Eifelsteig, 8. Etappe: Mirbach – Hillesheim

Morgendlicher Flow
Gut besuchter Wasserfall
Der Durst wandert mit

Nach dem gemütlichen Frühstück mit Ingwershot, Zitronenkuchen sowie Joghurt mit Nektarine und grünem Tee in der Küche schließen wir zwanzig vor neun die Tür unserer Ferienwohnung. Glücklicherweise ist unsere Landlady schon zurück von der Versorgung der Tiere, so dass wir die vergessenen Stöcke wiederbekommen.

Unter der Unterführung der Landesstraße liegt eine totgefahrene Elster, immer wieder Tierkadaver auf den Straßen, viel zu viele.

Wir gehen einen Grasweg hoch und werden bald mit einem schönen Blick zurück auf die neuromantische Erlöserkirche in Mirbach, die vom Kammerherrn von Wilhelm II. 1902 errichtet wurde, belohnt.

Mirbach, Erlöserkirche

Heute bewegen wir uns zunehmend in der offenen Landschaft, der Wald wird im Laufe des Tages dünner und weicht Wildwiesen mit Raps, Borretsch, Ackerrettich, Büschelschön, Sonnenblumen etc. sowie Getreidefeldern. Das ist heute, wo mit 29 Grad der bisher heißeste Tag der Wanderung ist, für unsere Körper eine besondere Herausforderung. Nachdem man etwas getrunken hat, trocknet der Mundraum schon nach kurzer Zeit wieder aus, insbesondere, wenn man, wie ich oft mit offenem Mund geht. Wir nehmen heute jeweils gut vier Liter Flüssigkeit zu uns und selbst das ist eigentlich zu wenig, weil ich z. B. den ganzen Tag kaum Wasser lasse.

Wildblumenwiese mit Raps

Die Wiesen werden gerade mit den Traktoren mit dem entsprechenden Anhänger gemäht und dann wird mit einer anderen angehängten Maschine das Heu aufgesammelt und zu Heuballen komprimiert. Dafür sollte es nicht zu feucht sein, weil es sonst später schimmeln würde. Bei der Sonneneinstrahlung trocknet das gemähte Gras jedoch recht schnell.

Vor dem Steinbruch hinter Nollenbach zweigt der Weg nach links ab. In der Ferne sieht man das Zementwerk von Üxheim.

Heute Vormittag, wo es noch nicht so heiß ist und der Wald uns größtenteils noch schützt, kommen wir sehr gut voran, wir brauchen für die rund 12 km bis zum Wasserfall – knapp die Hälfte der Tagesetappe von 26 km – etwa drei Stunden, wir sind in einem Flow, es fühlt sich so an wie ein anstrengungsloses Gleiten.

Vor dem Wasserfall überqueren wir noch auf einer Fußgängerbrücke die alte Bahnstrecke Jünkerath – Adenau, die 1973  stillgelegt wurde und heute als Radweg genutzt wird. Bisher haben wir nur wenige Menschenseelen getroffen heute. Das ändert sich am Dreimühlen-Wasserfall, wo Menschenmassen das Naturschauspiel bestaunen, fotografieren und sich vereinzelt sogar von den Fällen berieseln lassen. Der Anteil holländisch- bzw. flämischsprachiger Touristen ist sehr hoch. Das stark mineralhaltige Wasser sorgt dafür, dass Kalk abgelagert wird, so dass das Felsgebilde um 10 cm pro Jahr wächst.

Wir pausieren hier im Schatten, welche Wohltat, die Schuhe und Socken für ein paar Minuten auszuziehen, eine weitere kleine Freude des Weges.

Nohn, Dreimühlen-Wasserfall

Unsere richtige Mittagspause machen wir im nächsten Ort in Niederehe. Der Gastwirt erzählt uns, dass er seit Corona nicht mehr genug Personal hat, um einen Mittagstisch anzubieten. Ein weitverbreites Problem auf dem Eifelsteig. Auf der schattigen Holzveranda bekommen wir dann aber doch noch Käsekuchen, Kartoffelsuppe und Getränke, was uns zum Kräftetanken völlig ausreicht.

Niederehe

Weiter geht es hinauf zum Grabstein von Franz von Wille, dem 1941 gestorbenen Eifelmaler. Die Burg von Kerpen ist noch eine Baustelle, sieht von außen jedoch schon wieder aus wie geleckt.

Kerpen, Burg
Kerpen, Fritz von Wille-Büste

Die Landschaft hat hier wirklich schon einen lieblichen, mediterranen Touch, von Wille hat die Gelb- und Grünschattierungen in seinen realistischen Bildern sehr gut zum Ausdruck gebracht.

Eifellandschaft

Plötzlich kommt uns ein Wanderer entgegen mit einem großen Regenschirm in der Hand, den er zum Sonnenschirm umfunktioniert hat. Am Wegesrand eine vergatterte und von uns verdatterte Ziegenherde, die zum Teil braunen Tiere hatte ich aus der Ferne für Rehe gehalten.

Ziege im Gatter

Wir erreichen nun Berndorf, wo oberhalb der neuen Kirche eine alte Wehrkirche aus dem 16. Jahrhundert steht. Man kann  einen Blick in den relativ einfach gestalteten Innenraum hineinwerfen.

Berndorf, Wehrkirche

Die letzten Kilometer an Wiesen vorbei ziehen sich wie so oft, aber wir kommen heil in Hillesheim in unserer Unterkunft Zum Amtsrichter an, wo uns ein gutgelaunter holländischer Gastgeber begrüßt und wir bald unsere Zelle beziehen können.

Hillesheim, Zum Amtsgericht

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2 Antworten to “Eifelsteig, 8. Etappe: Mirbach – Hillesheim”

  1. Avatar von Roswitha Roswitha Says:

    als eifler lesen wir mit freude von dieser wanderung, mein mann ist aus hillesheim, ich aus daun. wir wohnen aber schon 50 jahre nicht mehr in der eifel. ich hoffe sehr, es gibt noch weitere freundliche menschen und schöne erlebnisse. wir bekommen hier in baden kaum jemanden motiviert, nach norden in die eifel zu reisen. alles gute, lieben gruß, roswitha

  2. Avatar von ohrenschmaus ohrenschmaus Says:

    Liebe Roswitha, das freut mich riesig, dass Ihr mitlest. Morgen haben wir eine schwere Etappe mit über 800 Höhenmetern von Gerolstein nach Daun vor uns. Viele Grüße ins Badische, auch eine sehr schöne Gegend!

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