Die Sonne geht auf
Im Nebel Baumumrisse
Heimelige Welt
Die Sonne geht auf
Im Nebel Baumumrisse
Heimelige Welt
Auf der linken Spur
mit hundertachtzig Sachen
in die Nebelwand.
Feuerbekämpfung
mit Kräutertee, Heilerde
Kaugummi und Sport.
[Es geht hier um das innere Feuer, wenn sich ein Säureloch in die Kehle brennt. Man nennt es auch stillen Reflux. Ein bisschen so wie ein Wassertropfen, der einem alle zehn Sekunden an exakt derselben Stelle auf den Kopf fällt. Seit über zehn Jahren. Fast ohne Pause. Ein Gastroenterologe sagte mir mal nach einer Magenspiegelung, es wäre nicht so tragisch, nur eine Wohlstandskrankheit. Kein Ratschlag, keine Hilfe, nada. Ich war damals zu baff, sonst hätte ich ihn sicher auf der Stelle k.o. geschlagen. Medikamente wirken übrigens bei mir nicht. Ich glaube das Wetter bzw. Klima hat einen großen Einfluss. In Südfrankreich war es ein paar Tage fast völlig weg. In Berlin dafür jetzt im trüben Winter umso schlimmer. Und das Schlimmste daran, man kreist nur noch um sich selbst, suhlt sich in seinem eigenen Selbstmitleid, kommt da von allein nicht raus.]
Nach dem Gedanken
und vor seiner Äußerung:
ein ganzes Leben.
[frei nach Lou Reed – Some Kinda Love]
Feuersbrunst wälzt sich
flammenlos durch die Kehle
am frühen Morgen
Im tiefen Pappschnee
tobt Cocker unbekümmert
mit Sennenhündin.
Aufgewacht im Bett
als verlorenes Sandkorn
mit Sehnsucht nach Strand.
Ein alter Mann wohnt
im rauschenden Bach und brummt
Unverständliches
Nach der Wanderung
Yorkshire-Hündin rast im Kreis
Lebensfreude pur
Knackige Kälte
Orion am Firmament
Einsamer Jogger
Im Stirnlampenlicht
Leuchtende Hundeaugen
Fahrradpedale
.
Berner Sennenhund:
Fünfzig Kilogramm Liebe,
Pranken wie ein Bär.
Back in Home Office
Völlig verregneter Tag
Wiesen überschwemmt
Zuhause wartet
vom Nachbarn zubereitet
kalte Lachsplatte.
Brand in Kehle schwelt.
Hexagon unter Wolken.
Flüsse stehen hoch.
Weiche erst Radler
rechts, dann Fußgänger links aus.
Bleibe in Mitte.
Sich immer zuerst
zu wenig Apfelkompott
nehmen zur Boudin.
Schuppendach befreit
von Eicheln, Blättern, Erde
und Piniennadeln.
Sonnig-frisch, diesig.
Viele Trailrunner gekreuzt.
Abstieg geht auf Knie.
[Le Casot d’en Lic, 2 1/2h]
post-punk guitar swirl
spoken everyday thoughts
album of the year
[Dry Cleaning – Her Hippo from New Long Leg]
Schönster Sonnenschein.
Der Geruch von Holzfeuern.
Siedlung im Nebel.
[Randonnée de la faune et la flore, Laroque]
L’employée offre
trois fois son aide aux gens dans
la queue à la caisse.
Dreißig Minuten
im Laden warten weil nur
eine Kasse geht.
Die Yorkshire-Hündin,
die am Sandstrand begeistert
das Meerwasser schmeckt.
Solange Shakey
noch sprechsingt und Old Black grollt,
ist die Welt ok.
Locker, luftig, leicht.
Gute Laune verbreitend.
Welch Start in den Tag!
Der Himmel lodert,
changiert zwischen pastell, gold,
orange, feuerrot.




In weiß eingepackt.
Ein alter Asiate
mit Handy am Ohr.
Ein weißer Umriss,
an dem Wegesrand kauernd,
telefonierend.
Schwer unheimliche
Himmelssphärenbeatmusik,
die einen reinzieht.
Die Yorkshire-Hündin,
ein wild tanzender Derwisch
mit Puppe im Maul.
Schlaflose Nächte
durch das Hören von Podcasts
zu überstehen.
Die Yorkshire-Hündin
öffnet das Maul und gähnt
voll synchron mit mir.
Köstliche Stille
gegen Lärm der Welt tauschen.
Nicht leicht für Taube.
Leben und Schreiben.
Der Text als Wünschelrute,
die weiß, wohin’s geht.
Nach dem Aufwachen
Schrift verschwommen wahrnehmen.
Aus Augen rieselt’s.
Im Ohr nachhallend:
seine sonore Stimme.
Tief, räsonierend.
Der Cocker-Jagdhund,
der in der Felsnische thront
nahe den Caranques.
Partis, les anglais.
Maisons, thé, brume et crachin.
Ils les ont laissés.
Ein groovender Strom:
Beruhigend, aufrichtend,
leichtfüßig, tröstend.
A jogging group that
meets daily before sunrise
in all big cities.
Canigou versteckt.
Frischen Jogger überholt.
Am Ende spurtlos.
Zehn Kilometer
sind wir heute gegangen,
die Hündin fünfzehn.
’ne sanfte Stimme,
lyrics, die ins Herz treffen,
pedal steel guitar.
Was passiert, wenn sich
Geldmenge versiebenfacht
in dreizehn Jahren?
Blick erwartungsvoll,
Ohren gehen auf und ab,
Stummelschwanz aufrecht.
Ein Trompetenton
in brodelnden Klangräumen.
Traummusik. Magisch.
Öffne Klappläden.
Das Rotkehlchen zwitschert
sein Morgenliedchen.
Zentralbanken, die
Inflation ignorier’n,
sind ihr Geld nicht wert.
Ausgeschlafen sein:
Mit Drachenblut gewappnet
für den ganzen Tag.
Die Durchlässigkeit
durch das Intervallfasten
abends genießen.
Ein Gestank steigt auf.
Tretminensuche in Nacht
mehr als erfolgreich.
Mausefalle leer.
Kuchenkrümel verschwunden.
Sie hat sich’s verdient.
Im wilden Osten,
im Wohlstandsbauch des Westens.
Man bleibt unter sich.
[David Wagner & Jochen Schmidt – Drüben und drüben: Zwei deutsche Kindheiten]
Die Sennenhündin
lässt sich von Labradorin
Gesicht abschlecken.
Vor mir der Apfel.
Labrador in Deckung blickt
voller Erwartung.
Korken zerbröselt.
Bouquet öffnet sich langsam:
Süßlakritz, Pflaume.
[Château la Chandellière 2012, Médoc]

Fahrt durch Schneelandschaft
mit Kindergesang im Ohr.
Es weihnachtet sehr.
Autobahnblindfahrt
im weißen Nebelkokon
über Elbbrücke.
In Deutschland wären
die Impfskeptiker:innen
eine Volkspartei.
Morgens um sieben
sich das Ohr streicheln lassen
am Strand von Rio.
Einfach losgehen.
Die Ängste zurück lassen.
Sich die Zeit nehmen.
[Gespräch mit Rebecca Maria Salentin über den Weg der Freundschaft von Eisenach nach Budapest]
Alles vermasseln.
Tief im Schlamassel stecken.
Nur Massel haben.
Beim Orthopäden
neunzig Minuten warten
und der Groll legt sich.
Der Typ, der abends
zehn Runden um den Block läuft
in kurzer Hose.
Blanke Todesangst
in den winzigen Äuglein.
Die Freiheit suspekt.
Dem Kuchengeruch
sechs Tage widerstanden.
Klappe zu. Maus lebt.

Eine Frau flüchtet
im Wald an einer Lichtung
auf einen Hochsitz.
[Karen Köhler – Wild ist scheu, Hörspiel]
Vom Himmel kommend
steigt’s Eichhörnchen Apfelbaum
zur Erde hinab.
Morgendämmerung.
Hochdimmen des Tageslichts.
Sonne-Erde-Spiel.
Morgendämmerung.
Nobles Geschenk der Sonne:
ein raureifer Tag.
Abends Ingwertee.
Mit leerem Magen ins Bett.
Freuen aufs Müsli.
Der Apfelbaum kahl
bis auf die letzten Blätter,
die im Wind zittern.
Funky Antidot
zum trüben Novemberblues.
Gib mir mehr Wah Wah.
gut abgehangen.
bitte nicht warten lassen.
mit kristalldepot.
[Château Bégadanet 2012, Médoc]

Von der Senkrechten
in die Horizontale
im Dunklen im Nu.