Der eintönige Ruf
des Gartenrotschwanzes
ertönt überall.
Der eintönige Ruf
des Gartenrotschwanzes
ertönt überall.
Von riesigem Schloss
erschlagen. Dahinter auf
Wiese geht es ab!
Nach der Wegesrast
dauert es bis Maschine
wieder in Gang ist.
Wildblumenwiese.
Sonnenblume, Malve, Mohn,
Borretsch, Kamille.
Vier alte Damen
auf Rädern fragen mich nach
Weg nach Grabsleben.
Bis zum Horizont
runde Heuballen auf Feld.
Mmm. Zylindrismus?
Weißer Terrier bellt
vor Haustür als wir passier’n.
Er möchte hinein.
Frühstück in Hostel.
Eier selbstgekocht. Abwasch
in Spülmaschine.
Pappeln biegen sich
im Sturm über uns. Äste
zu unser’n Füßen.
Vor uns im Tal aalt sich
Erfurt in Morgensonne.
Noch 20 km.
Westwind von vorne.
Windschnittigeres Pärchen
überholt von links.
Äpfel auf dem Weg
müssen weggekickt werden
solang noch Kraft ist.
Wenn man hier auf was
Weiches tritt, ist’s wahrscheinlich
ein Mauskadaver.
Uralter Bauer
verteilt Dung mit Mistgabel.
Ackergaul schaut zu.
Zwei junge Ziegen
spazieren über Acker
umkreist von vier Mann.
Junge Feldmaus nagt
an Grashalm. Wir speisen Ei,
Müsliriegel, Obst.
Nahporträt misslingt
da Objektivbewegung
Katze verängstigt.
Traktor pflügt Feld um.
Der Geruch feuchter Krume
steigt in die Nüstern.
Über dem Acker
sind fünf Rote Milane.
Mäuse, aufgepasst!
Laubbäume sattgrün,
Felder beige. Luzides Licht
der Morgensonne.
Von Glimmstängelrauch,
der durchs Kippfenster in die
Nase zieht, geweckt.
Blutunterlaufen.
An die Grenze gestoßen.
Zwei kleine Zehen.
Sechs (Solo-)Pilger
bisher geseh’n, zwei Weiblein.
Mit dreien gequatscht.
Nichts als ein Vogel,
im Wind raschelnde Blätter,
eigene Schritte.
Auf Feldweg rennen
Mäuse in ihre Löcher.
Oder verwesen.
Unstrutwein: frisch, leicht,
Klimawandelprofiteur,
geht nicht in den Kopf.
Saale passiert mit
Fähre nach Strömungsprinzip:
Motor unnötig.
Des irren Nietzsche
Lieblingsblick von Veranda
im Himmel gesucht.
Windmühlenstraße
mündet ein in Steinweg: Dorf-
trifft auf Stadtleben
Kürzeste sowie
härteste (alles Asphalt)
Etappe bisher.
Sie, am Nebentisch:
„Alles Essen, das ich dir
empfohl’n hab‘, war gut.“
Kampf gegen Mücken,
die unbeeindruckt von Spray
um Ohren schwirren.
Im Kirschbaumloch sind
zig Kirschkerne mit Löchern.
Wer wars? Feldmäuse?
Durch Armbewegung
geht man mit Wanderstöcken
schneller als ohne.
Flaches Ackerland.
Windräder rotieren flott.
Mütze fest auf’m Kopf.
Weicher Wiesenweg.
Balsam für geschundene,
harte Fußsohlen.
Mann mit Handschuhen,
Mund-, Nasenschutz auf Gehweg.
Sicher ist sicher.
Dusche nach Fußmarsch:
Wiederauferstehung von
den Mausetoten.
Hygienekonzept
im Dom streng. Zaubersprüche
in Keller verbannt.
Schlittere Rampe
im Adamskostüm runter
in Tagebausee.
Besser warmes als
kaltes Wasser trinken, dann
schwitzt man weniger.
Heute sind Schatten
und Wind unsere Freunde.
Auch die Mütze hilft.
Roter Milan kreist
über unseren Köpfen.
Wehe, wir stolpern!
Geh’n auf Schotterweg.
Reiher an Feldrand fliegt vor.
Geh’n vor. Da capo.
Labrador sieht uns,
öffnet Maul, guckt aufs Frauchen,
macht Maul wieder zu.
Auf Schornstein nistet
Storchenpaar. Magerer Fuchs
streunt über Vorplatz.
Straßenbahn 7
braucht eine Stunde von Ost
nach West über Süd.
Ewig tanzende
Hula-Wackel-Figur auf
Armaturenbrett.
Am Hirschgehege.
Damwild kommt bis an den Zaun.
Zutraulichkeit pur.
Streit von Ehepaar
schallt bis auf die Straße, wo
Katze promeniert.
Felder und Wiesen
soweit die Augen reichen.
Freiheit zum Greifen.
Frische des Morgens.
Wind weht leicht, Sonne strahlt sacht.
Die Füße schweben.
Im Pfarrhaus gepennt
auf zwei Liegestuhlpolstern.
Der Erde so nah.
Bankwunsch erfüllt sich.
Donner kündigt Regen an,
dem wir ausweichen.
Pilgersakristei:
Stecknadelkarte, Äpfel,
Zinnien auf Tisch.
Bei kaltem Kaffee
im Schlosspark ruft Turmfalke
aus Platanennest.
Erst muss die Taube
beerdigt werden, dann gibt’s
was im Schlosscafé.
Investition in
größtes Pilgerkapital:
Fußcrememassage.
Aus Asphalthölle
an bukolische Elbe
mit Schafgeblöke.
Gesenkte Köpfe
zehntausender verblühter
Sonnenblumen. Schluchz!
Der Klagegesang
zweier kleiner nach außen
dringender Zehen.
Tausch leerer Flasche
gegen 3 Liter kühles
Mineralwasser.
Mittags: Befreiung
der Zehen aus dem Socken-
und Schuhgefängnis.
Kumuluswolken
am Himmel richten gegen
Sonne noch nichts aus.
Fußgängerallee:
Linden spenden köstlichen
ovalen Schatten.
Junger Co-Pilger
läuft nach Mammutetappe
in Badelatschen.
Auf der Straße liegt
ein zweidimensionaler
Frosch. Plattgefahren.
Immer schön kauen
sonst zerfällt das Kaugummi
in seine Teile.
Jeder Baumschatten
eine kleine Oase
in der Gluthitze.
Vor dem Durst trinken!
Sonst bin ich am Nachmittag
nicht auszuhalten.
Hunderte Schwalben
auf Telefonleitungen
warten auf Rückflug.
Jähes Jagdende.
Flügelschläge der Störche
vertreiben Terrier.
Wie der Pilgerblick
sich zunehmend senkt. Abends
nur noch steil abwärts.
Ein Rauschen hebt an.
Eine Autobahn? Nicht doch.
’ne Geflügelfarm.
Der Weg ein weiches
Waldbett aus Fichtennadeln.
Ich bin ein Flummi!
Das Rucksackgewicht
sinkt im Laufe des Tages.
Aber nicht für mich!
Über den Feldweg
springen Myriaden von
kleinen Heuschrecken.
Jedem Morgen wohnt
ein Zauber inne, der uns
Kraft gibt für den Tag.
[frei nach Hermann Hesse]
Mühsamer Aufstieg.
Kurz vorm Zenith der Kuppe
ein kühles Lüftchen.
Hoch oben auf dem Mast
klappert der Weißstorch im Nest
mit seinem Schnabel.
Der Mann kann seinen
Schäferhund kaum halten, der
wie ’ne Bestie bellt.
„Guck mal da regnet’s!“
Eine Sekunde später
bricht Sturzregen los.
Schwül. Total verschwitzt.
Der Wind erhebt sich, trocknet
und kühlt den Körper.
Wasser. Frisch und kühl
von der Quelle. Auch pisswarm
das Lebenselixier.
Pistaziengrüner
Sonnenschirm schützt Hortensien:
Kreativ gärtnern.
Wege in Bautzen
zu beschreiben, ist wie das
Haschen nach dem Wind.
[ES aus 455]
Wiedersehen mit
dem Bruder dessen, zu dem
wir unterwegs sind.
Bleischwere Beine.
Nur nicht abreißen lassen.
Wozu das alles?