Archive for the ‘DEU’ Category

1783

Januar 11, 2022

Feuersbrunst wälzt sich

flammenlos durch die Kehle

am frühen Morgen

1781

Januar 11, 2022

Nüchternheit, heilig

Wehmut, existenziell

Wachheit, zweischneidig

1779

Januar 8, 2022

Im tiefen Pappschnee

tobt Cocker unbekümmert

mit Sennenhündin.

1778

Januar 8, 2022

Aufgewacht im Bett

als verlorenes Sandkorn

mit Sehnsucht nach Strand.

Popcorn

Januar 8, 2022

Eigener Kommentareintrag bei Manafonistas:

Das Stück in der Version von Hot Butter stieg wohl im August 1972 in die deutschen Charts ein. Das war die erste vollelektronische Musik, die ich gehört habe, lange vor Autobahn. Damals fing ein neues Zeitalter an. Bis gerade eben kannte ich nicht mal den Titel, erst jetzt fällt mir auf, dass die schnell gespielte Melodie sich ja wirklich ein bisschen wie aufploppendes Popcorn anhört. Wobei bei Popcorn ja die meisten Körner fast gleichzeitig aufplatzen, die Geschwindigkeit also langsam ansteigt, dann in ein Staccato übergeht und dann nur noch vereinzelte Plops kommen. Popcorn haben wir das erste Mal an einem Samstag gemacht, da lief gerade Raumschiff Enterprise. Muss auch so ca. 1972 gewesen sein, ich war so etwa neun. Damals sah die Zukunft irgendwie besser bzw. spannender aus als wie sie dann geworden ist. Insbesondere für einen Noch-Nicht-Teenager.“

1776

Januar 6, 2022

Nach der Wanderung

Yorkshire-Hündin rast im Kreis

Lebensfreude pur

1775

Januar 6, 2022

Knackige Kälte

Orion am Firmament

Einsamer Jogger

1774

Januar 6, 2022

Im Stirnlampenlicht

Leuchtende Hundeaugen

Fahrradpedale

.

1773

Januar 5, 2022

Aug‘ und Ohr offen,

losgehen, nichts erwarten

und es fliegt dir zu.

1772

Januar 5, 2022

Berner Sennenhund:

Fünfzig Kilogramm Liebe,

Pranken wie ein Bär.

1771

Januar 4, 2022

Back in Home Office

Völlig verregneter Tag

Wiesen überschwemmt

1770

Januar 3, 2022

Mein Neujahrsvorsatz:

weniger sparen, dafür

mehr konsumieren.

1769

Januar 3, 2022

Zuhause wartet

vom Nachbarn zubereitet

kalte Lachsplatte.

1768

Januar 3, 2022

Brand in Kehle schwelt.

Hexagon unter Wolken.

Flüsse stehen hoch.

1767

Januar 3, 2022

Nugget aus Worten,

schwarz auf weiß ausgewaschen

vom Strom des Lebens.

1766

Januar 2, 2022

Musik, die mich flugs

Augen schließen lässt, um sie

ganz aufzusaugen.

[Andy Stott – Away not gone]

1765

Januar 2, 2022

Weiche erst Radler

rechts, dann Fußgänger links aus.

Bleibe in Mitte.

1764

Januar 2, 2022

Sich immer zuerst

zu wenig Apfelkompott

nehmen zur Boudin.

1763

Januar 2, 2022

Geist, Aura, Stimme.

Möchte ihr ewig lauschen.

So inspirierend.

[Laurie Anderson: Spending the War Without You, part 1]

1762

Januar 1, 2022

Schuppendach befreit

von Eicheln, Blättern, Erde

und Piniennadeln.

1761

Januar 1, 2022

Sonnig-frisch, diesig.

Viele Trailrunner gekreuzt.

Abstieg geht auf Knie.

[Le Casot d’en Lic, 2 1/2h]

1759

Dezember 31, 2021

Schönster Sonnenschein.

Der Geruch von Holzfeuern.

Siedlung im Nebel.

[Randonnée de la faune et la flore, Laroque]

1757

Dezember 30, 2021

Dreißig Minuten

im Laden warten weil nur

eine Kasse geht.

1756

Dezember 30, 2021

Die Yorkshire-Hündin,

die am Sandstrand begeistert

das Meerwasser schmeckt.

1755

Dezember 30, 2021

Solange Shakey

noch sprechsingt und Old Black grollt,

ist die Welt ok.

[Neil Young & Crazy Horse – Welcome Back]

1754

Dezember 30, 2021

Locker, luftig, leicht.

Gute Laune verbreitend.

Welch Start in den Tag!

[Kings of Convenience – Angel]

1753

Dezember 29, 2021

Der Himmel lodert,

changiert zwischen pastell, gold,

orange, feuerrot.

[Sonnenuntergang, Saint-Génis]

1752

Dezember 29, 2021

In weiß eingepackt.

Ein alter Asiate

mit Handy am Ohr.

1751

Dezember 29, 2021

Ein weißer Umriss,

an dem Wegesrand kauernd,

telefonierend.

1750

Dezember 28, 2021

Schwer unheimliche

Himmelssphärenbeatmusik,

die einen reinzieht.

[Boards of Canada – Reach for the Dead]

1749

Dezember 28, 2021

Die Yorkshire-Hündin,

ein wild tanzender Derwisch

mit Puppe im Maul.

1748

Dezember 28, 2021

Schlaflose Nächte

durch das Hören von Podcasts

zu überstehen.

1747

Dezember 27, 2021

Die Yorkshire-Hündin

öffnet das Maul und gähnt

voll synchron mit mir.

1746

Dezember 27, 2021

Vielleicht war früher doch

alles besser, man denke

nur an die Musik.

[Midlake – Roscoe]

1745

Dezember 27, 2021

Köstliche Stille

gegen Lärm der Welt tauschen.

Nicht leicht für Taube.

1744

Dezember 27, 2021

Leben und Schreiben.

Der Text als Wünschelrute,

die weiß, wohin’s geht.

[SWR2-Interview mit Judith Hermann]

Rundlauf Laroque – Saint Génis – Villelongue – Laroque

Dezember 26, 2021

Gehe Kiesel-Auffahrt hoch,

das Tor bereits halb geöffnet,

nach nur wenigen Laufschritten

fühle ich das linke Knie,

gehe es langsam an,

links den asphaltierten Chemin de la Boutade hinab,

vor mir hinter einem rötlich-braunen,

in Morgensonne getauchten Streifen

die Corbières,

rechts ist das Mittelmeer zu erahnen,

davor in der Ebene,

die weiße Kathedrale von Elne,

links zum Greifen nah,

jedoch nur schwer erreichbar,

der langgezogene, mit Puderzucker bestreute

Bergrücken des Canigou-Massivs,

schneeweiß, jungfräulich,

in der Sonne glänzend,

die Landschaft vollkommen beherrschend,

vor der Doppelkurve

mit dem Schlenker

das Ortsausgangsschild,

laufe vor einer Linkskurve

rechts in das Wäldchen hinein,

über die Straße

dann zwischen alten Weinstöcken,

an der kleinen Brücke am Ortsrand von Saint Génis

der tiefste Punkt der Tour,

nun geht es aufwärts, erst leicht,

dann 100 m Steigung rauf zwischen den Pinien,

am Himmel die Halbmondsichel, abnehmend

rechts daneben fliegt

ein die Sonne reflektierendes

Propellerflugzeug durchs Bild,

vor mir im Hintergrund

erheben sich die grün bewaldeten Albères,

auf der rechten Straßenseite

– ich laufe links –

geht ein Paar mit zwei Hunden,

sie leinen sie beide an,

der Schäferhund schweigt,

der kleine Köter kläfft

als ich vorbeilaufe,

nun im Einfamilienhaus-Neubaugebiet

von Villelongue,

am Friedhof vorbei

hinaufgeschnauft ins Ortszentrum,

die enge Kurve

vor der Départmentale nach Laroque

schneidet ein dunkler französischer Kleinwagen

fährt Millimeter an mir vorbei,

ich kann mich gerade noch

an die mit Wein bewachsene

Hauswand schmiegen,

noch ein paar Meter

bis zum Zebrastreifen,

dem höchsten Punkt,

in der Ferne

der Pic Martineau,

lasse die Beine locker auslaufen,

den Berg hinab

bis zum Ortsausgang,

dann rechts quer durch

ein Stück Wiese

hinunter zur ersten Brücke

hinter der Kurve,

die Straße wieder eben,

der Himmel voller Schäfchenwolken,

eine Amsel singt ihr Morgenlied,

rechts vor mir Schleierwolken

links unterhalb des Néolous,

da wo die Albères

langsam zum Mittelmeer hin auslaufen,

versucht die Sonne aufzusteigen,

überquere noch zwei Brücken,

vor mir zwei Frauen,

die eine jung, die andere alt,

was ich erst sehe

als ich sie links überhole,

setze zum Endspurt an,

direkt vor dem Ortseingangsschild

geht das Tor auf.

[33:18]

1743

Dezember 26, 2021

Nach dem Aufwachen

Schrift verschwommen wahrnehmen.

Aus Augen rieselt’s.

1742

Dezember 26, 2021

Im Ohr nachhallend:

seine sonore Stimme.

Tief, räsonierend.

1741

Dezember 25, 2021

Der Cocker-Jagdhund,

der in der Felsnische thront

nahe den Caranques.

1740

Dezember 25, 2021

Der Weihnachtsbrief als

die vorweggenommene

Todesanzeige.

1739

Dezember 24, 2021

Am Bach junges Paar

sie in T-Shirt, mit Katze,

Hund und zwei Eseln.

1737

Dezember 24, 2021

Ein groovender Strom:

Beruhigend, aufrichtend,

leichtfüßig, tröstend.

[James Yorkston – To Soothe Her Wee Bit Sorrows]

1735

Dezember 24, 2021

Canigou versteckt.

Frischen Jogger überholt.

Am Ende spurtlos.

1734

Dezember 24, 2021

Die Erinnerung:

Aus der Hälfte der Teile

besteh’ndes Puzzle.

1733

Dezember 23, 2021

Zehn Kilometer

sind wir heute gegangen,

die Hündin fünfzehn.

1732

Dezember 23, 2021

Wir sind ungetrennt

vom Ganzen vor der Geburt.

Nach dem Tod dito.

[inspiriert von der ersten Seite von Lou Andreas-Salomés Lebensrückblick]

1731

Dezember 23, 2021

’ne sanfte Stimme,

lyrics, die ins Herz treffen,

pedal steel guitar.

[Faye Webster – I Know I‘ m Funny haha]

1730

Dezember 23, 2021

Was passiert, wenn sich

Geldmenge versiebenfacht

in dreizehn Jahren?

[ Hans-Werner Sinn: Kommt jetzt die Inflation?, 13.12.]

1729

Dezember 19, 2021

Blick erwartungsvoll,

Ohren gehen auf und ab,

Stummelschwanz aufrecht.

1728

Dezember 19, 2021

Ein Trompetenton

in brodelnden Klangräumen.

Traummusik. Magisch.

[Frosty presents Memory Flashes for Jon Hassell]

1727

Dezember 17, 2021

Öffne Klappläden.

Das Rotkehlchen zwitschert

sein Morgenliedchen.

1726

Dezember 16, 2021

Zentralbanken, die

Inflation ignorier’n,

sind ihr Geld nicht wert.

1725

Dezember 16, 2021

Ausgeschlafen sein:

Mit Drachenblut gewappnet

für den ganzen Tag.

1724

Dezember 16, 2021

Die Durchlässigkeit

durch das Intervallfasten

abends genießen.

1723

Dezember 16, 2021

Ein Gestank steigt auf.

Tretminensuche in Nacht

mehr als erfolgreich.

1722

Dezember 16, 2021

Mausefalle leer.

Kuchenkrümel verschwunden.

Sie hat sich’s verdient.

1721

Dezember 14, 2021

Im wilden Osten,

im Wohlstandsbauch des Westens.

Man bleibt unter sich.

[David Wagner & Jochen Schmidt – Drüben und drüben: Zwei deutsche Kindheiten]

1720

Dezember 12, 2021

Aus siebzehn Silben

von Zeit verwehtem Moment

Gedenkschrein bauen.

1719

Dezember 11, 2021

Die Kunst des Haiku:

Was da grade passiert ist

auf den Punkt bringen.

1718

Dezember 11, 2021

Die Sennenhündin

lässt sich von Labradorin

Gesicht abschlecken.

1717

Dezember 11, 2021

Vor mir der Apfel.

Labrador in Deckung blickt

voller Erwartung.

1716

Dezember 11, 2021

Korken zerbröselt.

Bouquet öffnet sich langsam:

Süßlakritz, Pflaume.

[Château la Chandellière 2012, Médoc]

1715

Dezember 11, 2021

Fahrt durch Schneelandschaft

mit Kindergesang im Ohr.

Es weihnachtet sehr.

[Vince Guaraldi Trio – Christmas Time Is Here]

1714

Dezember 11, 2021

Autobahnblindfahrt

im weißen Nebelkokon

über Elbbrücke.

1713

Dezember 11, 2021

In Deutschland wären

die Impfskeptiker:innen

eine Volkspartei.

1712

Dezember 11, 2021

Morgens um sieben

sich das Ohr streicheln lassen

am Strand von Rio.

[Luiz Bonfá – Bossa Nova Cha Cha]

1711

Dezember 7, 2021

Weder am Ausgang

noch mit Personal besetzt:

Kassen bei Zehnkampf*

[* französische Sportgeschäftskette]

1710

Dezember 7, 2021

Einfach losgehen.

Die Ängste zurück lassen.

Sich die Zeit nehmen.

[Gespräch mit Rebecca Maria Salentin über den Weg der Freundschaft von Eisenach nach Budapest]

1709

Dezember 6, 2021

Alles vermasseln.

Tief im Schlamassel stecken.

Nur Massel haben.

1708

Dezember 6, 2021

Es gibt den Moment,

wenn die Worte raus müssen.

Welcome back, Peter.

1707

Dezember 6, 2021

Zweitausendeins als

es noch kaum Blogger gab

und viel Resonanz.

1706

Dezember 6, 2021

Warum nur flüchten

wir uns in die Fiktion

und nicht ins Leben?

1705

Dezember 6, 2021

Beim Orthopäden

neunzig Minuten warten

und der Groll legt sich.

1704

Dezember 6, 2021

Der Typ, der abends

zehn Runden um den Block läuft

in kurzer Hose.

1703

Dezember 6, 2021

Blanke Todesangst

in den winzigen Äuglein.

Die Freiheit suspekt.

1702

Dezember 6, 2021

Dem Kuchengeruch

sechs Tage widerstanden.

Klappe zu. Maus lebt.

1701

Dezember 5, 2021

Eine Frau flüchtet

im Wald an einer Lichtung

auf einen Hochsitz.

[Karen Köhler – Wild ist scheu, Hörspiel]

1700

Dezember 5, 2021

Vom Himmel kommend

steigt’s Eichhörnchen Apfelbaum

zur Erde hinab.

1699

Dezember 4, 2021

Augen zudrücken.

Die La-Welle über sich

ro-holl-en lassen.

[Low – Silver Rider]

1698

Dezember 4, 2021

Seit zwanzig Jahren

Gefühl zeitlicher Sequenz

völlig verloren.

1697

Dezember 3, 2021

Die wirklich Großen

werden immer erst entdeckt,

wenn sie schon tot sind.

1696

Dezember 3, 2021

Morgendämmerung.

Hochdimmen des Tageslichts.

Sonne-Erde-Spiel.

1695

Dezember 3, 2021

Morgendämmerung.

Nobles Geschenk der Sonne:

ein raureifer Tag.

1694

Dezember 1, 2021

Abends Ingwertee.

Mit leerem Magen ins Bett.

Freuen aufs Müsli.

1693

Dezember 1, 2021

Der Apfelbaum kahl

bis auf die letzten Blätter,

die im Wind zittern.

1692

November 30, 2021

Ganz tief einsinken

unter die Oberfläche

und dann auftauchen.

[Portico Quartet – On the Light]

1691

November 29, 2021

Funky Antidot

zum trüben Novemberblues.

Gib mir mehr Wah Wah.

[Boulevards (feat. Nikki Lane) – Better Off Dead]

1690

November 27, 2021

gut abgehangen.

bitte nicht warten lassen.

mit kristalldepot.

[Château Bégadanet 2012, Médoc]

1689

November 26, 2021

Die Vernunft, nicht ich,

hat heute mal gewonnen.

Lang sah’s anders aus.

1688

November 26, 2021

Von der Senkrechten

in die Horizontale

im Dunklen im Nu.

1685

November 21, 2021

Deutscher Troubadour

mit Kodderschnauze erzählt

aus wildem Leben.

[Wolf Biermann im BR2-Talk, 2010]

1684

November 21, 2021

Sturkopf, großmäulig.

Vier deutsche Staaten erlebt.

Völlig irrer Typ.

[Wolf Biermann im BR2-Talk, 2010]

1683

November 21, 2021

Schluss mit Gelaber.

Wollen wir Leben retten?

Impfpflicht und basta!

[inspiriert vom heutigen nicht mehr auszuhaltenden Presseclub]

1682

November 21, 2021

Orgeldrones pushen

zu Hundertertrittfrequenz

auf Ergometer.

[Anna von Hauswolff – Theatre of Nature]

1681

November 20, 2021

Totale Stille.

Nur Rauschen in den Ohren.

Mitten in Berlin.

1680

November 19, 2021

Mundharmonika

streichelt waidwunde Seele.

Ein Bad in Streichern.

[John Barry – Theme from Midnight Cowboy with Toots Thielemans]

1678

November 19, 2021

Wenn einem klar wird,

dass es den Rest des Lebens

nur noch bergab geht.

1677

November 19, 2021

Fühlst du dich machtlos,

so nutzt du jede Freiheit,

die man dir noch lässt.

1676

November 19, 2021

Zum Doktor gehen

im guten Glauben, dass er

einem helfen kann.