Bayreuth. Festspielhaus.
Viel Holz. Blick auf die Bühne
Orchestergraben.
Bayreuth. Festspielhaus.
Viel Holz. Blick auf die Bühne
Orchestergraben.
Frühstück mit Weißbrot,
Oliven, – öl, Schafskäse,
Tomaten und Tee.
Die Amsel weckt mich
um halb fünf aus leichtem Schlaf.
Penne bis sieben.
Wir sitzen zu zweit
im Biergarten in Bayreuth.
Aber nicht sehr lang.
In der Finsternis
die Treppe abgestiegen.
Zwei Stufen verpasst.
Ein perfekter Freund,
„ein Simmel“, Almayers Wahn,
Notre-Dame-des-Fleurs.
Eintauchen in die
abendliche Kühle der
Wiesen und Felder.
Die Grillen zirpen.
Unter der Trauerweide
riecht es nach Windel.
Schwanz steil aufgestellt.
Rauf den Stamm, rein in die Bar.
Nuss vom Maul ins Loch.
Sie pfeift abends für
drei, die Singdrossel oben
auf dem Buchenast.
Die Hühner krallen
sich an der Stange fest und
schlafen um neun Uhr.
Eine Taube macht
Stagediving im Weizenfeld
zum Körnerpicken.
Ein Gutenachtlied
für die, die den Blues haben
und nicht wegkriegen.
Zwischen Bahn und Weg:
Büchelschön, Buchweizen, Raps.
Wildblumenwiese.
Kartoffeln, Bohnen,
Sardellen, Tomaten, Ei,
Oliven, Thunfisch.
Ein Schemen wandelt
sich in den strahlenden Mond
am Nachtfirmament.
Ein Reiherpaar steht
weit weg auf der Wiese und
fliegt auf wegen uns.
In der Dunkelheit
leuchten zwei Glühwürmchen auf
und erlöschen flugs.
Ein Kaninchen rennt
hinter einem zweiten her.
Sie kriegen sich nicht.
Der Bahndammkirschbaum
hängt voller berauschender
überreifer Früchte.
Der Pascha genießt
seinen Cocktail während sie
die Hündin striegelt.
Flüsse und Wege,
die mäandern, erweisen
der Natur Respekt.
Wecker auf sieben.
Wollte um sechs aufstehen.
Guck‘ auf Uhr: Punkt sechs.
Viel Grannen: Gerste.
Aufrechte Ähren: Weizen.
Kaum Grannen: Roggen.
Turmfalkenrufe.
Singdrosselfantasien.
Krähengekrächze.
„You say you wanna
go slower but I wanna
go faster, faster“
[Gasoline from Haim – Women in Music, Pt. III Live]
Die Abendsonne
bedeckt die Streuobstwiesen
mit warmem Ocker.
Es plätschert, sprudelt
und gluckst oben im Himmel:
Feldlerchengesang.
Lieber steil bergauf
und gemächlich hinunter
als andersherum.
Drifte nach links auf
mittlerer Autobahnspur.
Sekundenschlafglück.
Zwei Äste gesägt.
Loch gebohrt für Klappladen.
Mückennetz genäht.
„Homegrown“, Neil Young hat
mich wieder am Schlafittchen
gepackt. Der Magier.
Uns vor die Füße
aus dem Gebüsch hoppeln zwei
fixe Kaninchen.
Ein Vogel ruft noch
in der Abenddämmerung:
Amselstakkato.
Kühle Luft steigt auf
aus den Obstwiesensenken.
Die Mondsichel prangt.
Von großer schwarzer
Knorpelkirsche mit festem
Fleisch reichlich genascht.
Auf dem Weizenfeld
unter der Abendsonne:
Stoppeln und Heuball’n.
Anfangs leichtfüßig,
danach gen Taunus schnaufend,
am Schluss: Asphaltspurt.
Bourrache, pimprenelle,
cerfeuil, cresson, ciboulette,
persil et oseille.
[Helga Schubert – Vom Aufstehen]
Beim Gehen schlackert
das Rückgrat eines Berners
wie wild hin und her.
so glänzend schien die zukunft
[jörg piringer – kuzushi]
Die Singdrossel pfeift.
Der Fernsehturm leuchtet rot.
Die Frösche quaken.
Baumfuchs gesehen.
Hand virtuell gehoben.
Lang telefoniert.
Das Eichhörnchen rennt
den Baum hoch, holt sich ’ne Nuss
und vergräbt sie tief.
Durch die Obstwiesen
im Sprühregen geschlendert
mit neuer Jacke.
Quiche, grüner Salat.
Süßkirschen als Nachtisch und
Rhabarber-Crumble.
Mehrmals Starkregen.
Bei Leunatal kommt jemand
von der Fahrbahn ab.
Die Weizenfelder
erstrahlen goldgelb im Licht.
Der Sommer ist da.
Eine Sekunde
beim Ergometer-Countdown.
Eine Ewigkeit.
Dicke Staubschichten
auf den Streben zwischen den
Stuhlbeinen entfernt.
Berliner U-Bahn.
Diabolisches Lachen
’ner Kahlköpfigen.
Vögel fliegen tief.
Honigtau regnet aufs Haupt
unter den Linden.
Es gibt nur diesen
einen kostbaren Moment.
Nehme ihn wahr. Jetzt!
Die Schuhe schmatzen
auf dem klebrigen Gehweg.
Ein Kiez mit Linden.
Das Taubengurren.
Das Meisenkükenpiepsen.
Das Autorauschen.
Neue Pergola,
alte Trompetenblume,
altes Taubennest.
Trompetenblume.
Ziehe eine Wurzel raus,
sieben wachsen nach.
Beim Vorübergehn
schillert der hohe Roggen
wie grünblauer Mull.
Dorische Säulen,
trockener Delphinbrunnen,
Gartenzwerginnen.
Der Weg nach Eschborn.
An dem Westerbach entlang.
Alles asphaltiert.
In dem Bücherschrank
Moravias „Die Römerin“.
Schwer zu widerstehn.
Kehliges Röcheln.
Französische Bulldogge
versucht, zu bellen.
St. Génis: Muscat.
Entre-deux-Mers: Sauvignon.
Ladaux: Cabernet…
something of a good luck sign …
[Distance, Light & Sky – Slowed It to a Stop]
Regenrinnensieb
von Moos und Schlick gereinigt
in luftiger Höh‘.
Erst Tomatensaft,
dann als Dessert Pflaumentrunk,
zum Schluss Ingwertee.
Unterm Auto sucht
das Eichhörnchen Schutz; voll läuft
die Regentonne.