Kampf gegen Mücken,
die unbeeindruckt von Spray
um Ohren schwirren.
Kampf gegen Mücken,
die unbeeindruckt von Spray
um Ohren schwirren.
Im Kirschbaumloch sind
zig Kirschkerne mit Löchern.
Wer wars? Feldmäuse?
Durch Armbewegung
geht man mit Wanderstöcken
schneller als ohne.
Flaches Ackerland.
Windräder rotieren flott.
Mütze fest auf’m Kopf.
Weicher Wiesenweg.
Balsam für geschundene,
harte Fußsohlen.
Mann mit Handschuhen,
Mund-, Nasenschutz auf Gehweg.
Sicher ist sicher.
Dusche nach Fußmarsch:
Wiederauferstehung von
den Mausetoten.
Hygienekonzept
im Dom streng. Zaubersprüche
in Keller verbannt.
Schlittere Rampe
im Adamskostüm runter
in Tagebausee.
Besser warmes als
kaltes Wasser trinken, dann
schwitzt man weniger.
Heute sind Schatten
und Wind unsere Freunde.
Auch die Mütze hilft.
Roter Milan kreist
über unseren Köpfen.
Wehe, wir stolpern!
Geh’n auf Schotterweg.
Reiher an Feldrand fliegt vor.
Geh’n vor. Da capo.
Labrador sieht uns,
öffnet Maul, guckt aufs Frauchen,
macht Maul wieder zu.
Auf Schornstein nistet
Storchenpaar. Magerer Fuchs
streunt über Vorplatz.
Straßenbahn 7
braucht eine Stunde von Ost
nach West über Süd.
Ewig tanzende
Hula-Wackel-Figur auf
Armaturenbrett.
Am Hirschgehege.
Damwild kommt bis an den Zaun.
Zutraulichkeit pur.
Streit von Ehepaar
schallt bis auf die Straße, wo
Katze promeniert.
Felder und Wiesen
soweit die Augen reichen.
Freiheit zum Greifen.
Frische des Morgens.
Wind weht leicht, Sonne strahlt sacht.
Die Füße schweben.
Im Pfarrhaus gepennt
auf zwei Liegestuhlpolstern.
Der Erde so nah.
Bankwunsch erfüllt sich.
Donner kündigt Regen an,
dem wir ausweichen.
Pilgersakristei:
Stecknadelkarte, Äpfel,
Zinnien auf Tisch.
Bei kaltem Kaffee
im Schlosspark ruft Turmfalke
aus Platanennest.
Erst muss die Taube
beerdigt werden, dann gibt’s
was im Schlosscafé.
Investition in
größtes Pilgerkapital:
Fußcrememassage.
Aus Asphalthölle
an bukolische Elbe
mit Schafgeblöke.
Gesenkte Köpfe
zehntausender verblühter
Sonnenblumen. Schluchz!
Der Klagegesang
zweier kleiner nach außen
dringender Zehen.
Tausch leerer Flasche
gegen 3 Liter kühles
Mineralwasser.
Mittags: Befreiung
der Zehen aus dem Socken-
und Schuhgefängnis.
Kumuluswolken
am Himmel richten gegen
Sonne noch nichts aus.
Fußgängerallee:
Linden spenden köstlichen
ovalen Schatten.
Junger Co-Pilger
läuft nach Mammutetappe
in Badelatschen.
Zur Info: C. und ich sind seit dem 12. August auf der alten Handelsstraße, die auch als Jakobsweg zählt, zu Fuß von Görlitz aus unterwegs. Ziel ist es, Ostdeutschland einmal von Ost nach West per pedes zu durchqueren. Zielort ist Vacha in Thüringen an der alten Zonengrenze. Insgesamt 450 Kilometer (10% der gesamten Strecke von Kiew nach Santiago). Voraussichtlicher Ankunftstag: 30. August. Seit heute (5. Wandertag) bin ich im Flow, die gut dreißig Kilometer von Königsbrück nach Großenhain bei rund dreißig Grad liefen sich jedenfalls überraschend gut. Auch wenn die Füße bei uns beiden schon erste Abnutzungserscheinungen zeigen. Bin gespannt wie es weitergeht.
Auf der Straße liegt
ein zweidimensionaler
Frosch. Plattgefahren.
Immer schön kauen
sonst zerfällt das Kaugummi
in seine Teile.
Jeder Baumschatten
eine kleine Oase
in der Gluthitze.
Vor dem Durst trinken!
Sonst bin ich am Nachmittag
nicht auszuhalten.
Hunderte Schwalben
auf Telefonleitungen
warten auf Rückflug.
Jähes Jagdende.
Flügelschläge der Störche
vertreiben Terrier.
Wie der Pilgerblick
sich zunehmend senkt. Abends
nur noch steil abwärts.
Ein Rauschen hebt an.
Eine Autobahn? Nicht doch.
’ne Geflügelfarm.
Der Weg ein weiches
Waldbett aus Fichtennadeln.
Ich bin ein Flummi!
Das Rucksackgewicht
sinkt im Laufe des Tages.
Aber nicht für mich!
Über den Feldweg
springen Myriaden von
kleinen Heuschrecken.
Jedem Morgen wohnt
ein Zauber inne, der uns
Kraft gibt für den Tag.
[frei nach Hermann Hesse]
Mühsamer Aufstieg.
Kurz vorm Zenith der Kuppe
ein kühles Lüftchen.
Hoch oben auf dem Mast
klappert der Weißstorch im Nest
mit seinem Schnabel.
Der Mann kann seinen
Schäferhund kaum halten, der
wie ’ne Bestie bellt.
„Guck mal da regnet’s!“
Eine Sekunde später
bricht Sturzregen los.
Schwül. Total verschwitzt.
Der Wind erhebt sich, trocknet
und kühlt den Körper.
Wasser. Frisch und kühl
von der Quelle. Auch pisswarm
das Lebenselixier.
Pistaziengrüner
Sonnenschirm schützt Hortensien:
Kreativ gärtnern.
Wege in Bautzen
zu beschreiben, ist wie das
Haschen nach dem Wind.
[ES aus 455]
Wiedersehen mit
dem Bruder dessen, zu dem
wir unterwegs sind.
Bleischwere Beine.
Nur nicht abreißen lassen.
Wozu das alles?
Schuhbandschlaufe rechts
verhakt sich in Öse links.
Falle auf Asphalt.
Steinchen, die in die
Wanderschuhe reinfallen,
sofort entfernen!
Unter Windrädern
auf Fünfmeterplattenweg
bei gut dreißig Grad.
Aus der Sommerhitze
rein in die erfrischende
Dorfkirchenkühle.
Ein lautes Pochen.
Das Herz des Kirchturmuhrwerks
schlägt. Die Zeit steht still.
Vor meinen Füßen:
Ins Unterholz verschwindet
eine Blindschleiche.
Trommelfellangriff:
Schmerzhaft laute Durchsagen
im Regionalzug.
Ich gucke durch den
Türspion mit dem Gefühl,
geseh’n zu werden.
Team T-Shirt gegen
Team Freier Oberkörper:
Barfuß dem Ball nach.
Einer der Abende,
wo sechsundzwanzig Grad
erfrischend kühl sind.
Äpfel geerntet.
Zwei Monate zu früh bei
zweiunddreißig Grad.
Vom Bach kommend, huscht
ein 🦊 über die Wiese
zurück zum Fuchsbau.
Guck mal, ein Schatten!
Durch die laue Sommernacht
fliegt ’ne Fledermaus.
Die Äpfel fallen
nicht in der Mittagshitze.
Erst später, abends.
Das Stoppelfeld leer.
Die Grillen meditieren
laut und vernehmlich.
Rauschoptimierung.
Erst Fasten, dann ’ne Flasche
Veuve Cliquot süffeln.
[frei nach Amélie Nothomb – Die Kunst, Champagner zu trinken]
In der Dämmerung.
Aus der Deckung des Wäldchens
wagt sich ein Dachs vor.
Kaum am Zaun, kommen
die Pferde angetrottet.
Apfelliebhaber.
Beißender Geruch.
Woher? Aufgeplatzt ist der
Wadenfurunkel.
Das Krankenhausbett
zu kurz, so dass der Patient
nicht zu lange bleibt.
Ein zierlicher Fuchs
schaut im Stoppelfeld aus nach
Nestern von Nagern.
Wer vor dem Draht der
Pferdekoppel steht, werfe
den ersten Apfel.
Über die Wiese stakst
ein Falke, der erst spät auf
einen Baum hochfliegt.
Viel runter und rauf.
Der Duft von Kiefernnadeln.
Panoramabank.
[Der Überhöhische, Start/Ziel Hausen vor der Höhe]
Die Tauben gurren.
Fern zischt die S-Bahn vorbei.
Die Uhr tickt und tickt.
Wir schleichen uns an.
Die Füchse tollen im Feld.
Sie sehen uns spät.
30 Grad heute.
Tiefer Zikadengesang.
Grillengezirpe.
Der Mond nimmt noch zu.
Links davon strahlt Jupiter,
Saturn im Schlepptau.
In der Dunkelheit
ein frisch-würziger Geruch:
der Duft von Fenchel.
Rotgelbe, weiche
Mirabellen schreien nach
einem Befreier.