Hu-Hu-Hu-Hu- Hu
Hu-Hu-Hu- Hu-Hu-Hu-Hu
Hu-Hu-Hu-Hu- Hu
[Areni Agbabian – Petal Two (von Bloom)]
Um halb elf ins Bett
Beitrag für null Uhr geplant
Das Jahr verflogen
[Gisbert zu Knyphausen – Neues Jahr (live Haldern 2011]
Wozu ein Motor?
Wozu Elektrizität?
Handheckenschere!
Mit scharfen Sinnen
durch Zwielicht und Dunkelheit
Der Hund mit dabei
Heile Weltmusik
Wohlige Wärme steigt auf
Verstörender Text
[Dina Ögon – Håll avstånd (von Orion, via)]
Das Heckeschneiden
Oberarmmuskelübung
Draußen und umsonst
Da baut sich was auf,
doch wir warten vergebens
auf die Entladung
[R.E.M. – Drive (1992)]
Fündig geworden
Der Heckenschnitt von gestern
In der Hemdtasche
Dunst in Sommerluft
Tanzende Gänseblümchen
Seufzender Nachtwind
[Stina Nordenstam – I Dream of Jeannie with the Light Brown Hair (Stephen Foster, 1854)]
Verzichten können
auf nachtragende Menschen
Wer im Glashaus sitzt…
Mit deiner Zunge
leckst du alle, die du liebst
und zeigst die Zähne
In dunklen Zeiten
Deine Stimme und Musik
Trostspenderinnen
[Mary Margaret O’Hara – Anew Day (von Miss America, 1988)]
Toller Anmachspruch 😉
„Du siehst ja noch besser aus
als auf dem Bildschirm“
Besengeraschel
Klavier und Cello in moll
Gitarrenbreakouts
[Ketil Bjørnstad – Laila (von The Sea II, 1998)]
Eine Sternschnuppe
gemeinsam am Himmel sehn
Wunschlos glücklich sein?
Raumschiff Orion
Eva, Dietmar, Claus, Wolfgang
Alles klar oben?

Das Klavier im Flow
Die ganze Welt steht offen
Flügelhornleuchten
[Rainer Brüninghaus – Radspuren (von Freigeweht, 1981)]
Die Tramontane braust
Puig Neulós in Wolken
Draußen scheppert es
Frankreich, TF1
Ein Ozean aus Werbung
Hilfe, ich sauf ab
Ein leises Lüftchen
Fünfundneunzig Kilogramm
einfach umwehend
[Dominic Miller – Cruel but Fair (von Vagabond, 2023)]
Kröte am Poolrand.
Leblos. Von mir beträufelt.
Später. Verschwunden.
Den Oro tanzen
am 6. Mai, dem Tag des
heiligen Georg
[Goran Bregoviç – Ederlezi (aus Time of the Gypsies von Kusturica)]
Bugarach ganz fern
Canigou mit Zuckerhut
Himmel in Flammen
Die Pyrenäen
Im Mittelmeer auslaufend:
Die grünen Albères
Am Knie operiert
Die Hündin nicht dieselbe
Betäubt, immobil
Linker Ringfinger
schräg zur Seite abgespreizt
will nicht mehr zurück
Volle Autobahn
Zwölfhundert km Südwest
Ein Kaffeepäuschen
Tropfende Nase
Eisengeschmack auf Zunge
Rahmen rotgefleckt
Lichtblume zieht um
von Saarbrücken nach Cottbus
Deutsch zu vermitteln
Morgendlich Socken
in Sockenklammern pflücken
von Wäscheleine
Je größer das Glas,
je weniger Wein darin,
desto mehr riecht er
Drogeriemarkt, leer
Bedienstete schreckt zurück
weil ich so groß bin
E-Auto fahren
nicht aus Ideologie
sondern weil’s Spaß macht
Norwegerpulli
aus Dornröschenschlaf geweckt
Bergen-Memories
Knäcke, Schafskäse,
Ei, Farmersalat, Joghurt,
Orange, Walnuss
Der Himmel hängt tief
Das Boot driftet auf dem See
Der Nebel wabert
[Fennesz – Loved and the Framed Insects]
Zahlen, Schach, Wandern
Marathon, Frankreich, Haiku
Eigene Terrains
Das Handtuch im Bad
Magisch angezogen von
Zahnpastaflecken
Gruppendynamik
Mit eignen Ideen nie
direkt durchdringen
Die kurzen Blicke
Ding Lirens hoch zu Gukesh,
wenn er am Zug ist
Erst den anderen
im Zentrum kommen lassen,
dann zurückschlagen
[Gukesh – Ding Liren, 11. WM-Partie]
Ganz genau wissen,
was an welcher Stelle ist
im WG-Kühlschrank

Das erste Mal gesehen habe ich dich nach dem Vordiplom, du saßest in den Vorlesungssälen mit den Klappstuhlreihen immer hinten am Rand, ich glaube in schwarzen Klamotten. Hattest wohl ein Semester vor mir mit dem Statistikstudium an der LMU angefangen. Ich erinnere mich nicht, dass du dort je mit irgendwem gesprochen hättest. Ein Außenseiter. Wie ich.
1990 nach der Diplomarbeit wurde es dann ernst mit den Abschlussprüfungen. Für Ökonometrie – da gab es ein Fachbuch unseres Professors – lernten wir zusammen. Ich kam öfter zu dir in deine Bude im Münchner Westend. Von Moosach, wo ich wohnte, mit dem Rad nicht sehr weit. Du hattest die Materie besser kapiert als ich. Im Grunde war die ganze Ökonometrie mit den vielen Gleichungen nur Lineare Algebra, also Erstsemesterstoff. Multiplikation von Matritzen. Allerdings steckten hinter den einzelnen Großbuchstaben zum Teil recht umfangreiche Matritzen mit vielen Zeilen und vielen Spalten. Das war schon recht komprimiert und abstrakt. Im Gespräch mit dir habe ich das erst so richtig begriffen. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen, im Grunde war es piss-easy. Und hatte eine mathematische Schönheit. War allerdings auch relativ praxisnah. In den Matritzen standen Zahlen. Andere sind dann ca. 10 Jahre später mit der Berechnung des Pageranks von Websites, auch mit Matritzenrechnung, Milliardäre geworden.
Nach dem gemeinsamen Lernen hörten wir öfter Musik, ich erinnere mich an das Album June 1, 1974, ein Konzert von Kevin Ayers, John Cale, Nico & Brian Eno im Rainbow Theatre in London. Du hattest die Erstausgabe des rororo-Rocklexikons von 1973 von Barry Graves und Siegfried Schmidt-Joos mit einem gezeichneten Jimi Hendrix auf dem Cover und sagtest spöttisch arrogant, dass alle Musik danach nicht der Rede wert sei, also auch o. g. Ayers-Album wie mir gerade auffällt. Ich hatte eine erweiterte Ausgabe des Rocklexikons von 1975 zur Konfirmation von einer Patentante bekommen, wahrscheinlich das zerlesenste Buch in meinem Regal. Ich habe es heute noch. Diese Ausgabe war dir schon zu modern.
Du rauchtest in einer kleinen Pfeife mit einem Metallgitter vorne Haschisch. Du hattest gerade eine Wette am Laufen. Es ging darum, ein Jahr lang keinen Tabak zu rauchen, pures Cannabis war aber ok. Die Wettsumme betrug 1000 Mark, eine Menge Kohle für einen Studenten 1990. Wir trafen uns dann zum Feiern der von uns beiden bestandenen Klausur in meinem Stammbiergarten, am Chinesischen Turm. Und du erzähltest mir, dass du die Wette verloren hattest. Das Inhalieren des Rauchs einer Zigarette war dir 1000 Märker wert gewesen. Eigentlich bewundernswert, aber auch irgendwie dämlich. Ich hatte übrigens kurz davor auch richtig mit dem Drehen und Rauchen angefangen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Wo du dich wohl jetzt rumtreibst?
So sanft geblasen
So filigran gesponnen
Alles nur ein Traum?
[Erik Honoré – Prague]
Neue Statistik
nach dem Ergometerritt:
Schweißhandtuchgewicht
Alterserscheinung
Andauernd strenger riechend
Eigene Pisse
Getrieben vom Beat
Klingelt da ein Telefon?
Die Spannung haltend
[Nik Bärtsch’s Ronin – Modul 66]
Wie sie die Treppe
runtertrappelt, zum Tor geht
und ich bin nicht da
Bei hundertzwanzig
Ein Wagen prescht rechts vorbei
Auf dem Standstreifen
Heute Permafrost
Der Nebel lichtet sich nicht
Die erste Kerze
Altpapiertonnen
Tauchen nach Bücherschätzen,
Briefkonvoluten
In der Dämmerung
Der Freiturm der Burg Kronberg
Von Mammolshain aus

Frei schwebend im Raum
An Decke hängen Töne
Völlig absichtslos
[Jakob Bro, Lee Konitz et al. – Peninsula (von Taking Turns)]
Bauchfell schimmert weiß
Ex-innerdeutsche Grenze
Fuchs auf Wiesenhang!
Da war ich sieben
Wahrscheinlich das erste Lied,
das mich umhaute
[The Carpenters – Close to You]
Streicherteppiche
Musik für wunde Seelen
Black is beautiful
[Michael Kiwanuka – Floating Parade]
Im Schaumbad liegen
Schweißtropfen rinnen vom Kopf
rice milk, vanilla
Muskatnuss, Nelken
Geschmeidig, charakterfest
Salziges Lakritz

Mitten ins Herz treffen
In der Ruhe liegt die Kraft
Eine Band gibts auch
[Fleetwood Mac – Man of the World (Beat Club, 1969)]
Wie jede Faser
sich nach dem Ergometer
vollständig entspannt
Der einzige Song,
dessen Text ich auswendig
aufzusagen weiß
[Nick Drake – Road]
Rotes Eichhörnchen
Drei Krallen in der Nussbar,
eine außerhalb
Sinistrer Einstieg
Totenglocken zum Abschied
Himmlische Streicher
[The Smiths – Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me (more)]
Die alte Frau sucht
vor der Supermarktkasse
Dominosteine
Auf seiner Bude
Gemeinsam ganz still werden
Die Sehnsucht hören
[Eric Burdon & the Animals – Anything, danke Andi]
Rosinenklümpchen
auseinanderklamüsern
morgens im Müsli
Friseure, daran
scheiternd, Haare mit Schere
schön kurz zu schneiden
Ältere Männer,
die ganz plötzlich anfangen
mit der Genderei
Sich im Kreis drehen
Geist auf die Sprünge helfen
Zur Ruhe kommen
[Bill Evans – Peace Piece]
Der Hund schaut herab
Das Schlafanzugoberteil
gleitet hinunter
Heuer gegangen
Zwei Elisabethpfade,
dann den Jakobsweg
Gegen das Stuhlbein
mit dem kleinen Zeh stoßen
Warten auf den Schmerz
Kaffeeautomat
Zwei Frauen im Dialog
Nicht stören wollen
Die Mischlingshündin
– ich sitze auf dem Sessel –
springt mir auf den Schoß