Pünktlich zum Ende der Eisheiligen werden wir morgens von Sonnenstrahlen geweckt. Um 8 Uhr verlassen wir das Hotel, um in dem Bäckereicafe, wo wir schon gestern bei der Ankunft eingekehrt waren, zu frühstücken. Von Putendinkelbrötchen, Croissant und grünem Tee gestärkt, gehen wir bei blauem Himmel die Treppenstufen hinauf gen Schinderhannes Steig, ein kleiner Junge, der 8 Brötchen eingekauft hat, überholt uns leichten Fußes.

Eine riesige Glyzinie, die sich vor lauter Blüten hinabneigt, säumt den Weg aus dem Ort.

Im Wald hören wir im Baum direkt über uns einen Zaunkönig sein hohes Lied pfeifen. Auf den Lichtungen blüht überall der gelbe Ginster um die Wette. Auch wenn die heutige Etappe sehr kurz ist, so habe ich doch das Gefühl jetzt endlich im Flow zu sein, das Gehen, selbst bergauf, geschieht nahezu von alleine.
Nach einer Passage auf einem schmalen Wiesenpfad erreichen wir den Hauptweg, dem wir nach rechts folgen. Das heutige Highlight ist der auf dem Pferdskopf (661 m) gelegene Holzturm, zu dem es links hinauf geht. Von oben haben wir eine atemberaubende Sicht bis zum zweithöchsten Berg des Vogelsbergs, dem Hoherodskopf 60 km nördlich. Außerdem lässt sich im Nordwesten der Westerwald erahnen und man sieht im Osten natürlich das Feldbergplateau.

Von hier geht es zwischen jungen Buchen hinunter Richtung Treisberg, einen sympathischen, einsam gelegenen Ortsteil von Schmitten mit rund 150 Einwohnern. Hier findet am heutigen Sonntag ein Trödelmarkt statt. Wir ergattern Christa Wolfs Kassandra aus dem Bücherschrank und laben uns in der Sonne an einem Pott Kaffee und einem Stück Käsekirschkuchen, welches beides die Freiwillige Feuerwehr ausgibt. Ich stelle mir vor, was für eine eng verschweißte Gemeinschaft so ein kleiner, abgelegener Ort doch sein muss.

Es geht nun weiter hinab durch ein Laubwäldchen zu unserem Etappenziel, das auch den Endpunkt des Schinderhannes Steigs darstellt, der Landsteiner Mühle in Weilrod, die heute als Seminarhaus genutzt werden kann. Die Kirchenruine Landstein, eine ehemalige Wallfahrtskirche, verfiel bald nach der Reformation.


Hier sehen wir auch das Konterfei des unserem Steig den Namen gebenden Räubers, das allerdings den im Kreis um den Taunus herumführenden Schinderhannespfad markiert, dessen 189 km man in rund einer Woche absolvieren kann.

Wir gehen nun noch zur knapp 20 Minuten entfernten Bushaltestelle von Altweilnau-Egertshammer hinter dem Campingplatz und nehmen auf der bei Rennradfahrern sonntags sehr beliebten Strecke den 245er Bus nach Bad Homburg, wo wir in die S5 nach Rödelheim und dort dann in die S3 nach Schwalbach-Nord steigen, von wo wir in 10 Minuten zuhause sind. Eine wunderbare Wanderung findet ihr Ende.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Schinderhannes Steig vom 14.-17.5.2026.
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