Green Cosmos – Abendmusiken

Vorhin auf dem Ergometer habe ich zur Abwechslung mal Jazz gehört. Es ging recht leise los, also habe ich den Bluetooth-Lautsprecher übers Handy lauter gestellt. Irgendwann – mein Ergometer-Programm steigert die Leistung um 25 Watt alle 2 Minuten bis zum Maximalwert, heute 270 Watt, der dann 15 Minuten gehalten werden muss, bevor es dann 6 Minuten wieder sukzessive runter geht mit der Leistung – habe ich das Handy auf den Teppich geworfen, weil der Tretwiderstand so stark geworden ist, dass er mir alles abverlangt hat, dass ich in meine konstante Trittfrequenz kommen musste, weil ich das 27 Minutenprogramm ansonsten nicht durchstehe. Na ja auf jeden Fall fiel mir dann, nachdem das Handy unerreichbar auf dem Boden lag, plötzlich auf, dass die Musik evtl. etwas zu laut war für die Nachbarn. Vor allem das Saxophon hörte sich so an, als würde es mir jemand in 1 Meter Abstand ins Ohr blasen. Am Ende hat sich niemand beschwert und ich habe mein Programm erfolgreich durchgezogen, es war also alles paletti.

Achso, was ich vergessen habe, das erste Stück auf dem Album, das den Titel Über dem Berg trägt, fängt mit einem repetitiven Kalimbapart an, ein bisschen wie bei Steve Reich’s Drumming, meinem Lieblingsalbum von 1974. Wo sich die Drumpatterns ganz langsam verschieben, so dass man es kaum merkt. Minimal Music, die Erste. Zurück zu Green Cosmos, einer deutschen Band, deren einziges Album Abendmusiken aus dem Jahr 1983 geblieben ist. Ich frage mich gerade, ob man die Platte unter Spiritual Jazz subsumieren könnte. Ich glaube ja, auch oder gerade weil sie in vielen Stücken diese lässige Late Night Atmosphäre ausstrahlt. Ja, es stimmt, der Pianist spielt so locker wie Bill Evans, die Töne perlen z. B. bei Concentration nur so aus dem Klavier. Der Saxofonist hat seinen John Coltrane und seinen Pharoah Sanders inhaliert, wobei er seine eigene Intonation hat, nicht so wild und expressiv wie Pharoah spielt, aber mindestens genauso spirituell. In Vollmondscheinsonate hat er diesen zärtlichen Nebelton, einfach umwerfend. Der Bassist thront über dem Ganzen wie Kronos in der griechischen Mythologie, der Bass – besonders schön blubbernd auf Kalimba Suite, Part 1 – hält den Laden zusammen. Meine Lieblingsstücke sind Lovely Suite und der Closer Opus X. Beide sehr lyrisch und wundervoll melodisch. Aber auch sonst ist dies ein von Grund auf entspanntes Album, das gleichzeitig vor Spielfreude sprüht, an dem man seine Freude haben muss. Jazz at the top of its game. Mit einer großen Bandbreite, ohne Berührungsängste mit verschiedensten Stilen. Mehr kann man von Jazz nicht verlangen.

Ein Dankeschön an Michael Engelbrecht, ohne den ich dieses Album niemals entdeckt hätte.

16 Antworten to “Green Cosmos – Abendmusiken”

  1. Avatar von zartgewebt zartgewebt Says:

    In der Tat, ganz wunderbare Musik für die Abendstunden, aber … fürs Ergometer-Training? Nö. 😉 Also, ich komme bei derartiger Musik eher ins Träumen, als das es mich animieren würde mich auszupauern.

  2. Avatar von ohrenschmaus ohrenschmaus Says:

    Das mag sein, aber am Ende höre ich die Musik beim Training sowieso kaum, weil mein Körper so ächzt. Außer sie nervt, das ist was anderes und kann wie vor kurzem zum Abbruch führen.

  3. Avatar von zartgewebt zartgewebt Says:

    Bei mir ist es da eher das Gegenteil, wenn ich beim Auspauern Musik höre, tue ich zwar selten, also beim Sport Musik hören, außer halt im Haus, wie z.B. hatte ich mal so ne Zeit, da bin ich täglich Trampolin gesprungen. Anfangs so 10 Minuten … das sich dann im Laufe des Jahres gesteigert hat bis zu einer Stunde und mehr (hatte da einen regelrechten Tick!), da war ich dann so in der Musik, dass ich meinen Körper dann gar nicht mehr wahrnahm, irgendwie geriet ich da so in einen eigenartigen Trancezustand. Ergometer-Training mache ich eigentlich nur, wenn ich auf Kur bin … (alle paar Jahre) und mag ich jetzt nicht soooo sehr gerne, komme da schnell (pulsmäßig) an meine Grenzen.

  4. Avatar von ohrenschmaus ohrenschmaus Says:

    Sehr interessant, ich glaube ich bin das letzte Mal 1979 in den USA Trampolin gesprungen und dann irgendwie komisch aufgekommen, so dass mir der Rücken weh tat. Seitdem habe ich es gelassen. Ist aber eigentlich ein sehr cooler Sport. Das mit der Trance kann ich mir sehr gut vorstellen.

  5. Avatar von zartgewebt zartgewebt Says:

    Oha … hast wahrscheinlich zu viel herumgeturnt darauf oder gar ein paar Salti geschlagen :-}

  6. Avatar von ohrenschmaus ohrenschmaus Says:

    Zu einem Salto hat es nie gereicht, mein turnerisches Geschick liegt so ungefähr bei Null…

  7. Avatar von zartgewebt zartgewebt Says:

    … bist ja auch ein Hüne 😉

  8. Avatar von ohrenschmaus ohrenschmaus Says:

    Man könnte auch sagen ein unbeholfener Lulatsch. So sieht es glaube ich zumindest für die anderen aus. Für mich selber eigentlich nicht. In letzter Zeit ist es durch meine Yogaübung, den herabschauenden Hund allerdings etwas besser geworden. Ich weiß recht wenig von Dir nach all diesen Jahren. Die allererste Frage, die sich mir stellt ist, wie heißt Du eigentlich? Gerne auch per Mail. Die Adresse steht minimal chiffriert unter „About“.

  9. Avatar von zartgewebt zartgewebt Says:

    *Ähm* … also, *räusper* … mein Name? … also, … jaaaaa, wie sagen, du, Alexander, deine beiläufige Frage überfordert mich gerade etwas! *smile* Weißt du, ich blogge generell aaaaaaaah n;-ohhhh nyyyyyym, so, wie ich es schon seit 2006 handhabe (war ja auch schon auf anderen Plattformen umtriebig). Meinen reellen Vornamen habe ich aber bislang nur einer einzigen Person zugetragen, ich bin da sehr vorsichtig damit, da niemand aus meinem engsten Familien- und Freundeskreis weiß, also, niemand den ich persönlich kenne, dass ich blogge. Beim Bloggen trage ich mein Innerstes nach außen, ich zeige da seltsamerweise sehr viel von mir, gebe sehr viel preis, das ich als introvertierter Mensch so in meinem Umfeld nicht immer handhabe (außer bei mir ganz eng vertrauten Personen). Mich hier öffentlich zur Schau zu stellen, bedurfte es schon eines großen Schrittes, einer Überwindung meinerseits, wobei ich das ja bin, ich das alles lebe, was ich hier verlaute, und nicht meinem Wunschdenken entspricht. Mein nahes Umfeld bekommt dieses „Mein~Sein“, so, wie ich bin, das, was mich wirklich ausmacht, meist nur am Rande mit, da ich ein sehr „leiser“ Mensch bin, ich DAS nicht an die große Glocke hänge. Ich merke ganz schnell, wer „hört“ mir wirklich zu, wer nimmt sich mal selbst ein Stück zurück, um auch MICH zu „sehen“? Das sind nicht viele 😉

  10. Avatar von ohrenschmaus ohrenschmaus Says:

    Schade, das hatte ich mir schon gedacht, aber einen Versuch war es wert. Es bleibt da immer so ein seltsames Gefühl bzw. gewisse Zweifel. Du kennst sicher den Turingtest. Ich glaube, ich bin heutzutage nicht mehr in der Lage zwischen Mensch und KI zu unterscheiden. Wobei Du auf Deinem Blog nicht wie eine KI aussiehst. 😉 Aber was mich doch sehr frappiert, dass unsere Musikgeschmäcker anscheinend sehr stark überlappen. Mehr als mit jeder anderen mir bekannten Person! Anyways, danke fürs Lesen und Kommentieren!

  11. Avatar von zartgewebt zartgewebt Says:

    Ich und eine KI? *LACHLAUT* … also, wirklich!!! Und den Turingtest‘ kenn ich nicht. Mit KI hab‘ ich so gar nichts am Hut. Lass mich nicht an deinen Zweifeln verzweifeln 😉

  12. Avatar von ohrenschmaus ohrenschmaus Says:

    War auch eher ein Witz, aber ich habe mich von Anfang an gefragt, ob Du wirklich eine Frau bist. Wegen der teils sehr expliziten Blogbeiträge.

  13. Avatar von zartgewebt zartgewebt Says:

    WAS? Da schau ich aber, dabei habe ich doch auch einige Bilder von mir im Blog gepostet.
    Ich und … *hä?* … explizite Beiträge? Von wegen!* … was soll denn daran explizit sein, dass ich als MANN wahrgenommen werde??

  14. Avatar von ohrenschmaus ohrenschmaus Says:

    Lass uns das Thema vergessen, es bleibt immer ein Restzweifel, wenn jemand seinen Namen nicht nennen will. Woher weiß ich denn dass das Fotos bzw. Videos von Dir sind? Mich macht das einfach stutzig, wenn eine Frau im Internet so explizit über Sex schreibt, das ist ja doch eher ungewöhnlich. Aber ehrlich, ich bin mir schon ziemlich sicher, dass Du eine Frau bist, und wenn nicht, so what, wir sind ja sowieso alle Mischungen von weiblich und männlich. Über E-Mail wäre mir dieser Austausch übrigens lieber gewesen, Dir nicht?

  15. Avatar von zartgewebt zartgewebt Says:

    Ich schreibe nicht explizit über Sex, ich streife aber wohlweislich meine Sexualität so ganz leicht am Rande, denn ich habe ja auch ein sexuales Leben, grenze dieses hier beim Schreiben nicht aus. Auch finde ich, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass eine Frau über ihre Sexualität spricht/schreibt, und selbst bin ich doch da eher ein sehr seichtes Wässerchen, was DAS anbelangt, was ich da so von mir preis gebe, im Gegensatz was andere Frauen im Netz diesbezüglich verlauten, wo es voll zur Sache geht, bis ins minikleinste Detail nichts ausgespart wird.
    Restzweifel sind da immer, klar, wenn du dich im Netz bewegst, keine Frage, die Grenzen muss da jeder für sich selbst ziehen. Ich selbst tue mich, was das Schreiben anbelangt, das zur Schau-Stellen meinerseits nach wie vor schwer (wobei ich doch schon fast zwanzig Jahre lang blogge), ich seit meinem ersten Post Zweifel hege, ob ich DEM überhaupt gewachsen bin, mich derart bloß zu stellen.
    Ob dieser Austausch besser über E-Mail gewesen wäre, na ja *lach*, du hast mich ja öffentlich darauf angesprochen bzw. gefragt 😉

  16. Avatar von ohrenschmaus ohrenschmaus Says:

    Die Frage ist halt immer, ob das wirklich Frauen sind und keine Männerphantasien. Ich hatte angeboten, über E-Mail zu kommunizieren, aber Du hast ja hier lustig weiterkommentiert. Anyways, schön, dass Du wieder da bist.

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