Draußen ein Kühlschrank.
Auch der Klimawandel braucht
mal eine Pause.
Draußen ein Kühlschrank.
Auch der Klimawandel braucht
mal eine Pause.
Meisenknödel für
abgeknickte Narzisse
ungewollt getauscht.
„Ruhig bleiben und
Dildos benutzen“ steht auf
dem Werbeplakat.
Auf dem Bürgersteig
scharrt und pickt eine Amsel.
Ich weiche ihr aus.
Social distancing?
It’s physical distancing,
stupid! Understood?
Die Amsel gleitet
durch die runde Aussparung
der Brüstungsmauer.
Die Bänke sind nass
vom Hagel, der beim Aufprall
sofort getaut ist.
Ein junger Jogger
läuft auf ’ne alte Frau zu.
Sie fährt den Arm aus.
Zierleisten gesaugt.
Duschwanne und Kloschüssel
kalklos gescheuert.
Auf der Autobahn
alle einhundert Meter
ein Standortschildchen.
Schwarzer Maulwurf
liegt leblos am Wegesrand.
Was ist da passiert?
Der Graureiher fliegt
zurück zum Weibchen hinten.
Von uns aufgescheucht.
Die Leute grüßen
und gehen mir aus dem Weg.
Flotter Wiesenlauf.
Strahlende Sonne.
Zugefrorene Pfützen.
Der Boden taut auf.
Der Bussard rüttelt.
Sonnenstrahlen brechen durch.
Der Ostwind bläst kalt.
Wildpflaumenzweige
mit rosa Blüten wehen
und wogen im Wind.
In den Geschäften
lange Schlangen an Kassen.
Sicherheitsabstand!
Einem Nachbarn jag
ich nen Schreck ein, der andre
freut sich, mich zu sehn.
Jog in den Wiesen.
Die Forsythien leuchten gelb.
Na, komm schon. Endspurt!
Auf der Autobahn
in Thüringen, die Felder
mit Gülle gedüngt.
In Sachsen-Anhalt.
Viel zu tun für Don Quijotte:
Riesige Windparks.
Bad, Küche und Bett
im Fertighauscontainer.
Plus Kneippfußwanne.
Die Feldsteinkirchen
– aus Findlingen errichtet –
bleiben verschlossen.
Der Weg egal ob
im Wald oder auf Asphalt
schnurgeradeaus
Im Wald, träumend.
Aus dem Nichts, direkt vor mir
kreuzt ein Reh den Weg.
Rast auf Waldrandbank:
Drei Rappen auf der Koppel
kommen bis zum Zaun.
Unter dem Balkon
warte ich den Regen ab.
Jemand ruft „Hallo!“.
Inmitten vom Wald
verfallene Gebäude:
Zwangsarbeitslager
Hundert Kuhaugen
glotzen mich an als wäre
ich ein Mensch vom Mars.
Am richtigen Ort.
Im Wald ein Sofapolster.
Zeit für ein Päuschen.
Quer über Felder
pustet mich der Wind fast um.
Es gibt kein Gebüsch.
Ich gehe im Wald.
Unter schwarzen Planen schläft
der Spargel im Feld.
Unterm Dach am Gleis.
Der Orkan peitscht den Regen
auf das Plexiglas.
In einer Nische
vor der Nikolaikirche
trinke ich Säfte.
In Regenkleidung
wirft ein Bube den Enten
Krumen hinterher.
Ein blauweißes Tuch
um einen Zweig gebunden
flattert hoch im Wind.
Er joggt, sie fährt Rad.
„Morgen“, schallt mir entgegen.
„Morgen“, entfährt mir.
Eine Schafherde.
Zig Augen schauen mich an.
Die Antwort: ein Foto.
Ich tippe Zeichen.
Die Pfütze auf der Straße.
Platsch! Mein rechter Schuh.
Ich sehe Häuser
im Angerteich, die stehen
sicher auf dem Kopf.
Am Angerteich ist
eine graubraune Katze.
Sie schmiegt sich an mich.
Am Landstraßenrand
ist der Asphalt uneben.
Hoppla! Ich falle.
Gegen den Uhrsinn
drehen sich vier Windräder.
Ein Flugzeug steigt auf.
Morgendämmerung.
Tiefe Wolken ziehen auf.
Die Welt gehört mir.
Der Wind rauscht im Ohr.
Die Grashalme biegen sich.
Das Moos wächst am Baum.
Der Ort befindet sich im äußersten Süden Frankreichs, 30 km südlich von Perpignan, ca. 5 km Luftlinie nach Spanien. Es ist das Belvedere mit dem Schlossturm von Laroque des Albères, im Zentrum des kleinen Städtchens auf einem Hügel gelegen. Wenn man in Laroque ist, kann man von Norden oder Süden hinauf gehen. Ich komme lieber aus dem Norden weil der Weg diskreter ist und nicht direkt an zig Häusern vorbei verläuft. Man geht gegen den Uhrzeigersinn um den Schlossberg – von dem Schloss steht übrigens nur noch der renovierte Turm – herum bergauf und dann zweimal einige Stufen hinauf und landet auf dem höchsten Punkt der Innenstadt. In der Mitte steht eine Bank, auf der man es sich bequem machen kann, wenn sie noch nicht besetzt ist. Man hat von dort eine phantastische Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen.
Nach vorne, also im Norden sieht man die fruchtbare Ebene des Roussillon mit den Tälern des Tech und Têt, in der u. a. Kirschen (Céret) aber vor allem Wein angebaut wird. Neben Trauben für kräftige, blutrote Rotweine gedeiht hier die vollmundige Muscatrebe, aus der süße, schnell zu Kopf steigende Apéritifweine gekeltert werden. In etwa in der Mitte zwischen hier und Perpignan kann man bei guter Sicht die Kathedrale von Elne sehen, mit der – wie auch mit den Wachtürmen der Albères (s.u.) – über Signale kommuniziert wurde. Im Hintergrund baut sich in der Ferne ein Hochplateau auf, es sind die Corbières.
Nach Osten hin kann man die Küste um Argelès und das Mittelmeer – in etwa 10 km Luftlinie – erkennen.
Im Westen sieht man die Pyrenäen, die zum Greifen nahe scheinen. Sie gipfeln in dem rund 50 km entfernten momentan schneebedeckten Pic Canigou, der majestätisch über der Ebene thront. Dieser Berg scheint unerreichbar zu sein. Wir sind auf dem hiesigen Jakobsweg vor ein paar Jahren nach Saillagouse in den Zentralpyrenäen (auch ein verzauberter Ort) gegangen und sind dem Berg gefühlt nicht wirklich näher gekommen, obwohl wir die Luftlinie wohl auf unter 10 km reduziert haben. Im Vordergrund befindet sich der Chemin de la Florentine (ebenfalls magisch), ein schmaler betonierter Fußweg, der durch private Obstgärten unterhalb der Stadtmauer mäandert.
Wenn man sich nun um 180 Grad dreht, sieht man hinter dem Rundturm im Süden die bewaldeten Albères, das ist der Ausläufer der Pyrenäen ins Mittelmeer, mit ihrem höchsten Berg, dem Puig Neulòs, der die Grenze zu Spanien markiert und auf dem eine TV-Sendestation steht.
Es gibt auf dem Belvedere übrigens zwei Panoramatafeln – sowohl nach Norden wie nach Süden – auf denen alle sichtbaren Orte detailliert aufgezeichnet sind. Auf dem Turm hinter der Bank ist oben eine unbewegliche katalanische Fahne aus hartem Material befestigt, die nach Osten zeigt, der vorherrschende Wind ist hier der kalte Tramontane, der aus den Pyrenäen herunterweht.
Was mir auch an diesem Platz gefällt ist, dass man sich dort im Grunde den ganzen Tag aufhalten könnte, ohne sich zu langweilen. Da es ein schöner Ort ist, der auch bekannt ist, kommen hier im Laufe des Tages eine ganze Menge Leute hoch, die zum einen fast alle von dem genius loci positiv beeinflusst sind und gute Vibrationen aussenden. Zum andern unterhalten sie sich – natürlich meist auf französisch – und man kann einige interessante Gesprächsfetzen aufschnappen und etwas über die Gegend lernen.
Morgens haben wir dort auch schon eine Yogaadeptin mit ihrer Matte angetroffen, die von der besinnlichen Stimmung angefixt war. Was wir noch nicht gemacht haben, was ich aber auf jeden Fall demnächst vorhabe, ist einerseits frühmorgens, wenn die Sonne über dem Mittelmeer aufgeht hier zu sein und andererseits abends in der Dämmerung im Sommer, wenn die Sonne hoffentlich hinter den Pyrenäen untergehen sollte.
Danke, Stefan, dass Du mich mal wieder auf einen Lieblingsplatz aufmerksam gemacht hast.
My favourite video of the year. That comes from someone who has hated music videos from the start on, the first one I ever saw was around 1985 in Niš in Ex-Yougoslavia. Don’t remember what it was but I didn’t like it. Especially the fact that it transferred a huge part of the attention from the music to the film.
Draußen ganz leise klackende Geräusche. Winzige Tropfen fallen auf das Fenstersims. Unglaublich. Es regnet in Berlin. Zwar nur ein paar Tropfen aber immerhin. Seit dem einen WM-Spiel habe ich hier keinen Regen mehr erlebt. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

This late album by most members of Japan – which I didn’t really know beforehand – has totally enthralled me during the last couple of days. Mick Karn’s warm and bubbly autodidactic electric bass (plus wonderful bass clarinet). The sluggish drumming of David Sylvian’s brother, Steve Jansen. Either the drums sound like trash cans or living wood. The general slowness of things. The slightly meditative East Asian world feel of the music. The breath-taking and the pauses. Music to get enlightened to. The final touch of the synthesizer flourishes of Barbieri (he seems to be their Eno). This album is the missing link between Peter Gabriel’s fiery and tribal „Passion“ and Talk Talk’s subtle chamber rock album „Laughing Stock“ which was released in 1991 (what a year for music!) as well but slightly afterwards. And two of the best things about this album are that David Sylvian does not sing too much and when he does his vocals often are not as mannered as usual (esp. on his solo albums). Example: „Boat’s for Burning“. He does not have to disguise his voice. This album is a miracle.
In Zeiten von E-Books zwar ziemlich sinnbefreit und außerdem gibt es die Bücher gar nicht alle, aber egal.
I posted this on I Love Music a week ago:
I saw them last week in the Magnet Club under the Oberbaum bridge in Berlin. They were great, very intense, James shouted like in his best times. They were loud especially the bass and I tried to wear ear plugs but the music didn’t sound right. It was like drinking a wine without alcohol, this kind of wild, hypnotic music needs to be loud otherwise it is rubbish. When listening to the music without ear plugs i suddenly had this idea that the music you love most is the music that you have to hear so loud that you become deaf. In that way it will also be the last music you have ever heard. Strange thoughts. The drums were loud too, the drummer Ian White played very motoric and energetic, Jaki Liebezeit came to mind. Actually in a way they reminded me a little of Can around 1970, see the can thread with the concert in Soest. The music was more about texture than melody or harmony. It was very dense and powerful, slower and heavier while less bluesy than in the earlier days. The stage presence of James Johnston reminded me of Jeffrey Lee Pierce (rip). There is something diabolic and shamanistic about him. Their new album The Soul of the Hour is pretty good. I bought the cd and a t-shirt. The cover is great. And Gallon Drunk is such a cool name. Gallon Drunk is how you feel after having drunk eight pints of beer, you have attained a certain degree of merriness but you are not totally pissed out of your head yet. You are ready for the next eight pints after the first eight though.
In Soest ging 1970 noch die Post ab. Jaki Liebezeit trommelt die Zuschauer hier in Trance, Damo Suzuki singt sich in Ekstase, Holger Czukay bringt den Bass zum Grooven, Michael Karoli steuert Melodisches auf der Gitarre bei und Irmin Schmidt verwandelt die Orgel in ein wildes Tier. Krautrock meets Free Jazz meets Avantgarde. Mein Highlight: Oh Yeah, ab der Fünfminutenmarke. Das kam dann später auf das definitive Krautrockalbum überhaupt: Tago Mago.
Some great versions of „Reel around the Fountain“ (where Morrissey sings „mountain“), „Handsome Devil“ et al.. Altogether pretty mellow compared to the ones released on „Hatful of Hollow“. Morrissey’s voice is less histrionic than later on but his falsetto often mutes into a screaming – esp. on the last song „Miserable Lie“ – probably because the mike does not capture it well.
A recent post on Plain Or Pan reminded me of The House of Love, a band from London which started just when The Smiths finished and finished (more or less) when Britpop began. They tried to make a career starting from the third Velvet Underground album and failed though they had a following of die-hard fans. The song which was featured in four different versions on Plain Or Pan was their 1988 single Destroy Your Heart and I am totally enchanted by the demo version which is quite different from the Peel, the live and the single versions. The two guitars, apparently Gibsons are soaked in reverb and sound like two church bells chiming in stereo. They have an unreal quality to them like aural fata morganas which seem to lead somewhere but don’t. There is also something about the slow playing which adds an effect of estrangement, in places the guitars seem to tremble as if the recording has been sped up and sped down. Guy Chadwick’s voice has been sent through a vocoder or something, it is unusually low here, he sounds like someone very old and wise. The lyrics add more weirdness as they are about a love gone wrong, something you wouldn’t expect happening to such an honorable person. This version is totally enthralling, the guitars intertwine in a way that you can’t tell which is which, like in good sex when you don’t know anymore if you are up or down or when you have forgotten if you are the man or the woman.
heißt das neue Album von Nick Cave und seinen Black Bad Seeds. Ich war nie ein großer Fan von seinem Shtick, seinem dunkel-düsteren Sprechgesang, seinen ominösen Predigten vom Makabren und Morbiden auf Erden im alttestamentarischen Duktus. Meine einzige Platte von ihm war die Doppel-EP Your Funeral, My Trial. Sie hatte den Charme eines Todeskusses vom Sensenmann himself und passte ganz gut zu meiner Stimmung in der ersten Hälfte des Studiums in München. No Future from the other side of the world. Natürlich habe ich ihn im Himmel über Berlin in der zweiten Hälfte der Achtziger gesehen, da machte er in einem Berliner Club einen Höllenlärm mit den Bad Seeds. Das neue Album ist anders, es ist sehr ruhig, sehr sparsam instrumentiert, sehr gut abgehangen. Im Zentrum des Songzyklus steht Jubilee Street, eine Mordballade aus dem Rotlichtmilieu. Neben der das Motiv spielenden, sich scheinbar langsam beschleunigenden E-Gitarre und dem schleppenden Schlagwerkrhythmus hört man einen Streicherteppich und eine einzelne Viola, die im Stile von John Cale in seinen besten Velvet Underground-Zeiten im Hintergrund schöne Dissonanzen beiträgt. Das steigert sich dann sukzessive, ein amorpher Frauenchor kommt noch hinzu und kurz vor dem Klimax, der in eine Kakophonie münden will, fadet der Song aus. Eine Offenbarung und wahrscheinlich sein bestes Lied seit The Mercy Seat.
My Bloody Valentine haben nach über 20 Jahren endlich das seit Ewigkeiten erwartete Nachfolgealbum von Loveless veröffentlicht. Es klingt jetzt alles in allem nicht wie der ganz große Wurf, aber immerhin gibt es Songs wie Only Tomorrow, die da anknüpfen wo sie 1991 aufgehört hatten. Da wird ein dichter Klangteppich aus verzerrtem Gitarrenkrach gewebt, der in eine überirdisch schöne Melodie mutiert. In diesem Stück gehen Dream Pop und Heavy Metal eine Hochzeit im Himmel ein, das gewaltige, massive, bedrohliche Gitarrenriff verliert durch das Vibrato und das Feedback all seine Schwere und löst sich sozusagen in Luft auf. Das haben sie 1991 auch schon hingekriegt, aber es tut gut, zu hören, dass sie es immer noch können.
P.S. Der von mir gestartete I Love Music Thread zum Lied hebt auch so langsam ab…
I listened to and watched this for the first time this morning just past 5 o’clock and I totally fell in love with the singer, her voice, the tune, the video, even the car she drives away with at the end (not the guy though). The song and video are both kitschy in a romantic kind of way, her mellifluous whisper is sexy and clean at the same time, there is so much wrong about this song and especially about the video but they both still work for me.
Erinnert sich noch jemand an den ehemaligen Gitarristen von Dr. Feelgood, einer englischen Rhythm & Blues-Band der Siebziger, die ihre beste Zeit vor dem Punk hatte, wenn man mal ganz ehrlich ist, dann waren sie eigentlich Punk bevor es Punk überhaupt gab. Damals nannte man das dann Pubrock, auch kein Genrename, der unbedingt Lust auf die Musik macht, die er bezeichnet. Wilko Johnson hat unheilbaren Bauchspeicheldrüsenkrebs und hat sich entschieden, keine Chemotherapie erhalten zu wollen und stattdessen zu touren und seine Gitarre so lange nicht aus der Hand zu geben bis er nicht mehr kann. Ein wahrer Punk eben. Hier spielt er ein göttliches Riff in seinem unnachahmlichen stakkatohaften Stil mit roboterhafter Motorik und es wird dazu Beat getanzt. Da möchte man fast sagen „Beam me back, Scottie“. Oh Mist, falsches Filmzitat.
Low, the best band from Duluth, Minnesota and already for quite a while my favourite live band (they will play the Zoom Club in Frankfurt/M. on May, 10th) have a new album out on March, 19th. It’s called The Invisible Way (produced by Jeff Tweedy, Dave Fridmann and Steve Albini among others) and the first song they put online is rather promising. It has this typical warm and soothing Low sound, rich vocal harmonies by Mimi and a melody which makes my heart melt. How do they succeed in making still such inspired music which is so simple and straight but has this strong spiritual feeling? I think one of their secrets is the slowness. Not only of the music itself but also of their releasing speed. In twenty years they have put out just ten albums. Not one too many. The song is called Just Make it Stop and can be streamed or downloaded here. Plastic Cup, a great duet of Alan and Mimi with acoustic guitar and piano can be streamed here (there is a small audio ad before).
Früher hätte man hierzu Revival gesagt, heute sagt man Retro.
Die Allah-Las – was für ein dämlicher Name, da war ja Shangri-Las noch origineller – kommen aus California, sind angeblich Surfer und haben es drauf einen Sechzigerjahrepsychedelikguitarpop zu spielen wie wenige andere. Entfernt erinnert mich das an Green On Red und Dream Syndicate und den sehr amerikanisch-folkigen und ziemlich abgedrehten Paisley Underground vor knapp dreißig Jahren, aber wahrscheinlich sind die Kinks, die Troggs, die Thirteen Floor Elevators und diverse psychedelische 60er Jahre-Garagenbands, die man auf dem Nuggets-Sampler fnden kann näher an dieser Musik. Was ich doch sehr verblüffend finde ist, dass nahezu alle Lieder auf ihrem Album Eigenkompositionen sind, die so klingen als hätte man sie schon mal gehört. Und wie dieses lässige Album so dahinfließt, das ist schon ganz großes Ohrenkino. Von dem ganzen Retrogedudel (gab es eigentlich was anderes, wirklich Neues dieses Jahr?), das 2012 rausgehauen wurde, so ziemlich das Anhörenswerteste.
Wer hätte gedacht, dass Dinosaur Jr. nochmal ein Stück veröffentlichen würden, dass Freak Scene (von vor über 20 Jahren) toppen würde? Sie haben es gemacht, der zottelige Oberdinosaurier singt cool in seine Zottelmähne hinein wie immer, malträtiert die Gitarre wie immer, aber so, dass aus dem Feedback unglaubliche, oberirdische Melodien hervorspringen. Das helle Licht in diesem krachigen Song, ich glaube man muss schon Amerikaner sein, um so verdammt positiv zu klingen. Das neue Album hält dann das Versprechen dieses phantastischen Gitarrenorkans leider nicht. Aber ein gutes Lied von jemandem, den man schon seit sehr langer Zeit abgeschrieben hatte, das ist doch auch schon was.
von haneke gestern als omu in frankfurt gesehen. kaum erträglich. die szenen sehr langsam, meistens ohne schnitt, zäh. es geht ums altern, oder präziser ums verrecken. das ende kommt fast als erlösung, wobei mich der moment schockiert hat. einer der letzten glücklichen weil innehaltenden augenblicke, er erzählt ihr eine geschichte aus der kindheit, sie hört mit dem schreien auf und scheint ganz ohr. und dann nimmt er das kissen und … der schluss des films dann wirklich nervig, wo er versucht, die taube zu fangen und darüber ins an sie gerichtete tagebuch schreibt. insgesamt ein sehr realistischer film (der auftritt des pianisten alexandre tharaud, der sich selbst spielt, zu herzen gehend), dem man anmerkt, dass der regisseur sich mit der materie intensiv beschäftigt hat.
dreieinhalb sterne.
gestern abend am frankfurter hauptbahnhof warte ich auf gleis neun auf meinen wegen „personen auf den gleisen“ um eine gute halbe stunde verspäteten zug zum berliner ostbahnhof, auf den der db infopunkt netterweise mein ticket umgeschrieben hat, das eigentlich einen umstieg in hannover vorgesehen hatte, den ich aber niemals geschafft hätte weil der zug nach hannover aus demselben grund verspätet war. lese karl, die kulturelle schachzeitschrift mit einem special zum moskauer wm-kampf, die ich mir in der bahnhofsbuchhandlung gekauft habe. ein eher langweiliges match für die hardcorefraktion. ich hebe den blick und sehe mir gegenüber auf gleis acht ein pärchen in einem zug, der gleich abfahren wird, auf den stufen zum wagen stehen. er mit dem rücken zu mir, sie dahinter mit dem gesicht zu mir. sie sind engumschlungen, küssen sich als gäbe es kein morgen. für eine gefühlte ewigkeit. irgendwann gibt der schaffner das pfeifsignal, der junge mann beendet den kuss und steigt aus dem zug, der sich langsam in bewegung setzt. er geht neben dem zug und winkt seiner angebeteten ganz leicht mit der rechten hand zu. der zug beschleunigt, er auch. er rennt parallel zum zug auf ihrer höhe den bahnsteig entlang bis kurz vor seinem ende. so eine schöne filmszene habe ich lange nicht mehr gesehen.
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab‘ ich vernommen!
[Eduard Mörike, 18290]