Sobald es hell ist
verstummt die Amsel völlig
Himmlische Ruhe
Sobald es hell ist
verstummt die Amsel völlig
Himmlische Ruhe
Ne halbe Stunde
das Ergometer treten
Hallo Libido!
Abends kurz nach zehn
rufen wir uns zusammen
Das Band zwischen uns
Gimme all that trash
Bait me with noise explosions
Do not sing, just talk
Rund tausend Haiku
Das Lebenswerk von Bashō
Teich. Froschsprung. Platschen.
Seit vierzig Jahren
sich täglich überwinden
Zum Schluss kalt duschen!
Sauge unterm Bett
auf dem Boden liegend Staub
Komme kaum noch hoch
Wir wachen alle
eines Tages als Käfer
auf dem Rücken auf
In Biofeigen
starker Selleriegeschmack
Seltsam, aber cool
Nicht lange fackeln
Eine Himmelsmelodie
Mitten in das Herz
[Lush – Superblast!]
Lush, almost baroque
The keyboard has been drinking
Bass, flute and sax. On!
In der Hand zweier
Gitarrenvirtuosen:
Der Powerfrausong
[James Elkington & Nathan Salsburg – Buffalo Stance (Neneh Cherry)]

Ein sehr persönlicher Dokumentarfilm über und mit der Folkikone. Neben historischen Aufnahmen gibt es Filmmaterial von der letzten Tournee 2018 sowie Tagebücher und Cassettenaufnahmen von Therapiesitzungen. Gerahmt wird das Ganze von Gesprächen mit Joan Baez in der Jetztzeit. Drei Dinge waren immer auffällig an Joan Baez, ihre einmalige, makellose Vibratostimme, ihre klassische, madonnenhafte Schönheit und ihr so natürlich erscheinendes Lächeln.
Hinter diesem Lächeln verbarg sie eine schwere Neurose, die wahrscheinlich mit Missbrauchserfahrungen aus ihrer Kindheit zusammenhängt. Allerdings hat ihr Vater das nie zugegeben und auch sie erinnert sich im Gegensatz zu ihrer jüngeren Schwester Mimi, deren Leben durch den frühen Motorradunfalltod ihres Mannes, des Musikers Richard Fariña, endgültig zerstört wurde, nicht an konkrete Übergriffe. Aber sie fällt im Laufe ihrer Karriere immer wieder in tiefe Löcher, insbesondere als es nach dem Ende des Vietnamkriegs mit dem politischen Aktivismus erst einmal vorbei war. Ihre Beziehungen mit Männern sind keine Erfolgsgeschichten. Während des Woodstock-Festivals 1969 war sie mit ihrem Sohn Gabriel schwanger, der Vater war der Journalist und Vietnamkriegsgegner David Harris, der zu dieser Zeit wegen Wehrdienstverweigerung für 15 Monate im Gefängnis war. Die Ehe hielt 5 Jahre. Mit ihrem Sohn, um den sie sich nicht soviel kümmern konnte wie eigentlich nötig, hat sie sich ausgesöhnt und er spielte bei ihren letzten Tourneen Perkussion.
Was Bob Dylan angeht, so war sie bereits erfolgreich, als er noch ein unbekannter Folkgitarre spielender Junge aus der Provinz war. Sie stellte ihn ihrem Publikum vor. Sehr bald war er im Rampenlicht und stahl ihr die Show. Bob Dylan sagte ihr recht früh, dass ihre Liedtexte künstlerisch schwach und eher banal wären. Man hört im Film trotzdem eine gewisse Wehmut von ihrer Seite heraus, was die gemeinsame Beziehung angeht, die ja damals von der Presse sehr stark ausgebeutet wurde. Ihm war wohl damals seine Freiheit wichtiger als eine feste Beziehung. Sie hat ihn anscheinend mehr geliebt als umgekehrt.
The gloomy eighties
Female voices approaching
Guitars are dreaming
[Four Tet – Skater, thanks to Nick]
Dass eine Gehörlose in Deutschland Bundestagsabgeordnete werden kann, dafür liebe ich dieses Land.
Zum Tagesanbruch
Lautes Vogelgezwitscher
schallt vom Innenhof
Drei Frauen singen
eine Liebeserklärung,
die es in sich hat
[The Joni Project – A Case of You (Joni Mitchell)]
Ein paar Worte zu Touch of Time, dem neuen Album von Arve Henriksen & Harmen Fraanje.
Vor dreißig Jahren
In Limpertsberg, weißt Du noch?
In meiner Küche
Lieblingsohrhörer
haben Fünfzig-Grad-Wäsche
nochmal überlebt

So ein kleiner Ton
Sich selbst ganz zurücknehmend
Aus dem Schilf kommend
Ein reiches Leben
Die Harzreise, für den Stau
So viel Harmonie
—
Aufgehäufte Geschenke
Aufgehübschtes Tagebuch
Hi, Regentropfen!
In mein Tempo reinfinden
Der Regen hört auf
Luzide Flashbacks
Im Gedächtnis verschwimmend
Wir tänzeln im Kreis
[Brian Eno – All I Remember]
Rechts am Rhein abwärts
zu dritt mit drei km/h
bei leichtem Tröpfeln
Nach der Säuberung
als einziger den Hemdfleck
weiterhin sehen
Schilfblätter im Wind
Anschwellendes Vibrato
Den Ton aushauchen
[Charles Lloyd – Defiant, Tender Warrior]
Einfach einschlafen
und dann am nächsten Morgen
nicht mehr aufwachen
Es kommt hart auf hart
Zwischen Bruder oder Freund
und Frau entscheiden
Im Zentrum der Bass
Sonnenstrahlenreflexe
Wie das dahinfließt
[Michael Naura Quartett – Soledad de Murcia]
Schiffchen im Hafen
Wie glitzernde Smaragde
Kleinod, klitzeklein

Und ja: Es ist Krieg.
Und nein: Worte reichen nicht.
Und ja: Wach jetzt auf!
[Die Nerven – Und Ja]
Zwei Menschen am Meer
Acrylfarben, zerlaufend
Segelboot vorm Wald
[Kronberger Malerkolonie: Transzendenz (Rüngeler, Hackemann, Reuter, Lioba Lang)]
Kurz vor der Abfahrt
Ein Reiher kommt angeschwebt,
landet auf dem Dach
—
Ich nehme ihn ins Visier,
zoome ran und weg ist er
Zehn Treppen hinauf
Blick über die Baumwipfel
Frankfurt bis Feldberg
[Niederhöchstadt – Viergötterstein – Stadion Neuenhain – Mammolshain – Hardtbergturm – Opel-Zoo – Mammolshain – Kronthal – Schafhof – Klärwerk Schwalbach – Niederhöchstadt, 12 km]

gimme triphop vibes
let’s dive into the club night
not a second lost
Erster Lauf im Jahr
Mehr geschleppt als gelaufen
Knie hat gehalten
Drei Häuser weiter,
wo mal ne Garage stand,
wohnen Liebetanz
[Can – Halleluwah]
Sie grooven sich ein
Ein Morgen, sonnig und kalt
Das Feuer lodert
[Lee Fields & the Expressions – Just Can’t Win]
Die Benommenheit
vier Stunden nach Einnahme
des Melatonins
Berner Sennenhund
gekreuzt mit Neufundländer
A puppy to watch
Eine sanfte Kraft,
die wahrscheinlich einen Krieg
beenden könnte
[10cc – I’m not in Love]
Vor vielen Jahren
habe ich in diesem Lied
Tag und Nacht gelebt
[Traffic – John Barleycorn Must Die]
Auf stillen Wassern
Wabernde Nebelschwaden
Ein Lichtstrahl bricht durch
[John Abercrombie – Timeless]
Der Blick der Hündin
rüber zum Haus von Scotty,
der schon lange tot.
In Gummistiefeln
und langsam auf vier Pfoten
den Bach überquert
Es blüht der Weißdorn
Tau auf den Weidekätzchen
Der Boden ein Schwamm
In der Rotphase
Mit Zylindern jonglieren
Den Hut aufhalten
Das Kohlmeisenpaar
Moostransport vom Apfelbaum
ins Vogelhäuschen
—
Zuhause ist man dann, wenn
man sich eingerichtet hat
Liegen. Augen zu.
Die Atemzüge zählen.
Mit mir verschmelzen.
Ein schwankendes Schiff
bei völliger Windstille
It’s the age, stupid!
Wenn gegen Ende
die Geige beschleunigt und
gen Himmel abdreht
[Roxy Music – Out of the Blue]
Die ersten Schritte
nach dem Aufstehn ein Humpeln
seit drei Monaten
Welches Glück, ein Bad zu haben
Welches Glück, dass das Bad gut temperiert ist
Welches Glück, eine Dusche zu haben
Welches Glück, dass aus dem Brausekopf Wasser fließt
Welches Glück, dass das Wasser klar ist
Welches Glück, dass es nicht riecht
Welches Glück, dass es warm ist
Welches Glück, dass es nicht siedet
Welches Glück, dass der Wasserstrahl weich ist
Welches Glück, dass die Chromarmatur glänzt
Welches Glück, das Wasser auf der Haut zu spüren
Ich hätte jetzt gern
eine Bundeskanzler:in
mit Kriegserfahrung
we are approaching
an ultimate level of
sophistication
[The Smile – Bending Hectic]
Unter den Sohlen
Aus dem Nichts in der Hornhaut
Kleine Orgasmen
Ein leichtes Tröpfeln
Die Natur für uns allein
dank Regenradar
Am frühen Morgen
musikalisch richtig fest
umarmt zu werden
[Khruangbin – May Ninth]
Aus Legosteinen
gemeinsam ein Haus bauen
und dann drin wohnen
[Kurt Rosenwinkel – Use of Light]
So leicht wie heute
wirst du lange nicht mehr sein
Steig so viel du kannst!
Heute die letzte Etappe. Frühmorgens bin ich etwas kurzatmig, wahrscheinlich wegen der Fettverbrennung. Ein Frühstück nach Maß. Eine Thermoskanne mit 0,75 l grünem Tee und Orangensaft, mehr kann man von einem Frühstück nicht erwarten (als Saftfastender).
Komme ins Gespräch mit der Hotelierin. Sie und ihr Mann kommen aus Friesland an der dänischen Grenze. Sie redet über ihre Tochter, die sich auf eigenen Wunsch mit 14 hat taufen lassen, ich rede übers Wandern. Es gibt eigentlich nur wenig direkten Bezug, aber es ist ein absolut befriedigendes Gespräch, wir hören uns gegenseitig zu. Immer wieder dieses schöne Gefühl, wenn man sich selbst öffnet, öffnet sich der andere auch.
Draußen ist es etwas ungemütlich, 5 Grad, diesig und feucht. Egal, da muss ich jetzt durch. Zumindest geht es erst einmal ein langes Stück bergab. Diese mystische Stimmung aufgrund des wabernden Nebels. Ich liebe sie.
Der Weg ist sehr angenehm zu gehen, erst asphaltiert, dann ein Schotterweg, der ein reiner Wiesenweg wird.

Im Hintergrund hört man ganz leise Verkehr. Langsam hebt sich der Schleier des Nebels. Die äußeren Umrisse der Bäume werden sichtbar.
Die Kirche in Kleinseelheim ist leider verschlossen, Gottesdienste – heute ist immerhin Sonntag – scheinen in der Gegend Mangelware zu sein.
Ich komme zum Elauer Wäldchen, wo früher Leinfasern produziert wurden. Dies benötigte viel Wasser und endete mit dem Wüstfallen von Elau.
Direkt dahinter der Klenseelemer Scheferboen. Bis 1976 gab es hier einen Gemeindeschäfer, dessen Vater 1900 zwei Robinien pflanzte und zehn Jahre später einen 4,50 m tiefen Brunnen aushob, um die Schafe zu tränken. Dieser Brunnen war vergessen und voller Unrat und wurde 2010 durch eine Privatinitative wieder hergerichtet.

Ich laufe hier auf einem Wiesenweg zwischen den Äckern, hoch über mir das Zwitschern der Feldlerchen, ein sehr angenehmes Hintergrundgeräusch.
Am Elisabethbrunnen eine Frau, die von der gut sprudelnden Quelle trinkt. Es hängt dort zwar ein „Kein Trinkwasser“-Schild, aber sie sagt mir, das Wasser würde nur nicht regelmäßig kontrolliert, wäre aber einwandfrei. Ich tue es ihr gleich und muss mich ziemlich tief hinunterbücken. Das Wasser ist eisig und nur in kleinen Schlücken zu genießen. Eine schöne Erfrischung.

Ich komme nach Schröck. in der katholischen Barockkirche eine ausführliche Infomappe für Pilger sowie Konserven und Essbares.

Es geht nun an einer stark und schnell befahrenen Straße und durch eine etwas unübersichtliche Wegführung über eine Schnellstraße hinweg an der alten Schwerthinrichtungsstätte Rabenstein vorbei zur Fußgängerzone von Weidenhausen mit vielen Fachwerkhäusern. Über die Lahn und ich bin im Zentrum an der Universitätskirche, gehe durch den alten botanischen Garten. Dort schaue ich zwei Teichrallen beim Hahnenkampf zu.

Ich bin jetzt am Ziel meiner Pilgerwanderung, der Elisabethkirche in Marburg, angelangt. Sie ist die früheste rein gotische Kirche Deutschlands. Der Grundstein wurde 1235, nur 4 Jahre nach Elisabeths Tod gelegt. Leider wird der Chorraum saniert und weder das Grab Elisabeths noch die Jesusfigur von Barlach sind zugänglich. Dafür kann man den Goldenen Schrein mit vier Szenen aus ihrem Leben sehen.


Anschließend trinke ich in einem netten Studentencafe noch zwei frische Minztees und mache eine Altstadtführung rauf und runter durch das Gassengewirr bis hoch hinauf zum Schloss auf den Spuren der Gebrüder Grimm. Eine sehr amüsante Schnitzeljagd, wo man genau hingucken musste, um die Motive aus den Märchen zu finden. Der langsam zunehmende Nieselregen tat meiner Entdeckungslust keinen Abbruch.





Am Ende eine Karte mit Inspirationen für kommende Wanderungen:

Und ganz zum Schluss: Auf rund 200 Kilometern habe ich in zehn Tagen 7,5 Kilo abgenommen, also anderthalb Pfund pro Tag. Jetzt geht es ans Fastenbrechen. Der Apfel liegt bereit.
Hier der Etappenüberblick über meine Fastenwanderung auf dem Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg im Februar 2024.
Es gibt Lieder, die
mich einfach nur plattmachen,
wie ne Dampfwalze
[Mary Timony – Valley of One Thousand Perfumes]
Straßenmusiker
und Bettler mit zwei Hunden
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