Archive for the ‘bärlin’ Category

2115

Juni 2, 2022

Abgang Biergarten

Frau tippt mir an die Schulter

„Hängt da Ihr Rucksack?“

2114

Juni 1, 2022

Einzelhändler türmt

prächtige Orangen auf

zu Pyramide.

2112

Mai 31, 2022

Deutscher Widerstand:

ändert nichts, endet tödlich,

bleibt unvergessen.

[Berlin, Ecke Reichpietschufer/Stauffenbergstraße]

2108

Mai 30, 2022

Bebrillter Junge

trägt auf dem Schulweg Maske,

guckt starr auf Boden.

2107

Mai 30, 2022

Weiche Jogger aus

hinter russischer Botschaft,

der mir auch ausweicht.

2072

Mai 11, 2022

Unter den Linden

wartet Bus, der rechts abbiegt

lange auf Radler.

2065

Mai 8, 2022

Ü70-Disco

hinter U-Bahn-Arkaden,

Rathaus Schöneberg

2059

Mai 8, 2022

10 Uhr. Es klingelt.

Mann, jung: Sind Sie Boltfahrer?

Sein Handy sei weg.

2051

Mai 4, 2022

Das Glück, mit dem Rad

durch Tiergarten zu rollen.

Morgens und abends.

2049

Mai 2, 2022

Der Tag, an dem es

Sommer wurde in Berlin.

Corona vorbei.

2048

Mai 1, 2022

Gitarre spielen

mit den Füßen, an Reglern:

Spannende Klänge

[Jakob Bro und Mitspieler im Pierre-Boulez-Saal]

1953

März 28, 2022

Tiefblauer Teppich

unter Tiergarten-Bäumen

Blausterne-Vormarsch

1944

März 25, 2022

Orangeroter Ball

senkt sich hinter Tiergarten.

Auf in den Westen!

1936

März 22, 2022

Mann ohne Maske

zeigt Kassierer auf Frage

nur murrend Attest.

1935

März 22, 2022

Mittelalte Frau,

allein auf ihrem Balkon

sitzend und rauchend.

1880

März 5, 2022

Angie und Enkel

9-Kräutertee, Erdnussmus

Sonne, Frost, Sonne

Februar 10, 2022
Berlin, Philharmonie

1843

Februar 8, 2022

Quere Tiergarten

Lautstark schlurfend überholt

Jogger mit Mütze

1841

Februar 7, 2022

Es ist noch dunkel.

Mann entriegelt Dixi-Klo,

zieht es Straße hoch.

1789

Januar 15, 2022

Convoi naht von rechts:

Trottoir an US-Botschaft

No-go-Area

1711

Dezember 7, 2021

Weder am Ausgang

noch mit Personal besetzt:

Kassen bei Zehnkampf*

[* französische Sportgeschäftskette]

1681

November 20, 2021

Totale Stille.

Nur Rauschen in den Ohren.

Mitten in Berlin.

1671

November 19, 2021

In Berlin-Mitte

drei Wochen Bestattungsstopp.

Grund: Softwarewartung.

[rbb]

1566

August 25, 2021

Präzis geschildert:

der fast zwangsläufige Weg

in den Untergrund.

[Ulrike Edschmid – Das Verschwinden des Philip S.]

1565 Café am Neuen See II

August 25, 2021

Schäferhundfrauchen

gibt Rentner am Nachbartisch

Leckerlitüte.

1564 Café am Neuen See

August 25, 2021

Zweiklassensystem.

Ober nimmt Bestellung auf.

Kellnerin bedient.

1563 Im Tiergarten

August 23, 2021

Älterer Jogger

hebt die Hand und grüßt mit „Tag“.

Kenne den Mann nicht.

1520

Juli 14, 2021

Der Stutti, ein Kiez,

den man nicht nicht lieben kann,

wenn man den Film sieht.

1478

Juni 9, 2021

Lokale gefüllt.

Bücherschränke belagert.

Der Sommer ist da.

1382

Mai 8, 2021

Dritter Stock, Balkon.

Nach Jahren findet Meise

die Futtersäule.

1381

Mai 7, 2021

Ich werde bestimmt

der Letzte in Deutschland sein,

der die Impfung kriegt.

1372

Mai 5, 2021

Trommelfellangriff.

Berliner Haussperlinge

zwitschern sich einen.

So wird das nichts

April 25, 2021

Gleichzeitig hat fast die Hälfte der bisher knapp 1,7 Millionen kontaktierten Menschen in Berlin keinen Impftermin vereinbart.

[Quelle]

1303

April 9, 2021

Belebter Volkspark.

Vier Schachspieler mit Masken.

Folkie singt eigene Songs.

1302

April 8, 2021

Bin der Älteste

am Tag zu Fuß durch Berlin.

Wie beim Rockkonzert.

1189

März 13, 2021

Im Haus auf dem Land

ist kaltes Wasser eisig,

in Berlin mehr lau.

1159

März 6, 2021

Mandarinente

bringt Farbe in tristgraue

Schlachtenseerunde.

1142

März 3, 2021

Die Erhebungen

in Berlin zum großen Teil

nur Trümmerberge.

1139

März 3, 2021

Der Volksparkboden

nach zwanzig km Asphalt:

Füße im Himmel.

1138

März 2, 2021

Einmal um Berlin.

Gebäude von vor dem Krieg:

Recht überschaubar.

März 1, 2021

[Neuköllner Schifffahrtskanal]

1137

März 1, 2021

Beats, schleppend-scheppernd.

Auf der Oberbaumbrücke.

Der Club auf dem Rad.

1135

März 1, 2021

Tempelhofer Feld.

Blauer Himmel, Sonne pur.

Feldlerchengesang.

881

Dezember 13, 2020

Olivaer Platz.

Typ mit Hund raucht einen Joint.

Vater kriegt nichts mit.

879

Dezember 12, 2020

Open Air Peepshow

in dunklem Betonquader

als Gedenkkultur.

753

November 7, 2020

Hör‘ vom Wahlsieger

hinterm Rathaus Schöneberg.

Da freut sich wer im Grab.

665

Oktober 5, 2020

Im gelben Poncho

unter der Trauerweide

lacht sie ins Handy.

664

Oktober 5, 2020

Wenig los im Park.

Hab‘ Wasserspender entdeckt.

„Regenalarm“ falsch.

660

Oktober 3, 2020

Zwei Jungens reißen

dauernd Vorderrad hoch und

sprechen arabisch.

654

Oktober 1, 2020

Auf dem Autodach

stolziert ’ne Nebelkrähe

janz seelenruhig.

653

September 30, 2020

Radeln in der Stadt.

Viel Stop & Go an Ampeln.

Kein Flow wie zu Fuß.

616

September 15, 2020

Draußen dreißig Grad.

Der Heizkörper am Eingang

ist nicht abdrehbar.

615

September 15, 2020

Konnte Vertreter

abwimmeln, der schnelleres

Internet anbot.

614 Rüdesheimer Platz

September 14, 2020

Typ in U-Bahnhof

zählt Scheine in Geldbörse.

Maske nicht in Sicht.

441

August 9, 2020

Kaninchen spielen

Wiesenschach im Schoelerpark:

Hoppeln Zug für Zug.

379

Juli 18, 2020

Niemand in Berlin

hat die Absicht, offene

Autos zu klauen.

373

Juli 17, 2020

Mit Rad durch die Stadt.

Die Zeit rast mehr als zu Fuß.

Der Schweiß rennt runter.

369

Juli 16, 2020

Radfahrer auf dem

Bürgersteig wollen k. o.

geschlagen werden.

367

Juli 16, 2020

Vom Abendhimmel

erschallt schrilles Gekreische:

Mauerseglerchor.

361

Juli 14, 2020

Auf dem Rad ein Typ,

der die Wiener Straße kreuzt

und mir zuruft „Grass?“.

 

360

Juli 14, 2020

Haschischschwaden vom

Kotti zum Freischwimmer mit

dem Robot-Kellner.

358

Juli 12, 2020

Mit Berlin T-Shirt

durch Berlin latschen. Wie cool,

dass es keiner merkt.

281

Juni 13, 2020

Läden machen zu.

Unwetter ziehen vorbei.

Theater spielen nicht.

107

April 7, 2020

Leere Bierflaschen

warten auf Flaschensammler

abends im Volkspark.

106

April 7, 2020

Mit 2 Wagen fährt

die U4 in den Bahnhof

Rathaus Schöneberg.

105

April 7, 2020

Vor der Nachbarbank

gluckert die Wasserpfeife.

Es duftet süßlich.

103

April 7, 2020

Der blasse Vollmond

hängt tief über den Dächern

der Millionenstadt.

102

April 6, 2020

Den Schoelerpark schützt

die Figur mit dem Fernglas

im Wintergarten.

93

April 3, 2020

In Berlin klingelt

der Wecker morgens halb sechs.

Die armen Nachbarn.

82

April 1, 2020

Der goldene Hirsch

steht über den Fontänen

aus dem Springbrunnen.

74

März 30, 2020

Auf der Motzstraße

trifft man so viele Leute

wie hinter dem Mond.

73

März 30, 2020

Die Sitzbank an der

Hohenstaufenstraße ist

spurlos verschwunden.

72

März 30, 2020

An dem Prager Platz

sind Torsi von Schneemännern

auf dem Gras verstreut.

69

März 30, 2020

Vor dem Fenster tanzt

eine Feder. Sie kündigt

die Schneeflocken an.

67

März 29, 2020

Neuerdings gehen

die Berliner aus dem Weg.

Es fällt ihnen schwer.

65

März 29, 2020

Vom Schoelerpark zum

Rathaus ist immer kürzer

als der Weg zurück.

60

März 28, 2020

Supermarktpanik.

Der Einkaufswagen ist weg!

Eine Verwechslung.

59

März 28, 2020

Die Sonne scheint so

als gäbe es kein Morgen.

Aber es gibt eins.

58

März 27, 2020

 
Den Tritt gefunden.

Zweihundertachtzig Watt auf

dem Ergometer.

57

März 26, 2020

Vollkommen synchron.

Durch den Telefonhörer

gähnen wir uns an.

56

März 26, 2020

Stramm nach Osten blickt

der Bär auf der Flagge vom

Rathaus Schöneberg.

55

März 25, 2020

Ein lautes Brausen.

Hoch in den Bäumen sitzen

hunderte Stare.

54

März 24, 2020

Die Einkaufswagen.

Heute ohne ein Euro.

Wegen Corona.

53

März 24, 2020

Abends im Volkspark.

Schnaufen und Schrittgetrappel.

Von allen Seiten.

52

März 24, 2020

Mit Sonnenbrille,

Ghettoblaster und Fahrrad.

Ein Flaschensammler.

 

 

34

März 18, 2020

Der Bordercollie

mit eingezogenem Kopf

rennt um den Brunnen.

33

März 18, 2020

Auf dem Bürgersteig.

Die Leute sprechen lauter.

Sicherheitsabstand!

32

März 18, 2020

Stauffenbergstraße.

Hinauf zur Bendlerbrücke.

Schöneberg ahoi!

31

März 18, 2020

Sie joggt durch den Park.

Von links nach rechts und zurück

tanzt der Pferdeschwanz.

30

März 18, 2020

Spazieren ist wie

Fischen: Ein Haiku zappelt

immer in dem Netz.

29

März 18, 2020

Hinter der US-

Botschaft: Acht Polizisten

warten auf Godot.

28

März 18, 2020

Zwitschernde Vögel.

Unterwegs im Tiergarten:

Radler und Jogger.

27

März 18, 2020

Die Hochbahn über

der Nolle gegen halb neun

fährt leer zum Alex.

26

März 18, 2020

Knoblauchduft wabert

morgens durch die Motzstraße.

Die U-Bahn ist leer.

Sieht so Seuchenbekämpfung aus?

März 18, 2020

Jogger im Volkspark

rennen um die Wette mit

den Haschischschwaden.

das bild das sich heute in meine hirnwindungen eingefräst hat

März 28, 2012

heute morgen auf dem weg zur arbeit: ich bewege mich zu fuß auf den viktoria-luise-platz zu. da kommt ein radfahrer an mir vorbeigeschossen. ich traue meinen augen nicht. auf seinem rücken trägt er seine tochter. sie hat ihre arme um seinen hals geschlungen und hängt da wie ein klammeräffchen. ich schätz mal sie ist 5-6 jahre alt. da gehört schon eine ganz schön gehörige portion von gegenseitigem vertrauen dazu, um so etwas zu machen. bewundernswert.

lee fields @ lido, 22.3.2012

März 23, 2012

auf dem weg zum konzert gestern abend rappt ein typ in der u1, ist das jetzt eine neue masche? scheint sich auf jeden fall finanziell auszuzahlen. gleich zwei junge männer geben ihm was. im lido geht es nicht sofort los, die discokugel rotiert so vor sich hin und wirft schattenmuster, die leute quatschen und ich stehe rum und warte. der laden ist übrigens nicht ganz voll, obwohl sie mich draußen gefragt hatten, ob ich noch eine karte übrig habe. irgendwann so gegen halb 10 kommt die band auf die bühne, alle recht jung bis auf den älteren trompeter, ein saxofonist, ein keyboarder, ein drummer, und der sehr britisch aussehende, pilzköpfige bassist mit schlafzimmerblick (erinnert mich an jemand von the who) sowie der dunkelhaarige gitarrist mit südländischen einsprengseln. die beiden geben ein lustiges paar ab, sie wippen oft synchron von links nach rechts und zurück und geben gelegentlich den background choir. nach zwei instrumentalstücken wird der von dem bassisten großspurig mit „welcome to the stage. mister. lee. fields.“ angekündigte sänger auf der bühne unter frenetischem applaus begrüßt. er hat einen leicht goldenen glitzeranzug an, von dem er nach recht kurzer zeit die jacke auszieht, dann das hemd aus der hose nimmt und das hemd aufkrempelt. auf der bühne scheint es mindestens genauso heiß zu sein wie im zuschauerraum. lee fields singt alte songs und songs vom neuen album. das publikum schreit lauter bei den alten sachen, mir gefallen die neuen besser. die alten stücke gehen mehr in richtung james brown, sind weniger melodisch und kruder während die neuen für meine begriffe fast alle ohrwürmer sind, die nach klassischem soul original aus den 70ern klingen. musik, die irgendwie in einem zeitloch festsaß und erst jetzt 40 jahre später wieder hervorgekommen ist. er singt diese lieder auch ganz anders, mit einer sehr viel ruhigeren, souligeren stimme, nicht so animalisch shoutend eher mit einer spirituellen intensität. er ist ein vollblutentertainer, der gerne das publikum ins konzert einbezieht, er sagt geschätzte zwanzig mal, dass er uns liebt, will uns dauernd zum armeschwenken animieren – was auch klappt obwohl mich das entfernt an einen gruß erinnert, den ich in deutschland eigentlich nicht mehr sehen will und lässt die menge als echogeber ins mikrofon grölen. das konzert ist nach ein paar zugaben gegen elf zu ende, für sein fortgeschrittenes alter hat lee fields gut durchgehalten. auf dem rückweg in der u1 wieder eine seltsame begegnung. am u-bahnhof kurfürstenstraße steigt ein junges mädchen – offensichtlich eine prostituierte – mit ihrem zuhälter ein. er redet auf sie ein in einer mir sehr fremden sprache, wahrscheinlich albanisch. sie sagt nix und sitzt einfach nur da. außerdem steigen dort noch zwei alte griechen in den siebzigern ein, die ausgiebig miteinander reden. eine seltsame stimmung macht sich breit. bin froh als alle ausgestiegen sind.

Tindersticks @ Volksbühne, Berlin, 8.3.2012

März 9, 2012

Auf dem Weg zur Volksbühne, den ich zu Fuß zurücklege, laufe ich südlich am Tiergarten vorbei. Da höre ich trotz Ohrhörern ein seltsames Geräusch im Hintergrund, es hört sich wie ein hohes, durchdringendes Rauschen an, es sind Vuvuzelas, die unseren Kurzpräsidenten standesgemäß aus dem Bellevue verabschieden. Er hat sie sich wohlverdient. In der Volksbühne ist es tatsächlich ziemlich rappelvoll, hatte mich etwas gewundert, dass die Tindersticks zweimal hintereinander den Laden vollmachen, und dann auch noch bei salzigen Preisen um die 40 Euro. Ich zähle durch und komme auf ca. 500 Sitzplätze, weniger als ich gedacht hatte. Ich habe die Tindersticks vor knapp 20 Jahren schon einmal in Nancy gesehen, da war ich mit meinem italienischen Freund A und seinem besten Kumpel O, der sich bei dem Konzert fürchterlich gelangweilt hat, da er eher der Headbangerfraktion angehörte. Ca. eine halbe Stunde nach der pünktlich um acht anfangenden französischen One Man Band, die ihre Sache gar nicht so übel macht obwohl a. die meiste Musik aus der Retorte als kurz vorher live aufgenommer Loop über die Anlage kommt (s. 3. Kommentar) und b. ich fast weggepennt wäre weil es nicht sehr abwechslungsreich ist, was er da an Percussion, Gitarre und Gesang fabriziert, kommt der inzwischen ergraute, etwas tapsige Stuart Staples mit seiner Band auf die Bühne. Sie starten mit einem Lied von der ersten – und mir immer noch liebsten – Platte, ich glaube es heißt Blood. Diese sonore Baritonstimme steht immer noch für Late Night Gänsehautatmosphäre, hört sich kitschig an, muss manchmal sein. Die Band ist meist zu sechst, außerdem ein Gitarrist, ein Bassist, ein Drummer, ein Keyboarder und ein Saxofonist, der auch manchmal an dem 2. Keyboard spielt. Staples spielt gelegentlich auch Gitarre, ich höre sie allerdings kaum raus. Der Leadgitarrist spielt ein Instrument mit einem riesigen Hohlkörper und arbeitet mit diversen Hall- und Kratzeffekten, ein sehr guter Mann. Der Bassist ist auch nicht so leicht zu hören, obwohl sein E-Bass ziemlich laut ist und sehr schön swingt. Der Drummer kommt mir anfangs sehr mechanisch in seinem Spiel vor, fast wie eine drum machine aber im Laufe des Abends trommelt er variationsreicher. Der Keyboarder sorgt natürlich für den nötigen Groove, der Northern Soul lässt grüßen. Er spricht auch das überlange Chocolate: der Opener des exzellenten neuen Albums mit der überraschenden Wendung in den Lyrics. Das Stück besteht aus zwei Teilen, im ersten wird ein wildes, freejazziges Crescendo aufgebaut, das langsam ausklingt. An der Stelle klatscht das Publikum, die Band nimmt es locker. Höhepunkt des Abends ist zweifelsohne Frozen, auch vom neuen Album. Auch dieses Stück schwillt an, der Gesang und die Leadgitarre hallen sehr stark, der Gitarrist streicht sehr schnell über die Saiten was eine Art peitschendes Schnarren erzeugt, einen interessanten Effekt, den ich so noch nie gehört habe. Der Song wird sehr intensiv, nahezu ekstatisch mit einem Stuart Staples, der die Silben verschluckt „I want to hold you“ zigmal wiederholt, sehr eindrucksvoll. Zur Zugabe lassen sie die Zuschauer sich mehrere Minuten die Hände wundklatschen. Dann kommt zuerst die exzellente Ballade If She’s Torn von den vierten Album Simple Pleasure, die sich wohl auch jemand lautstark gewünscht hatte, der angeblich nur wegen diesem Lied gekommen war. Dann kommt noch ein rockiges Stück, das okay war, aber im Tinderstickkosmos wie ein schwarzes Loch dasteht, ein Fremdkörper in ihrem Oeuvre. Zuletzt noch ein ruhiges Ständchen mit glockenspieligem Keyboard und Gesang. Gerade mal 90 Minuten. So sind sie halt die Engländer. Ausdauer ist ihre Stärke nicht.

Low im Lido, Berlin, 30.5.2011

März 5, 2012

Hier ein paar Sätze, die ich zu meinem letztjährigen Lieblingskonzert notiert hatte:

Gehe dann ins Lowkonzert im Lido (U-Bahn Schlesisches Tor). Am Anfang ist es sehr leer, der Saal füllt sich langsam. Die Vorgruppe ist irgendwo in Indien hängengeblieben, daher fängt Low schon so gegen 10 Uhr an. Es ist sehr warm, mir rinnen Schweißbäche die Wangen runter. Low sind zu viert, außer Alan, Mimi und dem Bassisten noch ein zotteliger Keyboarder mit trendiger Sonnenbrille. Sie schaffen es sofort wieder diese spirituelle Stimmung zu erzeugen. Mich wundert allerdings, dass das Publikum sich fast gar nicht bewegt. Ich komme mir vor als wäre ich der einzige, der auf der Stelle und mit dem Kopf tanzt. In einem Lied singen sie vom Retten der Welt – „to save the world“ – und ich möchte immer hören “to say the word”. Als würde es ausreichen mit einem Wort, die Welt zu retten, ein magisches Wort und alles wird gut. Irgendwann fragt jemand, ob wir uns was wünschen dürfen – wie putzig diese Höflichkeit und ehrfürchtige Zurückhaltung des Publikums – ich rufe Transmission aber Alan hört es nicht. Das Mädchen vor mir dreht sich nach mir um, im Grunde habe ich es nur wegen ihr gerufen. Ich habe mich unsterblich in sie verliebt, sie ist mittelgroß. Sie ist der Jean Seberg-Typ, kurze Haare, Haare irgendwie blond, aber nicht zu blond.

Filme, die ich evtl. sehen möchte

Januar 17, 2012
  • Melancholia (OmU) ‎2Std 16Min‎‎ (Rollberg Kinos 21h15)
  • Der atmende Gott – Eine Reise zum Ursprung des modernen Yoga ‎1Std 44Min (Rollberg Kinos 19h)
  • Ziemlich beste Freunde (OmU) 1h52Min (Cinema Paris 18h)
  • William S. Burroughs – A Man Within (OmU) 1h31Min (Central 18h)