Um sein Leben schrein
Hinterm Türspalt ein Lichtschein
Stehen bleibt keiner
Um sein Leben schrein
Hinterm Türspalt ein Lichtschein
Stehen bleibt keiner
Unglücklich wegen
gefühlter Nutzlosigkeit
Daran ansetzen
Nicht selbstverständlich
Schlüssel im Schloss umdrehen
Lichtschalter drücken
Nazi ermordet
ihren Sohn. Seitdem lädt sie
täglich sein Handy.
Aus Schlaf geklingelt
Ihr Nachthemd klatschnass geschwitzt
Jammern, Trugbilder
„Sie findet den Mund nicht,“
schmatzt trotzdem mit den Lippen,
„krallt sich an mir fest.“
[Annie Ernaux – Ich komme nicht aus der Dunkelheit heraus]
Sie bedankt sich, dass
ich es mit Fassung nehme
Lichte Momente
In deinem Bauch war es wohlig warm.
Doch nach neun Monaten war es dort zu eng für mich.
Ich musste raus an die frische Luft.
Jedoch bin ich dir lange nicht von der Seite gewichen.
Wir sagen „Mutter“ zu dir.
Die vielen Pakete, die du gepackt hast.
Die Liebe zu Fremdsprachen, die Freude, zu kommunizieren.
Lange warst du für mich die beste Köchin der Welt.
Heute bewundere ich, wie du versuchst, anderen zu helfen, auch wenn eher du Hilfe benötigst.
Wie ihr beide euch durch den Tag kämpft.
[Die dritte von 112 Stufen der Holsteiner Treppe in Wuppertal, tolle Idee vom Kollegen Grinsekatz]
Sie hat es getan
Lang hat sie funktioniert
Erinnerungen
[Peter Handke – Wunschloses Unglück]
Mit dem Rollator
von der Mitte des Waldwegs
dauernd abrutschen
Um fünf Gang zum Klo
Vater besänftigt Mutter
Das Schluchzen hört auf
Sie tuschelt zu mir:
„Was macht der fremde Mann hier?“
Krankheit schreitet fort
Drei Küchenwecker
liegen in der Küche rum
Sie sucht den vierten
Wenn ich bei euch bin
Gefühl, ich kann nicht helfen
Aber das stimmt nicht
Aus der Waschküche
Frühmorgens leise Stimmen
Philemon, Baucis
Bei Nacht hinfallen
Bis zur Dämmerung warten
Nicht mehr hochkommen
Eine Bank am Rhein
Vater dreht noch ne Runde
Mutter und ich schaun
Herausforderung
Bei unter drei km/h
nicht hinzufallen
Das größte Geschäft
des ganzen, langen Lebens
gar nicht mitkriegen
Wie Du Dich opferst,
um uns nicht zu blamieren
nach dem Namen fragst.
Wie ein Schiff im Wind.
Eher Igel als Hase.
Dem Schicksal trotzend.