Um die Welt reisen
und dann bis an ihr Ende
und drüber hinaus
[David Darling, Ty Burhoe & Jiebing Chen – Voyager]
Um die Welt reisen
und dann bis an ihr Ende
und drüber hinaus
[David Darling, Ty Burhoe & Jiebing Chen – Voyager]
Es verschwimmt alles
Wo ist oben, wo unten?
Der Soul als Anker
[Eddie Chacon – Good Sun]
Normalerweise
bin ich ja gar kein Freund von
Repetition
[Slowdive – Crazy for You von Pygmalion, 1995]
Das fließt so dahin,
nimmt sich alle Zeit der Welt,
bei mir auf repeat
[Mats Eilertsen, Harmen Fraanje, Thomas Strønen – Albatross von And then Comes the Night]
Nach dem flotten Song
Der Liebeskummer damals
Fast schon verflogen
[Lloyd Cole – Pay for It]
Mit Haut und Haaren
Urvertrauen in die Welt
Sich fallen lassen
[Lars Danielsson & Leszek Mozdzer – Eja Mitt Hjärta]
Gang runterschalten
Besinnliches Antidot
zum US-Wahnsinn
[Chris Eckman – Town Lights Fade]
Unschuld verloren
Der kalifornischer Traum
vom Feuer versengt
[Beach Boys – Do It Again]
Hardrockbandleader
Geliebte totgeschlagen
Frau hat sich erhängt
[Noir Désir – Le vent nous portera]
Tiefe Transzendenz
Allein dafür hat es sich
gelohnt, zu leben
[Keith Jarrett – Tokyo Encore von den Sun Bear Concerts (s. a.)]
Ganz unten Cello
In der Mitte Gitarre
Oben Trompete
[Lars Danielsson & Verneri Pohjola & John Parricelli – Cattusella]
Neunziger-Flashback
Wehmütiger Indiepop
mit Wisperstimme
[Daughter – Dandelion (Middle Farm Session)]
Mein Herz rast,
als ein Fenster sich öffnet,
mich rauszulassen
[The Weather Station – Window]
Zwei Waldpostkarten,
Kalender, Jahresrückblick,
Beatlesgeschichte
[Dank an Selma, Hulda, Elisabeth & Stefan]
Frei von der Leber
Schlechte Laune verflogen
Locker vom Hocker
[Dota Kehr – Einfach zu abgelenkt]
Töne verbiegen
wie Uri Geller Löffel
Der Rhythmus schleppend
Boards of Canada – Twoism, 1995]
klimax verzögern
tief einsinken in wolken
von der welt umarmt
[Boards of Canada – Dayvan Cowboy, 2005]
Vom Geräusch zum Dub
Disparate Bausteine
geben ein Ganzes
[Dawn After Dawn – Home Is Where You Are, Album erscheint am 28.3.]
Ein Lächeln zaubern
Nur Sonne, keine Wolken
Schwindelig spielen
[Rolling Blackouts Coastal Fever – French Press]
Welche Spielfreude!
Schmissig, subtil, mit Seele
Zum Schluss: Talk Talk vibes
[Feist – In Lightning, 1. Lied vom tiny desk concert Juli 2024]
Um halb elf ins Bett
Beitrag für null Uhr geplant
Das Jahr verflogen
[Gisbert zu Knyphausen – Neues Jahr (live Haldern 2011]
Heile Weltmusik
Wohlige Wärme steigt auf
Verstörender Text
[Dina Ögon – Håll avstånd (von Orion, via)]
Da baut sich was auf,
doch wir warten vergebens
auf die Entladung
[R.E.M. – Drive (1992)]
Dunst in Sommerluft
Tanzende Gänseblümchen
Seufzender Nachtwind
[Stina Nordenstam – I Dream of Jeannie with the Light Brown Hair (Stephen Foster, 1854)]
In dunklen Zeiten
Deine Stimme und Musik
Trostspenderinnen
[Mary Margaret O’Hara – Anew Day (von Miss America, 1988)]
Besengeraschel
Klavier und Cello in moll
Gitarrenbreakouts
[Ketil Bjørnstad – Laila (von The Sea II, 1998)]
Das Klavier im Flow
Die ganze Welt steht offen
Flügelhornleuchten
[Rainer Brüninghaus – Radspuren (von Freigeweht, 1981)]
Ein leises Lüftchen
Fünfundneunzig Kilogramm
einfach umwehend
[Dominic Miller – Cruel but Fair (von Vagabond, 2023)]
Den Oro tanzen
am 6. Mai, dem Tag des
heiligen Georg
[Goran Bregoviç – Ederlezi (aus Time of the Gypsies von Kusturica)]
Train is a-rollin‘
from Bavaria to Hesse
approaching Mainhattan
[The Go-Betweens – Here Comes a City]
Charm, ease, joy, youth, looks
Voice, soul, tune, words, moves, groove, band
She has got it all
[Billie Eilish – Birds of a Feather (Tiny Desk Concert)]
Der Himmel hängt tief
Das Boot driftet auf dem See
Der Nebel wabert
[Fennesz – Loved and the Framed Insects]

Das erste Mal gesehen habe ich dich nach dem Vordiplom, du saßest in den Vorlesungssälen mit den Klappstuhlreihen immer hinten am Rand, ich glaube in schwarzen Klamotten. Hattest wohl ein Semester vor mir mit dem Statistikstudium an der LMU angefangen. Ich erinnere mich nicht, dass du dort je mit irgendwem gesprochen hättest. Ein Außenseiter. Wie ich.
1990 nach der Diplomarbeit wurde es dann ernst mit den Abschlussprüfungen. Für Ökonometrie – da gab es ein Fachbuch unseres Professors – lernten wir zusammen. Ich kam öfter zu dir in deine Bude im Münchner Westend. Von Moosach, wo ich wohnte, mit dem Rad nicht sehr weit. Du hattest die Materie besser kapiert als ich. Im Grunde war die ganze Ökonometrie mit den vielen Gleichungen nur Lineare Algebra, also Erstsemesterstoff. Multiplikation von Matritzen. Allerdings steckten hinter den einzelnen Großbuchstaben zum Teil recht umfangreiche Matritzen mit vielen Zeilen und vielen Spalten. Das war schon recht komprimiert und abstrakt. Im Gespräch mit dir habe ich das erst so richtig begriffen. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen, im Grunde war es piss-easy. Und hatte eine mathematische Schönheit. War allerdings auch relativ praxisnah. In den Matritzen standen Zahlen. Andere sind dann ca. 10 Jahre später mit der Berechnung des Pageranks von Websites, auch mit Matritzenrechnung, Milliardäre geworden.
Nach dem gemeinsamen Lernen hörten wir öfter Musik, ich erinnere mich an das Album June 1, 1974, ein Konzert von Kevin Ayers, John Cale, Nico & Brian Eno im Rainbow Theatre in London. Du hattest die Erstausgabe des rororo-Rocklexikons von 1973 von Barry Graves und Siegfried Schmidt-Joos mit einem gezeichneten Jimi Hendrix auf dem Cover und sagtest spöttisch arrogant, dass alle Musik danach nicht der Rede wert sei, also auch o. g. Ayers-Album wie mir gerade auffällt. Ich hatte eine erweiterte Ausgabe des Rocklexikons von 1975 zur Konfirmation von einer Patentante bekommen, wahrscheinlich das zerlesenste Buch in meinem Regal. Ich habe es heute noch. Diese Ausgabe war dir schon zu modern.
Du rauchtest in einer kleinen Pfeife mit einem Metallgitter vorne Haschisch. Du hattest gerade eine Wette am Laufen. Es ging darum, ein Jahr lang keinen Tabak zu rauchen, pures Cannabis war aber ok. Die Wettsumme betrug 1000 Mark, eine Menge Kohle für einen Studenten 1990. Wir trafen uns dann zum Feiern der von uns beiden bestandenen Klausur in meinem Stammbiergarten, am Chinesischen Turm. Und du erzähltest mir, dass du die Wette verloren hattest. Das Inhalieren des Rauchs einer Zigarette war dir 1000 Märker wert gewesen. Eigentlich bewundernswert, aber auch irgendwie dämlich. Ich hatte übrigens kurz davor auch richtig mit dem Drehen und Rauchen angefangen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Wo du dich wohl jetzt rumtreibst?
So sanft geblasen
So filigran gesponnen
Alles nur ein Traum?
[Erik Honoré – Prague]
Getrieben vom Beat
Klingelt da ein Telefon?
Die Spannung haltend
[Nik Bärtsch’s Ronin – Modul 66]
Frei schwebend im Raum
An Decke hängen Töne
Völlig absichtslos
[Jakob Bro, Lee Konitz et al. – Peninsula (von Taking Turns)]
Da war ich sieben
Wahrscheinlich das erste Lied,
das mich umhaute
[The Carpenters – Close to You]
Streicherteppiche
Musik für wunde Seelen
Black is beautiful
[Michael Kiwanuka – Floating Parade]
Mitten ins Herz treffen
In der Ruhe liegt die Kraft
Eine Band gibts auch
[Fleetwood Mac – Man of the World (Beat Club, 1969)]
Der einzige Song,
dessen Text ich auswendig
aufzusagen weiß
[Nick Drake – Road]
Sinistrer Einstieg
Totenglocken zum Abschied
Himmlische Streicher
[The Smiths – Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me (more)]
Touch me deep inside
Suddenly change direction
Let the funk explode
[Nik Bärtsch’s Ronin – Modul 46 (orig. from Holon)]
Auf seiner Bude
Gemeinsam ganz still werden
Die Sehnsucht hören
[Eric Burdon & the Animals – Anything, danke Andi]
Sich im Kreis drehen
Geist auf die Sprünge helfen
Zur Ruhe kommen
[Bill Evans – Peace Piece]
Mit Walen tanzen
Jung und alt gesellt sich gern
Am Lagerfeuer
[Tucker Zimmerman & Big Thief – Burial at Sea]
Ein vages Gefühl,
der Sog der leisen Töne,
die Welt verschwommen
[Lars Danielsson, Verneri Pohjola & John Parricelli – La Chanson d’Hélène (Philippe Sarde)]
Denn der Maulwurf
weiß ganz genau, warum er
immer tiefer gräbt
Bridget St John – Curl Your Toes]
Lasst Waffen schweigen,
Soldaten auf Schlachtfeldern!
Hört diese Musik!
[Jakob Bro, Lee Konitz et al. – Aarhus]
Gelbe Laubwälder
Mit 300 Sachen durch
Taunus im Nebel
[Rodolphe Burger – L’inattendu]
Die Becken streicheln
Über Tasten traumwandeln
Den Bass erfühlen
[Colin Vallon Trio – Mars]
Gothic Synthiepop
Die Stimme kenne ich doch
The eighties are back
[Levin Goes Lightly – Numb]
Heile Weltinsel
in einem Meer von Krieg und
Umweltzerstörung
[Laura Marling – Child of Mine]
Sie können es noch
Suhlen im tiefen Weltschmerz
Elf Minuten lang
[The Cure – Endsong]
not folk music, not jazz,
not pop music, not funk, it’s
just balladeering
[Lee Konitz on Lee Konitz, Bill Frisell, Jakob Bro, Thomas Morgan, Craig Taborn – Vinterhymne]
Die letzte Musik
vor dem Exitus oder
die erste danach
[Arvo Pärt – Da Pacem Domine]
The lyrics naïve,
the build-up legendary,
what a killer song!
[Neil Young – Cortez the Killer (Live Rust) (via)]
Wouldn’t it be great
to leave the machines on stage
and go to the bar?
[New Order – 5 8 6]
Vom Album, zu dem
wir so oft Sex hatten wie
zu keinem andern
[Idaho – Skyscrape]
Sirenengesang
Trancetanz zu Maschinenbeats
durch Nebelschwaden
[Kelly Lee Owens – Dreamstate]
Sie zieht mich gleich rein,
fragt, ob ich da draußen bin.
Der Beat schön schleppend.
[Poe – Hello]
Der Ofen bollert
Das beige Mischgetränk dampft
Der Herbst hält Einzug
[BMX Bandits – Serious Drugs]
Rückblick aufs Leben
Als spräche der liebe Gott
nach seinem Exit
[Leonard Cohen – Happens to the Heart]
Aus der Fruchtblase
Ein Schrei. Der erste Atemzug
Die Lunge füllen
[Gerry Rafferty – Baker Street (via)]
Vom Balkon Töne
Aus Südosten ein Lüftchen
Windspielsymphonie
Telefonanruf
Flashback-Katalysator
Liebe rostet nicht
[Joan Baez – Diamonds and Rust (bbc soul music)]
take me on your trip
you will not be so alone
flutes will follow us
[The Weather Station – Neon Signs]
Das Cello klagt weh
Synthiesounds wirbeln im Kreis
Beats flattern davon
The Scottish accent
The seamless fingerpicking
The cat everywhere
[Donovan – Summer Day Reflection Song]
Dein Anschlag ein Fluss
Von Klaviertasten tropfen
Töne herunter
Die Wände zittern
Die Ohren an der Decke
Der Kosmos stürzt ein
[Mabe Fratti – Kravitz]
Am seidnen Faden
Klaviertöne im Himmel
Sie sind reif, pflück sie!
[Roger Eno – Above and Below]
ganz sacht der anschlag
zeit steht still in jedem ton
so tief, so traurig
[Anna Gourari – Konzert in d-Moll (Adagio), BWV 974 (Alessandro Marcello transkribiert von JS Bach)]
Der Weg nach oben
Auf Morgensonnenstrahlen
Tautropfen funkeln
[Yo-Yo Ma – Sicilienne, op. 78 (Gabriel Fauré)]
Ein Trompetenton,
Herzen schmelzend in nem Bett
aus Daunenfedern
[Avishai Cohen – The Seventh]
Töne wiegen schwer
Klavier trifft Klarinette
Der Drachen steigt auf
[Louis Sclavis & Benjamin Moussay – Loma del Tanto]
Gut artikuliert
verständlich rappen können
nur ganz wenige
[Antilopen Gang – Für wenige]
Im Kanon singen
wir „Viel Glück und viel Segen“
Da fällt der Groschen
Punkte verbinden
Töne, aus Fingern fließend
Zum Ursprung zurück
[Bill Evans – Minha (All Mine)]
Immer noch düster,
deine Stimme, aber auch
warm und heimelig
[Nick Cave & The Bad Seeds – Wild God]
Da baut sich was auf,
stoppt, kommt ganz langsam zurück,
zerbrichts Herz in zwei
So funky wie Chic
Die Gitarre grinst sich eins
Die Nacht durchgetanzt
Aufgehoben sein
im gemeinsamen Gesang
eines Kirchenlieds
Blut auf dem Boden
Die Fußsohlen kleben fest
Blaulicht unterwegs
[Neneh Cherry – Red Paint]
Sich in den Himmel
reinbohrende Gitarren
Hat sie sie gehört?
[The Wedding Present – Dare]