Strömender Regen.
Rotkehlchen nimmt langes Bad
in Vogeltränke.
[Flashback nach vorgestern]
Strömender Regen.
Rotkehlchen nimmt langes Bad
in Vogeltränke.
[Flashback nach vorgestern]
Zu früher Stunde
werde ich in der Küche
mit Gähnen begrüßt.
Morgendämmerung.
Ich öffne die Klappläden.
Rotkehlchengesang.
Dieses Buch zu lesen, ist mir schwergefallen. Der Einstieg war sehr zäh. Ich glaube, es hatte damit zu tun, dass Ian McEwan nicht sofort auf den Punkt kommt, viel um das Thema herumschwadroniert. Außerdem war es nicht so einfach zu lesen auf Englisch wie ich es mir vorgestellt hatte, McEwan benutzt manchmal ein ausgesuchtes Vokabular und ich bin fast immer zu faul, nachzuschlagen. Mein persönliches Problem ist, dass ich nur selten die Muße habe, Bücher zu lesen. Abends im Bett passiert es mir oft, dass ich beim Lesen einnicke. Wenn ich morgens sehr früh aufwache weil ich schlecht schlafe, habe ich oft noch keine Lust zu lesen, weil ich zerschlagen bin. Trotzdem habe ich meist zu diesen beiden Zeiten gelesen und gerade abends wegen der Müdigkeit Konzentrationsschwierigkeiten gehabt.
Ich hatte von McEwan vorher Kurzgeschichten und den Stalker-Roman Enduring Love gelesen, den ich vor rund 20 Jahren sehr genossen hatte. Dieses neue Buch widmet sich dem Thema Roboter. Charlie, der Ich-Erzähler und Miranda, die seit noch nicht so langer Zeit ein Paar sind, schaffen sich einen menschenähnlichen Roboter an, Adam. Dieser Roboter ist sehr gebildet, er weiß so ziemlich alles da er permanent im Internet rumsurft, sich alles merkt und seine Schlüsse zieht. Da er gut bewerten und rechnen kann – welche Überraschung – ist er auch erfolgreich beim Daytraden, bei dem er eine gute Stange Geld verdient für den finanziell eher schwach aufgestellten Haushalt. Er weiß auch Sachen über die Protagonisten, insbesondere über Miranda, die Charlie nicht weiß. Hier zeichnen sich die Konflikte ab. Sehr früh läuft etwas zwischen Miranda und Adam, aber das ist nicht die Crux. Obwohl das Thema Liebe sowohl für Adam als auch für Charlie ein ganz wichtiges ist. Im Mittelpunkt des Romans steht vielmehr eine Geschichte von früher, die sich um eine Freundin Mirandas dreht, die sich umgebracht hat. Diese Geschichte ist sehr konstruiert, so ähnlich wie die extremen Settings von Ferdinand von Schirach, die ich nervend und uninteressant finde. Auf jeden Fall steuert die Ménage à trois, aus der eigentlich eine richtige Familie mit einem Adoptivkind werden soll, auf einen Showdown zu, den es am Ende auch gibt. Wenn man die Situation analysiert und weiß wie der Roboter programmiert ist, nimmt die Geschichte ihren zwangsläufgen, schicksalhaften Lauf. Ich sage mal, der Roboter kommt am Ende fast sympathischer rüber als Miranda und Charlie, aber das ist evtl. meine persönliche Ansicht. Was mich ein bisschen geärgert hat ist, dass der Erzähler etwas abschätzig auf den literarischen Output von Adam herabsieht, der tausende von Haiku schreibt. Von denen aber nur sehr wenige – natürlich eher schwachbrüstige – zitiert werden. Das ist einfach arrogant. Insgesamt werden ziemlich gut nachvollziehbar die Konflikte aufgezeigt, die es mit Robotern geben könnte, die ganze Robotergeschichte hat mich von Anfang an gefesselt.
Was drumherum erzählt wird, die Rahmenhandlung in einem alternativen Großbritannien nach dem Falklandkrieg mit einem Labour-Premier Tony Benn, der durch ein Attentat umkommt, hat mich dagegen tödlich gelangweilt. Es fahren zu dem Zeitpunkt schon viele Autos autonom mit schlafenden Fahrern, Alan Turing lebt noch und spielt eine wichtige Nebenrolle. Ich finde dieses Drumherumgespinne hat der Geschichte nicht gut getan. Außerdem gibt es immer wieder Exkurse über naturwissenschaftliche Themen, die ich als nervtötend und schlaumeierisch empfinde. Gut gefällt mir, dass das Buch in zehn Kapitel à ca. 30 Seiten eingeteilt ist, die man jeweils ganz gut in einer Sitzung lesen kann. Allerdings hätte man den Plot des Buches wahrscheinlich auch auf eine dreißigseitige Kurzgeschichte zusammendampfen können. Der Roman hat etwas Aufgeblasenes. So schnell werde ich wohl kein Buch von McEwan mehr lesen, dieses hatte mich vom Thema interessiert, fast alle seine Bücher der letzten zwanzig Jahre hatten mich schon vom Sujet her nicht angesprochen.
7/10
Nach langsamem Druck
auf Lichtschalter im Flur
brennt Glühfaden durch.
Beim Gehen senkt sich
ein Mantel in Zeitlupe
über mich: die Nacht.
Aljechin, Fischer
Kasparov, Shirov, Dubov,
Tal, Morozevich.
Mein Blick durchs Fenster
vertreibt die Spatzen sofort.
Er muss stechend sein.
Atem loslassen.
Innehalten. Bis zwölf zähl’n.
Langsam einatmen.
Brausetablette
mit Magnesium sprudelt
nassforsch im Wasser.
Anyone a lift
into the big open space
without return ride?
[Ana Roxanne – A Study in Vastness from the album Because of a Flower]
Abenddämmerung.
Jeder Fußgänger grüßt mich,
der meinen Weg kreuzt.
Morgen dicht bewölkt
und zum Teil schauerartig
verstärkter Regen.
The handy displays
eighteen twenty-nine and then
eighteen twenty-eight.
Krähen mit Beute.
Starenschwärme fliegen auf.
Kohlmeisenständchen.
Zwei km vor Ziel
auf Ergometer entgleist:
Senkel um Kurbel.
Zwei Stunden spaziert.
Viele Hunde unterwegs.
Dauerschneetreiben.
Die Sennenhündin
will jeden, den wir treffen,
einzeln begrüßen.
„In her loving look,
the whole universe contained.
Love the universe!“
[Adam’s (the robot) first haiku for Miranda in Ian McEwan’s Machines Like Me.]
„Das Gefühl, man hätte den Durchblick, im Gegensatz zu den anderen, den Dummen, den Schlaf-Schafen, scheint eine hochpotente Droge zu sein. Man ernennt sich zum Statistiker, Virologen, Internetforscher, Politiker, was auch immer, ohne Ausbildung, ohne eigene Forschung, aber mit dem Gewicht der überlegenen Gewißheit.“
During all our lives
we are searching for something.
Is it just a note?
[Keith Jarrett – Budapest Concert, part VIII]
Auf je mehr Fremde
man unterwegs trifft, desto
weniger grüßt man.
Wie Entfernungen
zu Fuß riesig erscheinen
in der Dunkelheit.
Grünfink gut getarnt
auf grüner Futtersäule
an Haselnussbaum.
Zu Bächen schwellen
die Betonwege zwischen
dem Weideland an.
Nach langem Regen
riecht die Luft wie an der See,
nur ohne Salzflair.
Wenn der Landregen
nicht demnächst mal aufhört, dann
schwimmt der Rasen fort.
Stapfen im Pappschnee
hinterlässt Fußabdrücke,
knirscht wundersam nach.
Mit nassen Haaren,
im roten Bademantel
steigt Fisch aus Dusche.
Es schneit und schneit und
wenn’s damit nicht aufhört, dann
schneit es immer noch.
Mit achtzehn Stunden
Fasten pro Tag begonnen.
Abendbrot entfällt.
Dusche so lang kalt,
bis auf dich aus den Düsen
Eiswürfel stürzen!
Hundert Prozent Match.
Alle von mir Gegrüßten
grüßen auch zurück.
Hälfte des Himmels
in dunklen Rosatönen,
wolkenverhangen.
Ergreife den Schnee!
Wiese weiß, weich und sumpfig.
Es taut schon wieder.
In der Dämmerung
überstrahlen Schneefelder
den grauen Himmel.
Buttermilchgenuss
nach Schwitzen auf Hometrainer.
Himmel auf Erden.
Vorn große Schwester.
Zwillingsmädchen angeleint.
Hinten lenkt Mutter.
Dichtes Schneetreiben.
Buntspecht auf morscher Hasel
bewegt rege Kopf.
Auf matschigem Pfad
mit links trottender Hündin
rund um das Kronthal.
Erst tropft’s, dann flockt es.
Räumfahrzeug kämpft links mit Schnee.
Schließlich nur noch trüb.
Werde überholt
bei Regentempolimit
als Blitzer auslöst.
Mit hundertzwanzig
fahr‘ ich unter Brücke durch
auf der „DÖDELZ“ steht.
Kreuze zwei Typen.
Ihre süßliche Sillage
tief eingeatmet.
Oranger Kübel.
Flashback: Blindfahrt durch Wald nachts
mit Notbeleuchtung.
Rasiercrèmetube
mit den Zähnen ausgedrückt:
Geschmack süß-seifig.
Nach dem Aufwachen
völlig von der Nachtischlampe
geblendet zu sein.
In rotem Sweatshirt
rote Bete gegessen,
der Finger blutend.
eins eins zwei drei vier
eins drei minus eins eins eins
drei zwei eins eins zwei
[Gerundete Abweichungen der durchschnittlichen Monatstemperaturen von Oktober 2019 bis Dezember 2020 zum Mittel von 1981-2010 in Frankfurt/Main, in Grad Celsius]
Erstes Rendezvous
mit der Waage dieses Jahr:
Schwelle durchbrochen.
Draußen frühlingshaft.
Einen langen Atem hat
der Klimawandel.
Die Leute scheinen
mehr Rücksicht zu nehmen
beim Schlangestehen.
A kick-ass anthem
to start a presidency
with lots of good vibes.
[New Radicals – You Get What You Give]
Zehn Meter hohe
Bäume schwanken permanent
im Wind hin und her.
Im wohligen Bett
auch nach dem Weckerklingeln
noch liegenbleiben.
Freudige Stimme
einer unbekannten Frau
holt mich aus dem Schlaf.
Bei Schnee bekunden:
„Hoffentlich war das alles
für diesen Winter.“
Morgens ein Schneeflaum
auf Büschen im Innenhof.
Abends pladdert es.
„Eureka“ singen
die Stare nach Entdeckung
der Futtersäule.
Am Baum ein Apfel.
Amsel stößt mit Schnabel zu.
Es macht „Plumps“ im Schnee.
[Vorgeschichte hiervon]
Ins Herz stechende
sonnig-klare Melodie
mit lässigem Groove.
[Kraan – Path vom neuen Album Sunglass]
Gutes Kilo Schnee
durch die halbe Republik
nach Berlin gefahr’n.
Fahrt quer durch Deutschland:
Schneebedeckte Landschaften,
Autobahnen leer.
Zwei Amseln picken
an etwas Gelbem im Schnee:
dem letzten Apfel.
Taube scharwenzelt
unter Meisenknödeln her,
die voller Spatzen.
In der Dunkelheit
schmeckten die Trockenfeigen
leicht nach Sellerie.
Wie schmeckt ein Weißwein,
der Jahre im Kühlschrank lag?
Wie ein Sherry-Geist.
Knacken der Schaltuhr.
Ticken der Uhuwanduhr.
Duschwasserfälle.
Wie ein Scherenschnitt:
Schwanzmeisen auf Zierpflaume
vor Morgenrosa.
Mit der linken Hand
massier‘ ich dir frühmorgens
deinen Rücken warm.
Sorglose Jungens
sowie störrische Alte
sind nicht zu stoppen.
Kein Melatonin,
kaum Schritte, kein Frost, kein Schnee.
Trotzdem durchgepennt.
.. god, what a sunset
Blood red floods the Atlantic
…
.. how can I touch this?
[The Weather Station – Atlantic from the new album Ignorance due out in February]
Das Allerschlimmste
am Reflux, dass er einen
auf sich zurückwirft.
Gegen Reflux hilft
nur ein bewährtes Gerät:
die Guillotine.
Wundere mich, dass
der Reflux in meinen Hals
noch kein Loch gebohrt.
Der tiefe Schlummer
in Frostnächten, in denen
morgens der Schnee fällt.