77

März 31, 2020

Draußen ein Kühlschrank.

Auch der Klimawandel braucht

mal eine Pause.

76

März 30, 2020

Die Hölle bin ich.

1-6-0 Puls, 2-9-0

Watt. Quäl dich, du Sau!

75

März 30, 2020

Meisenknödel für

abgeknickte Narzisse

ungewollt getauscht.

74

März 30, 2020

Auf der Motzstraße

trifft man so viele Leute

wie hinter dem Mond.

73

März 30, 2020

Die Sitzbank an der

Hohenstaufenstraße ist

spurlos verschwunden.

72

März 30, 2020

An dem Prager Platz

sind Torsi von Schneemännern

auf dem Gras verstreut.

71

März 30, 2020

„Ruhig bleiben und

Dildos benutzen“ steht auf

dem Werbeplakat.

70

März 30, 2020

Auf dem Bürgersteig

scharrt und pickt eine Amsel.

Ich weiche ihr aus.

69

März 30, 2020

Vor dem Fenster tanzt

eine Feder. Sie kündigt

die Schneeflocken an.

68

März 29, 2020

Social distancing?

It’s physical distancing,

stupid! Understood?

67

März 29, 2020

Neuerdings gehen

die Berliner aus dem Weg.

Es fällt ihnen schwer.

66

März 29, 2020

Der grauhaarige Mann,

der durch den Park schlendert,

kommt sich vor wie Gott.

65

März 29, 2020

Vom Schoelerpark zum

Rathaus ist immer kürzer

als der Weg zurück.

64

März 29, 2020

Die Amsel gleitet

durch die runde Aussparung

der Brüstungsmauer.

63

März 29, 2020

Die Bänke sind nass

vom Hagel, der beim Aufprall

sofort getaut ist.

62

März 29, 2020

Ein junger Jogger

läuft auf ’ne alte Frau zu.

Sie fährt den Arm aus.

61

März 29, 2020

Zierleisten gesaugt.

Duschwanne und Kloschüssel

kalklos gescheuert.

60

März 28, 2020

Supermarktpanik.

Der Einkaufswagen ist weg!

Eine Verwechslung.

59

März 28, 2020

Die Sonne scheint so

als gäbe es kein Morgen.

Aber es gibt eins.

58

März 27, 2020

 
Den Tritt gefunden.

Zweihundertachtzig Watt auf

dem Ergometer.

57

März 26, 2020

Vollkommen synchron.

Durch den Telefonhörer

gähnen wir uns an.

56

März 26, 2020

Stramm nach Osten blickt

der Bär auf der Flagge vom

Rathaus Schöneberg.

55

März 25, 2020

Ein lautes Brausen.

Hoch in den Bäumen sitzen

hunderte Stare.

54

März 24, 2020

Die Einkaufswagen.

Heute ohne ein Euro.

Wegen Corona.

53

März 24, 2020

Abends im Volkspark.

Schnaufen und Schrittgetrappel.

Von allen Seiten.

52

März 24, 2020

Mit Sonnenbrille,

Ghettoblaster und Fahrrad.

Ein Flaschensammler.

 

 

51

März 22, 2020

Auf der Autobahn

alle einhundert Meter

ein Standortschildchen.

50

März 22, 2020

Schwarzer Maulwurf

liegt leblos am Wegesrand.

Was ist da passiert?

49

März 22, 2020

Der Graureiher fliegt

zurück zum Weibchen hinten.

Von uns aufgescheucht.

48

März 22, 2020

Die Leute grüßen

und gehen mir aus dem Weg.

Flotter Wiesenlauf.

47

März 22, 2020

Strahlende Sonne.

Zugefrorene Pfützen.

Der Boden taut auf.

46

März 21, 2020

Der Bussard rüttelt.

Sonnenstrahlen brechen durch.

Der Ostwind bläst kalt.

45

März 21, 2020

Wildpflaumenzweige

mit rosa Blüten wehen

und wogen im Wind.

44

März 20, 2020

In den Geschäften

lange Schlangen an Kassen.

Sicherheitsabstand!

43

März 20, 2020

Einem Nachbarn jag

ich nen Schreck ein, der andre

freut sich, mich zu sehn.

42

März 20, 2020

Und wenn wir die Zeit

zwei Wochen stoppen könnten.

Das würde helfen.

41

März 20, 2020

Jog in den Wiesen.

Die Forsythien leuchten gelb.

Na, komm schon. Endspurt!

40

März 20, 2020

Die Erde wird auch

ohne uns überleben.

Wir nicht ohne sie.

39

März 19, 2020

Das Eichhörnchen träumt

von den Haselnüssen in

der Eichhörnchenbar.

 

38

März 19, 2020

Auf der Autobahn

in Thüringen, die Felder

mit Gülle gedüngt.

37

März 19, 2020

In Sachsen-Anhalt.

Viel zu tun für Don Quijotte:

Riesige Windparks.

36

März 19, 2020

Ob eine Rede

die Exponentialkurve

flacher machen wird?

35

März 19, 2020

Orte, wo Haiku

nicht gut gedeihen können:

Home Office, Autobahn.

34

März 18, 2020

Der Bordercollie

mit eingezogenem Kopf

rennt um den Brunnen.

33

März 18, 2020

Auf dem Bürgersteig.

Die Leute sprechen lauter.

Sicherheitsabstand!

32

März 18, 2020

Stauffenbergstraße.

Hinauf zur Bendlerbrücke.

Schöneberg ahoi!

31

März 18, 2020

Sie joggt durch den Park.

Von links nach rechts und zurück

tanzt der Pferdeschwanz.

30

März 18, 2020

Spazieren ist wie

Fischen: Ein Haiku zappelt

immer in dem Netz.

29

März 18, 2020

Hinter der US-

Botschaft: Acht Polizisten

warten auf Godot.

28

März 18, 2020

Zwitschernde Vögel.

Unterwegs im Tiergarten:

Radler und Jogger.

27

März 18, 2020

Die Hochbahn über

der Nolle gegen halb neun

fährt leer zum Alex.

26

März 18, 2020

Knoblauchduft wabert

morgens durch die Motzstraße.

Die U-Bahn ist leer.

Sieht so Seuchenbekämpfung aus?

März 18, 2020

Jogger im Volkspark

rennen um die Wette mit

den Haschischschwaden.

Treuenbrietzen

März 18, 2020

Bad, Küche und Bett

im Fertighauscontainer.

Plus Kneippfußwanne.

Fläming

März 16, 2020

Die Feldsteinkirchen

– aus Findlingen errichtet –

bleiben verschlossen.

Zwischen Beelitz und Leipzig

März 15, 2020

Der Weg egal ob
im Wald oder auf Asphalt
schnurgeradeaus

Hinter Dietersdorf

März 14, 2020

Im Wald, träumend.
Aus dem Nichts, direkt vor mir
kreuzt ein Reh den Weg.

Dietersdorf

März 13, 2020

Rast auf Waldrandbank:
Drei Rappen auf der Koppel
kommen bis zum Zaun.

Treuenbrietzen

März 12, 2020

Unter dem Balkon

warte ich den Regen ab. 

Jemand ruft „Hallo!“. 

Vor Treuenbrietzen

März 11, 2020

Inmitten vom Wald

verfallene Gebäude:

Zwangsarbeitslager

 

Zwischen Beelitz und Treuenbrietzen

März 10, 2020

Hundert Kuhaugen

glotzen mich an als wäre

ich ein Mensch vom Mars.

Hinter Niebel

März 9, 2020

Am richtigen Ort.

Im Wald ein Sofapolster.

Zeit für ein Päuschen.

Vor Salzbrunn

März 8, 2020

Quer über Felder

pustet mich der Wind fast um.

Es gibt kein Gebüsch.

Beelitz

März 7, 2020

Ich gehe im Wald.

Unter schwarzen Planen schläft

der Spargel im Feld.

Leipzig 2

März 6, 2020

Unterm Dach am Gleis.

Der Orkan peitscht den Regen

auf das Plexiglas.

Leipzig

März 5, 2020

In einer Nische

vor der Nikolaikirche

trinke ich Säfte.

Abtnaundorfer Park

März 4, 2020

In Regenkleidung

wirft ein Bube den Enten

Krumen hinterher.

Thekla

März 3, 2020

Ein blauweißes Tuch

um einen Zweig gebunden

flattert hoch im Wind.

Plaußig

März 2, 2020

Er joggt, sie fährt Rad.

„Morgen“, schallt mir entgegen.

„Morgen“, entfährt mir.

Vor Plaußig

März 1, 2020

Eine Schafherde.

Zig Augen schauen mich an.

Die Antwort: ein Foto.

Vor Merkwitz

Februar 29, 2020

Ich tippe Zeichen.

Die Pfütze auf der Straße.

Platsch! Mein rechter Schuh.

Gottscheina 3

Februar 28, 2020

Ich sehe Häuser

im Angerteich, die stehen

sicher auf dem Kopf.

Gottscheina 2

Februar 27, 2020

Am Angerteich ist

eine graubraune Katze.

Sie schmiegt sich an mich.

Gottscheina

Februar 26, 2020

Am Landstraßenrand

ist der Asphalt uneben.

Hoppla! Ich falle.

Vor Mutschlena

Februar 25, 2020

Gegen den Uhrsinn

drehen sich vier Windräder.

Ein Flugzeug steigt auf.

Hinter Kupsal

Februar 24, 2020

Morgendämmerung.

Tiefe Wolken ziehen auf.

Die Welt gehört mir.

Vor Doitzsch

Februar 22, 2020

Der Wind rauscht im Ohr.

Die Grashalme biegen sich.

Das Moos wächst am Baum.

Magische Orte, Nr. 1

Januar 1, 2020

Der Ort befindet sich im äußersten Süden Frankreichs, 30 km südlich von Perpignan, ca. 5 km Luftlinie nach Spanien. Es ist das Belvedere mit dem Schlossturm von Laroque des Albères, im Zentrum des kleinen Städtchens auf einem Hügel gelegen. Wenn man in Laroque ist, kann man von Norden oder Süden hinauf gehen. Ich komme lieber aus dem Norden weil der Weg diskreter ist und nicht direkt an zig Häusern vorbei verläuft. Man geht gegen den Uhrzeigersinn um den Schlossberg – von dem Schloss steht übrigens nur noch der renovierte Turm – herum bergauf und dann zweimal einige Stufen hinauf und landet auf dem höchsten Punkt der Innenstadt. In der Mitte steht eine Bank, auf der man es sich bequem machen kann, wenn sie noch nicht besetzt ist. Man hat von dort eine phantastische Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen.

Nach vorne, also im Norden sieht man die fruchtbare Ebene des Roussillon mit den Tälern des Tech und Têt, in der u. a. Kirschen (Céret) aber vor allem Wein angebaut wird. Neben Trauben für kräftige, blutrote Rotweine gedeiht hier die vollmundige Muscatrebe, aus der süße, schnell zu Kopf steigende Apéritifweine gekeltert werden. In etwa in der Mitte zwischen hier und Perpignan kann man bei guter Sicht die Kathedrale von Elne sehen, mit der – wie auch mit den Wachtürmen der Albères (s.u.) – über Signale kommuniziert wurde. Im Hintergrund baut sich in der Ferne ein Hochplateau auf, es sind die Corbières.

Nach Osten hin kann man die Küste um Argelès und das Mittelmeer – in etwa 10 km Luftlinie – erkennen.

Im Westen sieht man die Pyrenäen, die zum Greifen nahe scheinen. Sie gipfeln in dem rund 50 km entfernten momentan schneebedeckten Pic Canigou, der majestätisch über der Ebene thront. Dieser Berg scheint unerreichbar zu sein. Wir sind auf dem hiesigen Jakobsweg vor ein paar Jahren nach Saillagouse in den Zentralpyrenäen (auch ein verzauberter Ort) gegangen und sind dem Berg gefühlt nicht wirklich näher gekommen, obwohl wir die Luftlinie wohl auf unter 10 km reduziert haben. Im Vordergrund befindet sich der Chemin de la Florentine (ebenfalls magisch), ein schmaler betonierter Fußweg, der durch private Obstgärten unterhalb der Stadtmauer mäandert.

Wenn man sich nun um 180 Grad dreht, sieht man hinter dem Rundturm im Süden die bewaldeten Albères, das ist der Ausläufer der Pyrenäen ins Mittelmeer, mit ihrem höchsten Berg, dem Puig Neulòs, der die Grenze zu Spanien markiert und auf dem eine TV-Sendestation steht.

Es gibt auf dem Belvedere übrigens zwei Panoramatafeln – sowohl nach Norden wie nach Süden – auf denen alle sichtbaren Orte detailliert aufgezeichnet sind. Auf dem Turm hinter der Bank ist oben eine unbewegliche katalanische Fahne aus hartem Material befestigt, die nach Osten zeigt, der vorherrschende Wind ist hier der kalte Tramontane, der aus den Pyrenäen herunterweht.

Was mir auch an diesem Platz gefällt ist, dass man sich dort im Grunde den ganzen Tag aufhalten könnte, ohne sich zu langweilen. Da es ein schöner Ort ist, der auch bekannt ist, kommen hier im Laufe des Tages eine ganze Menge Leute hoch, die zum einen fast alle von dem genius loci positiv beeinflusst sind und gute Vibrationen aussenden. Zum andern unterhalten sie sich – natürlich meist auf französisch – und man kann einige interessante Gesprächsfetzen aufschnappen und etwas über die Gegend lernen.

Morgens haben wir dort auch schon eine Yogaadeptin mit ihrer Matte angetroffen, die von der besinnlichen Stimmung angefixt war. Was wir noch nicht gemacht haben, was ich aber auf jeden Fall demnächst vorhabe, ist einerseits frühmorgens, wenn die Sonne über dem Mittelmeer aufgeht hier zu sein und andererseits abends in der Dämmerung im Sommer, wenn die Sonne hoffentlich hinter den Pyrenäen untergehen sollte.

Danke, Stefan, dass Du mich mal wieder auf einen Lieblingsplatz aufmerksam gemacht hast.

Hairy monster dance

Dezember 15, 2018

My favourite video of the year. That comes from someone who has hated music videos from the start on, the first one I ever saw was around 1985 in Niš in Ex-Yougoslavia. Don’t remember what it was but I didn’t like it. Especially the fact that it transferred a huge part of the attention from the music to the film.

Mehr davon

August 23, 2018

Draußen ganz leise klackende Geräusche. Winzige Tropfen fallen auf das Fenstersims. Unglaublich. Es regnet in Berlin. Zwar nur ein paar Tropfen aber immerhin. Seit dem einen WM-Spiel habe ich hier keinen Regen mehr erlebt. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

In praise of … the Rain Tree Crow album

Juni 8, 2018

This late album by most members of Japan – which I didn’t really know beforehand – has totally enthralled me during the last couple of days. Mick Karn’s warm and bubbly autodidactic electric bass (plus wonderful bass clarinet). The sluggish drumming of David Sylvian’s brother, Steve Jansen. Either the drums sound like trash cans or living wood. The general slowness of things. The slightly meditative East Asian world feel of the music. The breath-taking and the pauses. Music to get enlightened to. The final touch of the synthesizer flourishes of Barbieri (he seems to be their Eno). This album is the missing link between Peter Gabriel’s fiery and tribal „Passion“ and Talk Talk’s subtle chamber rock album „Laughing Stock“ which was released in 1991 (what a year for music!) as well but slightly afterwards. And two of the best things about this album are that David Sylvian does not sing too much and when he does his vocals often are not as mannered as usual (esp. on his solo albums). Example: „Boat’s for Burning“. He does not have to disguise his voice. This album is a miracle.

10 Bücher für die Insel

September 16, 2015

In Zeiten von E-Books zwar ziemlich sinnbefreit und außerdem gibt es die Bücher gar nicht alle, aber egal.

  • Bibel
  • Fjodor Dostojewski – Die Brüder Karamassoff
  • Edgar Allen Poe – The Pit and the Pendulum
  • Friedrich Nietzsche – Menschliches, Allzumenschliches
  • Theodor W. Adorno – Minima Moralia
  • Tagebuch einer Radfahrt nach Ierapetra im Sommer 1982
  • Jack London – John Barleycorn Must Die
  • Joni Mitchell – Lyrics
  • D.T. Suzuki – The Zen Monk’s Life
  • Karl Kerenyí – Die Mythologie der Griechen

Und wie sähen Eure Listen aus, D. und S. ?

Gallon Drunk live

April 10, 2014


I posted this on I Love Music a week ago:

I saw them last week in the Magnet Club under the Oberbaum bridge in Berlin. They were great, very intense, James shouted like in his best times. They were loud especially the bass and I tried to wear ear plugs but the music didn’t sound right. It was like drinking a wine without alcohol, this kind of wild, hypnotic music needs to be loud otherwise it is rubbish. When listening to the music without ear plugs i suddenly had this idea that the music you love most is the music that you have to hear so loud that you become deaf. In that way it will also be the last music you have ever heard. Strange thoughts. The drums were loud too, the drummer Ian White played very motoric and energetic, Jaki Liebezeit came to mind. Actually in a way they reminded me a little of Can around 1970, see the can thread with the concert in Soest. The music was more about texture than melody or harmony. It was very dense and powerful, slower and heavier while less bluesy than in the earlier days. The stage presence of James Johnston reminded me of Jeffrey Lee Pierce (rip). There is something diabolic and shamanistic about him. Their new album The Soul of the Hour is pretty good. I bought the cd and a t-shirt. The cover is great. And Gallon Drunk is such a cool name. Gallon Drunk is how you feel after having drunk eight pints of beer, you have attained a certain degree of merriness but you are not totally pissed out of your head yet. You are ready for the next eight pints after the first eight though.

jpg_20131120095256_gallon_drunk_the_soul_of_the_hour_cover_thumb

CANtastic

April 1, 2014


In Soest ging 1970 noch die Post ab. Jaki Liebezeit trommelt die Zuschauer hier in Trance, Damo Suzuki singt sich in Ekstase, Holger Czukay bringt den Bass zum Grooven, Michael Karoli steuert Melodisches auf der Gitarre bei und Irmin Schmidt verwandelt die Orgel in ein wildes Tier. Krautrock meets Free Jazz meets Avantgarde. Mein Highlight: Oh Yeah, ab der Fünfminutenmarke. Das kam dann später auf das definitive Krautrockalbum überhaupt: Tago Mago.

Johnny Marr & mates do an old Smiths classic & they do it well

Mai 16, 2013

embedding doesn’t work so it’s just a link

The Smiths rehearsal tape May 1983

März 18, 2013

Some great versions of „Reel around the Fountain“ (where Morrissey sings „mountain“), „Handsome Devil“ et al.. Altogether pretty mellow compared to the ones released on „Hatful of Hollow“. Morrissey’s voice is less histrionic than later on but his falsetto often mutes into a screaming – esp. on the last song „Miserable Lie“ – probably because the mike does not capture it well.

Two guitars having slow sex

Februar 27, 2013

A recent post on Plain Or Pan reminded me of The House of Love, a band from London which started just when The Smiths finished and finished (more or less) when Britpop began. They tried to make a career starting from the third Velvet Underground album and failed though they had a following of die-hard fans. The song which was featured in four different versions on Plain Or Pan was their 1988 single Destroy Your Heart and I am totally enchanted by the demo version which is quite different from the Peel, the live and the single versions. The two guitars, apparently Gibsons are soaked in reverb and sound like two church bells chiming in stereo. They have an unreal quality to them like aural fata morganas which seem to lead somewhere but don’t. There is also something about the slow playing which adds an effect of estrangement, in places the guitars seem to tremble as if the recording has been sped up and sped down. Guy Chadwick’s voice has been sent through a vocoder or something, it is unusually low here, he sounds like someone very old and wise. The lyrics add more weirdness as they are about a love gone wrong, something you wouldn’t expect happening to such an honorable person. This version is totally enthralling, the guitars intertwine in a way that you can’t tell which is which, like in good sex when you don’t know anymore if you are up or down or when you have forgotten if you are the man or the woman.

Push the Sky Away

Februar 18, 2013

heißt das neue Album von Nick Cave und seinen Black Bad Seeds. Ich war nie ein großer Fan von seinem Shtick, seinem dunkel-düsteren Sprechgesang, seinen ominösen Predigten vom Makabren und Morbiden auf Erden im alttestamentarischen Duktus. Meine einzige Platte von ihm war die Doppel-EP Your Funeral, My Trial. Sie hatte den Charme eines Todeskusses vom Sensenmann himself und passte ganz gut zu meiner Stimmung in der ersten Hälfte des Studiums in München. No Future from the other side of the world. Natürlich habe ich ihn im Himmel über Berlin in der zweiten Hälfte der Achtziger gesehen, da machte er in einem Berliner Club einen Höllenlärm mit den Bad Seeds. Das neue Album ist anders, es ist sehr ruhig, sehr sparsam instrumentiert, sehr gut abgehangen. Im Zentrum des Songzyklus steht Jubilee Street, eine Mordballade aus dem Rotlichtmilieu. Neben der das Motiv spielenden, sich scheinbar langsam beschleunigenden E-Gitarre und dem schleppenden Schlagwerkrhythmus hört man einen Streicherteppich und eine einzelne Viola, die im Stile von John Cale in seinen besten Velvet Underground-Zeiten im Hintergrund schöne Dissonanzen beiträgt. Das steigert sich dann sukzessive, ein amorpher Frauenchor kommt noch hinzu und kurz vor dem Klimax, der in eine Kakophonie münden will, fadet der Song aus. Eine Offenbarung und wahrscheinlich sein bestes Lied seit The Mercy Seat.

Kein Warten mehr auf Godot

Februar 3, 2013


My Bloody Valentine haben nach über 20 Jahren endlich das seit Ewigkeiten erwartete Nachfolgealbum von Loveless veröffentlicht. Es klingt jetzt alles in allem nicht wie der ganz große Wurf, aber immerhin gibt es Songs wie Only Tomorrow, die da anknüpfen wo sie 1991 aufgehört hatten. Da wird ein dichter Klangteppich aus verzerrtem Gitarrenkrach gewebt, der in eine überirdisch schöne Melodie mutiert. In diesem Stück gehen Dream Pop und Heavy Metal eine Hochzeit im Himmel ein, das gewaltige, massive, bedrohliche Gitarrenriff verliert durch das Vibrato und das Feedback all seine Schwere und löst sich sozusagen in Luft auf. Das haben sie 1991 auch schon hingekriegt, aber es tut gut, zu hören, dass sie es immer noch können.

P.S. Der von mir gestartete I Love Music Thread zum Lied hebt auch so langsam ab…

Februar 1, 2013

Before Spotify, we found ways. Some of us even left the house.  (lifted from ILM)

Jessie Ware – If You’re Never Gonna Move

Januar 24, 2013


I listened to and watched this for the first time this morning just past 5 o’clock and I totally fell in love with the singer, her voice, the tune, the video, even the car she drives away with at the end (not the guy though). The song and video are both kitschy in a romantic kind of way, her mellifluous whisper is sexy and clean at the same time, there is so much wrong about this song and especially about the video but they both still work for me.

Wilko Johnson

Januar 10, 2013

Erinnert sich noch jemand an den ehemaligen Gitarristen von Dr. Feelgood, einer englischen Rhythm & Blues-Band der Siebziger, die ihre beste Zeit vor dem Punk hatte, wenn man mal ganz ehrlich ist, dann waren sie eigentlich Punk bevor es Punk überhaupt gab. Damals nannte man das dann Pubrock, auch kein Genrename, der unbedingt Lust auf die Musik macht, die er bezeichnet. Wilko Johnson hat unheilbaren Bauchspeicheldrüsenkrebs und hat sich entschieden, keine Chemotherapie erhalten zu wollen und stattdessen zu touren und seine Gitarre so lange nicht aus der Hand zu geben bis er nicht mehr kann. Ein wahrer Punk eben. Hier spielt er ein göttliches Riff in seinem unnachahmlichen stakkatohaften Stil mit roboterhafter Motorik und es wird dazu Beat getanzt. Da möchte man fast sagen „Beam me back, Scottie“. Oh Mist, falsches Filmzitat.

Low 2013

Januar 9, 2013

Low, the best band from Duluth, Minnesota and already for quite a while my favourite live band (they will play the Zoom Club in Frankfurt/M. on May, 10th) have a new album out on March, 19th. It’s called The Invisible Way (produced by Jeff Tweedy, Dave Fridmann and Steve Albini among others) and the first song they put online is rather promising. It has this typical warm and soothing Low sound, rich vocal harmonies by Mimi and a melody which makes my heart melt. How do they succeed in making still such inspired music which is so simple and straight but has this strong spiritual feeling? I think one of their secrets is the slowness. Not only of the music itself but also of their releasing speed. In twenty years they have put out just ten albums. Not one too many. The song is called Just Make it Stop and can be streamed or downloaded here. Plastic Cup, a great duet of Alan and Mimi with acoustic guitar and piano can be streamed here (there is a small audio ad before).

Allah-Las – Tell Me What’s on Your Mind

Dezember 20, 2012


Früher hätte man hierzu Revival gesagt, heute sagt man Retro.
Die Allah-Las – was für ein dämlicher Name, da war ja Shangri-Las noch origineller – kommen aus California, sind angeblich Surfer und haben es drauf einen Sechzigerjahrepsychedelikguitarpop zu spielen wie wenige andere. Entfernt erinnert mich das an Green On Red und Dream Syndicate und den sehr amerikanisch-folkigen und ziemlich abgedrehten Paisley Underground vor knapp dreißig Jahren, aber wahrscheinlich sind die Kinks, die Troggs, die Thirteen Floor Elevators und diverse psychedelische 60er Jahre-Garagenbands, die man auf dem Nuggets-Sampler fnden kann näher an dieser Musik. Was ich doch sehr verblüffend finde ist, dass nahezu alle Lieder auf ihrem Album Eigenkompositionen sind, die so klingen als hätte man sie schon mal gehört. Und wie dieses lässige Album so dahinfließt, das ist schon ganz großes Ohrenkino. Von dem ganzen Retrogedudel (gab es eigentlich was anderes, wirklich Neues dieses Jahr?), das 2012 rausgehauen wurde, so ziemlich das Anhörenswerteste.

Dinosaur Jr. – Watch the Corners

Dezember 10, 2012


Wer hätte gedacht, dass Dinosaur Jr. nochmal ein Stück veröffentlichen würden, dass Freak Scene (von vor über 20 Jahren) toppen würde? Sie haben es gemacht, der zottelige Oberdinosaurier singt cool in seine Zottelmähne hinein wie immer, malträtiert die Gitarre wie immer, aber so, dass aus dem Feedback unglaubliche, oberirdische Melodien hervorspringen. Das helle Licht in diesem krachigen Song, ich glaube man muss schon Amerikaner sein, um so verdammt positiv zu klingen. Das neue Album hält dann das Versprechen dieses phantastischen Gitarrenorkans leider nicht. Aber ein gutes Lied von jemandem, den man schon seit sehr langer Zeit abgeschrieben hatte, das ist doch auch schon was.

Kategorischer Imperativ für Autoren

September 19, 2012

Idee einer FiFo-Bibliothek: Die Bibliothek ist ein Stapel. Die Ausleihdauer ein Monat. Wenn das Buch ausgelesen ist, muss der Leser etwas darüber schreiben, die Lektüre verdauen und in einem Text, der  etwa 1% des gelesenen Buches ausmacht, resümieren. Und jetzt kommt der Clou. In diese Bibliothek kommen ähnlich wie in Brautigan’s Bibliothek aus The Abortion nur unveröffentlichte Manuskripte, die die Autoren dort vorbeibringen. Sie müssen für jedes abgegebene Buch, das ganz unten in den Stapel kommt, ein Buch lesen und zwar dasjenige ganz oben im Stapel. Wer selber schreibt, muss auch andere Bücher lesen und über diese dann kondensiert schreiben. Damit ergibt sich eine Kommunikation zwischen den Autoren. Und keiner textet die Welt mehr zu als er selbst von der Welt zugetextet wird. Ausgelesene Bücher kommen wie auch neue Bücher ganz unten in den Stapel.

[File under: brainstorms on the ergometer]

amour

September 4, 2012

von haneke gestern als omu in frankfurt gesehen. kaum erträglich. die szenen sehr langsam, meistens ohne schnitt, zäh. es geht ums altern, oder präziser ums verrecken. das ende kommt fast als erlösung, wobei mich der moment schockiert hat. einer der letzten glücklichen weil innehaltenden augenblicke, er erzählt ihr eine geschichte aus der kindheit, sie hört mit dem schreien auf und scheint ganz ohr. und dann nimmt er das kissen und … der schluss des films dann wirklich nervig, wo er versucht, die taube zu fangen und darüber ins an sie gerichtete tagebuch schreibt. insgesamt ein sehr realistischer film (der auftritt des pianisten alexandre tharaud, der sich selbst spielt, zu herzen gehend), dem man anmerkt, dass der regisseur sich mit der materie intensiv beschäftigt hat.

dreieinhalb sterne.

love is all you need

Juli 9, 2012

gestern abend am frankfurter hauptbahnhof warte ich auf gleis neun auf meinen wegen „personen auf den gleisen“ um eine gute halbe stunde verspäteten zug zum berliner ostbahnhof, auf den der db infopunkt netterweise mein ticket umgeschrieben hat, das eigentlich einen umstieg in hannover vorgesehen hatte, den ich aber niemals geschafft hätte weil der zug nach hannover aus demselben grund verspätet war. lese karl, die kulturelle schachzeitschrift mit einem special zum moskauer wm-kampf, die ich mir in der bahnhofsbuchhandlung gekauft habe. ein eher langweiliges match für die hardcorefraktion. ich hebe den blick und sehe mir gegenüber auf gleis acht ein pärchen in einem zug, der gleich abfahren wird, auf den stufen zum wagen stehen. er mit dem rücken zu mir, sie dahinter mit dem gesicht zu mir. sie sind engumschlungen, küssen sich als gäbe es kein morgen. für eine gefühlte ewigkeit. irgendwann gibt der schaffner das pfeifsignal, der junge mann beendet den kuss und steigt aus dem zug, der sich langsam in bewegung setzt. er geht neben dem zug und winkt seiner angebeteten ganz leicht mit der rechten hand zu. der zug beschleunigt, er auch. er rennt parallel zum zug auf ihrer höhe den bahnsteig entlang bis kurz vor seinem ende. so eine schöne filmszene habe ich lange nicht mehr gesehen.

das bild das sich heute in meine hirnwindungen eingefräst hat

März 28, 2012

heute morgen auf dem weg zur arbeit: ich bewege mich zu fuß auf den viktoria-luise-platz zu. da kommt ein radfahrer an mir vorbeigeschossen. ich traue meinen augen nicht. auf seinem rücken trägt er seine tochter. sie hat ihre arme um seinen hals geschlungen und hängt da wie ein klammeräffchen. ich schätz mal sie ist 5-6 jahre alt. da gehört schon eine ganz schön gehörige portion von gegenseitigem vertrauen dazu, um so etwas zu machen. bewundernswert.

Er ist’s

März 28, 2012

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab‘ ich vernommen!

[Eduard Mörike, 18290]