Zurückgeworfen
Schneeweißer, vereister Weg
Gut geknirscht, Löwe!
Es geht los auf meine nächste Wandertour. Im Winter war ich schon öfter fastend unterwegs, allerdings noch nicht im winterlichen Winter mit Schnee und Eis. Das ist dieses Mal anders.
Bevor es losgeht, mache ich mir zuhause noch einen Einlauf und stelle so den Schalter um auf die Verbrennung der eigenen Reserven (erst Kohlehydrate, dann Fett).
Mit der U7 fahre ich nach Spandau, wo mir der Bus nach Henningsdorf vor der Nase wegfährt: 3 Minuten Umsteigzeit waren nicht genug bzw. der Bus wartet nicht. Auf dem Display an der Haltestelle steht „59 Minuten X36“, allerdings stellt sich raus, dass bereits in 20 Minuten ein Bus vom Rathaus Spandau fährt.
In Henningsdorf kaufe ich mir noch Pastillen im Supermarkt und verlasse den Ort über den Stadtpark, auf dem mich ein Langläufer im Trikot überholt und darauf hinweist, dass heute kein idealer Wandertag ist. Das wird die einzige Person bleiben, die ich heute auf dem Weg treffen werde.

Es ist in der Tat eine Herausforderung auf dem vereisten Weg nicht hinzufallen, was mir aber gelingt. Ich rutsche immer wieder, lerne abzuschätzen, wo es besonders glatt ist und gehe meist am Rand, wo Fahrzeuge den Schnee bzw. das Eis noch nicht glattgefahren haben. Die Stöcke sind sehr nützlich. Die Temperatur ist heute etwas über Null angestiegen, es taut ein ganz wenig. Mich begleitet als einziges Geräusch neben dem Gesang vereinzelter Vögel das Knirschen und gelegentliche Knacken unter den Füßen. Für die verschiedenen Formen dieses Geräuschs bräuchte man eigentlich mehr Wörter. Der Ton ist oft weniger hoch, Knarschen würde da besser passen.
Ich laufe durch den Wald mit vielen Eichen auf der breiten Alten Hamburger Poststraße, die insbesondere hinter Bötzow kilometerweit schnurgeradeaus verläuft. In Bötzow geht es an der Feldsteinkirche und der alten, völlig überdimensionierten Grundschule vorbei.


Am Ortsausgang ist ein Reiterhof, vier wunderschöne Braune rennen auf mich zu und wollen an der Seite des Kopfes gestreichelt werden. Sie folgen mir noch ein Stück bis zur Ende der Koppel.

Der Weg wird immer wieder von Meilensteinen gesäumt und zwar Viertel-, Halb- und Ganzmeilensteinen. Eine preußische Meile entspricht immerhin 7,53 km, ich bin also schon über 30 km hinter Berlin, nach Hamburg sind es noch gut 255 km.


Der Weg auf der Poststraße durch den Krämer genannten Wald ist schon etwas eintönig, aber zumindest habe ich ihn für mich allein und kann mich langsam eingrooven. Ich bin trotz des trüben Wetters geblendet vom Weiß des Schnees. So einsam durch den festgefrorenen Schnee stapfend komme ich mir etwas vor wie Scott und Amundsen am Südpol. Ich passiere mehrere Schutzhütten, die ich für kurze Trinkpausen im Trockenen nutze. Dabei genieße ich sowohl den Apfel-Rote Bete-Ingwersaft als auch insbesondere den „Sanft wie Seide“- Multifruchtsaft, den ich in kleinen Schlücken „kaue“ und bei dem ich sehr stark Mango und auch Banane rauszuschmecken meine. Die Bänke draußen sind allerdings schneebedeckt und nicht nutzbar.

Am Nachmittag war laut App eigentlich leichter Regen angesagt, der mir aber erspart bleibt.
In der Ferne höre ich ein in meinen Ohren durchaus angenehmes Rauschen, das zu einem Brausen anschwillt, je weiter ich gehe: Es ist die Autobahn. Mein erstes Ziel ist Groß-Ziethen, das etwas abseits des Pilgerwegs liegt. Ich hatte mir gedacht, über die A24 in der Nähe des Autobahndreiecks Havelland, direkt dort hinzugehen, allerdings ist dort statt der erhofften Brücke oder Unterführung – auf der Karte sah es so aus, als käme man weiter – nur ein Zaun. Ich muss also wieder meinen Spuren zurück auf den Pilgerweg folgen und dann erst über die A10, dann durch den Wald und über die A24 nach Staffelde und dann zurück nach Osten nach Groß-Ziethen, mehr als eine Stunde extra.
In Groß-Ziethen erwartet mich meine Unterkunft, das Schloss, ursprünglich von den Bredows 1355 erbaut, das laut Fontane mal im Besitz von Blücher war. Das heutige Gebäude ist ein auf einem Barockbau basierender Umbau aus dem späten 19. Jahrhundert. Es ist sehr gut in Schuss, innen geschmackvoll renoviert. In meiner Kemenate gibt es Fischgrätenparkett, einen kleinen Sekretär in der Ecke, ein Fläschchen Wasser sowie – Gipfel des unerhofften Komforts – einen kleinen Wasserkocher nebst Teekanne, so dass ich mir einen Beeren- und einen Kamillentee kochen kann. Ich bin nach der anstrengenden Wanderung doch relativ dehydriert.


Hier ist die Übersicht über meine Wanderung auf dem brandenburgischen Jakobsweg im Februar 2026.



