Feuersbrunst wälzt sich
flammenlos durch die Kehle
am frühen Morgen
Feuersbrunst wälzt sich
flammenlos durch die Kehle
am frühen Morgen
Im tiefen Pappschnee
tobt Cocker unbekümmert
mit Sennenhündin.
Aufgewacht im Bett
als verlorenes Sandkorn
mit Sehnsucht nach Strand.
Eigener Kommentareintrag bei Manafonistas:
„Das Stück in der Version von Hot Butter stieg wohl im August 1972 in die deutschen Charts ein. Das war die erste vollelektronische Musik, die ich gehört habe, lange vor Autobahn. Damals fing ein neues Zeitalter an. Bis gerade eben kannte ich nicht mal den Titel, erst jetzt fällt mir auf, dass die schnell gespielte Melodie sich ja wirklich ein bisschen wie aufploppendes Popcorn anhört. Wobei bei Popcorn ja die meisten Körner fast gleichzeitig aufplatzen, die Geschwindigkeit also langsam ansteigt, dann in ein Staccato übergeht und dann nur noch vereinzelte Plops kommen. Popcorn haben wir das erste Mal an einem Samstag gemacht, da lief gerade Raumschiff Enterprise. Muss auch so ca. 1972 gewesen sein, ich war so etwa neun. Damals sah die Zukunft irgendwie besser bzw. spannender aus als wie sie dann geworden ist. Insbesondere für einen Noch-Nicht-Teenager.“
Nach der Wanderung
Yorkshire-Hündin rast im Kreis
Lebensfreude pur
Knackige Kälte
Orion am Firmament
Einsamer Jogger
Im Stirnlampenlicht
Leuchtende Hundeaugen
Fahrradpedale
.
Berner Sennenhund:
Fünfzig Kilogramm Liebe,
Pranken wie ein Bär.
Back in Home Office
Völlig verregneter Tag
Wiesen überschwemmt
Zuhause wartet
vom Nachbarn zubereitet
kalte Lachsplatte.
Brand in Kehle schwelt.
Hexagon unter Wolken.
Flüsse stehen hoch.
Weiche erst Radler
rechts, dann Fußgänger links aus.
Bleibe in Mitte.
Sich immer zuerst
zu wenig Apfelkompott
nehmen zur Boudin.
Schuppendach befreit
von Eicheln, Blättern, Erde
und Piniennadeln.
Sonnig-frisch, diesig.
Viele Trailrunner gekreuzt.
Abstieg geht auf Knie.
[Le Casot d’en Lic, 2 1/2h]
Schönster Sonnenschein.
Der Geruch von Holzfeuern.
Siedlung im Nebel.
[Randonnée de la faune et la flore, Laroque]
Dreißig Minuten
im Laden warten weil nur
eine Kasse geht.
Die Yorkshire-Hündin,
die am Sandstrand begeistert
das Meerwasser schmeckt.
Solange Shakey
noch sprechsingt und Old Black grollt,
ist die Welt ok.
Locker, luftig, leicht.
Gute Laune verbreitend.
Welch Start in den Tag!
Der Himmel lodert,
changiert zwischen pastell, gold,
orange, feuerrot.




In weiß eingepackt.
Ein alter Asiate
mit Handy am Ohr.
Ein weißer Umriss,
an dem Wegesrand kauernd,
telefonierend.
Schwer unheimliche
Himmelssphärenbeatmusik,
die einen reinzieht.
Die Yorkshire-Hündin,
ein wild tanzender Derwisch
mit Puppe im Maul.
Schlaflose Nächte
durch das Hören von Podcasts
zu überstehen.
Die Yorkshire-Hündin
öffnet das Maul und gähnt
voll synchron mit mir.
Köstliche Stille
gegen Lärm der Welt tauschen.
Nicht leicht für Taube.
Leben und Schreiben.
Der Text als Wünschelrute,
die weiß, wohin’s geht.
Gehe Kiesel-Auffahrt hoch,
das Tor bereits halb geöffnet,
nach nur wenigen Laufschritten
fühle ich das linke Knie,
gehe es langsam an,
links den asphaltierten Chemin de la Boutade hinab,
vor mir hinter einem rötlich-braunen,
in Morgensonne getauchten Streifen
die Corbières,
rechts ist das Mittelmeer zu erahnen,
davor in der Ebene,
die weiße Kathedrale von Elne,
links zum Greifen nah,
der langgezogene, mit Puderzucker bestreute
Bergrücken des Canigou-Massivs,
schneeweiß, jungfräulich,
in der Sonne glänzend,
die Landschaft vollkommen beherrschend,
vor der Doppelkurve
mit dem Schlenker
das Ortsausgangsschild,
laufe vor einer Linkskurve
rechts in das Wäldchen hinein,
über die Straße
dann zwischen alten Weinstöcken,
an der kleinen Brücke am Ortsrand von Saint Génis
der tiefste Punkt der Tour,
nun geht es aufwärts, erst leicht,
dann 100 m Steigung rauf zwischen den Pinien,
am Himmel die Halbmondsichel, abnehmend
rechts daneben fliegt
ein die Sonne reflektierendes
Propellerflugzeug durchs Bild,
vor mir im Hintergrund
erheben sich die grün bewaldeten Albères,
auf der rechten Straßenseite
– ich laufe links –
geht ein Paar mit zwei Hunden,
sie leinen sie beide an,
der Schäferhund schweigt,
der kleine Köter kläfft
als ich vorbeilaufe,
nun im Einfamilienhaus-Neubaugebiet
von Villelongue,
am Friedhof vorbei
hinaufgeschnauft ins Ortszentrum,
die enge Kurve
vor der Départmentale nach Laroque
schneidet ein dunkler französischer Kleinwagen
fährt Millimeter an mir vorbei,
ich kann mich gerade noch
an die mit Wein bewachsene
Hauswand schmiegen,
noch ein paar Meter
bis zum Zebrastreifen,
dem höchsten Punkt,
in der Ferne
der Pic Martineau,
lasse die Beine locker auslaufen,
den Berg hinab
bis zum Ortsausgang,
dann rechts quer durch
ein Stück Wiese
hinunter zur ersten Brücke
hinter der Kurve,
die Straße wieder eben,
der Himmel voller Schäfchenwolken,
eine Amsel singt ihr Morgenlied,
rechts vor mir Schleierwolken
links unterhalb des Néolous,
da wo die Albères
langsam zum Mittelmeer hin auslaufen,
versucht die Sonne aufzusteigen,
überquere noch zwei Brücken,
vor mir zwei Frauen,
die eine jung, die andere alt,
was ich erst sehe
als ich sie links überhole,
setze zum Endspurt an,
direkt vor dem Ortseingangsschild
geht das Tor auf.
[33:18]
Nach dem Aufwachen
Schrift verschwommen wahrnehmen.
Aus Augen rieselt’s.
Im Ohr nachhallend:
seine sonore Stimme.
Tief, räsonierend.
Der Cocker-Jagdhund,
der in der Felsnische thront
nahe den Caranques.
Ein groovender Strom:
Beruhigend, aufrichtend,
leichtfüßig, tröstend.
Canigou versteckt.
Frischen Jogger überholt.
Am Ende spurtlos.
Zehn Kilometer
sind wir heute gegangen,
die Hündin fünfzehn.
’ne sanfte Stimme,
lyrics, die ins Herz treffen,
pedal steel guitar.
Was passiert, wenn sich
Geldmenge versiebenfacht
in dreizehn Jahren?
Blick erwartungsvoll,
Ohren gehen auf und ab,
Stummelschwanz aufrecht.
Ein Trompetenton
in brodelnden Klangräumen.
Traummusik. Magisch.
Öffne Klappläden.
Das Rotkehlchen zwitschert
sein Morgenliedchen.
Zentralbanken, die
Inflation ignorier’n,
sind ihr Geld nicht wert.
Ausgeschlafen sein:
Mit Drachenblut gewappnet
für den ganzen Tag.
Die Durchlässigkeit
durch das Intervallfasten
abends genießen.
Ein Gestank steigt auf.
Tretminensuche in Nacht
mehr als erfolgreich.
Mausefalle leer.
Kuchenkrümel verschwunden.
Sie hat sich’s verdient.
Im wilden Osten,
im Wohlstandsbauch des Westens.
Man bleibt unter sich.
[David Wagner & Jochen Schmidt – Drüben und drüben: Zwei deutsche Kindheiten]
Die Sennenhündin
lässt sich von Labradorin
Gesicht abschlecken.
Vor mir der Apfel.
Labrador in Deckung blickt
voller Erwartung.
Korken zerbröselt.
Bouquet öffnet sich langsam:
Süßlakritz, Pflaume.
[Château la Chandellière 2012, Médoc]

Fahrt durch Schneelandschaft
mit Kindergesang im Ohr.
Es weihnachtet sehr.
Autobahnblindfahrt
im weißen Nebelkokon
über Elbbrücke.
In Deutschland wären
die Impfskeptiker:innen
eine Volkspartei.
Morgens um sieben
sich das Ohr streicheln lassen
am Strand von Rio.
Einfach losgehen.
Die Ängste zurück lassen.
Sich die Zeit nehmen.
[Gespräch mit Rebecca Maria Salentin über den Weg der Freundschaft von Eisenach nach Budapest]
Alles vermasseln.
Tief im Schlamassel stecken.
Nur Massel haben.
Beim Orthopäden
neunzig Minuten warten
und der Groll legt sich.
Der Typ, der abends
zehn Runden um den Block läuft
in kurzer Hose.
Blanke Todesangst
in den winzigen Äuglein.
Die Freiheit suspekt.
Dem Kuchengeruch
sechs Tage widerstanden.
Klappe zu. Maus lebt.

Eine Frau flüchtet
im Wald an einer Lichtung
auf einen Hochsitz.
[Karen Köhler – Wild ist scheu, Hörspiel]
Vom Himmel kommend
steigt’s Eichhörnchen Apfelbaum
zur Erde hinab.
Morgendämmerung.
Hochdimmen des Tageslichts.
Sonne-Erde-Spiel.
Morgendämmerung.
Nobles Geschenk der Sonne:
ein raureifer Tag.
Abends Ingwertee.
Mit leerem Magen ins Bett.
Freuen aufs Müsli.
Der Apfelbaum kahl
bis auf die letzten Blätter,
die im Wind zittern.
Funky Antidot
zum trüben Novemberblues.
Gib mir mehr Wah Wah.
gut abgehangen.
bitte nicht warten lassen.
mit kristalldepot.
[Château Bégadanet 2012, Médoc]

Von der Senkrechten
in die Horizontale
im Dunklen im Nu.
Sturkopf, großmäulig.
Vier deutsche Staaten erlebt.
Völlig irrer Typ.
Orgeldrones pushen
zu Hundertertrittfrequenz
auf Ergometer.
Mundharmonika
streichelt waidwunde Seele.
Ein Bad in Streichern.
[John Barry – Theme from Midnight Cowboy with Toots Thielemans]