Ich höre Schritte
im Dunkeln den Weg hinab.
Meine eigenen.
Als Spaziergänger
ragt man aus der Landschaft raus
und wird gesehen.
Morgens streichelt mich
Dachshaar vom Rasierpinsel.
Kaum noch zu kriegen.
Milchig-trüber Trunk.
Schwer auf der Zunge liegend.
Sonne pur. Pastis.
Nach dem Ausatmen
kommt ein Moment der Ruhe
vor dem Einatmen.
(Er:) Neue Klamotten?
Schon wieder? Wozu denn nur?
(Sie:) Zum Tragen, was sonst?
Früher war’s Rauchen
verboten im Schlafzimmer.
Jetzt auch das Handy.
Mann joggt mithilfe
zweier Jagdhunde, an die
er gegurtet ist.
Die Schlehen sind reif.
Süßlich, mit etwas Säure.
Patxaran olé!
Menschen mit Demenz
haben keine Sorgen mehr,
und das hält (sie) jung.
[Martina Bergmann – Mein Leben mit Martha]
Diese Helligkeit.
Der November ist auch nicht
mehr das, was er war.
Verzweifelt suchst du
nach den Namen der Dinge.
Die Welt entfernt sich.
[Reiner Kunze]
Nördlich der A4.
Über Weimar. Buchenwald.
Unübersehbar.
Richtgeschwindigkeit.
Rase an Trabi vorbei,
der mit achtzig tuckert.
Ich jogge so schnell,
dass ich noch nachdenken kann
und im Kopf sprechen.
Schönster Sonnenschein,
ein Grad, die Autobahn leer.
Die Welt gehört mir.
Als eine Wildgans
knapp das Auto überfliegt,
senke ich den Kopf.
Der Blick und das Wort
vom Straßenmusiker als
ich hochschau‘ zu ihm.
Leuchten, Laternen,
Straßen-, Taschen-, Stirnlampen.
Es ward Licht im Park.
Die Familie hat
das große Sushilokal
ganz allein für sich.
Es ist frisch draußen,
aber für den November
etwas zu trocken.
Auch dieser Lockdown
lässt unser Zentralgestirn
wieder breit grinsen.
Beam me back, Scottie.
Chillen mit Wiener DJs.
Lässig und locker.
[Kruder & Dorfmeister – King Size von dem Album 1995]
In der Dunkelheit
auf eine Bank gesetzt und
auf nichts gewartet.
Man guckt auf Displays.
Smartphone haben bereits
Herrschaft ergriffen.
Im Park stockdunkel.
Jogger tragen Stirnlampen.
In Straßen nix los.
Mit fünfzehn hab ich
mich schwer verliebt in ein Land,
weil es anders war.
Als Gregor Samsa
eines Morgens … erwachte,
trug er ’ne Maske.
Nicht mehr zuhause
im Flughafen sondern jetzt
auf der Autobahn.
Stau wegen Unfall
bei Eisenach an Rasthof
rechts flink umfahren.
Dreizehn Grad. Regen.
Das Schmatzen der Obstwiesen
unter den Füßen.
Der Nachbar weist mich
aufs off’ne Schiebedach hin.
Bin etwas gerührt.
Temperaturen,
die den Fruchtfliegen wieder
Leben einflößen.
Die große Hündin
ängstigt sich vor niemandem
außer dem Herrchen.
Am Wochenende
löst Sonne Niesel ab und
betont Rottöne.
Dass eine Lusche
„Trumpf“ heißt, scheint symptomatisch
für die USA.
Vor hundert Jahren
hätte man Corona als
Krankheit kaum bemerkt.
Viele sprechen von
toxisch, meinen aber nicht
giftig sondern schlecht.
Sie tastet sich vor
hinein in die Romantik
aus dem Jazz kommend.
[Johanna Summer – Von fremden Ländern und Menschen (Schumann)]
Voll im Hier und Jetzt
bei der Dreiballjonglage.
Nur nicht nachdenken!
Wer rast den Stamm hoch
und schwingt sich von Zweig zu Zweig?
Der braune Lümmel.
Eine Erleuchtung
bei geschlossenen Augen:
Blau und Grün im Kampf.
Die kleinen, süßen
Spätäpfel unter dem Laub.
Herbstüberraschung.
Bunte Blattvielfalt:
Nuss- und Apfelbaum gelblich,
Zierpflaume rostrot.
Im Nieselregen
Blätter zusammengerecht
für’n Komposthaufen.
Das Eichhörnchen trennt
Haselnüsse fürs Kröpfchen
und fürs Töpfchen.
Tour in Dunkelheit.
Alarmanlage geht los.
Mond hinter Wolken.
Vater schiebt Buggy
mit Mädchen, das mir zuwinkt.
Ich winke zurück.
Die Winterzeit lässt
eine Stunde Tageslicht
für Freizeit übrig.
Gehen ist Fallen
und Auffangen, Schritt für Schritt.
Den Weg ertaumeln.
[frei nach Laurie Anderson – Walking and Falling]
Perfekte Musik,
um den Tränen freien Lauf
lassen zu können.
[Keith Jarrett – Answer Me vom Budapest Concert]
Aus der Traurigkeit
wurde erst „Dankbarigkeit“
und dann Dankbarkeit.
Links vom Fernsehturm
taucht über den Baumkronen
ein oranger Ball auf.
Eichel an Eichel
auf dem Garagenvorplatz.
Ein Naturteppich.
Das fahle Lichtband
des Halbmondes flackert im
Großen Plöner See
Am Seenufer blüht
die Zaubernuss orangerot
zwischen den Eichen.
Auf dem Kölner Ring
setzt starker Platzregen ein.
Wir bremsen alle.
Die Mücke im Klo
konnte den Klimawandel
nur kurz genießen.
Naive Nachtmusik
mit Schlagzeug, Gitarre, Bass,
zwei Saxophonen.
[Dave King Trucking Company – Delta Kreme von Surrounded by the Night]
Blick auf Altkönig:
Vorne Wiese mit Reiher
und Laubbaumbestand.
Des Wiesengängers
preziose Einsamkeit
im Nieselregen.
Nach Süden zieht es
den Starenschwarm, der im Dunst
langsam verschwindet.
Auf dem Vorfahrtschild
am Nordwestkreuz gen Kassel
wacht ein Turmfalke.
Zweirundenherbstlauf
mit innerem Schweinehund
am trüben Morgen.
Bis sie aufplatzt wirft
die Krähe mit dem Schnabel
die Walnuss par terre.
Aus dem Home Office
strömen die Spaziergänger
in die Einsamkeit.
Rotbraune Katze
steht immobil auf Wiese.
Wie hypnotisiert.
Onkel wolltest Du
schon früh nicht mehr genannt werden.
Immer jung im Geist.
Jog im Morgengrau’n.
Mülltonnenstopp, Warten auf
S-Bahn, forschen Hund.
Morgens wach liegen.
Sorgen zermartern Gehirn.
Schwerer Start in Tag.
Weicher Kaltschaum schlägt
harten Federkern im Bett.
Schlafe wieder durch.
Ein Staketenzaun:
Holzstangen aus Kastanie
mit Draht verzwirbelt.
Abenddämmerung.
Autos rauschen, Laub raschelt.
Geräuschverstärker.
Gleichmäßiger Takt
meiner Schritte. Fuß vor Fuß.
Beruhigung pur.
Graham Nash: Auf der Couch saß ein Typ mit einer Gitarre. Er hatte einen Schuhkarton, dessen Deckel voller Gras war. Er trennte die Blüten von den Stengeln und baute perfekte Joints während er mit mir sprach und nicht einmal den Blick abwandte. Ich dachte „Wow, das ist verrückt.“ So lernte ich Crosby kennen. Und mein Leben veränderte sich für immer.
David Crosby: Ich hatte das beste Marihuana in der Stadt. Wenn ich den Leuten einen Joint gab, wurden sie total stoned. Dann sagte ich „Hey Joni, sing‘ ihnen doch was vor.“ Sie hörten ihr zu und ihre Gehirne flossen ihnen durch die Nase und sammelten sich in einer Pfütze auf dem Boden.
[Laurel Canyon Arte Doku]
Töne folgen wie
Leitersprossen vom Wachsein
zum süßen Schlummer.
[Michael Wollny – Nun schließe mir die Augen beide (Alban Berg 1907) von Mondenkind]
Spaziergänger, die
sich auf Wegen links halten
und nicht ausweichen.
Gut gepennt, gerannt,
Gras gemäht, Nager bekämpft,
Kännel gereinigt.
Bilderbuchwetter.
Herbstsonne taucht Wiesenland
in satten Grünton.