Nur kleine Schlücke
aus der Pulle mit Wasser
Grade mal vier Grad
Nur kleine Schlücke
aus der Pulle mit Wasser
Grade mal vier Grad
Bohrende Frage
tief in den Eingeweiden
Habe ich Hunger?
Gefallne Blätter
Vom Wanderstock aufgespießt
Meine Copilger
Das war die bisher anspruchsvollste Etappe, 3 Berge, 600 Höhenmeter und bestimmt 2 km länger, weil ich jeweils zum anderen Ende des Ortes musste.
Geschlafen von 11 bis 4, danach gewälzt. Trotz des Fastens habe ich morgens Reflux, der mich aufweckt. In der nächsten Apotheke werde ich mir Heilerde und Melatonin kaufen. Längeres Gesprach mit der Gastgeberin, die mir grünen Tee kocht. Sie kommt aus Thüringen und ich bin mir recht sicher, welche Partei sie wählt. Aber sie scheint mir zumindest zuzuhören. Sie hat nach der 4. Impfung „schlimm“ Corona gekriegt, dann Long Covid. Impfen ist für sie gestorben. Findet die grünen Minister gar nicht gut. Und Krieg auch nicht, wieso hören die nicht endlich auf? Außerdem bewegt sie die Inflation. Kroatien ist seit der Euro-Einführung so teuer geworden… Und die nicht klappende Integration der Asylanten. Ein etwas schwieriges Gespräch.
Ich komme erst um 9 los, es gibt gleich einen kleinen Schauer. Der Weg verläuft außenrum auf der Straße, während man über einen steinigen Weg eine Abkürzung gehen kann. Man fragt sich, was die Wegmacher geraucht haben. Es geht nun unter kahlen Laubbäumen auf einem weichen Blätterteppich durch den Wald, immer bergauf bis zur Ruine Boyneburg, dem Dach der heutigen Etappe mit 508 m. Hier spielt die Sage Das Fräulein von Boyneburg der Gebrüder Grimm mit drei Schwestern, von denen sich die Jüngste nach der Weissagung vom Blitz erschlagen lässt, um ein fürchterliches Gewitter zu beenden. Ihr zu Ehren wird heute noch eine Brotspende zu Himmelfahrt verteilt. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass der Blitz besonders gerne in diese völlig exponierte Burg einschlägt.

Auf dem Abstieg fällt auf, dass zum einen die Markierung des Elisabethpfades lausig ist, was mir eigentlich egal ist, da ich die Wander-App E-Walk nutze. Aber man hat halt auch ganz gerne die Bestätigung aus der real world, dass man on track ist. Andererseits ist der Pfad an einigen Stellen von Baumstämmen und Ästen blockiert. Kurz vorher wies eine Tafel darauf hin, dass der Wald hier sich selbst überlassen wird, das Ergebnis ist undurchdringliche Wildnis. Ich gehe weiträumig herum. Zudem ist der Waldboden sehr weich und rutschig.


Beim weiteren Abstieg nach Wichmannshausen komme ich mit einem Hundebesitzer ins Gespräch, der mir vom neuerlichen Drama der seit Jahrzehnten im Bau befindlichen A44 erzählt. Der Tunnel unter der Boyneburg ist fertig, wird aber noch nicht befahren, da ein anderer Tunnel neu ausgeschrieben werden muss. Er glaubt nicht daran, dass er bei Lebzeiten noch auf der Autobahn bis Eisenach fahren wird können, er ist 63.
Wichmannshausen, das in einem Talkessel liegt, wird außerdem von drei Bundesstraßen und der Bahnstrecke Göttingen-Bebra durchzogen. Zur Ruhe kommt man hier nicht.
Ich bin begeistert von dem Innenraum der Wichmannshäuser Kirche St. Martin. Ein blauer Himmel, zwei weiß-rot bemalte Holzemporen, eine schmucke Kanzel, ein Altarraum, der durch eine durchbrochene Wand getrennt ist vom Besucherraum.

Im hinteren Bereich der Kirche eine Kopie – das Original ist in der Gedächtniskirche in Berlin – der Madonna von Stalingrad von Kurt Reuber, der hier bevor er an die Ostfront als Truppenarzt eingezogen wurde, Pfarrer war.

Von Wichmannshausen geht es nun auf einem geteerten Radweg nach Hoheneiche, wo ich vor der Kirche mit der Elisabethpforte mein Saftmahl einnehme. Die Sonne ist jetzt rausgekommen, die Temperatur fast 10 Grad.

Der Weg zieht sich nun durch den Wald. Ich komme gut voran. Vom Alpstein (398m), der 2. Erhebung des Tages gibt es eine wunderbare Sicht nach Norden zum nächsten Zwischenziel, Kirchhosbach. In der nahegelegenen Hütte hängen gestrickte Köstlichkeiten.


In der Kirche von Kirchhosbach hole ich mir den schönen Pilgerstempel. Im Gästebuch ist der letzte Eintrag vom Oktober, ich bedanke mich kurz. Interessant, was die Kirchhosbacher so gelesen bzw. gesehen haben. Der geräumige Bücherschrank enthält u. a. zwei Kundera, Queneau, Ulla Hahn und eine Wander-DVD.

Im Wald liegen bzw. stehen diverse Kunstwerke, bei denen man sich zuweilen fragt, ob die Natur das nicht viel besser kann (s. o.).

Vom Wald ist an vielen Stellen nicht mehr viel zu sehen, Bäume sind aufgrund von Unwettern umgestürzt bzw. in großem Stil gefällt worden. Das sind zum Teil fast schon apokalyptische Bilder. Das Holz wird zum großen Teil als Brennholz genutzt oder über Kassel nach China verschifft, wie mir gesagt wird.


Die letzte Anhöhe ist der Mäuseberg mit 415 m, neben der Centbuche, wo sich sieben Wege kreuzen. Von hier geht es nur noch bergab nach Waldkappel, wo ich mir im Getränkemarkt noch neue Säfte besorge. Die Wolken werden dunkler, es fängt an zu regnen, aber ich komme fast trocken in meiner Unterkunft am Ortsende an. Meine 87 jährige Gastgeberin begrüßt mich als ersten Pilger des Jahres. WLAN gibt es hier nicht und LTE und Handy funktionieren nur draußen auf der Terrasse. Die Temperatur sinkt auf drei Grad.
Hier der Etappenüberblick über meine Fastenwanderung auf dem Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg im Februar 2024.
B7, Züge
Wichmannshausen. Talkessel.
A4-4 Tunnel
Dieses Gejammer
Was will sie, die Ilsebill?
Es geht uns zu gut
Der Waldweg ein Bett
Rotbraune, feuchte Blätter
Die Füße juchzen
Niemand unterwegs
Die ganze Welt gehört mir
Und den Piepmätzen
Die Schlücke kauen
Sauerkirschsaft, süß-sauer
Dann grüner Tee. Los!
Stimmen hinter mir
Quietschende Regenjacke
Als wärs ein Seufzen
Ein völlig vernieselter Tag, an dem ich mich daran erfreue, dass das Teilstück zum überwiegenden Teil geteert ist, weil ich so dem Matsch entgehe. Außerdem überquere ich die ehemalige Grenze fünfmal. Aber im Einzelnen:
Ich wache schon wieder um 4 Uhr morgens auf, das scheint zur Gewohnheit zu werden. Anschließend fliegen mir Haiku zu und ich schaffe es später noch in den Halbschlaf. Der aktuelle Blick auf den Regenradar – gestern Abend sah es noch ganz anders aus – verheißt nichts Gutes. Am frühen Morgen soll es noch recht trocken bleiben, später alerdings sollen die Niederschläge zunehmen. Als ich das begreife, spute ich mich, verabschiede mich von der Servicekraft, bekomme von ihr noch einen Stempel mit der Burg in all ihrer Pracht in meinen Pilgerausweis und bin um 8h15 auf der Rolle.
Von Creuzburg nach Westen folgen der Jakobsweg und der Elisabethpfad, die oft identisch sind, zwei verschiedenen geteerten Routen. Ich gehe einen dritten Wiesenweg anfangs an der Werra entlang, die mich verblüfft, weil sie von West nach Ost fließt. Flüsse haben eben immer die Tendenz, zu mäandern und nicht direkt auf ihr Ziel zuzufließen. Manchmal geht es dann auch in eigentlich „kontraproduktive“ Richtungen. An der Brücke über die Ifta, die unweit in die Werra mündet, vereinigt sich mein Weg wieder mit dem Elisabethpfad. Es nieselt nun leicht und es geht bergauf bis zur alten innerdeutschen Grenze (1. Überschreitung) im Wald. An der Stelle ist eine Rastbank sowie eine metallene Deutschlandkarte. Quer verläuft der Kolonnenweg, mitten im damaligen Todesstreifen, heute das Grüne Band, dessen 1393 km man komplett abwandern kann.

Hinter dem Wald geht es links auf der Straße hinunter nach Willershausen im ehemaligen Westen. Ich besuche die dreischiffige, schlichte Kirche, hole mir einen Stempel und gebe einen kleinen Obolus für die Restaurierung der von Pilzen befallenen Orgel.

Die Autokennzeichen sind jetzt natürlich nicht mehr WAK (Wartburgkreis) oder EA (Eisenach), sondern meist ESW (Eschwege). Aus dem Ort heraus gehe ich auf einer Straße nach Norden, die auch wieder ansteigt. Auf der Bergkuppe im Wald ist erneut die alte Grenze (2. Übertritt). Ich bin also jetzt wieder in Thüringen. Es geht auf einem Betonplattenweg bergab, damit die DDR-Panzer schnell an die Grenze fahren konnten. In der DDR ging sehr viel Material wie z. B. Zement an den Grenzschutz und fehlte dann in der Privatwirtschaft. Ich komme in Ifta an und gehe in den Ort rein und damit ca. 300 m über den Wegabzweig hinaus. Das Gasthaus macht zwar eigentlich erst um 15h auf – jetzt ist es 11h – aber die Wirtin, die gerade noch fleißig saubermacht, kocht mir Teewasser und wir kommen ins Gespräch. Sie erzählt mir auf Nachfrage bzgl. der Stimmung von der Verunsicherung der Leute, die nicht genug mitgenommen werden von der Politik, möchte sich selber damit aber nicht auseinandersetzen, hat schon genug zu tun in ihrem Alltag. Das hört sich alles sehr nachvollziehbar an und doch… Nach 45 Minuten breche ich auf. Die Kirche mit dem Himmelszelt an der Decke und dem blutenden Pelikan auf der Kanzel ist geschlossen, heute ist kein Gottesdienst. Jede Kirche, die wertvolle Kunst enthält, ist normalerweise geschlossen.
Ich überschreite auf dem Weg nach Lüderbach ein drittes Mal die Ex-Grenze und bin wieder in Hessen im Werra-Meißner-Kreis. Ich habe heute hier die gesamte, herrliche Landschaft für mich.

Ein paar Meter abseits des Wegs gehe ich ein paar glitschige Steinstufen hinunter zum Leprakreuz und stürze fast. Hier war wohl eine Station für aus den Kreuzzügen an Lepra erkrankte Rückkehrer.

Kurz vor der Grabespyramide, mache ich einen 1,5 km Abstecher zum Baumkreuz. In der Ferne sehe ich einen Schimmel und zwei Braune mit Reitern, die weiter Richtung Lüderbach reiten. Ich schreibe das, weil ich heute quasi niemand auf dem Weg treffe. Das Baumkreuz ist eine Anpflanzung von Eschen und Linden in Kreuzform, da wo die B7 auf die alte innerdeutsche Grenze trifft. Es ist noch ein langer Abschnitt des damaligen Grenzzauns erhalten. Hier überquere ich die nicht mehr existierende Grenze ein viertes Mal, um gleich wieder zurückzukommen.

Von hier mache ich noch einen Abstecher hoch zur Grabpyramide, wo der letzte Schlossherr von Lüderbach, Herr von Castellan, der keine Nachkommen hatte, mit seiner Schwester begraben ist.

In Lüderbach ist die Kirche mit dem Schnitzaltar natürlich geschlossen. Ich mache meine Mittagsrast mit Gemüse-, Kirschsaft und Ingwerwasser in einem schmucken überdachten Bushaltestellenhäuschen aus Fachwerk.

Auf gerader Strecke geht es weiter nach Netra, wo die Kirche mit dem Wehrturm leider auch wieder zu ist. Am Ortsausgang steht ein langsan verfallendes Wasserschloss, um das sich niemand zu kümmern scheint.

Noch knapp 3 km und ich bin in Röhrda, meinem Tagesziel angekommen. Die Regenjacke und der Rucksackschutz sind zwar nass geworden, aber ansonsten habe ich den Regentag recht trocken überstanden.

Die Inneneinrichtung der Kirche ist sehr einfach, das Buntglasfenster mit dem auferstehenden Jesus ist ein Blickfang.

Ich kehre ein in die Pension Iris, bekomme einen Kräutertee kredenzt und lasse meine müden Knochen etwas zur Ruhe kommen.
Hier der Etappenüberblick über meine Fastenwanderung auf dem Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg im Februar 2024.
Eine Kohlmeise
zwitschert hoch oben im Baum
Wo genau sitzt sie?
Wandern und Fasten
Täglich ein paar Gramm leichter
Gleich hebe ich ab!
Wie ich auf Wandrer
neidisch war als Radfahrer,
wenn es steil hoch ging
Stimmen hinter mir
Quietschende Regenjacke
Als wärs ein Seufzen
Egal, ob du schläfst
Schön warm unter der Decke
Das Glück des Dösens
Gefahr beim Fasten
Nicht wieder mit dem Essen
starten zu wollen
Morgens um halb sechs
Verschiebt da jemand den Tisch?
Die Heizung läuft an.
Fastend andauernd
gemahnt werden ans Essen
von den Mitmenschen
In der Nacht um vier
Im Kopf summt ein Bienenschwarm
Im Hals ein Feuer
Die Sonne kommt raus
Der Bibelversautomat
Die Kemenate
Ich wache auf und denke es ist 6 Uhr, aber als ich genauer auf die Uhr sehe, stellt es sich raus, dass es 4 Uhr ist. Darauf eine Melatonintablette, mit der ich nach längerer Zeit wieder einschlafe, und dann nicht aus dem Bett komme. Zum Frühstück Orangensaft. Ich muss feststellen, dass ich doch wieder – wie schon auf der letzten Fernwanderung auf dem Heidschnuckenweg – das falsche Paar Wanderstöcke mitgenommen habe. Bei dem einen Wanderstock fehlt entweder ein Segment oder ich bin zu blöd, ihn auseinander zu ziehen. Die junge Frau an der Rezeption bucht versehentlich 50 Euro Depot für den Bademantel ab. Ob sie wohl meinte, ich hätte ihn in meinem 30 l Rucksack mitgenommen?
Um halb zehn bin ich endlich on the road. Draußen scheint die Sonne und es herrschen zweistellige Temperaturen. Obwohl ich das dünnere Hemd und das nicht ganz so warme Damart-Unterhemd anhabe, ist mir etwas warm. Ich gehe über einen Wiesenweg nach Stedtfeld rein.

Hier geht es über die u. a. von Flixtrain befahrenen Bahnschienen der Strecke Eisenach – Bebra und ich stoße auf den Elisabethpfad, der enttäuschenderweise an einer Straße langläuft, neben der sich dann auch noch das langgestreckte Gelände des Klärwerks befindet. Warum um Himmels willen haben die Schöpfer des Elisabethpfades hier nicht den Rennsteig genutzt, der etwas weiter auf dem Bergkamm verläuft? Ich werde heute bestimmt 80% auf Asphalt – man sagt hier Bitumen – gehen, was unnötig ist und mich fuchsteufelswild macht.


In Hörschel mündet die aus Eisenach kommende Hörsel in die Werra und es beginnt an der Werra der Rennsteig. Den ich für den meistüberschätzten deutschen Wanderweg halte. Der Weg verläuft meist im Wald oben auf dem Kamm und es gibt kaum Ausblicke. Es ist eine Art Wanderautobahn, breit und befestigt. Die Wanderer, die sich dort tummeln, sind meist bierernst und rennen ohne nach links und rechts zu gucken.
An einem Spielplatz raste ich und spreche länger mit einem einheimischen Großvater, der mit seinen Enkeln bei dem schönen Wetter mal draußen ist. Er erklärt mir die Wegführung und weist mich darauf hin, dass es auf dem Radweg weitergeht und fast nur noch Bitumen bis Creuzburg zu erwarten ist. Er wird recht behalten. Neben mir fließt nun die recht hochstehende Werra, über mir ist die Talbrücke der A4, die ich schon unzählige Male überfahren habe. Ein junges Paar und ihr Söhnchen sind auf dem Rad kaum schneller als ich zu Fuß, es geht rauf und runter. Ich plage mich den ganzen Tag ein bisschen mit diversen Hungerästen ab, die Umstellung des Körpers auf Fettverbrennung dauert ihre Zeit.

Ich erreiche nun Spichra, wo ich mir in der schnuckligen evangelischen Kirche in der Sakristei einen Pilgerstempel für den Pilgerausweis selbst erstelle.

Aus Spichra heraus geht es auf besagtem Radweg schnurgerade. Wie ich auf der App sehe, hätte es vorher eine Möglichkeit gegeben, über einen niedrigen Höhenrücken durch den Wald auf einem Wanderweg abzukürzen, was ich natürlich verpasst habe. Ich verfluche völlig sinnbefreit die Wegmacher. Sie hatten sicher ihre Gründe, es ist mein Fehler, ich hätte mich vorher informieren müssen. Links vor mir grasen Wasserbüffel und Gallowayrinder in den überschwemmten Auen. Es handelt sich um das Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunnen, wo heute eine Käsemanufaktur betrieben wird. Hier geht es runter vom Asphalt auf einen eingeweichten Weg zwischen den Wiesen. In der Ferne sieht man linker Hand schon mein Etappenziel, die Creuzburg.
Da es noch nicht einmal ein Uhr ist, mache ich eine Trinkpause auf einer Bank mit Tisch. Es sind doch einige Leute zu Fuß und auf dem Rad unterwegs, es ist ja Samstag. Ich komme nun zur Liboriuskapelle (an der Ostseite der alten Werrabrücke), in der sich Wandmalereien von Elisabeth von Thüringen befinden. Die Kapelle ist (natürlich) geschlossen. Ich sehe später Kopien von ihnen mit guten Erklärungen in der Nicolaikirche im Ort.

Über 700 Jahre hält die Brücke, dann kommen die Nazis und sprengen am 1.4.1945 sinnlos zwei Bögen der Brücke (Verbrannte Erde), um den Vormarsch der Amerikaner noch zu stoppen. Sie wurde dann 1952 wieder eröffnet. Die Werra ist heute unter der Brücke ein reißender Strom, der Strudel an den Pfeilern bildet.
In der eindrucksvollen, großräumigen Nicolaikirche lese ich, wie gesagt, über Elisabeths in Wandmalereien festgehaltenes Leben. Ich zünde ein Teelicht an und ziehe mir einen Bibelvers aus dem Automaten, der sinnigerweise mein größtes aktuelles Problem anspricht, den Durst. Es ist Johannes 4,14.

Ich gehe nun hoch zur Burg, wo mir beim Eintritt ins Hotel-Restaurant Bratengerüche entgegenschlagen. Mein Einzelzimmer ist schon – es ist halb zwei – bezugsfertig. Ich versuche nach dem Genuss meiner Säfte erfolglos eine Siesta zu halten und gehe dann runter und trinke zwei Kännchen grünen Tee.

Nun sind meine Lebensgeister wieder geweckt. Zuerst gehe ich rüber zum Museum, das leider schon in 20 Minuten schließt. Ich gucke mir die Elisabethkemenate im Keller an, Elisabeth von Thüringen hat mehrere Jahre auf der Creuzburg gelebt und gewirkt, indem sie sich um die Armen gekümmert hat. Zwei ihrer drei Kinder sind hier geboren worden.



Über den Wehrgang geht es im 1. Stock hinüber zur aktuellen, sehenswerten Ausstellung mit vielen historischen und neuen Fotos des Ortes mit Erläuterungen.

Ich mache noch eine Tour durch den Ort und folge dem Märchen-Naturpfad mit Bäumen, die z. T. in Märchen eine Rolle gespielt haben.

Hier der Etappenüberblick über meine Fastenwanderung auf dem Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg im Februar 2024.
Gluckerndes Wasser
Wärme strömt in den Körper
Die Explosion!
Nach der Arbeit nehme ich den Zug von Berlin Hbf nach Eisenach um 15h26. Ich nehme Platz an einem Tisch, es stellt sich heraus, dass der Platz obwohl nichts angezeigt wird auf dem Display, von einem Mädchen reserviert ist, die netterweise darauf verzichtet und sich gegenüber hinsetzt, ich rutsche jetzt zum Fenster, so dass wir Beinfreiheit haben. Die Fahrt ist ereignislos, draußen ist es bedeckt und dämmert so langsam. In Erfurt steigen noch einige Leute zu, der Zug ist recht voll, drei von vier Plätzen an unserem Tisch besetzt.
In Eisenach ist es bereits dunkel um 18 Uhr. Ich gehe unter den Gleisen durch nach Norden. Es geht ein gutes Stück parallel zur Bahn, ich passiere einige Bahnunterführungen. Ich orientiere mich nun etwas nach Norden, es geht bergauf in eine Eigenheimsiedlung. Auf einer Sackgasse nach Westen, wo bei jedem zweiten Haus die Bewegungsmelder anschlagen und mir den Weg beleuchten, komme ich aufgrund der Steigung etwas ins Schwitzen.
Die Straße endet nun und ich komme auf den Weg am Waldrand, den ich mir auf der E-Walk App ausgeguckt hatte. Hier ist es nun stockduster, ich schalte meine Stirnlampe an. Der Boden ist durchgeweicht, es hat anscheinend viel geregnet in letzter Zeit. Momentan ist es allerdings trocken. Der Weg geht schon bald wieder bergab, offensichtlich standen die letzten Häuser, an denen ich vorher vorbeiging, oben auf einer Anhöhe. Der Weg geht leicht auf und ab weiter am Waldrand entlang. Ich sehe vor mir zu meiner Linken das Opelwerk mit einem riesigen, beleuchteten Logo. Hinter dem Werk ist links eine Baustelle mit neuen, noch unbezogenen Häusern. Ich gehe hinab und bin nun in dem Gewerbegebiet von Stedtfeld, wo sich auch meine Unterkunft befindet.
Im Hotelzimmer trinke ich den Rote Bete Saft als Hauptgang und den Orangensaft als Nachtisch. Danach gehe ich in die Sauna, das Thermometer zeigt ca. 20 Minuten nach dem Einstellen über 80 Grad, ich mache einige Aufgüsse und schwitze. Ich bleibe alleine. Die Dusche ist nicht sehr kalt. Nachdem ich mir noch verspätet die Nachrichten auf dem Handy angeguckt habe und bei zwei Talkshows zwischendurch eingenickt bin, lösche ich kurz nach 10 das Licht.
Hier der Etappenüberblick über meine Fastenwanderung auf dem Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg im Februar 2024.
Anker geworfen
doch nur vorübergehend
Offene Weite
Knackender Ofen
Auf das Holz tröpfelnder Schweiß
Zischender Aufguss
—
Der nickende Chinese
unter der kalten Dusche
Gluckerndes Wasser
Wärme strömt in den Körper
Die Explosion!
Einer der Köch*innen ist Pedro, ein junger Mann aus Mexiko der mehr vom Leben erwartet, als der Job ihm bietet. [q]
Sie wirft, der Hund läuft
Die blaue Frisbeescheibe
Der Fänger im Flug
In Regenpfützen
Auf kahlen Ästen Sprossen?
Der Himmel bedeckt
1 Den Apfel vierteln
2 Den Grieps des Viertels rausschneiden
3 Das Viertel längs halbieren
4 Die zwei Achtel viermal quer schneiden
5 2-4 dreimal wiederholen
Ergebnis: Achtzig Apfelstücke
Die kalte Dusche
Stadtwohnung versus Landhaus
Lau versus eisig
Nach dem Aufstehen
Der durchdringende Geruch
des ersten Urins
Die Schwerkraft nutzen
beim herabschauenden Hund:
die Fersen senken
Der alte Mann, der
nach dem Selbstmord seiner Frau
das Haus nicht verlässt
zwischen nacht und tag
traumversunken, schlaftrunken
die welt erschaffen
Fuß vor Fuß setzen
Assembler programmieren
Schritt für Schritt zum Ziel
Faraday-Käfig
Fünf Stunden Autobahnfahrt
Gesprächsoffenheit
Die Streuobstwiesen.
Autobahn und ICE.
Durch den Tiergarten.
Äste absägen
mit den eigenen Händen
Nachhaltigkeit pur
Wer entfernt den Müll
der Kunden von McDonald’s?
Sein Name: niemand
Zähflüssiger Strom,
quer durch den Midwest fließend,
made from guitar chords
[Ratboys – Black Earth, WI]
Zwei Spechte trommeln
links und rechts der Auwiese
Mit Verzögerung
Just a perfect day,
drink Sangria in the park
…when… dark, we go home
[Lou Reed – Perfect Day]
Kimbas Blick, wenn ich
die zwei Hirschlungenstücke
aus der Tüte hol
Entschuldigungen
Gesprächsfaden gerissen
Das Feedback bleibt aus
Wo Musik, Stimme
und Clip eine perfekte
Ehe eingehen
[Men I Trust – Ring of Past]
Dreißig Minuten
in falsche Richtung fahren
und es dann merken
Krähe und Elster
auf harter Ackerkrume
Zwei Falken thronen
Samtene Stimme
Weicher badischer Singsang
Mit Jesus liiert
Abteilungsklausur
Agenda abgefrühstückt
Bitte mehr davon
Essen vergessen
Das Sprechen eine Droge
Red Bull unnötig
Hab ich vergessen,
die Heizung auszudrehen?
Der Boden rutscht weg.
Zu viert im Wagen
Fünfeinhalb Stunden vergehn
ruckzuck im Gespräch
Die Wege tauen
Räder werden geschoben
Es ist spiegelglatt
Hochsommer am See
Gegen Ende noch einmal
vom Leben kosten
Wege Eisbahnen
Schneeweiß schimmernde Nächte
Mollige Abende
Bäume, umgestürzt
Der Knoblauchweg ein Dschungel
Die Schneelast zu hoch
Ein Dalmatiner
jagt auf der weißen Wiese
um Kimba herum
Rollkoffergeräusch
Kimba flieht die Treppe hoch
Die Augen weit auf
Vom Schlaf benommen
In den Ohren ein Sausen
Das linke Knie zwickt
Wilde Tänzerin
Hat die Neurose im Griff
Barfußkämpferin
[Joan Baez – I Am a Noise]
Ans Bett genagelt
die Körperwärme spürend
ganz in sich ruhend
Sie bückt sich hinten,
pullert, wartet, dreht sich um,
schnuppert am Output
Wehmut, die berührt
Ruhige Gelassenheit
Der Kairos war da!
[Dominic Miller – Mi Viejo]
Das Fenster öffnen
Einatmen, hinausgucken
Die Welt reinlassen
In Südfrankreich Wind
Zwölf Stunden Autobahnfahrt
In Deutschland Regen
Mehr Geduld haben
Den Menschen mehr Zeit lassen
Mehr in mir ruhen
Es hat gedauert,
bis ich merkte, mein Vater
ist auch nur ein Mensch
[Apsilon – Baba]
Kormoran steht mit
ausgebreiteten Flügeln
vor den Blässhühnern

Entre vous et moi
elle fait des aller-retours
Mademoiselle Zigzague
Töne. Hingetupft.
Vom Klavier schwindlig gespielt.
Leichtfüßiger Ernst.
[Nitai Hershkovits – Of Trust and Remorse (ECM, kein Video)]
Hot vibes from Oslo
Just in time for tomorrow’s
silvester party
[Fieh – Grendehus Funkadelic live@Palace Grill]
Zwischen Weinstöcken
zwei Kaltblüter mit Schweifen
den Boden touchend
hitting the soft spot
between the left and the right
side of the matter
[bar italia – bibs]
Die Kamera läuft
Reißaus mit jungen Frauen
Petzolds erster Film
Im Dunkeln leben
Sich nicht zu sich bekennen
Ohne Gesicht sein
[Arthur H – L’anonyme]
Klavier und Stimme
im fruchtbaren Zwiegespräch
Is love always blind?
[Sunny Kim – Love (Unconfined)]
Comment marier
le jazz avec l’électro
sans aucune couture
[Joanna Duda Trio – Grasshopper]
der Küste folgend
offene Menschen treffend
auf- und absteigend
[Sentier littoral: Racou – Collioure – Racou]

bright, chiming guitars
glimmering in the sunshine
vibes from down under
[RVG – It’s Not Easy]