Rechts ranfahren,
den Wagen voll abbremsen,
um nicht zu crashen
Rechts ranfahren,
den Wagen voll abbremsen,
um nicht zu crashen
Wie der Rebensaft
schlechte Laune vertreibt und
Redefluss erzeugt
In dem Schlafzimmer
Auf Vorhängen und Boden
Halbtote Wespen
Ein Schauer kühlt ab
Familienharmonie
Jahrgangschampagner
Auf dem Wagen klebt
Lindensaft statt Drachenblut
Nur kein Lindenblatt
Haben oder Sein?
Ich habe einen Körper.
Ich bin ein Körper.
Wagen versiegelt
mit klebrigem Lindensaft
Tränen auf Scheiben
Raubvogel lässt sich
neben Autobahn nieder
im verdorrten Gras
Rundlich, flach, orange
Aprikosen, getrocknet
Köstlich konzentriert
Zwei Krähen picken
Auf Fahrbahn kleben Federn
Der Rest vom Festmahl
Der Sohn gestorben
Nur sein kauendes Pferdchen
hört dem Kutscher zu
[Helga Schubert – Über Anton Tschechow (Erzählung Gram)]
Provisorium
hat gegen süße Feige
keinerlei Chance
Goldinlay fällt raus
nach Entfernung eines Teils
vom Plattpfirsichstein
Statist in einem
über Jahre gehenden
Schauspielstück zu sein
Die sicherste Art
von einem Rad zu steigen,
ohne zu fallen
Singe dieses Lied
bis der Morgenstern aufgeht
Schenke mir den Schlaf
[Cristina Branco – Canção de Embalar (José Afonso)]
Achtzig Fahrenheit
Zwei Jungens mit dem Käfer
hinein nach New York
[Juli 1979]
Um fünf Uhr zwanzig
nach fünfeinhalb Stunden Schlaf
völlig benommen
Die Pirouette
in dem roten Sommerkleid
von ihrem Gemahl
[François Truffaut – La femme d’à côté]
Er ruft bei ihr an.
Besetzt. Gleichzeitig ruft sie
bei ihm an. Besetzt.
Die Luft abdrehen
Auf dem letzten Loch pfeifend
Orgel, übernimm!
[György Ligeti – Volumina (Ende)]
Erdgaspreisbremse
Beschiss um fünfzig Prozent
Noch unklar, wer schuld
Das Eis schmilzt langsam
Die ersten Sonnenstrahlen
Kein Grund zum Jubel
[Franz Schubert – Impromptu No. 3 in Ges-Dur (Brendel)]
Der Zug fährt an, sie
fabuliert unter Tränen,
er hebt sie hinein.
[Audrey Hepburn & Gary Cooper in Billy Wilder’s – Ariane]
Ein Schritt zu weit und…
Platsch! Kimba nimmt ein Vollbad
Westerbachtaufe
Liebesballade
Ein Tenorsaxophonton
rein wie der Neuschnee
[John Coltrane – Naima]
Die große Liebe
nur eine Kopfgeburt
wie Musik und Sex
[Haruki Mukarami – Südlich der Grenze, westlich der Sonne (e-book)]
Die Musik plötzlich
nach Einbruch der Dunkelheit
ohrenbetäubend
Vom Haselnussbaum
tote Äste abgesägt,
zu Mulch gehäckselt.
Im Blumenbeet liegt
eine Flasche Soave.
Halbvoll und lauwarm.
Dein Atem weht frisch.
Ich streichle sachte über
Deine Handrücken.
Morgens im Halbschlaf
In den Ohren ein Dröhnen
Das Rauschen der Welt
Der Blick von Moony
Glasklar, die Buddhanatur
Unverwandt ins Herz
Eine Rakete
saust durch das kniehohe Gras.
Nein, es ist Moony!
In Teams gibt es jetzt
Avatare, anstelle
des eignen Gesichts
Schnipps! Stelle dir vor,
die Welt wär exakt so wie
vor vierzig Jahren
[David Sylvian – Nostalgia]
Bass und Piano
auf gleicher Wellenlänge
Herzschmelzmelodie
[Charlie Haden & Keith Jarrett – Ellen David]
Tes belles chansons tristes
ont toujours brisé mon coeur.
Elles vont rester, sûr.
[Jean-Louis Murat – Aimer]
P. S. Hier habe ich auch noch ein paar Worte zu Murat geschrieben.
Kimba bleibt stehen,
sieht, dass ich zurückkomme,
fällt ins hohe Gras
Der Schornsteinfeger
klingelt, lächelt, stellt sich vor,
kündigt sich nie an
Gassi im Regen
die Wolken sehen nicht aus
wie Regenwolken
Morgenlaufrunde
wegen Schmerz im linken Knie
nicht durchgezogen
Der Nordwind frischt auf
Der Wagen picobello
Sonne-, Wolkenmix
Morgens der Himmel
Tief ins Plumeau einsinken
Der Grat des Halbschlafs
[Alva Noto – Kinder der Sonne (Intro) (via)]
Aus den Favelas
Eine Stimme wie ein Bär
Lang lebe der Dub!
[Seu Jorge & Almaz – Cala Boca, Menino]
Leicht gebückt laufend,
der Oberkörper wackelt,
die Zunge hängt raus
Your bass was the heart
of the most magic band of
our generation
Der kleine Junge,
der Kimba nicht streicheln darf,
ist völlig angstlos.
Rast in Mammolshain
Kimba irrt unstet umher,
sie sucht den Schatten.

Auf der Autobahn
Einer tuckert mit achtzig
Kennzeichen KO-MA
Beim Zähneputzen
vor Ideen nur so sprühn
Aufs Signal warten
Seit Holocaust Angst,
sie könnten Tür aufbrechen
und mich mitnehmen
Langsam gestartet
Feld aufgerollt, viel gequatscht
Knie hat gehalten!
[Berliner Firmenlauf]
Noch günstig getankt
Frontscheibe völlig verklebt
vom Saft der Linde
Auch Wohlfühlschuhe
haben eine Einlaufzeit
Dann sind sie ein Traum
Heftiges Rütteln
an den Pforten des Schlafreichs
führt nicht zum Schlummer
Ich bin übrigens seit neuestem auch mit von der Partie bei meinem musikalisch-, kulturellem Lieblingsblog der letzten Jahre, Manafonistas (nach einem Album von David Sylvian). Dank an Michael für die Großzügigkeit. Geschrieben habe ich noch nicht so viel. Eine Kurzkritik zu Christian Petzolds Roter Sommer, einen kurzen Post zu Haiku und eine weitere Kurzkritik zu Ilker Çataks Das Lehrerzimmer. Da kommt sicher noch mehr. Es macht jedenfalls diebischen Spaß mal aus dem Haikugefängnis auszubrechen und unter Leute zu kommen.
Die Maschine stutzt
das Büschel Haare vorne
Die Mitte nun blank
Eins mit dem Kosmos
Auch auf den Antipoden
Pharoah’s Geist lebt!
[The Circling Sun – Kohan]
Von der Gravitas
zum romantischen Fließen
zwischen Zeitschlägen
[Bobo Stenson Trio – Communion Psalm (Sven-Erik Bäck)]
Honig auf Joghurt
Verschnörkeltes Schriftzeichen,
die Welt in nuce

In Barfußschuhen
pilgern sie ökumenisch
in Gegenrichtung
[Angela Pfotenhauer und Elmar Lixenfeld – Meine Via Regia und meine auch]
Einen Tag mal nicht
die ganzen E-Mails checken
einfach nur leben
Da dreht einer ab
Ein Gitter aus Pappmaché
Mein Kopf explodiert
[David Byrne – Wheezing]
Ein Hund blickt dich an.
Er hebt die Augenbrauen
mit einem Muskel.
Die Ampel auf rot.
Der Hund blickt hoch zum Frauchen.
Da, ein Leckerli!
Im Schlaraffenland
Ladungen von Eiweißen
fliegen in den Mund
Ein Bett aus Saiten
Plötzlich ist alles so klar
Wir tanzen im Kreis
[Saif Al-Khayyat – Hakimi]
Was ist eigentlich
aus dem Frühling geworden?
Nach Winter Sommer.