Archive for 11. Februar 2026

5232 W.

Februar 11, 2026

Du bukst die Pizza

Nietzsche, Keith Jarrett & Nick Drake

Dazu Badenwein

Brandenburgischer Jakobsweg, 3. Fehrbellin – Wusterhausen 28

Februar 11, 2026

Knarsch, Klack-Klack, Krächzen
Wildtiere fliehen vor mir
Die Sonne kommt raus

Letzte Nacht haben mindestens vier Personen im Hotel geschlafen, sehr diskrete Zeitgenossen. Nach dem „Frühstück“ versuche ich es mit Berlinaletickets um 10, bekomme aber nur Karten für einen Film. Die Strategie mit mehreren Fenstern im Browser geht nicht auf, ich werde geblockt.

Ich komme daher erst 10h20 los und bin etwas unter Stress, da die längste Etappe ansteht, die ich aber leicht abkürzen kann, was allerdings bedeutet, dass ich zwischen Start und Ziel nur durch drei Orte komme. Das Wetter ist trüb, Eis habe ich genug um mich rum.

Fehrbellin

Ich warte dauernd auf den See, bis mir auffällt, dass es den ja gar nicht gibt. Da habe ich Fehrbellin mit Werbellin verwechselt, wohin Erich Honecker 1981 Helmut Schmidt einlud.

Außer Tieren treffe ich zwischen den wenigen Orten, die ich heute ansteuere, nur ein paar Autos, einen Radfahrer und mehrere Gassigeher. Niemand anderes ist so verrückt, in dieser unwirtlichen Landschaft herumzuwandern. Die Spuren im Schnee deuten darauf, wen ich heute vor allem treffen werde: wilde Tiere.

Spuren

Die Felder sind übersät mit Maulwurfshügeln, außerdem wurden die Heuballen auf einer Wiese vergessen, die werden ja sicher nicht schlecht.

Maulwurfshügel

An einer abgeschiedenen Kreuzung weit von jeglicher Zivilisation komme ich an einer Gerichtsstätte vorbei. Hier wurden u.a. Todesurteile an Kindsmörderinnen vollstreckt, die vor allem auch der Abschreckung dienten.

Gerichtsstätte Das Gericht

Am Himmel ziehen zwei Kraniche nach Norden. Gegen halb zwei kommt die Sonne raus. Vor mir pickt ein Spatzenschwarm auf dem Weg.

Wintersonne

Ich komme nun nach Garz. Hier gibt es einen Wohnturm aus dem 14. Jahrhundert (der letzte dieser Art in der Mark Brandenburg), in dem die Familie von Quast wohnte, die hier lange das Sagen hatte.

Garz, Wohnturm

Bei der schlichten Kirche fällt der spitze Turm auf.

Garz, Kirche

Ich verlasse den Ort über die Temnitz.

Garz, Temnitz

Auf dem Weg nach Barsikow scheuche ich am Wegesrand einen Feldhasen auf, der in Heidenangst vor mir ins Feld rennt. Hier gibt es größere Schneeverwehungen, z.T. über 30 cm tief. Gut, dass ein Allradfahrzeug Spuren hinterlassen hat, in die ich stapfen kann. Man sieht hier übrigens Wege oft sehr gut aus der Ferne, weil sie sich durch Baumreihen andeuten, die sich als Alleen herausstellen.

Vor Barsikow

Heute habe ich immer wieder das Problem, dass die Stöcke zwischen Betonplatten bzw. Steinen wie auf dem alten Pflasterweg vor Barsikow steckenbleiben. Das hindert das Fortkommen – gefühlt – ungemein. Ansonsten genieße ich es, dass das Gras unter dem abtauenden Schnee so langsam zum Vorschein kommt, die Weichheit der Erde ist eine Wohltat für die Füße.

Vor mir höre ich plötzlich Stimmen, es hört sich an, als hätte jemand ein Radio sehr laut aufgedreht. Es handelt sich um einen Schwarm von Zugvögeln, ich glaube es waren schnatternde Wildgänse. Es sind generell viele Zugvögel unterwegs, die meisten fliegen Richtung Osten. Heißt das, dass der Winter bald vorbei ist?

Es ist nun schon nach fünf und dämmert so langsam. In großer Entfernung vor mir rennen drei Damwildweibchen in einem Affenzahn ins weite Feld. Kurz danach sehe ich ein weiteres Rudel von vier Tieren Reißaus vor mir nehmen.

In Metzelthin passiere ich die schöne Feldsteinkirche und erfreue mich kurz an dem Herrnhuterstern über dem Eingang.

Metzelthin, Feldsteinkirche

Die letzten Meter zu meinem Ziel Wusterhausen gehe ich im Dunkeln am Straßenrand entlang. Viele Autos, die mir entgegenkommen blenden auf. Ein junger Mann hinter mir hupt und bietet mir einen Lift an, was ich dankend ablehne.

Übernachten tue ich bei einer netten Gastfamilie in der Mansarde unterm Dach, die sich schon Sorgen gemacht hatte, weil ich eine Stunde später als angekündigt erscheine.

Hier ist die Übersicht über meine Wanderung auf dem brandenburgischen Jakobsweg im Februar 2026.