Durch den Taunus, Dez. 25: 1. Niederhöchstadt – Naurod 27

Ewiges Tröpfeln
Durch den Matsch in den Nebel
Männer, was wollt ihr?

Und auf geht es zur nächsten Wandertour, los von zuhause, einmal quer durch den Taunus bis nach Assmannshausen am Rhein, knappe 100 km in vier Tagen. Ich verlasse das Haus kurz nach halb neun, draußen tröpfelt es bereits leicht, das wird sich den ganzen Tag nicht ändern. Und trotzdem werde ich dank Regenjacke, die ich sogar offen lasse und Regenschirm, den ich am Nachmittag aufspanne, kaum nass.

Das erste Stück bis zur Tennishalle am Ortsrand von Neuenhain kenne ich, hier gehen wir öfter mit Kimba, der Berner Sennenhündin des Nachbarn spazieren, wenn wir die Mammolshainer Runde machen. Danach geht es den Berg rauf nach Neuenhain und dann weiter nach Altenhain. Von hier möchte ich schnellstmöglich nach Fischbach, was mir nicht gelingt, da ich mich an der Roten Mühle, einem Ausflugslokal, etwas verzettele. Ich treffe auf Unmengen von Hundebesitzern, die mit ihren Vierbeinern bei diesem trüben Wetter mit zweistelligen Temperaturen unterwegs sind. U.a. treffe ich auch auf eine Frau im mittleren Alter mit fünf Hunden, diesen Frauentypus scheint es überall zu geben.

Hinter Altenhain, Gedenkstein für eine erfolgreiche Bürgerinitiative

Schließlich erreiche ich Fischbach, wo wir uns vor über 25 Jahren mal ein Haus angeguckt haben, glücklicherweise haben wir es nicht gekauft, hier gibt es nicht mal eine S-Bahnstation. Allerdings liegt Fischbach am Taunushöhenweg und am Europäischen Fernwanderweg E3, denen ich nun für anderthalb Tage bis Schlangenbad folgen werde.

Da es 11 Uhr ist und der örtliche Dönerladen gerade aufgemacht hat, leiste ich mir eine vegetarische Lahmacun mit einem Ayran und beobachte von einem Barhocker das Straßentreiben. Kurz nach mir kommen zwei Jungen im Grundschulalter rein, die vom Dönermann sofort als „Männer“ begrüßt werden. Ich muss in mich hineinschmunzeln. Der junge Dönermann erzählt noch davon, dass er unglaublich müde ist, was er darauf schiebt, dass er letzte Nacht elf Stunden bis halb elf – also kurz vor der Öffnung des Ladens – geschlafen hat.

Fischbach, Wegmarkierungen

Es geht nun aufwärts in den Wald zum 451 m hohen Staufen, die Stimmung, wenn man wohlwollend ist, zum Teil etwas mystisch wegen des Nebels, aber im Grunde ist es wirklich ein Mistwetter. Hier muss Mendelssohn einige seiner Musikstücke komponiert haben, zumindest insinuieren das zwei Gedenktafeln, die Ältere ist ziemlich verblichen.

Mendelssohn-Gedenktafel oberhalb Eppstein

Es eröffnet sich bald eine Aussicht auf Eppstein, die wegen des Wetters unspektakulär ausfällt. Hier steht der Ende des 19. Jahrhunderts vom Verschönerungsverein initiierte Kaisertempel, wo Wilhelm I., Friedrich III.,  Bismarck und Moltke hängen bzw. stehen, Wilhelm II. wird geflissentlich ignoriert.

In dem ehemaligen Ausflugslokal neben dem Tempel werden jetzt Portfolios gemanagt. Vor der Tür stehen Luxuswagen deutscher Premiumhersteller.

Kaisertempel
Kaisertempel

In Eppstein erhasche ich einen schönen Blick auf die Burg, nachdem sich mir vorher ein Junge im Grundschulalter in den Weg gestellt hat. Die Mütze seines Kumpels ist auf einem Baum eines Gartens hinter einer Mauer gelandet. Ich fische sie mit einem meiner Wanderstöcke herunter. Außerdem gönne ich mir in der Bäckerei einen großen Cappuccino mit einem leckeren Stück Gewürzkuchen. Der Bäcker verkauft u.a. auch Börek, auch er ist türkischer Herkunft, ohne Migranten liefe in Deutschland schon lange überhaupt nichts mehr.

Burg Eppstein
Eppsteiner Weinpresse

Nun geht es wieder durch den Wald nach Wildsachsen, wo die evangelische Kirche eine Stelle für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt ausschreibt. Ich bin etwas baff. Die Dorfkirche ist natürlich geschlossen.

Hinter Eppstein

Eine einsame Kuh im Nebel beäugt mich. Wir wissen wohl beide nicht so 100%ig, was wir hier gerade so treiben.

Kuh auf Weide

Kurz hinter dem Ort höre ich die Autobahn A3, die u.a. nach Köln führt, die ich bei Medenbach, das ich noch von der Raststätte kenne, wo ich früher öfter beim Trampen stand, unterquere. Ich zähle 51 Schritte.

Der Dauerregen und die milden Temperaturen haben dazu geführt, dass der Weg extrem weich und matschig ist, ich kämpfe mich parallel zur Autobahn durch den Morast, in den ich tief einsinke.

Tiefes Geläuf bei Medenbach

Gegen Einbruch der Dunkelheit erreiche ich mein Tagesziel Naurod, wo ich noch einen Einheimischen erschrecke, als ich plötzlich aus dem Wald auftauche. Die Pizzeria im Ort hat gerade um 17 Uhr aufgemacht und ich nehme dort meine Abendmahlzeit ein. Der Weg zu meiner Unterkunft, dem Wilhelm-Kempf-Haus auf der anderen Seite des Ortes im Wald, gestaltet sich abenteuerlich. Es ist stockdunkel und das Licht meiner Stirnlampe wird an den Regentropfen in der Luft reflektiert. Ich sehe ca. 1 Meter weit. Als ich den ausgedehnten Gebäudekomplex erreiche, muss ich erstmal den Eingang suchen, der natürlich wieder auf der anderen Seite ist. Hier habe ich eine kleine, schmucklose Kemenate. Das Haus wird vor allem für Tagungen genutzt und gehört dem Bistum Limburg. Ich bin rechtschaffen müde und lege mich nach der Dusche bald ins Bett.

Hier ist die Übersicht meiner Taunusdurchquerung im Dezember 2025.

2 Antworten to “Durch den Taunus, Dez. 25: 1. Niederhöchstadt – Naurod 27”

  1. Avatar von zartgewebt zartgewebt Says:

    *herzhaftlachenmuss* … wegen der Kuh auf der Weide. ;-)) Also, ich schau und schau und schau mir das Bild an, doch ich sehe da nur ein Schaaaaaaaaaaaaaaaaf.

  2. Avatar von ohrenschmaus ohrenschmaus Says:

    Ja, es sah aus wie ein Schaf, war aber so groß wie eine Kuh. 😉

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