Jakobsweg MR-K: 1. Marburg – Niedereisenhausen

Ich wache gegen 5 in unserem Zimmer in der Gartenlaube unterm Dach auf, tippe etwas Tagebuch ins Handy und döse danach noch entspannt vor mich hin, ich fühle wie mein Körper das beruhigende Melatonin ausschüttet. Ein reichhaltiges Frühstück um halb acht, es ist noch dunkel, wir sind die ersten.

Wir gehen zur nahegelegenen Elisabethkirche und machen dort ein Selfie. Hier enden die 3 Elisabethpfade von Eisenach, Frankfurt und Köln, letzteren gehen wir nun in anderer Richtung – s. stilisierte Muschel mit den Sonnenstrahlen – als Jakobsweg.

Marburg, Elisabethkirche

Draußen ist es recht diesig, der Nebel wird sich erst sehr langsam lichten im Laufe des Tages. Wir kommen an den spärlichen Überresten des Elisabethhospitals vorbei. Die heilige Elisabeth hat sich ja bekanntermaßen viel um die Armen und Kranken gekümmert.

Marburg, Elisabethhospital

Wir kommen nun an dem Denkmal zu Ehren des Medizinnobelpreisträgers Emil von Behring vorbei, dem die Stadt die Behringwerke zu verdanken hat, die sie zu einem wichtigen Pharmaziestandort gemacht hat. Biontech produziert z. B heute in Marburg Impfstoffe.

Am Ortsausgang ein Naturdenkmal, ein Baum mit fünf Stämmen, die wie überlange Finger einer Riesenhand in den Himmel ragen.

Fünfstämmiger Baum

Wir kommen bald in den Wald und sehen jede Menge Pilze am Wegesrand, die vielen Niederschläge in diesem Jahr machen es sicherlich zu einem guten Pilzjahr.

Parasol

Der erste Ort, den wir erreichen, ist Wehrshausen, die Menschen grüßen nett, wir befinden uns unmittelbar im Marburger Vorland, die Welt scheint hier in Ordnung zu sein.

In Elnhausen treffen wir ein junges Wanderpaar aus der Gegend mit Rucksäcken, das die Nacht in einer Hängematte in einem Turm verbracht hat. Hier gibt es auch einen Dorfladen, wo wir uns einen Kaffee im Pappbecher leisten, den wir an der überdachten Bushaltestelle zu uns nehmen.

Durch den Wald geht es hinauf zum Stackelberg, der Abzweig nach links ist leider nicht markiert, was wir aber relativ bald merken, so dass wir nur ein kleines Stück zurückgehen müssen. Im dörflichen Dilschhausen, das immer noch zu Marburg gehört, obwohl es gut 13 km vom Zentrum entfernt ist, besichtigen wir die kleine, offene Wehrkirche, tragen uns ins Gästebuch ein und holen uns den Pilgerstempel. Um den Altar herum steht die U-förmige Sitzbank, sie erinnert an das Chorgestühl in größeren Kirchen.

Dilschhausen, Wehrkirche
Dilschhausen, Wehrkirche

Über Wiesen und Felder geht es nach Diedenshausen, das nicht mehr zu Marburg, sondern zu Gladenbach gehört. Wir haben jetzt mit ca. 17 km mehr als die Hälfte unserer heutigen Etappe geschafft und gönnen uns die Mittagsrast. Eine neue Bank unweit der leider geschlossenen Fachwerkkirche lädt uns ein, unsere beim Frühstück geschmierten Stullen bzw. Brötchen zu verzehren. Die Temperatur ist mit etwas über 15 Grad angenehm, wir ziehen die Wanderschuhe aus und schöpfen Kraft für die restlichen 12 km.

Diedenshausen, Fachwerkkirche

Nun geht es unter einer größeren Straße durch Richtung Herzhausen. Hier treffen wir einen kleinen, aufgeweckten Jungen mit einem E-Roller, der damit die langen Auf- und Abstiege rauf- und runterpest. Seine Mutter und Großmutter spazieren seelenruhug hinterher und lassen ihm alle Freiheit dieser Welt.

Wir haben inzwischen fast vier Uhr, der Nebel lichtet sich endgültig und die Sonne kommt heraus. Sonnenblumenfelder sind ungeernet verdorrt, wir gehen der tiefstehenden Sonne entgegen, die uns fast blendet.

Hinter Holzhausen

Das letzte Stück nach Niedereisenhausen zieht sich ewig, neben Kühen auf den Weiden treffen wir heute auf einige Reiterinnen. Auf einer Pferdekoppel rechts des Weges zwei Schimmel, die uns interessiert aus der Ferne beäugen. Sie bekommen von uns neben Gras, Mohrrüben auch Kohlrabi, so dass sie uns hoffentlich in guter Erinnerung behalten.

Schimmel

Wir kommen kurz vor 18 Uhr in Obereisenhausen an, von wo es nicht mehr weit zu unserem Ziel Niedereisenhausen ist. Die beiden Ortsteile von Steffenberg gehen ineinander über. Wir beziehen unser Doppelzimmer bei netten Gastgebern, die uns schon von weitem begrüßen, duschen uns den Staub und Schweiß von der Haut und entspannen uns. In der Dunkelheit gehen wir noch kurz einkaufen und essen in einer von einem Türken geführten Pizzeria zu Abend. Ich falle um halb elf innerhalb von wenigen Sekunden in tiefen Schlaf, wache erst gegen vier Uhr Winterzeit auf und döse relaxed.

Hier ist der Etappenüberblick der gesamten Wanderung.

2 Antworten to “Jakobsweg MR-K: 1. Marburg – Niedereisenhausen”

  1. Avatar von zartgewebt zartgewebt Says:

    Mmmmmh … ein Parasol schmeckt seeeeeeehr lecker!
    Habt ihr eure Zwischensnacks geteilt mit den Schimmeln? … oder habt ihr vorausahnend Futter für Tiere des Weges im Rucksack? Das Perlschnurspinnennetz hast du gekonnt eingefangen, hast einen guten Blick dafür. 😉

  2. Avatar von ohrenschmaus ohrenschmaus Says:

    Die Mohrrüben und der Kohlrabi waren eigentlich für uns, aber wir bzw. mein Wanderkollege haben sie brüderlich mit den Pferden geteilt, heute übrigens wieder, natürlich mit anderen Pferden. Ja, dass Du das Spinnennetz gesehen hast, alle Achtung! Die Wassertropfen haben so schön geglitzert, da musste ich das Netz aufnehmen.

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