Elisabethpfad 9. Etappe: Amöneburg – Marburg 16

So leicht wie heute
wirst du lange nicht mehr sein
Steig so viel du kannst!

Heute die letzte Etappe. Frühmorgens bin ich etwas kurzatmig, wahrscheinlich wegen der Fettverbrennung. Ein Frühstück nach Maß. Eine Thermoskanne mit 0,75 l grünem Tee und Orangensaft, mehr kann man von einem Frühstück nicht erwarten (als Saftfastender).

Komme ins Gespräch mit der Hotelierin. Sie und ihr Mann kommen aus Friesland an der dänischen Grenze. Sie redet über ihre Tochter, die sich auf eigenen Wunsch mit 14 hat taufen lassen, ich rede übers Wandern. Es gibt eigentlich nur wenig direkten Bezug, aber es ist ein absolut befriedigendes Gespräch, wir hören uns gegenseitig zu. Immer wieder dieses schöne Gefühl, wenn man sich selbst öffnet, öffnet sich der andere auch.

Draußen ist es etwas ungemütlich, 5 Grad, diesig und feucht. Egal, da muss ich jetzt durch. Zumindest geht es erst einmal ein langes Stück bergab. Diese mystische Stimmung aufgrund des wabernden Nebels. Ich liebe sie.

Der Weg ist sehr angenehm zu gehen, erst asphaltiert, dann ein Schotterweg, der ein reiner Wiesenweg wird.

Zwischen Amöneburg und Kleinseelheim

Im Hintergrund hört man ganz leise Verkehr. Langsam hebt sich der Schleier des Nebels. Die äußeren Umrisse der Bäume werden sichtbar.

Die Kirche in Kleinseelheim ist leider verschlossen, Gottesdienste – heute ist immerhin Sonntag – scheinen in der Gegend Mangelware zu sein.

Ich komme zum Elauer Wäldchen, wo früher Leinfasern produziert wurden. Dies benötigte viel Wasser und endete mit dem Wüstfallen von Elau.

Direkt dahinter der Klenseelemer Scheferboen. Bis 1976 gab es hier einen Gemeindeschäfer, dessen Vater 1900 zwei Robinien pflanzte und zehn Jahre später einen 4,50 m tiefen Brunnen aushob, um die Schafe zu tränken. Dieser Brunnen war vergessen und voller Unrat und wurde 2010 durch eine Privatinitative wieder hergerichtet.

Hinter Kleinseelheim: Der Schäferbrunnen

Ich laufe hier auf einem Wiesenweg zwischen den Äckern, hoch über mir das Zwitschern der Feldlerchen, ein sehr angenehmes Hintergrundgeräusch.

Am Elisabethbrunnen eine Frau, die von der gut sprudelnden Quelle trinkt. Es hängt dort zwar ein „Kein Trinkwasser“-Schild, aber sie sagt mir, das Wasser würde nur nicht regelmäßig kontrolliert, wäre aber einwandfrei. Ich tue es ihr gleich und muss mich ziemlich tief hinunterbücken. Das Wasser ist eisig und nur in kleinen Schlücken zu genießen. Eine schöne Erfrischung.

Elisabethbrunnen

Ich komme nach Schröck. in der katholischen  Barockkirche eine ausführliche Infomappe für Pilger sowie Konserven und Essbares.

Schröck, katholische Kirche: In der Tradition von Elisabeth

Es geht nun an einer stark und schnell befahrenen Straße und durch eine etwas unübersichtliche Wegführung über eine Schnellstraße hinweg an der alten Schwerthinrichtungsstätte Rabenstein vorbei zur Fußgängerzone von Weidenhausen mit vielen Fachwerkhäusern. Über die Lahn und ich bin im Zentrum an der Universitätskirche, gehe durch den alten botanischen Garten. Dort schaue ich zwei Teichrallen beim Hahnenkampf zu.

Marburg, alter botanischer Garten: erste Krokusse

Ich bin jetzt am Ziel meiner Pilgerwanderung, der Elisabethkirche in Marburg, angelangt. Sie ist die früheste rein gotische Kirche Deutschlands. Der Grundstein wurde 1235, nur 4 Jahre nach Elisabeths Tod gelegt. Leider wird der Chorraum saniert und weder das Grab Elisabeths noch die Jesusfigur von Barlach sind zugänglich. Dafür kann man den Goldenen Schrein mit vier Szenen aus ihrem Leben sehen.

Marburg, Elisabethkirche: Goldener Schrein
Marburg, Elisabethkirche

Anschließend trinke ich in einem netten Studentencafe noch zwei frische Minztees  und mache eine Altstadtführung rauf und runter durch das Gassengewirr bis hoch hinauf zum Schloss auf den Spuren der Gebrüder Grimm. Eine sehr amüsante Schnitzeljagd, wo man genau hingucken musste, um die Motive aus den Märchen zu finden. Der langsam zunehmende Nieselregen tat meiner Entdeckungslust keinen Abbruch.

Marburg, Rathaus, hier war ich schon einmal vor über 40 Jahren auf einer Deutschlandradtour mit einem Vetter von mir gewesen
Marburg, Grimmpfad: Das tapfere Schneiderlein
Marburg, Grimmpfad: Schneewittchen
Marburg, Landgrafenschloss
Marburg, Grimmpfad: Hänsel und Gretel, schwer zu finden, an einem Spielplatz

Am Ende eine Karte mit Inspirationen für kommende Wanderungen:

Marburg, Karte mit drei Elisabethpfaden

Und ganz zum Schluss: Auf rund 200 Kilometern habe ich in zehn Tagen 7,5 Kilo abgenommen, also anderthalb Pfund pro Tag. Jetzt geht es ans Fastenbrechen. Der Apfel liegt bereit.

Hier der Etappenüberblick über meine Fastenwanderung auf dem Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg im Februar 2024.

2 Antworten to “Elisabethpfad 9. Etappe: Amöneburg – Marburg 16”

  1. Avatar von ꜼƢAMAɠYÑIC🌐 ꜼƢAMAɠYÑIC🌐 Says:

    Herzlichen Dank dir Alex,
    für’s teilhaben lassen an deiner zehntägigen Fastenwanderung. Hat’s einen speziellen Grund dass Du diese Region ausgewählt hast? Ich hab während meines dich lesen ganz oft an mein letztes Heilfasten gedacht. 😉 ist schon ca. zehn Jahre her. Frühmorgens am achten/ neunten (weiß nicht mehr genau) Tag erwachte ich und hatte Atemprobleme aufgrund eines kleinen Lochs in meiner Magenwand … es krümmte meinen Oberkörper und ich bemerkte wie Panik als Herzrasen sich heranschlich. Es fühlte sich an als ob ich ersticken werde und ich praktizierte stante pede eine meditative, diesen Anfall beruhigende Atmung 😉 schleppte mich zum Handy und forderte Rettungssanis an. In der Unfallklinik gaben sie mir irgendetwas Beruhigendes und stellten mich auf ‚den Kopf‘, konnten jedoch nichts Auffälliges finden. So landete ich via Taxi wieder in meiner Wohnung und beschloß mein Fasten am Abend mit einem Glas Babynahrung zu brechen.
    ;‘-/ morgens dann keine Atemprobleme jedoch ein unsägliches Verkrampfen unterhalb meines Nabels … konnte kaum laufen. Erst die Röhre im Spital brachte nach dreistündigem mich wieder Durchcheckens Klarheit. Enormes Glück noch am leben zu sein wurde mir, der ich noch nie operiert wurde, vom Chefchirugen bezeugt und eine SofortOP wurde anberaumt. Anbei 😉 es war nicht das erste Mal dass ich professionell, also inkl. allem was es dabei zu bedenken gibt, radikal (kein Saftfasten) geheilfastet habe. Na ja ;-/ seitdem traue ich meinem Leib diese Radikalität nicht mehr zu. Bitte nicht mißverstehen 😉 mag niemandem mit meinen Zeilen Bange machen denn Fasten, sich derart eine Auszeit zu nehmen, ist wahrlich ein wunderbares und gesundes Erlebnis. Yep! Saftfasten ist auch eine feines Prozedere, werde das evtl. Anfang April in die Tat umsetzen.
    Du, lass deine Geschmacksnerven explodieren beim Apfel und auch bei allem was du dir danach nach und nach einverleibst. Derart gelebter freiwilliger Verzicht (auch in Punkto sgnt. Einsamkeit die keine ist), so kenne ich DAS, bringt neuen Lebensschwung, erfrischt das Gemüt und erinnert uns daran wie kostbar unsere sgnt. alltäglichen Lebensressourcen sind.

    Nochmals sehr lieben Dank Dir für’s dokumentieren 😉 komme auch wieder gut im sgnt. Alltag deines Zuhauses an und grüß mir dann bitte die Else

  2. Avatar von zartgewebt zartgewebt Says:

    Schneewittchen? *bigmile*

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