Alternde Männer
eigene Anziehungskraft
maßlos verkennend
Die Streuobstwiesen.
Autobahn und ICE.
Durch den Tiergarten.
Äste absägen
mit den eigenen Händen
Nachhaltigkeit pur
Wer entfernt den Müll
der Kunden von McDonald’s?
Sein Name: niemand
Zähflüssiger Strom,
quer durch den Midwest fließend,
made from guitar chords
[Ratboys – Black Earth, WI]
Zwei Spechte trommeln
links und rechts der Auwiese
Mit Verzögerung
Just a perfect day,
drink Sangria in the park
…when… dark, we go home
[Lou Reed – Perfect Day]
Kimbas Blick, wenn ich
die zwei Hirschlungenstücke
aus der Tüte hol
Entschuldigungen
Gesprächsfaden gerissen
Das Feedback bleibt aus
Wo Musik, Stimme
und Clip eine perfekte
Ehe eingehen
[Men I Trust – Ring of Past]
Dreißig Minuten
in falsche Richtung fahren
und es dann merken
Krähe und Elster
auf harter Ackerkrume
Zwei Falken thronen
Samtene Stimme
Weicher badischer Singsang
Mit Jesus liiert
Abteilungsklausur
Agenda abgefrühstückt
Bitte mehr davon
Essen vergessen
Das Sprechen eine Droge
Red Bull unnötig
Hab ich vergessen,
die Heizung auszudrehen?
Der Boden rutscht weg.
Zu viert im Wagen
Fünfeinhalb Stunden vergehn
ruckzuck im Gespräch
Die Wege tauen
Räder werden geschoben
Es ist spiegelglatt
Hochsommer am See
Gegen Ende noch einmal
vom Leben kosten
Wege Eisbahnen
Schneeweiß schimmernde Nächte
Mollige Abende
Bäume, umgestürzt
Der Knoblauchweg ein Dschungel
Die Schneelast zu hoch
Ein Dalmatiner
jagt auf der weißen Wiese
um Kimba herum
Rollkoffergeräusch
Kimba flieht die Treppe hoch
Die Augen weit auf
Vom Schlaf benommen
In den Ohren ein Sausen
Das linke Knie zwickt
Wilde Tänzerin
Hat die Neurose im Griff
Barfußkämpferin
[Joan Baez – I Am a Noise]
Ans Bett genagelt
die Körperwärme spürend
ganz in sich ruhend
Sie bückt sich hinten,
pullert, wartet, dreht sich um,
schnuppert am Output
Wehmut, die berührt
Ruhige Gelassenheit
Der Kairos war da!
[Dominic Miller – Mi Viejo]
Das Fenster öffnen
Einatmen, hinausgucken
Die Welt reinlassen
In Südfrankreich Wind
Zwölf Stunden Autobahnfahrt
In Deutschland Regen
Mehr Geduld haben
Den Menschen mehr Zeit lassen
Mehr in mir ruhen
Es hat gedauert,
bis ich merkte, mein Vater
ist auch nur ein Mensch
[Apsilon – Baba]
Kormoran steht mit
ausgebreiteten Flügeln
vor den Blässhühnern

Töne. Hingetupft.
Vom Klavier schwindlig gespielt.
Leichtfüßiger Ernst.
[Nitai Hershkovits – Of Trust and Remorse (ECM, kein Video)]
Zwischen Weinstöcken
zwei Kaltblüter mit Schweifen
den Boden touchend
Die Kamera läuft
Reißaus mit jungen Frauen
Petzolds erster Film
Im Dunkeln leben
Sich nicht zu sich bekennen
Ohne Gesicht sein
[Arthur H – L’anonyme]
Klavier und Stimme
im fruchtbaren Zwiegespräch
Is love always blind?
[Sunny Kim – Love (Unconfined)]
der Küste folgend
offene Menschen treffend
auf- und absteigend
[Sentier littoral: Racou – Collioure – Racou]

Die Angst davor,
zu früh ins Bett zu gehen,
um eins aufzuwachn.
Ölproblem gelöst?
Kühlwasserbehälter leer!
Trend zum Zweitauto
In Partylaune
Trashige Keyboardtöne
Durch die Nacht tanzen
[Romy – She’s on My Mind]
Ein Reh am Bahndamm
Jemand schlägt sich in den Busch
Small talk en passant
Im Wein ersaufen
sich in die Arbeit stürzen
mit Füßen beten
Das Tabuthema
unterbewusst ansprechen:
Kilimandscharo
Frau und Kind flüchten
Den Soldaten an der Front
Lieder vorsingen
[Matti Friedman – Wer durch Feuer: Krieg am Jom Kippur und die Wiedergeburt Leonard Cohens]
Der Vorsitzende
der AfD nur ein Dummy
Ob er es wohl weiß?
Erst die Ohrmuscheln,
dann das Innenohr streicheln
mit Gänsedaunen
[Jakob Bro, Palle Mikkelberg, Thomas Morgan & Jon Christensen – Strands (Live Copenhague 2018)]
Das Haiku bezieht sich eigentlich auf die Version auf dem neuen Livealbum mit dem gleichen Titel, die noch ruhiger & länger ist. Sie ist in der Deezer-Playliste.
in der Luft schweben
sich runter tragen lassen
aus der Zeit fallen
[Popol Vuh – Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner (Film von Werner Herzog)]
Der Himmel hängt tief
Kraniche ziehen südwärts
Rufe der Wildnis
Über die Anden
zieht der bunte Menschenwurm
zurück nach Peru
[Popol Vuh – Aguirre I (l’acrime di rei)]
Sachrang-Wasserfall
Raus aus dem engen Deutschland
Nicht fliegen können
Drei Füchse schnüren
spätabends in der Ferne
über das Schneefeld
Auf einer Insel
Der Frühnebel lichtet sich
Die Natur erwacht
Hier fließt etwas, was
man als Liebe bezeichnen
könnte, oder so
[Trashcan Sinatras – Easy on the Eye]
Gemeinsam rappend
die Abteilung vorstellen
That’s Kulturwandel!
Tief mit den Füßen
einsinken im Pulverschnee
Stapfen mit Knirschen
Jeden gelben Fleck
im Schnee beschnuppern und dann
selber draufpinkeln
Kimba tollt im Schnee
schnuppert, springt auf, rennt wie wild
Die Nacht strahlt hellweiß
Zweige neigen sich
unter der Last des Neuschnees,
versperren den Weg
Das regelmäßig
wiederkehrende Quietschen
des Scheibenwischers
Ein Nachtreiher sitzt
auf dem Mast des Segelboots
im Laarer Hafen
Auf den Kopf regnet’s
Die Stirn runter läuft der Schweiß
Große Reinigung
Vor Sonnenaufgang
Verfolger abgeschüttelt
Nebel überm Feld
Autodidaktin
Ihre Lieder ein Spiegel
unserer Seele
Zwei von drei Spuren
auf Fahrt durch die Republik
von Lastern besetzt
Geplatzte Blasen
Die eine mit einem Knall
Die andre anders
Stream of consciousness
Ein Fluss, nicht aufzuhalten
Mit Worten streicheln
[Kae Tempest – Firesmoke]
Sommernachmittags
in dem Haus auf dem Hügel
im Basssound baden
[Joni Mitchell – Refuge of the Roads]