Archive for 13. November 2010

1:28 Miles Davis – Mystery (Reprise, 1992)

November 13, 2010

Das letzte Stück auf dem letzten, posthum veröffentlichten Album Doo-Bop. Sein Vermächtnis und was für eins. In achtundachtzig Sekunden einmal um sein Werk. Miles war zu diesem Zeitpunkt musikalisch in Richtung Hip-Hop unterwegs, was man – glücklicherweise, wenn ihr mich fragt – hier kaum hört. Es ist ein klassischer, unverkennbarer Miles Davis geworden, der sehr cool und rhythmusbetont daherkommt. Der Trompetenton immer noch voll da, klar und luzide, aber wie hinter einer Nebelwand gespielt. Wenn ich ihn höre, dann sehe ich immer einen Mann mit dem Rücken zum Publikum, einen einsamen Wolf inmitten von tausenden von Leuten. Der Minitrack macht Lust auf mehr und ich hätte schon gerne gewusst, wohin Miles Davis sich noch bewegt hätte, wenn er länger gelebt hätte. Um die elektronische Musik wäre er wohl kaum umhingekommen und sie vor allem nicht um ihn.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 247 Stücke ist hier.)

1:29 Marin Marais – Suite in g-moll, Courante (1711, Perl/Santana 2004)

November 13, 2010

Marin Marais war etwa eine Generation älter als Johann Sebastian Bach und das hört man in seinen Kompositionen. Marais spielte am Hofe Ludwigs XIV. Viola da Gamba (Kniegeige) und seine beschauliche, pastorale Musik fließt wie ein träger Strom vor sich hin; es fehlt jegliche Dynamik. Durch den Film Tous les matins du monde, bei dem ich fast eingepennt wäre, bin ich das erste Mal auf Marais gestoßen; ich habe damals die ereignislose Handlung und die lahme Musik gehasst. Inzwischen bin ich ein paar Jahre älter geworden und kann die Interpretation des heutigen Auswahlstücks von Hille Perl an der Gambe und ihrem Mann Lee Santana an der Laute durchaus genießen. Diese Art von Musik ist nicht nur völlig zeitlos, die Zeit als Kategorie scheint auch in ihr selbst nicht existent.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 246 Stücke ist hier.)