Eifelsteig, 3. Etappe: Monschau – Einruhr

Rückblick auf Monschau
Gewonnen und zerronnen
Gewandert werden

Ein Wandertag, der alles von uns abfordert: Die Etappe ist zwar angeblich  nur 24,4 km lang – Catherine misst gut 27 km mit der Schrittzählerapp – aber es geht dauernd Auf und Ab – 785 Höhenmeter sind zu bewältigen, es wird heute bis 25 Grad warm und zuletzt haben sich meine Darmbakterien gegen mich verschworen, wahrscheinlich lag es am Saladdressing gestern (oder am Senfschnitzel bzw. den Kölschs).

Da das Frühstück mit 8 Uhr erst spät losgeht und wir uns zu viert Zeit lassen, sind wir nach der Verabschiedung von meinen Eltern, die zurück nach Moers fahren, erst um 9h15 auf der Rolle. Ein junges Wanderpaar überholt uns bereits beim ersten, steilen Aufstieg raus aus Monschau, der mit einem schönen Blick zurück auf die Stadt belohnt wird.

Kierberg, Blick auf Monschau

Es geht jetzt allerdings sofort wieder runter, höhenmäßig werden wir heute sogar 140 Meter verlieren, weil es ja in Fließrichtung der Rur geht bis zum Stausee. Und gleich wieder hoch, heute wird unsere Fitness auf Herz und Nieren getestet. Am Wegesrand ein Rinnsal, das die Natursteinmauer hinunterrieselt.

Monschau, Wasserfällchen

Es geht am Perlenbach lang bis zur Trinkwassertalsperre. Fünf zum Teil junge Männer decken das Dach eines großen Hauses ab und werfen sich die Dachschindeln gegenseitig zu, der eine ruft im weichen Eifelakzent rüber zu uns: „Wollter helfen?“, worauf ich auf später vertröste.

Die meisten Ausblicke, die wir jetzt noch erhaschen, sind Blicke auf das Blätter- bzw. Nadeldach von oben, den Bach unten kann man nur erahnen. Es ist auffallend, dass es hier im Vergleich zum Harz deutlich weniger tote Fichten gibt. Die Eifel scheint die Dürre der letzten Jahre besser weggesteckt zu haben, auch Sturmschäden sehen wir nicht.

Blick aufs Nadeldach

Wir kommen nun nach Höfen, dass sich zum einen durch die gepflegten Buchenhecken auszeichnet, wo „Durchwachser“ alle paar Jahre entfernt und als Brennholz genutzt werden. Sodann gibt es hier viele hellbraune Milchkühe, die  sich dem Abweiden der Wiesen widmen und auch vor Dornen nicht zurückschrecken.

Heckenpflege (Bild)

Wir machen auf einer Bank in der Sonne im Kluckbachtal Mittagsrast. Es kommt eine vierköpfige holländischsprachige Familie vorbei. Auch auffällig, dass man auf dem Eifelsteig nie lange allein ist, der Weg ist viel begangen.

An der Mündung des Kluckbachs in die Rur ist ein schöner, idyllischer gut genutzter Badeplatz. Wir hätten bestimmt auch an der Rur entlangwandern können, dann wären wir viel schneller gewesen, hätten aber weniger für unseren Körper getan.

Kluckbachmündung in Rur

Jetzt geht es sofort steil hinauf zum Eifelblick Perdsley, gut, dass es hier ein Holzgeländer gibt, an dem man sich hochziehen kann. Der Blick zeigt wiederum das Walddach und ist enttäuschend. Dafür geht es bald wieder hinunter zur Rur, wo uns ein Schild „3 km Monschau“ verblüfft, wir sind seit über 5 Stunden unterwegs.

Wir überqueren die Rur auf einer Brücke und gehen auf der anderen Seite gleich wieder bergauf, dieses Mal allerdings stetig und lang andauernd. Hier kommen mir Zweifel, ob wir es bis zur Eincheckdeadline 18h in die Unterkunft schaffen werden, der holländische Gastgeber kann mich am Telefon jedoch beruhigen. Wir kürzen nun ein paar Meter ab, indem wir einen im Streichen verlaufenden Wald- und Wiesenweg nehmen statt noch einmal hoch- und runterzusteigen. Wir stoßen kurz vor Hammer wieder auf den Eifelsteig und gehen hinunter zum Campingplatz und bekommen in der Nähe eine große Rhabarberschorle mit Wassermelone und Johannisbeeren drin, die unsere Lebensgeister weckt. Der Gastwirt muntert uns auf und meint, dass wir den Rest auch noch schaffen würden, es ginge kaum noch bergauf. Er wird Recht behalten, auch wenn die letzten 8 km wiederum nicht ganz direkt sind, so kratzen wir unsere letzten Körner zusammen und schaffen die Strecke in etwas über 2 Stunden. Wir geben uns jetzt beide dem Wanderrobotersein hin, nur so geht es noch vorwärts. Schöne Blicke aufs Rurtal und die Orte belohnen unsere Anstrengung.

Blick auf Dedenborn
Wolfshügel: Einrur

In Einrur ist unsere Pension eines der ersten Gebäude und unser Gastgeber beglückwunscht uns, dass wir es fast noch bis um 18h geschafft haben. Es stehen bereits zweimal zwei Paar Wanderschuhe auf den Schuhmatten vor zwei anderen Zimmern. Dazu gesellen sich dann Unsere und etwas später zwei weitere Paare der Nachbarn direkt nebenan.

Wir gehen am Stausee auf der anderen Straßenseite essen. Die Sonnenschirme werden jetzt zweckentfremdet als Regenschirme, es gießt in Strömen. Anschließend falle ich um halb zehn ins Bett.

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