktober 4, 2024

Für den Frieden

hier zu protestieren, ist

wohlfeil und zynisch

4163

Oktober 4, 2024

Im Straßenverkehr

nur auf die Autos achten,

nie auf die Fahrer

4162

Oktober 3, 2024

Topfpflanzen gießen

Wasser sickert in Erde

Hörst du das Glucksen?

4161

Oktober 3, 2024

Johnson hats gewusst

Die vollendete Einheit

Die Freiheit feiern

[SWR Kultur-Gespräch mit Ilko-Sascha Kowalczuk zum 3.10.]

4160

Oktober 3, 2024

Das Cello klagt weh

Synthiesounds wirbeln im Kreis

Beats flattern davon

[CS + Kreme – Master of Disguise]

4159 Hase und Igel

Oktober 1, 2024

Früher rannte ich

die Felder rauf und runter

Nun sitz ich am Ziel

4158

Oktober 1, 2024

Gehen und Schreiben

Fuß- und Handbewegungen

Langsame Rhythmen

[Von Wegen und Umwegen (Anthologie)]

4156 Bill Evans

September 30, 2024

Dein Anschlag ein Fluss

Von Klaviertasten tropfen

Töne herunter

4155

September 29, 2024

Die Wände zittern

Die Ohren an der Decke

Der Kosmos stürzt ein

[Mabe Fratti – Kravitz]

4154

September 29, 2024

Das Abenteuer

des kontrollierten Trinkens

Katerlos glücklich

4153

September 27, 2024

Ne Flasche Riesling

Versuch einer Versöhnung

Er sagt: kein aber

4152

September 27, 2024

Am seidnen Faden

Klaviertöne im Himmel

Sie sind reif, pflück sie!

[Roger Eno – Above and Below]

4151

September 27, 2024

Erste Herbststürme

Unterm Walnussbaum suchen

Als wär es Ostern

4150

September 27, 2024

Ausgeschlafensein

nach schlaflosen Nächten

richtig genießen

4149

September 26, 2024

Linie öffnen

Die Schwerfiguren tripeln

König mattsetzen

1. Matthias Blübaum – Leon Livaic, Budapest

4147

September 25, 2024

An Kimba schnüffeln

vier weiße Retrieverlein,

vier Monate alt

4146

September 24, 2024

Morgenspaziergang

Geruch geschmorter Zwiebeln

steigt in die Nase

4145

September 24, 2024

Mit Nelken und Zimt

Birne in Rotwein gekocht

Köstliche Mélange

4144

September 24, 2024

Blassklare Robe

Frisch, leicht, Zitronenbukett

Wirkung instantan

Abtei Himmerod, Mosel, Riesling, alte Rebe trocken 2023

4143

September 23, 2024

Trete aus dem Tor

Kimba sieht mich, auf mich zu

fliegt ein Wollknäuel

4142

September 23, 2024

ganz sacht der anschlag

zeit steht still in jedem ton

so tief, so traurig

[Anna Gourari – Konzert in d-Moll (Adagio), BWV  974 (Alessandro Marcello transkribiert von JS Bach)]

4141

September 22, 2024

Der Weg nach oben

Auf Morgensonnenstrahlen

Tautropfen funkeln

[Yo-Yo Ma – Sicilienne, op. 78 (Gabriel Fauré)]

4140

September 21, 2024

Ich möchte immer

da am liebsten sein, wo ich

gerade nicht bin

4139

September 21, 2024

Bordeaux-Weinprobe

Ersten Wein beim zweiten Mal

nicht wiedererkannt

4138

September 20, 2024

Ein Trompetenton,

Herzen schmelzend in nem Bett

aus Daunenfedern

[Avishai Cohen – The Seventh]